Kapitel 2
Es war eng und stickig im Eberkopf. In einer Ecke an einem kleinen runden Tisch saß eine ganze Meute von Jungen in Snapes Alter, er selbst mitten unter ihnen. Sie unterhielten sich ausgelassen und johlten zwischendurch immer wieder laut auf. Lucius Malfoy legte gerade lässig seinen Arm um Severus Schulter und hob mit dem anderen einen Krug Butterbier.
„Muggel sind nichtsnutzige Bastarde! Du solltest das am besten wissen nicht wahr, Sev? Du kommst doch aus Muggel-London, oder?", rief er über das Gegröle der anderen hinweg.
„Mein Vater war ein Muggel", antwortete Snape. Mit einem Mal trat Stille ein. Alle Augenpaare waren auf ihn gerichtet.
„Er war ein Arschloch!", ergänzte er grinsend. Wie auf ein Zeichen entspannten sich alle merklich und ein dicker Junge begann zu laut zu lachen.
Plötzlich fand sie sich vor der Tür wieder. Verwirrt blickte sie sich um. Sie konnte nicht sagen, wie sie dorthin gekommen war. Natürlich war sie durch den Raum gegangen, sie hatte die Klinke hinunter gedrückt, die Tür geöffnet und war hinausgetreten. Das wusste sie, aber sie konnte sich nicht erinnern sich dazu entschlossen zu haben. Es war mehr, als hätte sie sich selbst dabei beobachtet es zu tun, ohne das sie damit etwas zu tun gehabt hätte. Das Letzte, das ihr klar vor Augen stand, waren die schwarzen dunklen Löcher zu denen seine Augen geworden waren. Als sie begriff, dass er sie hypnotisiert hatte stockte ihr der Atem.
‚Er hatte die absolute Kontrolle', schoss es ihr durch den Kopf.
Unschlüssig stand sie da. Fakt war, er war tatsächlich gefährlich, Fakt war er wollte ihre Hilfe nicht, Fakt war, sie wollte ihm helfen, ohne dass sie genau sagen konnte weshalb.
Nervös trommelte die mit den Fingerspitzen auf ihren Oberschenkeln. Dann ging sie entschlossen ein zweites Mal durch die Tür.
Diesmal schoss ihr kein Fluch entgegen, nur die beißende Bitterkeit seiner Worte.
„Sie scheinen etwas beschränkt zu sein, Jones, deshalb erkläre ich es ihnen jetzt noch einmal. Ich bin schwach, weil ich seit Wochen nichts mehr getrunken habe. Zwingen Sie mich nicht zu blumigen Umschreibungen meiner Situation. Vampire regenerieren ihre Kraft durch das Blut anderer. Also wenn Sie sich nicht zufällig freiwillig zur Verfügung stellen wollen, ist Ihr Bemühen zwecklos"
„Sie haben in Hogwarts jahrelang unterrichtet, soweit ich weiß ohne ihre Schüler anzuzapfen. Wie war das möglich?", entgegnete sie.
Er antwortete nicht, sondern drehte ihr nur sehr langsam den Kopf zu und taxierte sie aufmerksam mit seinen schwarzen Augen.
Sie starrte zurück und verharrte ebenso regungslos. Eine Weile geschah nichts, außer dass sie versuchten sich gegenseitig nieder zu starren. Erst als das völlig aussichtslos erschien, sagte er: „Es gibt einen Trank, der als Blutersatz eingesetzt werden kann. Er ist hochkomplex und schwer zuzubereiten und sehr langwierig"
Nur der fahle Schein des Mondes beleuchtete die dunklen Gestalten, die sich im Korridor herumdrückten. Eine von ihnen lachte verhalten.
„Da kommt sie", flüsterte jemand, als das Mädchen um die Ecke kam. Sie musste in die dritte oder vierte Klasse gehen, war etwas dicklich und trug über ihrem Pyjama einen flauschigen Bademantel. Als sie die Jungen sah, erschrak sie und gab ein quiekendes Geräusch von sich.
„Na Miller, alles klar?", fragte Malfoy, seine Stimme war so sanft, als wollte er ein Tier einlullen, bevor er ihm den Hals umdrehte. Das Mädchen begann zu zittern.
„Tarantalegra", rief einer der Jungen und die Beine der Kleinen begannen unkontrolliert zu zucken, als sie den Mund zu einem verzweifelten Schrei öffnen wollte, rief Snape:„Silencio!"
Jemand wisperte „Engorgio!" und die Nase des Mädchens schwoll in wenigen Sekunden zu einer gewaltigen Größe an.
„Los Sev, du bist dran. Gib's dem verdammten Schlammblüter!", rief jemand.
Er hob seinen Zauberstab langsam, wie in Trance.
„Fenite incantatem!", sagte er leise.
Das Mädchen hörte sofort auf zu zucken und ihre Nase schrumpfte wieder auf ihre ursprüngliche Größe. Als die anderen ihn wütend ansahen, senkte er den Kopf.
