„Yuuri lass das..." nuschelte Wolfram. Yuuri hatte es sich scheinbar zur neuen Lebensaufgabe gemacht den Blonden zu pflegen, unter anderen Umständen hätte es diesem vielleicht sogar gefallen, aber nicht mit der Verletzung die er sich zugezogen hatte. Er hasste es wenn er Schwäche zeigen musste und gerade wenn sein Verlobter derjenige war der diese Schwäche sah. Zudem saß immer noch die Erkenntnis in ihm das der Kuss für Yuuri wohl genauso ein Unfall gewesen war wie die gesamte Verlobung. Langsam fragte sich der Blonde ob sich das jemals ändern würde. Die Hoffnung darauf hatte er schon fast aufgegeben. Ob der Schwarzhaarige die Gefühle von ihm überhaupt ernst nahm?
„Was mache ich denn? Ich habe dir lediglich etwas zu essen gebracht, Wolf" sagte Yuuri. Er machte sich noch immer Vorwürfe und es kam ihm schlicht und einfach so vor als wenn er persönlich für die Wunde des Blonden verantwortlich war. Seid dem Angriff waren bereits drei Tage vergangen. Sicher die Verletzung war schon besser geworden aber dennoch verbot Yuuri es dem Blonden das Bett zu verlassen. Er hatte einfach zu große Angst das die Verletzung wieder aufbrechen konnte. Immerhin wurde man ja nicht unbedingt oft von etwas durchbohrt. „Das können auch die Diener machen, du hast doch andere Sachen zu tun Yuuri..." Etwas verlegen wandte Wolfram den Blick von Yuuri ab. Der Schwarzhaarige senkte den Blick etwas. „Schon aber... ich mache mir eben Sorgen" murmelte er etwas. Der Blonde verdrehte die Augen. „Dazu besteht überhaupt kein Anlass... Ich werde schon nicht im nächsten Moment Tot umkippen" brummte er etwas. Seid wann war sein Verlobter nur so eine schreckliche Glucke. Sicher er hatte verstanden das sich Yuuri Vorwürfe machte, nur hatte er daran nicht verstanden warum. Die letzten Tage hatte er ihn immer wieder versucht davon zu überzeugen das er rein gar nichts dafür konnte und das es die Schuld der Rebellen gewesen war. Und was hatte Yuuri gemacht? Er hatte sie einfach gehen lassen... Typisch Weichei eben. Bei dem Gedanken musste Wolfram ein wenig den Kopf schütteln. „Was hast du denn?" fragte der Schwarzhaarige dem diese Gestik natürlich nicht entgangen war. „Weichei" war das einzige was er als Antwort bekam. Wie aus Reflex antwortete er: „Nenn mich nicht Weichei!"
Etwa zur gleichen Zeit fuhr eine Kutsche im Hof ein. Cecilie von Spitzweg war gerade von einer Ihrer Reisen zurückgekehrt. Sie hatte von der ganzen Aufregung die im Schloß geherrscht hatte nicht wirklich etwas mitbekommen, aber es war ihr ein Anonymer Brief gesendet worden in welchem sie aufgeklärt worden war. Immerhin war sie nach wie vor noch die Altkönigin auch wenn sie diesen Titel vorzugsweise abgelegt hatte. Wenn es nach ihr ging, so würde sie nur noch für die Liebe leben. Der Grund weshalb sie jetzt schon zurück war, war das sie sich Sorgen um ihren jüngsten Sohn machte. Immerhin hatte in der Nachricht gestanden das dieser ziemlich schwer verletzt worden war. Als sie drinnen angekommen war lief ihr als erstes Conrad ihr zweitältester über den Weg. „Conrad wo ist Wolf, geht es ihm gut?" fragte sie sofort besorgt. Der Braunhaarige runzelte ein wenig die Stirn. „Ja, er wird wieder. Er ist in seinem Gemach" Antwortete er dann aber und sein übliches lächeln legte sich auf seine Lippen. Cecilie, die eigentlich lieber Cherie genannt wurde, nickte Conrad kurz zu und machte sich dann auf direkten Weg in das Zimmer ihres jüngsten Sohnes.