Niemand wagte es etwas zu sagen, bis Lucius Malfoy schließlich, „Feigling!", zischte, bevor er sich umdrehte und die anderen aufforderte ihm zu folgen. Snape und Miller blieben allein auf dem Korridor zurück. Er starrte noch immer auf den Boden und nuschelte unverständlich: „Es tut mir leid"
Miller starrte ihn nur aus schreckgeweiteten Augen an, drehte sie sich um und lief davon, den Morgenmantel hinter sich herschleifend.
Das grüne Kaminfeuer flackerte über ihre Gesichter und warf sein diffuses Licht in die Dunkelheit. Snape und Malfoy standen sich im Gemeinschaftraum der Slytherins gegenüber. Es herrschte eisige Stille, die nur vom Knistern des Feuers durchbrochen wurde. Keiner von beiden war bereit den Blick zu senken.
„Bist du jetzt zu den Muggelschützern übergelaufen, Kleiner?", fragte Malfoy nach einer Weile. Sein zynisches Lächeln konnte nicht über die Drohung hinwegtäuschen, die in seinen Worten mitschwang.
Snape schien sich wieder gefangen zu haben. Seine linke Augenbraue wanderte langsam empor. „Du meinst, weil ich mich nicht mit dem nötigen Enthusiasmus in den „Kampf"gestürzt habe?" Er spuckte das Wort aus, als wäre es ein widerwärtiges Insekt.
„Gründest du jetzt einen Club - ein Herz für Schlammblüter? Ich glaube kaum. dass das dem dunklen Lord gefallen wird", zischte Malfoy.
„Nein, aber ich weigere mich meine Zeit mit so einem Schwachsinn zu verschwenden", erwidere Snape. Um Malfoys Mund spielte ein boshafter Zug, als er sagte: „Es ist deine Entscheidung. Sie werden nicht begeistert davon sein. Und dabei hatte ich gerade so ein gutes Wort für dich eingelegt" Malfoy schüttelte den Kopf. „Evans scheint ernsthaft deinen Verstand zu beeinträchtigen"
Bei der Erwähnung ihres Namens begann eine Ader auf Snapes Stirn heftig zu pulsieren. „Das hat nichts mit ihr zu tun. Ich dachte ihr hättet Ziele. Aber ihr seid nur ein Haufen Idioten", sagte Snape wütend und voller Verachtung. Dann drehte er sich um und ging hinauf zu seinem Schlafsaal.
„Wie viel Erfahrung haben Sie mit dem Brauen von Zaubertränken, Jones?", fragte Snape und blickte sie forschend an.
„Ich war in der Schule ziemlich gut darin, zumindest so gut, dass Slughorn meinen Namen behielt, obwohl ich keine nennenswerte Verwandtschaft vorweisen konnte", antwortete sie nicht ohne einen leisen Anflug von Stolz.
Er nickte knapp. „Was sie im Unterricht hatten ist Spielkram gegen das, was sie sich vorgenommen haben. Die Chancen, dass es ihnen gelingen wird stehen in etwa eins zu zehn"
„Vielen Dank für das mir entgegen gebrachte Vertrauen", entgegnete Hestia säuerlich.
„In meinem Laboratorium liegt eine Kopie der Rezeptur. Bringen Sie sie her", brummte er.
Doch Hestia dachte nicht daran sich vom Fleck zu bewegen. Er sah sie fragend an und hob eine Augenbraue.
„Sie haben das Zauberwort vergessen?", tat sie honigsüß das offensichtlich kund.
Auf Snapes Gesicht zeichnete sich Erstaunen ab, dass sich schnell in Ärger und dann in Wut verwandelte.
„Zauberwort?", wiederholte er leise, aber bedrohlich, während er versuchte sich aufzusetzen.
Seine Augenbrauen waren zu einem kräftigen schwarzen Querbalken fusioniert. Die schlanken, aber kräftigen Hände klammerten sich angespannt um eine Stange des Bettgestells, scheinbar in dem krampfhaften Bemühen sich daran hochzuziehen. Schließlich gab er auf und lehnte sich wieder zurück, während er demonstrativ an ihr vorbei sah.
„Es gibt einen Unterschied zwischen helfen und dienen. Und um Missverständnissen vorzubeugen: Ich bin hier um zu helfen. Das magische Zauberwort heißt bitte und das üben wir bei der nächsten Gelegenheit"
Um Snapes Mundwinkel spielte ein säuerliches Lächeln, das nicht über den Frust hinwegtäuschen konnte der aus seinen Augen sprach. Hestia bückte sich und sammelte bevor er anfangen konnte zu protestieren seinen Zauberstab ein, bevor sie das Zimmer verließ.
Die Nacht war kalt und sternklar. Kein Geräusch war zu hören, als Snape allein auf dem Astronomieturm stand und in die Dunkelheit starrte. Sein schwarzer Mantel bauschte sich in einer leichten Brise und sein blasses Profil zeichnete sich klar vom Himmel ab. Als ein Rascheln die Stille durchbrach, drehte er sich um. Es entging ihm jedoch, wie Malfoy einer hochgewachsenen rothaarigen Frau den Weg die Treppe hoch wies. Sie trat in Snapes Blickfeld mit einer unglaublichen Anmut, die den Eindruck erweckte sie würde schweben. Dann trat sie in ein langes, dunkelgrünes Kleid gehüllt auf die offene Terrasse des Turms; der im Wind flatternde Stoff umschmeichelte ihre schlanke Figur.
„Was tust du so ganz allein hier oben, Severus Snape?", ihre Stimme hatte einen undefinierbaren, aber magischen Klang und eine ebensolche Wirkung. Snapes Haltung veränderte sich schlagartig. Seine zuvor noch eng vor der Brust verschränkten Arme fielen herab und auf seinem Gesicht zeichnete sich blanke Verblüffung ab. Die Frau bewegte sich langsam auf ihn zu. Es war unmöglich ihr Alter zu schätzen, denn sie war von einer Art Schönheit, der die Zeit nichts anzuhaben schien. Snape starrte sie aus geweiteten Augen an, wie eine paralysierte Maus, unfähig sich zu bewegen.
Sie lächelte sanft während sie weiter auf ihn zuging. Als sie ihn erreicht hatte, legte die Frau Snape ihre schlanke Hand auf die Wange, deren schwarze, lange Fingernägel behutsam über seine weiße Haut strichen.
„Wer bist du?", seine Stimme war unsicher und rau.
„Ich bin jemand auf den du gewartet hast", flüsterte sie ihm ins Ohr.
Als wollte er herausfinden, ob er träumte, hob er eine Hand und berührte vorsichtig ihr Gesicht. Sie lehnte ihre Wange gegen seine Hand, machte noch einen Schritt auf ihn zu und schmiegte sich an ihn. Für einen Moment stand er regungslos da und wusste nicht, wie er darauf reagieren sollte. Dann legte er seine Arme um sie.
Sie hob ihren Kopf an seinen Hals und riss den Mund weit auf, sodass ihre spitzen Zähne entblößt wurden. Snape reagierte nicht, als sie ihn in seinen schmalen, weißen Hals biss und das tiefrote Blut an ihm herab rann.
Die Vampirfrau trank gierig sein Blut, während er verzückt in die Ferne blickte. Sie gab ihn wieder frei und umfasste sein Gesicht mit ihren blutigen Händen. Ihr hypnotischer Blick fand seine leeren Augen und hielt ihn fest in ihrem Bann.
Mit einem Mal ließ sie ihn los und fuhr sich mit einer schnellen Bewegung eines Fingernagels über den Rücken der anderen Hand aus dem sofort eine schwarze Flüssigkeit quoll. Wie in Trance presste sie ihren Handrücken gegen seinen Mund, ohne den Blickkontakt abreißen zu lassen. Gehorsam folgte Snape der unausgesprochenen Aufforderung und begann das schwarze Blut zu trinken.
Je mehr er trank, desto blasser, wurde er, bis sie ihm sie ihm ihre Hand entzog und in der Dunkelheit verschwand. Snape sackte bewusstlos auf dem Boden zusammen.
Hestia betrat das Laboratorium und sah sich um. Sofort bereute sie, nicht nach präziseren Koordinaten gefragt zu haben. Es war keineswegs so, dass in diesem Raum keine Ordnung herrschte, mitnichten. Snape hatte mit penibler Genauigkeit jedem einzelnen Gegenstand einen bestimmten Platz zugedacht. Unglücklicherweise eröffnete genau das die Möglichkeit, unglaublich viele Gegenstände auf kleinstem Raum unterzubringen. Sie begann die Schreibtischunterlagen wahllos zu durchstöbern, in der Hoffnung, dass er eine so wichtige Rezeptur immer in greifbarer Nähe aufbewahrte. Eine sehr optimistische Annahme, wie sich herausstellte.
Während sie so zwischen den Unterlagen und Schriftstücken kramte, machte sie ihr Körper mit einem unmissverständlichen Magenknurren darauf aufmerksam, dass sie seit zwei Tagen nichts mehr gegessen hatte. Kurz entschlossen zog sie aus ihrem Rucksack eine ihrer letzten Kürbispasteten hervor und ließ sich leise ächzend auf einem kleinen Holzschemel sinken. Beherzt biss sie ein Stück von der bereits ziemlich zähen trockenen Pastete ab. Beim Kauen wurde sich der Tatsache bewusst, dass sie noch keine Vorstellung hatte wovon sie sich auf Schloss Schlotterstein ernähren sollte, wo sie doch im Gegensatz zu gewissen Mitbewohnern auf derartige Nichtigkeiten angewiesen war.
Der modrige Gang war erleuchtet von dem düster, flackernden Licht der Fackeln, die einen unheimlichen Schein auf die Gesichter der zwei Gestalten warfen, die dort unbeweglich und dicht beieinander standen. Malfoy hatte seinen Zauberstab an Snapes Hals gepresst.
„Siehst in letzter Zeit etwas blass aus, Sev? Fühlst du dich nicht wohl? Hast du schlecht geschlafen oder bist du einfach ein bisschen zu wenig an die Sonne gekommen?", zischte er.
Severus beobachtete ihn nervös und fragte leise:„Was willst du?"
Malfoy legte einen Finger an Severus Hals. „Kein Puls, eigenwillig für jemanden, der nicht bei den Würmern haust, oder?"
Snape schwieg.