Yuuri verstand einfach nicht warum der Blonde ihn jetzt schon wieder als 'Weichei' betitelt hatte. Immerhin machte er sich nur Sorgen, aber scheinbar war das nun auch Verboten. Langsam erhob er sich von seinem Stuhl „Gut wie du willst. Dann gehe ich eben" seine Stimme klang ein wenig gereizt, nur wusste er nicht warum er heute so reagierte. Sonst hatte es ihm doch nicht soviel ausgemacht. Wolfram sah den Schwarzhaarigen ein wenig verdutzt an, aber er würde ihn nicht aufhalten. Warum auch? Das würde sein Stolz niemals zulassen und außerdem wusste er auch das der Maou noch andere Dinge zu tun hatte als hier bei seinem Verlobten am Bett zu sitzen und Händchen zu halten, zudem der Blonde das gar nicht wollte.
Gerade als Yuuri hinaus gehen wollte flog auch schon die Tür auf und Cherie kam hinein. Wenn der Schwarzhaarige nicht einen Schritt zurück gegangen wäre dann hätte er die Tür wohl voll vor die Nase bekommen. „Wolf, wie geht es dir?" Sofort rannte die Mutter zu ihrem Sohn und zog ihn zu sich in die Arme. Natürlich gefiel das dem Blonden nicht, aber es war eben schon immer so gewesen das er sich nicht richtig gegen seine Mutter wehren konnte.
In Yuuri zog sich innerlich etwas zusammen als er das Bild von Wolfram und seiner besorgten Mutter sah... Es erinnerte ihn unweigerlich an seine Mutter zuhause... welche er nie wieder sehen würde. Durch die letzten Geschehnisse hatte er die Tatsache das er nicht mehr nach Hause konnte fast vollständig vergessen, aber durch den Anblick kamen die Erinnerungen wieder hinauf, ebenso wie das Gefühl von Leere, welches er immer in den letzten Tagen nach dem Erhalt der Nachricht hatte. Er konnte sich das einfach nicht mehr mit ansehen, er wollte gerade einfach nur weg. Weg von dem Blonden und seiner Mutter. „Entschuldigt mich..." wisperte er fast und stürmte auch schon fast fluchtartig aus dem Gemach Wolframs, welcher ihm ein wenig verwirrt hinterher blickte.
Ohne etwas zu sehen rannte der Schwarzhaarige einfach drauf los, doch wo wollte er hin? Es gab immerhin nichts wohin man vor seinen eigenen Gefühlen fliehen konnte.
Er spürte einen Aufprall der ihn hart zurückschleuderte und landete daraufhin auch auf dem Hosenboden. Yuuri blickte auf und schaute in das verdutzte Gesicht seines Namensgebers. „Ist etwas nicht in Ordnung Majestät?" fragte dieser freundlich und reichte seinem Schützling die Hand um ihm aufzuhelfen, wie immer lag auf seinem Gesicht ein freundliches lächeln. „Ich sagte dir doch du sollst mich Yuuri nennen, immerhin hast du mir den Namen gegeben" brummte der Schwarzhaarige etwas und ergriff dann die helfende Hand. „Gut, Yuuri. Was ist denn los?" Der Schwarzhaarige wandte den Blick ab. „Nichts... Es ist alles in Ordnung" er war schon immer ein schlechter Lügner gewesen und so erkannte auch Conrad schnell das die Aussage nicht der Wahrheit entsprach, dennoch besaß er so viel Taktgefühl nicht weiter nachzufragen. Wenn Yuuri mit ihm reden wollen würde dann würde er das tun und wenn nicht dann eben nicht. Jetzt konnte er erst mal nur eins machen und das bestand darin den Schwarzhaarigen zu versuchen aufzumuntern. „Was hältst du von ein wenig Wurftraining" fragte er leicht Hoffnungsvoll, denn immerhin hatte das meist immer geklappt, dieses mal schüttelte Yuuri allerdings den Kopf. Baseball erinnerte ihn nur noch mehr an zuhause und das würde er nun einfach nicht aushalten. „Ich brauche denke ich einfach etwas Zeit mal für mich, Conrad..." sagte er leise und wollte sich dann auch schon wieder auf den Weg zu seinen eigenen Räumen machen. Conrad aber hielt ihn noch einen Moment zurück. „Es wird alles wieder werden, Yuuri..." sagte er leise und wenn man genau hinsah konnte man erkennen das ein wenig Trauer in seinen Augen lag. Der Schwarzhaarige konnte nur nicken, auch wenn er sich nicht vorstellen konnte wie es denn wieder werden sollte. Immerhin war er hier derjenige der sozusagen in einer fremden Welt gefangen war. Niemand konnte sich ausmalen wie er sich fühlte. Dennoch wusste er es zu schätzen das die Anderen ihn aufzuheitern versuchten. Shin Makoku war seine Heimat, das war klar, aber dennoch wollte er sie nicht als einzige Heimat haben... War er mit diesem Wunsch zu egoistisch?
Wolfram saß noch immer ein wenig unbeholfen in dem Bett und ließ sich von seiner Mutter umsorgen, mehr oder weniger freiwillig. Er wunderte sich ein wenig über das Verhalten von Yuuri. Cherie war dies gar nicht so wirklich aufgefallen, sie hatte sich zu große Sorgen um ihren jüngsten Sohn gemacht. „Mutter... Jetzt lass mich doch mal los... Mir geht es gut, wirklich" murrte er etwas und drückte nun die Blonde Frau endgültig von sich weg. Diese verzog das Gesicht ein wenig. „Wolf, ich mache mir eben Sorgen, willst du mir das jetzt zum Vorwurf machen?" Der Angesprochene zuckte ein wenig bei dem tadelnden Tonfall zusammen. „N...natürlich nicht Mutter, aber du weißt doch das ich es nicht wirklich mag wenn du mich so behandelst" brummelte er leise. Cherie seufzte leise. Sie hatte nie wirklich verstanden was ihr jüngster dagegen hatte, dennoch beließ sie es nun dabei. Es würde eh nichts bringen nun mit ihm darüber zu streiten, er würde sich nur wieder aufregen, aber eigentlich fand sie ja gerade das bei ihrem jüngsten immer zu niedlich. In dieser Situation aber wollte sie nicht das er sich aufregte, nicht das es dann zu einer Verschlechterung seines Zustandes kam.
Wolfram fühlte sich aber wieder wohler, das war ihm anzumerken, da er auch schon dabei war die Beine aus dem Bett zu werfen und in Begriff war aufzustehen. Er wollte nach Yuuri sehen, er machte sich eben Sorgen da dieser einfach abgehauen war. Cherie wollte ihn eigentlich aufhalten aber da ließ der Blonde nicht mit sich Verhandeln, weshalb sie auch schnell nachgab.
Yuuri war angekommen. Seufzend ließ er sich auf sein Bett sinken. Ihm tat es weh und er verspürte sogar ein wenig Neid, er wollte auch zu seiner Mutter, allgemein wollte er zu seiner Familie. Wieso konnte er es nicht? Am liebsten wäre er wieder einmal in die nächste Wasserstelle gesprungen die er finden konnte, aber er wusste schon von vorneherein das dies keinen Sinn machen würde. Immerhin hatte er es mehrmals versucht und warum sollte es dann gerade jetzt klappen? Dazu gab es einfach keinen Grund. Er musste es endlich lernen. Er musste lernen sich mit der Situation abzufinden. Wenn er dies nicht endlich machen würde, dann würde er nie wieder wirklich glücklich sein. Es war zwar nicht fair aber ändern konnte der Schwarzhaarige es auch nicht.