„Du sahst von jeher aus, wie eine zu groß geratene Fledermaus, Glück für dich, jetzt wo du eine bist", fuhr Malfoy fort, ohne seinen Zauberstab auch nur einen Millimeter zu bewegen.
„Woher weißt du es?", ächzte Snape.
„Du hast geschlagene fünf Minuten auf meine Halsschlagader gestarrt. Ich bin nicht blöd, weißt du"
Snape fing sich allmählich. „Dann weißt du ja auch, dass du mit dem Ding nicht viel ausrichten kannst", sagte er kühl und deutete auf Malfoys Zauberstab, welcher den selbigen langsam senkte und einen Schritt zurücktrat.
„Bist du mutig oder nur lebensmüde? Und was willst du?", fragte Snape.
„Weder noch, du wagst es doch so oder so nicht mich anzurühren. Du willst doch noch deinen UTZ in Zaubertränke machen, oder, großer Meister? Sonst wärst du wohl kaum noch hier. Daraus wird nichts, wenn sie es herausfinden", giftete Malfoy.
„Was willst du?", Snape wurde ungeduldig.
„Dir einen Vorschlag machen. Denn so läuft das mit dir nämlich nicht mehr lange. Wir wissen beide, was ich meine! Irgendwann verlierst du die Kontrolle verlierst und dann ist es vorbei. Ich könnte dieses Problem für dich lösen und dafür trittst du wieder unserem kleinen Club bei. Darüber hinaus erfährt niemand hier in Hogwarts etwas von deiner kleinen Unpässlichkeit. Deine Braukünste werden in letzter Zeit nämlich sehr vermisst"
Gespannt beobachtete er Snape, welcher ihn regungslos anstarrte.
„Wie willst du das … Problem lösen?", fragte er tonlos.
Malfoy lächelte verschlagen „Du solltest mich morgen Abend begleiten, dann wirst du es erfahren", sagte er und ging mit federnden Schritten davon.
Snape blieb allein in dem dunklen Gang stehen und sah ihm nach. Als er die Finger, die seine Oberarme umklammert hatten, löste zeichneten sich an den Stellen, wo sich seine Fingernägel ins Fleisch gegraben hatten dunkle Flecken ab.
Snape beäugte sie mit einem kritischen Blick, als sie durch die Tür trat. Inzwischen hatte er es geschafft, sich zumindest halb aufzusetzen und Hestia bedauerte ein wenig diesen Kampf beobachtet zu haben.
„Sie werden eine genauere Einweisung benötigen", sagte er sachlich, als sie ihm die Pergamentrolle reichte. Hestia sah ihn an und referierte in liebenswürdigstem Tonfall: „Kommen wir nun zum Zweiten Teil des Grundkurses: Soziale Umgangsformen leicht gemacht. Wenn uns jemand auf unseren Wunsch hin etwas überreicht, drücken wir unsere Dankbarkeit wie aus?"
Sie hielt noch immer mit einer Hand das Pergamentpapier fest. Er sah zu ihr mit seiner bedrohlichsten Miene auf, die allmählich begann ihre Wirkung bei Hestia zu verfehlen.
„Wussten sie übrigens, dass man von da unten niemanden niederstarren kann?"
Sie beobachtete fasziniert wie sich seine Kiefermuskeln spannten, als er ein leises: „Danke" zwischen seinen Zähnen hervor presste. Daraufhin lies sie das Pergament los, zog ihren Zauberstab und beschwor Pergament und Feder.
Nun war er an der Reihe zu referieren, was seinem Ego einen dringend benötigten schub zu geben schien, denn seine Gesichtszüge entspannten sich allmählich wieder.
„Die Basissubstanzen sind Rumex Sanguineus, Hypericum Androsaemum, Dianthus Cruentus, Lythrum Salicaria. Erstere finden Sie noch in meinem Laboratorium, letztere befinden sich im Garten. Sie müssen frisch hinzugefügt werden"
Hestia notierte eilig.
Er fuhr monoton fort: „Wenn Sie alles gut durchgekocht und mit Lebersaft des Darwin versetzt haben, werden folgende Zutaten hinzugefügt …"
So ging es eine gefühlte Ewigkeit weiter. Hestia schwirrte der Kopf vor lauter Zutaten und Ekligkeiten, mit denen sie alles nur erdenkliche würde anstellen müssen. Inzwischen hielt sie seine Prognose für ihre Erfolgschancen beinahe für optimistisch.
Als Snape geendet hatte, lies er sich erschöpft zurück sinken und schloss die Augen.
„Gut ja, dann fang ich mal an", murmelte sie mehr zu sich selbst und erhob sich ächzend von ihrem äußerst unbequemen Schemel. Sie war schon fast an der Tür, als sie sich noch einmal umdrehte.
„Ach ja, wie erkenne ich diese seltsamen Pflanzen eigentlich?"
Er drehte ihr mühsam den Kopf zu, wobei sie schrecklich gute Sicht auf seinen aufgerissenen Hals bekam.
„Es liegt ein Bestimmungsbuch in der Bibliothek", murmelte er heiser.
Hestia betrachtete ihn einen Augenblick nachdenklich, dann fragte sie: „Haben Sie Schmerzen?"
Er nickte und sagte knapp: „Ja"
„Guten Abend, meine Freunde!", sprach die hochgewachsene Gestalt deren Silhouette sich dunkel vor dem Kaminfeuer abhob. Der Schädel war kahl und die Augen schienen rot, beinahe dämonisch zu leuchten. Er verzog den Mund zu etwas, das ein Lächeln hätte sein können, hätte er echte Lippen und nicht nur einen unheimlichen Schlitz unterhalb seiner schmalen Nasenlöcher gehabt. Es lag ein untergründig drohender Ausdruck auf seinem Gesicht, als wollte er die an der langen Tafel sitzenden Gestalten allein durch seinen Blick zum Gehorsam zwingen.
Alle trugen, genau wie er lange schwarze Kapuzenmäntel, neben jedem lag eine silberne Maske auf dem Tisch. Mitten unter ihnen saß Snape, auf dessen Gesicht Anspannung und Zweifel standen.
„Unsere Bemühungen finden auch im Ausland zunehmend Zustimmung. Nicht mehr lange und wir werden bereit sein die neue Weltordnung zu schaffen"
Sein Blick schweifte über die Gesichter seiner Zuhörer und blieb an Snape haften, als er seine Rede fortführte: „Wir haben einen Neuankömmling in unserer Runde. Wie man hört einen ausgezeichneten Tränkebrauer und Schwarzmagier. Vielleicht ergibt sich ja für ihn demnächst eine Gelegenheit, uns diesen Sectusempra-Fluch vorzuführen", fuhr Voldemort fort und richtete seine schwarzen Augen auf Snape, der wie versteinert dasaß.
„Nun, Gibbon, wärst du so freundlich alles vorzubereiten, damit wir Severus Snape angemessen in unsere Gemeinschaft aufnehmen können"
Es handelte sich keineswegs um eine Frage und dementsprechend zügig kam Gibbon der Aufforderung nach. Er ging zu einem Wandschrank, der neben dem gewaltigen Kamin stand und holte daraus eine hölzerne Kiste hervor. Vorsichtig, beinahe hingebungsvoll stellte er sie auf dem Tisch ab, um sie zu öffnen. Alle Augenpaare verfolgten gespannt, wie er einen schweren, länglichen Metallgegenstand hervorholte. Leise murmelte er einen Zauber, woraufhin das Metall schlagartig zu glühen begann. Man konnte nun deutlich seine Form erkennen. Ein Totenkopf, aus dem eine sich windende Schlange hervorkroch, leuchtete im trüben Dämmerlicht des Raumes. Mit einer knappen Handbewegung bedeutete Voldemort Severus näher zu kommen. Dieser erhob sich und kam vorsichtig um den Tisch herum, auf Voldemort zu. Gibbon packte mit der linken Hand Snapes Unterarm und presste ihn mit dem Handrücken nach unten auf den Tisch, mit der anderen positionierte er das Brandeisen. Voldemort hatte seinen Zauberstab erhoben und hielt ihn dicht über Snapes Arm und dem glühenden Eisen erhoben.
„Lasst uns beginnen", befahl Voldemort leise.
Gibbon senkte das glühende Metall auf Snapes weiße Haut und presste es kräftig in sein Fleisch. Woraufhin dieser einen Schmerzensschrei nur mit Mühe unterdrücken konnte und stattdessen stumm den Mund öffnete. Dann verschloss ihn schnell wieder und ertrug mit zusammengebissenen Zähnen das sich tief in seine Haut brennende Eisen.
Voldemort wisperte eine lange Zauberformel nach der anderen. Um seinen Zauberstab hatte sich ein ganzes Spektrum von Schleiern und Nebeln in den verschiedensten Farbnuancen gebildet. Gibbon hob das Brandeisen und zum Vorschein kam ein dunkelrot gerändertes Spiegelbild der Schlange. Genau in diesem Augenblick verstummte der dunkle Lord und die Zauber lösten sich von seinem Stab und wurden in das Brandmahl gesogen.
„Willkommen Severus, willkommen in der Familie. Du bist nun untrennbar mit uns verbunden, für immer", sagte Voldemort und wie auf ein Zeichen entblößten alle Todesser ihr Mahl.
„Gut denn, damit hätten wir den Höhepunkt des heutigen Abends abgeschlossen", richtete er sich an die Todesser um zum nächsten Tagesordnungspunkt über zu gehen.
Am Ende der Versammlung sagte Voldemort zu Snape, der sich seinen schmerzenden Arm rieb: „Du bleibst noch. Nagini hat eine hübsche kleine Beute gemacht, die ich dir zeigen möchte"
Mit diesen Worten verließ er gefolgt von Snape den Saal und sie stiegen in den Keller des großen Herrenhauses hinab. Erstickt, wie aus weiter Ferne drang ein leises Wimmern an ihre Ohren. Voldemort ließ den Zauberstab emporschnellen und eine Tür ein paar Meter entfernt von ihnen flog krachend auf.
Dunkelheit umfing sie, als Voldemort und Snape den Raum betraten. Nur ein schmaler Streifen silbernen Mondlichts, in dem schwere Eisenketten glänzten, fiel auf den kalten Steinboden des Verlieses.