Er hörte wie Schritte von draußen näher kamen, aber er ignorierte sie. Schon wieder hatte er sich allein in seinem Zimmer verbarrikadiert und wollte nichts weiter als seine Ruhe und schon wieder hatte er die Ahnung das ihm diese Ruhe nicht lange vergönnt sein sollte. Das Leben als König war eben nicht immer einfach, aber egal wer ihn jetzt stören würde, er nahm sich vor sich nichts anmerken zu lassen. Er wollte eben nicht das sich die Anderen wieder Sorgen machen mussten.
Er hörte ein leises klopfen, doch er antwortete nicht, dann hörte er auch schon wie die Tür geöffnet wurde. Ein leises seufzen entwich seinen Lippen und er drehte sich um. Wenn er sich nichts anmerken lassen wollte dann durfte er auch niemanden ignorieren.
Yuuri klappte ein wenig der Mund auf, denn derjenige der das Zimmer betreten hatte war niemand anderes als sein Zwangsverlobter. „Du solltest im Bett liegen bleiben" ermahnte er den anderen. Wolfram verzog das Gesicht etwas und schaute den Schwarzhaarigen grimmig an. „Weichei. Das bleibe ich ganz sicher nicht. Mir geht es gut" fauchte er. Wenn man nach seiner Art ging dann ging es ihm wirklich schon wieder um einiges besser. Immerhin hatte er ja wieder genug Kraft Yuuri anzufauchen, wie es ja auch sonst seine Art war. „Nenn mich nicht Weichei" gab Yuuri zurück, stand dann allerdings auf und ging auf den Blonden zu. Etwas grob umfasste er das Handgelenk Wolframs und zog ihn aufs Bett auf welches er den Schönling auch gleich sanft aber bestimmt drückte. „Du bleibst da jetzt liegen, verstanden?" Seine Stimme ließ einfach keine Wiederworte zu.
Wolfram kam sich ein wenig überrumpelt vor. Yuuri zog ihn immerhin zum ersten mal in sein Bett und das interpretierte der Blonde natürlich sofort falsch. Er schlang die Arme um seinen Verlobten und zog ihn etwas zu sich herunter. „Mmh... mir gefällt es wenn du so bist" schnurrte er leise. Yuuri war einfach nur Perplex, er hatte nicht mal die Zeit sich in irgendeiner Art zu wehren. So hatte er das doch gar nicht gemeint. Sie waren beide Männer, das ging einfach nicht. Doch warum raste sein Herz auf einmal so extrem?
„Ihr glaubt also das dieser Anschlag der Rebellen von jemand ganz anderem ausging?" Conrad sah Gunter fragend an und wiederholte noch einmal was dieser gerade von sich gegeben hatte um ganz sicher zu gehen. Die beiden hatten sich zusammen gesetzt und redeten nochmal über den Vorfall der vor einigen Nächten gewesen war. Gunter hatte einige Zeit darüber nachgedacht. Denn irgendeinen Grund mussten Darkus und die anderen ja gehabt haben auch wenn er nicht sicher wissen konnte was es denn war. Er war aber zu dem Schluss gekommen das Darkus eigentlich nicht wirklich der Typ dafür war der jemanden töten würde auch wenn er diese Person vielleicht hasste. „Ich habe eher die Vermutung das jemand anderes sie angestachelt hat, ja... Ich meine, auf mich wirkte Darkus nicht wie jemand der so etwas von sich aus in die Wege leitet. Er mag zwar stur gewesen sein aber dennoch... Seine Augen sahen nicht so aus wie die Augen eines einfachen Mörders. Genauso wenig wie die der anderen Rebellen" erklärte Gunter. Conrad senkte einen Moment nachdenklich die Augenlider. Auch ihm war dieser Gedanke schon gekommen, immerhin hatte er bereits einige Schlachten hinter sich und auch Gunter war jemand der sich als ehemaliger Schwertmeister auskannte. „Ich denke wir sollten die Sache im Auge behalten..." stimmte er seinem alten Lehrmeister dann zu. „Schaden kann es jedenfalls nicht..."