An die gegenüberliegende Wand gepresst stand eine junge Frau. Das braune Haar fiel ihr in langen Strähnen über Schultern und Arme, die sie fest vor der Brust verschränkt hielt. Sie zitterte entsetzlich, während sie die beiden Ankömmlinge aus schreckensgeweiteten Augen ansah. Man konnte sehen, dass sie einmal sehr hübsch gewesen sein musste, doch nun verunzierten rote Augenränder und Schwellungen ihr Gesicht.
„Nun denn, ich wünsche guten Appetit", sagte Voldemort leise, wandte sich ab und ging mit wehendem Umhang zurück aus dem Kerker hinaus.
Snape und die Frau standen sich schweigend gegenüber. Seine Fingerknöchel traten weiß auf den fest zusammengeballten Fäusten hervor. Man hätte die Stille mit einem Messer zerteilen können. Nach einer Ewigkeit machte Snape einen Schritt auf das Mädchen zu, welches einen Schreckensschrei ausstieß. Sein Atem ging flach und schnell, als er leise sagte: „Ich denke, es wäre eine Beleidigung deiner Intelligenz zu behaupten es gäbe keinen Grund sich zu fürchten"
Er stand nur noch einen Schritt von ihr entfernt, so dass sie seinen Atem auf ihrer Haut spüren konnte.
„Aber es gibt immer einen leichten und einen schweren Weg, nicht wahr?", fuhr er fort, während er sanft unter ihr Kinn griff und sie zwang ihm in die Augen zu sehen. Ihre Blicke trafen sich und er schien sie mit dem seinen förmlich zu durchbohren. Nach einigen Sekunden löste sich die Spannung aus ihrem Körper und sie sackte ein Stückchen in sich zusammen. Ihr Atem wurde langsamer, während sie ihn aus leeren, dunklen Augen ansah. Snape selbst hingegen zitterte am ganzen Körper, als er die regungslose Frau packte und sich über ihren Hals beugte.
Vorsichtig setzte er die Zähne auf ihre zarte Haut und stieß dann mit brutaler Gewalt gierig zu. Das Blut rann in Strömen und färbte ihr Kleid in tiefes Rot. Nach einer Weile ließ er sie zu Boden fallen und fuhr sich fahrig mit der Hand über den Mund. Snape konnte seinen Blick nicht von ihrem Körper nehmen, der leicht verdreht vor ihm lag. Nach einer Weile wandte er sich ab und ging langsam, zögernd zur Tür, an der er sich noch einmal umdrehte, und dann verschwand.
Hestia machte sich auf die Suche nach der Bibliothek. Am Ende der Wendeltreppe angelangt, konnte sie das Licht des neuen Tages durch die schmutzigen Fenster dringen sehen. Die rote Morgensonne ließ alles in einem sanften Orange leuchten, sodass es richtig friedlich wirkte. Unwillkürliche spürte sie die Müdigkeit ihre Glieder emporkriechen; sie hatte seit zwei Tagen nicht mehr geschlafen.
Nach einer Weile planlosen Umherstreifens, gelangte sie an eine Tür, die im Gegensatz zu allen anderen nicht morsch und zerfallen war, sondern stattdessen glänzte, wie frisch lackiert. Der Anblick der sich ihr beim Betreten des Raumes bot war schlicht und einfach überwältigend.
Zu allen Seiten reihten sich Bücherregale aneinander, so hoch, dass sie die Decke berührten. Sie waren alle in einem hervorragenden Zustand und mit Sicherheit mit einem Staubabweisungszauber belegt worden. Jedes von ihnen war mit einem goldenem Buchstaben versehen. Die Bände glänzten im Licht der Sonne, welches durch die meterhohen Fenster fiel und es roch nach jahrhundertealtem Pergament und Tinte. Fasziniert wandelte Hestia von einem Gang in den nächsten, tunlichst darauf bedacht, kein Geräusch zu machen, als wäre sie ein Störenfried an einem heiligen Ort.
Allmählich dämmerte ihr, was die Leute gemeint hatten, als sie Snape einen Streber nannten. Er musste in der Bibliothek von Hogwarts förmlich gewohnt haben. Seine Bibliothek konnte es durchaus mit der der Schule aufnehmen.
Sie ging weiter und kam bei „V" an. Einer plötzlichen Eingebung folgend las die Titel der goldenen und silbernen Hochglanzfolianten und strich andächtig über ihre Rücken. Fast erwartete sie, dass ein Fluch sie für diesen Frevel bestrafen würde, doch Derartiges blieb aus.
Neugierig las sie die Titel: „Vanitas et Damnatio", „Valentinskraut und seine Anwendungen", „Veritaserum und andere", „Verschwinden und Verwirrung".
Ein paar Meter weiter fand sie, wonach sie gesucht hatte. „Vampirismus in Transilvanien", „Vacatio lamiae", „Vampire".
‚Da bekommt das Wort Selbststudium eine völlig neue Bedeutung'
Sie zog einen schwarzen Ledereinband hervor auf dem in silbernen Lettern „Vampire von Alacer Amentia" geschrieben stand, schob das Buch unter den Arm und stieg die Leiter hinunter.
Es fiel ihr nicht weiter schwer auch das Bestimmungsbuch zu finden und so gerüstet machte sie sich auf den Garten zu erkunden.