Yuuri schluckte, er merkte wie der andere ihn immer weiter zu sich hinabzog. „Wolf... bitte, ruh dich einfach aus..." murmelte er in der Hoffnung das der Blonde ihn dann loslassen würde, doch musste er feststellen das diese Hoffnung mehr als vergebens war. Wolfram sah ihn weiter lächelnd an. „Lass dich doch einfach mal fallen... mir geht es gut..." wisperte er leise und zog Yuuri dann auch schon gänzlich mit ins Bett.
Sich fallen lassen? Wolfram hatte wirklich gut reden, wie könnte er wo seine Gedanken doch noch immer bei seinen Eltern zuhause waren die ihn sicher vermissten und sich fragten wo er bliebe, wenn es denn schon genug Zeit vergangen war. Denn immerhin war es eben so das die Zeit in Shin Makoku doch um einiges schneller verging als es auf der Erde der Fall war. Aber dennoch... aus irgendwelchen Gründen wurde das jetzt ein wenig in den Hintergrund geschoben. Nur fragte sich Yuuri woran das jetzt lag. Er schluckte ein wenig und schaute dem Blonden in die Augen. Erneut musste er feststellen das diese Augen wirklich schön waren auch wenn er das niemals laut aussprechen würde. „Ich... kann doch nicht..." wollte er widersprechen, aber brach mitten im Satz ab da ihm auf einmal doch die Worte fehlten. Früher hatte er doch nie so auf die Worte des anderen reagiert, bzw. auf dessen Annäherungsversuche, denn eigentlich war dies hier gerade nichts anderes. Yuuri verstand noch immer nicht warum sein Herz jetzt so hämmerte.
Wolfram legte sanft seine Hand auf die Wange seines Verlobten und strich leicht darüber. „Hör doch mal auf zu denken..." sagte er nur und zog den anderen dann weiter zu sich heran. Zart legte er seine Lippen auf die von Yuuri um ihn in einen Kuss zu verwickeln.
Der Herzschlag des Schwarzhaarigen wurde noch mal ein wenig schneller, er spürte wie es gegen seine Brust hämmerte, dennoch entspannte er sich unweigerlich und vergaß auch recht bald alles andere um sich herum. So schlecht konnte es doch gar nicht sein. Vielleicht sollte er sich dem im Moment einfach hingeben denn immerhin bewirkte es das er seine Sorgen einfach vergaß und nichts wünschte er sich im Moment mehr als eben genau das. Aber war das denn überhaupt fair dem anderen gegenüber?
Doch Yuuri hatte keine Zeit sich darüber noch Gedanken zu machen, er ging einfach auf den Kuss ein, welcher sich nach kurzer Zeit auch ein wenig intensivierte. Ein leises seufzen entwich dem Lippen des Schwarzhaarigen. Es war wirklich gar nicht mal so schlecht. Die Lippen Wolframs waren warm und weich und schmeckten süß.
Natürlich merkte der Blonde das Yuuri sich auf ihn einließ, auch wenn er keine Ahnung hatte wie es im inneren des Schwarzhaarigen aussah, er selber musste innerlich grinsen, wurde so doch wieder die Hoffnung geschürt das Yuuri nun endlich eingesehen hatte wie sehr er den Blonden doch liebte. Der Kuss der beiden intensivierte sich weiter und nun fasste Wolfram den Entschluss das man doch noch einen Schritt weiter gehen könnte und leckte sanft mit der Zunge über die Lippen des anderen. Yuuri zögerte noch einen kurzen Moment doch dann ging er auch auf diese Forderung des Blonden ein und öffnete seine Lippen einen Spalt um die Zunge des anderen einzulassen. Auch das fühlte sich nicht wirklich schlecht an, im Gegenteil, er genoss es sogar. Wolfram legte seine Arme um seinen Verlobten und tatsächlich entspannte sich Yuuri. Die Wärme des anderem tat gerade einfach gut.
Nach einer Weile lösten sich ihre Lippen wieder voneinander. Beide waren ein wenig Atemlos und rangen etwas nach Luft, war es doch ein Intensiver Kuss gewesen bei welchen sie das Atmen vollkommen vergessen hatten. Wolfram war der erste der die Fassung wieder gewann. Er setzte sich ein wenig auf und drückte nun Yuuri sanft unter sich.
Im ersten Moment war dieser ein wenig perplex doch er ließ es einfach zu, immerhin hatte er ja nichts zu verlieren. Er schaute dem anderen einen Moment in die Augen und lächelte zögerlich. Was sollte er auch anderes machen?
Auch Wolfram lächelte beugte sich dann aber wieder etwas zu seinem Verlobten hinab und küsste leicht seinen Hals. Wie aus einem Reflex heraus reckte Yuuri den Hals etwas und erschauderte, es bereitete ihm eine sichtliche Gänsehaut aber dennoch war es angenehm. Er Biss sich ein wenig auf die Unterlippe, während Wolfram weiter seinen Hals liebkoste und dem Schwarzhaarigem so ein leises keuchen entrang.
Yuuris Körper reagierte ungemein auf die Liebkosungen des anderen und das bemerkte auch Wolfram, mit seinen Händen machte er sich an dem Oberteil des anderem zu schaffen um dieses langsam zu öffnen und mit seinen Fingern sanft über dessen Oberkörper zu streichen. Seine Hände glitten immer tiefer hinab bis sie den Hosenbund erreichten, an welchen er mit den Fingerspitzen sanft entlang strich. „Nngh... Wolf... Ich.." Yuuri wusste nicht recht was er sagen sollte, irgendwie schien sein denken gerade doch stark eingeschränkt zu sein. Wolfram sah auf. Auch auf seinen Lippen lag ein lächeln. Er legte einen Finger auf die Lippen seines Verlobten. „Du brauchst nichts sagen" wisperte er sanft.
Yuuri schluckte ein wenig. Langsam hob er seine Arme um dann doch etwas fahrig das Hemd des anderen zu öffnen. Immerhin hatte er doch das Gefühl das er dem anderen ein wenig zurückgeben musste, auch wenn er sich dabei gerade reichlich ungeschickt anstellte. Nicht nur das er keine Erfahrung hatte, außerdem war der Blonde ein Mann, wie er es auch war und das war einfach nur... ungewohnt, wenn auch bisher nicht unangenehm.
Erneut trafen sich die Lippen der beiden. Dieser Kuss war aber sofort fordernder und ließ Yuuri seine gerade aufkommenden bedenken wieder vergessen. Er streifte Wolfram das Hemd ab und erkundete nun den Oberkörper des anderen mit den Fingern, er ging dabei behutsam um, da der Blonde noch immer den Verband um den Bauch trug, weshalb er darauf achtete diesen nicht zu berühren. Langsam ließ er seine Hände zu der Brust des Blonden gleiten und neckte leicht die Brustwarze des anderen. Wolfram keuchte daraufhin leise auf, was den Schwarzhaarigen dazu brachte ein wenig zu erzittern, denn so ganz spurlos ging das nicht an ihm vorbei.
Der Kuss der beiden löste sich langsam. Wolfram sah Yuuri liebevoll an. „Ich liebe dich, Yuuri..." hauchte er sanft.