Wie ein Prophet auf seinem Berg, saß er einsam an einer Steilküste, deren Wand 30 Meter tief dem Meer entgegenfiel. Ungeachtet dieser Tatsache hatte er sich leicht nach vorn geneigt und starrte in das aufgewühlte Wasser. In der Tiefe konnte man die Wellen gegen den Fels donnern hören. Die schmale Mondsichel warf ihr fahles Licht auf den harten und kalten Ausdruck auf seinem Gesicht. Er hatte die Lippen fest aufeinander gepresst und saß völlig unbeweglich da.
Müde lies sie die Pflanzen auf den Tisch fallen, woraufhin Snape langsam die Augen öffnete und ihre Ernte beäugte.
„Sie hätten besser mit ihnen umgehen können", schnarrte er und Hestia war entschieden zu müde um darauf angemessen zu reagieren, deshalb zuckte sie nur mit den Schultern.
Sie hatte seit Tagen nichts Anständiges mehr gegessen, seine Art ging ihr auf die Nerven und die Aussicht eine Darvinleber aus ihrem Einwegglas zu nehmen und zu entsaften hellten ihre Laune nicht unbedingt auf.
Snape schien die Gefahr unter ihrer stoischen Ruhe zu ahnen und kooperierte indem er ihr half geeignete Pflanzen auszuwählen.
So arbeiteten sie eine Weile, wenn vielleicht nicht einträchtig, doch zumindest friedlich zusammen. Eineinhalb Stunden und unzählige Blätter später lies Hestia müde ihren Kopf auf die Tischplatte sinken.
„Was haben Sie vor? Die Blätter müssen sofort weiterverarbeitet werden, sonst werden sie unbrauchbar", sagte Snape nachdrücklich.
Müde hob sie ihren Kopf. Unter ihren glasigen Augen hatten sich dunkle Ringe gebildet.
Er sah sie an und sagte: „Ich habe drüben noch ein Animaserum"
„Doping, nehme ich an", murmelte sie müde.
„Ich weiß nicht, was Sie damit meinen", entgegnete er.
„Drogen, die Muggel benutzen um ihre Leistungsfähigkeit zu steigern", erklärte sie, während sie sich mühsam von dem Schemel erhob, den sie inzwischen in einen Polsterstuhl verwandelt hatte.
„Dann, ja", erwiderte Snape schlicht.
Sie streckte den Rücken. „Sehr gut, wo ist das Zeug?"
„In dem Regal gleich rechts, auf dem zweiten Fach von unten", antwortete er.
Eberkopf war stickig, warm und überfüllt. Hunderter aufeinander einschwatzender Menschen veranstalteten einen unglaublichen Lärm und dazwischen drängten sich die Kellnerinnen mit den Armen voller Butterbierhumpen und Metbecher.
In einer Ecke an einem runden Tisch saß eine Gruppe junger Männer, die ebenfalls laut lachten und grölten.
Malfoy erhob seinen Becher und rief: „Auf eine Zukunft, in der es sich zu leben lohnt"
Die Anderen hoben ebenfalls ihre Becher, um anzustoßen – alle bis auf einer. Snape saß ein Stück abseits und hatte die Arme vor der Brust verschränkt. Zusammengekauert, wie eine alte Krähe beobachtete er sie missmutig. Malfoys Blick streifte Snape und er legte den Kopf schief.
„Hey was ist los mit dir? Ach ja, ich vergaß das Zeug genügt ja nicht mehr!", sagte er gehässig und grinste schief. Für einen Augenblick sahen ihn seine Freunde verdutzt an, doch da es nicht so aussah, als würde er das erklären wollen, kippten sie kommentarlos ihren Met hinunter.
Crabbe gluckste: „Wenn die Schule ihren neuen Lehrplan hat, dann benennen wir zuerst Verteidigung gegen die dunklen Künste um"
„Genau und Muggelkunde wird abgeschafft!", ergänzte Goyl johlend.
„Ich hätte ja lieber, dass wir Zaubertränke kicken, scheiß auf Muggelkunde!", lallte Dolohow und grinste dümmlich.
„Genau und dann lassen wir uns die Gehirne amputieren und stattdessen Kürbissaft implantieren", sagte Snape leise.
Eine angespannte Pause entstand und Malfoy sah Snape warnend an. Der zuckte nur unbeeindruckt mit den Schulter und sagte dann: „Ich muss mal"
Er stand auf und verschwand in dem Gewühle der Kneipe dir Treppe hinauf. Erleichterung machte sich auf seinen Zügen breit, je weiter er sich vom Lärm und dem Gedrängel entfernte. Oben angekommen wollte er durch den Gang zur Toilette gehen, doch plötzlich blieb er stehen. Aus dem Türspalt ein paar Meter entfernt von ihm drang Licht und Professor Dumbledores Stimme.
„…hören Sie. Meine Gute, ich bedaure es sehr, Ihnen sagen zu müssen, dass ich Sie leider für ungeeignet halte diesen Posten zu übernehmen. Ich hatte ohnehin Bedenken dieses Fach weiterhin Hogwarts unterrichten zu lassen. Es tut mir sehr Leid"
Daraufhin folgte Stille. Snape stand da und hielt den Atem an. Neugierig lauschend hob er den Kopf als sich wieder eine Stimme erhob, dieses Mal eine andere merkwürdig verzerrte.