Yuuri riss die Augen auf. Erst jetzt wurde ihm bewusst was er in Begriff war zu tun. Er würde den anderen nur verletzen wenn er jetzt weiter gehen würde. Eigentlich war er schon zu weit gegangen... Er konnte die Gefühle die Wolfram ihm entgegen brachte einfach nicht erwidern. Das ging einfach nicht. Immerhin stand er nicht einmal auf Männer. Wie hatte er sich nur so gehen lassen können? Beschämt wandte er den Blick von dem Blonden ab. Er konnte ihn nun einfach nicht mehr ansehen. „Ich... Wolf... es tut mir leid..." flüsterte er leise. Sicher er hatte Herzrasen gehabt, aber dennoch, er konnte den anderen einfach nicht belügen.
Wolfram schluckte schwer. Was meinte Yuuri jetzt damit? Es tat weh, immerhin hatte er endlich geglaubt das der andere es endlich eingesehen hätte. „Yuuri... was tut dir leid?" fragte er dann vorsichtig. Immerhin wollte er ja wissen was der andere jetzt eigentlich meinte, auch wenn er schon eine grobe Ahnung hatte und wenn es das wäre dann wollte der Blonde es eigentlich auch gar nicht hören.
Der Schwarzhaarige setzte sich ein wenig auf und schob Wolfram dabei ein wenig von sich. Er konnte es nicht, aber wie machte er das dem anderen jetzt klar ohne das er diesen dabei verletzte? Er war sich unsicher und eigentlich wollte er dem anderen ja geben was dieser wollte aber wie sollte er das können? Gefühle konnte man sich eben nicht erzwingen. Das musste doch auch Wolfram verstehen. Sicher er hatte Herzrasen und wenn er ehrlich zu sich selber war dann fühlte er sich auch zu dem anderen hingezogen, dennoch war er sich seiner Gefühle gerade verdammt unsicher und solange das so war konnte er doch nicht einfach so weiter machen und den anderen damit am Ende ins Unglück stürzen. Das wäre einfach unfair. „Uhm... Ich kann das nicht... Wolf. Sicher du bist attraktiv und sicher auch... naja... Ich weiß nicht wie ich es dir sagen soll" Yuuri begann ein wenig zu zittern. Er wollte ehrlich zu dem anderen sein. Er holte tief Luft. „Ich bin mir gerade einfach nicht sicher was ich fühle... Ich will dich nicht verletzen"
Die Worte taten zwar weh, aber dennoch war noch nicht alle Hoffnung verloren. Zumindest wenn es nach Wolfram ging. Sich unsicher sein bedeutet immerhin nicht das man den anderen nicht doch liebte oder wenigstens irgendwann lieben würde. „Ich... verstehe Yuuri" antwortete er ungewöhnlich leise. Auch Yuuri wunderte sich darüber ein wenig. Normalerweise hätte er damit gerechnet das der andere ihn nun wieder als 'Weichei' beschimpfen würde und dagegen hätte er jetzt nicht einmal etwas gehabt. Im Gegenteil er würde dem anderen wahrscheinlich dann sogar still zustimmen. „Wirst du... meine Gefühle irgendwann erwidern?" Man merkte das dem Blonden diese Frage doch recht schwer fiel aber dennoch konnte er nicht anders, er musste sie jetzt stellen. Er wollte einfach die Gewissheit das doch nicht alles verloren war. Yuuri senkte den Blick. „Ich weiß es nicht..." war die einfache Antwort die er ihm gab. Eins wusste Yuuri aber ganz sicher. Er würde den Blonden nicht mehr auch nur im Ansatz berühren bevor er sich seiner Gefühle nicht sicher war. Das konnte und wollte er einfach nicht, auch nicht um vor seinem eigenen Schmerz zu fliehen, der sich jetzt aufgrund des schlechten Gewissens dem Blonden gegenüber noch verstärkte. Er hatte durchaus gemerkt das er Wolfram verletzt hatte.
Wolfram blieb noch eine Weile still und verdaute die Worte welche Yuuri ihm da gerade gesagt hatte. Er musste sich aber wieder fangen, denn er sah das sich der andere nun scheinbar mit einem schlechten Gewissen herum quälte und immerhin war ja noch nicht alles verloren. Er musste eben weiter um die Gunst des Maous kämpfen und irgendwann würde er sie bekommen, denn immerhin verschloss er sich ihm ja mittlerweile nicht mehr ganz. Außerdem passte es einfach nicht zu ihm sich so hängen zu lassen. Er war ein stolzer Mazoku und so ein kleiner Rückschlag warf ihn doch nicht aus der Bahn. Er hob langsam seine Hand und wollte sie auf die Schulter des anderen legen um ihm zu zeigen das alles in Ordnung sei, aber irgendwas hielt ihn zurück diese Bewegung zu ende zu führen. Fast so etwas wie eine Art Schutzschild der sich um Yuuri herum aufgebaut hatte und verhinderte das dieser ihn berührte. „Yuuri... es ist doch okay..." wisperte er nur leise war aber unsicher ob der andere ihn nun überhaupt hörte.
Tatsächlich hörte der Schwarzhaarige die Worte des anderen nicht mal mehr. Er hatte sich vollkommen in sich gekehrt und lag die Nacht noch lange wach. Wolfram war die ganze Zeit nicht von seiner Seite gewichen und lag nun neben ihm, friedlich am schlafen. Der Blonde hatte sich zwar Sorgen gemacht aber dennoch hatte er es irgendwann aufgegeben zu versuchen mit Yuuri ein Gespräch anzufangen. Am nächsten Tag würde sich doch wahrscheinlich eh alles erledigt haben, zumindest hoffte Wolfram das.
Yuuri driftete immer weiter in seine Gedanken ab. Am liebsten wäre es ihm wenn er einfach alles vergessen könnte, aber das konnte er einfach nicht. Immer wieder sah er nun zum einen seine Familie vor sich und nun auch noch Wolfram den er unbeabsichtigt verletzt hatte. Aber er konnte nicht entkommen und das wäre auch eigentlich Feige, aber dennoch wünschte er sich im Moment nichts sehnlicher. Die einzige Form in der er nichts fühlte war der Maou-Modus. Da sank er ja eigentlich immer einfach in Dunkelheit, das wäre jetzt vielleicht angenehm. Mit diesem Gedanken schlief Yuuri dann auch letztendlich ein.
Am nächsten morgen wurde Wolfram von den Sonnenstrahlen geweckt. Sie hatten wohl vergessen die Vorhänge zu zuziehen. Etwas brummig setzte er sich auf und rieb sich die Augen. Wenn er jetzt schon wach war konnte er auch aufstehen. Immerhin brachte es reichlich wenig die Vorhänge zu schließen und dann eine halbe Stunde später wahrscheinlich von Gunter wieder geweckt zu werden der ihn dann vermutlich wie immer fragen würde was er denn in Yuuris Bett verloren hätte. Gunter machte eben immer wieder ein Theater wenn er den Blonden morgens im Bett des Maous vorfand. Er streckte sich ein wenig und sah dann neben sich. Ihm stockte ein wenig der Atem. Neben ihm lag nicht Yuuri... oder eigentlich war es doch Yuuri, aber er hatte sich verändert. Wolfram riss seine Augen auf. Vorsichtig berührte er den anderen an der Schulter um ihn zu wecken.
Yuuri empfand nichts mehr, eigentlich ganz angenehm wenn man es so wollte. Auf jedenfall war es besser als der Schmerz und das schlechte Gewissen. Der Schwarzhaarige setzte sich auf. Seine Haare fielen ihm dabei etwas über die Schulter. „Yuuri?" Er hörte die Stimme des Blonden nur leise und zögerlich, das war ein wenig ungewöhnlich, war er doch sonst immer ganz anders. Langsam drehte er sein Gesicht zu ihm und schaute ihn aus Katzenähnlichen Augen an.
Wolfram war sichtlich entsetzt als er Yuuri so sah. Über Nacht hatte sein Verlobter die Gestalt des Maous angenommen...