„Der Eine mit der Macht, den dunklen Lord zu besiegen, naht heran … jenen geboren, die ihm dreimal die Stirn geboten haben, geboren, wenn der siebte Monat stirbt …"
Ein Poltern drang von hinten und übertönte die seltsame Stimme, wütend drehte sich Snape nach dem Störenfried um. Der Wirt kam auf ihn zugeeilt und knurrte übellaunig:
„Was treibst du dich hier oben rum? Los runter!"
Er wies mit dem ausgestreckten Finger auf die Treppe und Snape wandte sich widerwillig von der Tür ab, doch die Stimmen darin waren ohnehin verstummt.
Als sie die Kammer wieder betrat, fühlte sie sich so aufgekratzt, wie nie zuvor in ihrem Leben.
„Gott, das Zeug ist wirklich heftig", bemerkte sie, während sie den Kessel abstellte, den sie mit herein getragen hatte.
„Es hält nur in etwa eine Stunde an, dann werden Sie bedauerlicherweise mit den Nebenwirkungen Bekanntschaft machen.", fragte er.
„Ich ahnte so was", erwiderte Hestia und bückte sich um ein Feuer unter dem Kessel zu entfachen. Mit einem geschickten Schwung ihres Zauberstabs goss sie Wasser hinein und fügte die mühsam gezupften Blätter hinzu. Mit einer großen Schöpfkelle rührte sie das Ganze durch.
„Das muss jetzt zwei Stunden köcheln. Sie können jetzt die Leber vorbereiten", sagte Snape.
Sie wandte sich ihm mit hochgezogenen Augenbrauen zu.
Er zögerte einen Moment, dann ergänzte er etwas widerwillig. „Bitte"
Sie sprang auf holte das Glas mit der Leber aus dem Labor und stellte es mit gespreizten Fingern vor sic auf dem Tisch ab.
„Ich bin ja sonst nicht zimperlich, aber das ist doch echt eklig", sagte sie angewidert zu Snape, der unbeeindruckt schwieg.
Nachdem sie beinahe klaglos die Leber in kleine, glitschige Stücke geschnitten hatte, setzte sie sich vor den Kessel und beobachtete, wie sich der Sud in seinem Inneren allmählich verfärbte. Sie fügte die Leber hinzu und war richtig dankbar, als die kleinen Klümpchen auf nimmer Wiedersehen in der dampfenden Brühe versanken. Nach einer Weile stumpfen in die Flamme Starrens ließ die Wirkung des Wundertonikum so schnell nach, dass sie das Gefühl hatte ihre Lider vor ihren Augäpfeln runterklappen zu sehen.
Die Todesser hatten sich um den großen Eichentisch versammelt, eingehüllt in ihre schwarzen Umhänge, die Kapuzen tief in die Gesichter gezogen. Voldemorts Gesicht leuchtete milchig weiß durch die Dunkelheit. Sein stechender Blick huschte von einer Gestalt zur nächsten, während die Nasenlöcher bebten, als wollten sie den Verrat wittern, der in der Luft lag.
Als er zu sprechen begann, war seine Stimme nicht mehr als nur ein Zischen.
„Es wurde eine Prophezeiung gemacht. Eine Prophezeiung, die mich selbst betraf. Mein Spion in Hogwarts hat mir dies gestern mitgeteilt. Einige von euch sind noch immer in Hogwarts und keiner von ihnen will etwas davon gehört haben? Keiner von euch nichtsnutzigen Dummköpfen will mir sagen können, wovon Dumbledore sprach, als er mit seiner Stellvertreterin über mein Ende debattierte. Ist es nicht eure Aufgabe, eure Augen und Ohren für mich offen zu halten?"
Während er sprach, war Voldemort um den Tisch geschlichen, den Kopf leicht nach vorn geneigt, nahe an den Lehnen der Stühle, auf denen seine Anhänger saßen.
Snape sagte zögernd: „Euer Lordschaft. Ich habe im Eberkopf vor einigen Tagen ein Gespräch belauscht, dessen Inhalt sich auf Euch bezog. Ich habe dem bis zu diesem Augenblick keinerlei Bedeutung beigemessen, doch nun bin ich davon überzeugt es könnte Euch interessieren"
Voldemort trat hinter seinen Stuhl und sagte leise: „Ich höre"
„Professor Dumbledore hat sich in einem Zimmer über dem Eberkopf mit einer Bewerberin um die Stelle als Lehrerin für Wahrsagen getroffen. Sie hat eine Prophezeiung von sich gegeben, aber da Dumbledore selbst, sie für ungeeignet befunden hatte, hielt ich sie für wertlos"
Voldemort dessen Augen bei der Erwähnung von Dumbledores Namen zu glühen begonnen hatten, wurde ungeduldig. „Severus, zwing mich nicht, dich noch einmal aufzufordern, zu wiederholen, was du gehört hast"
Zitternd und mit einem Beben in der Stimme zitierte Snape:
„Der Eine mit der Macht, den dunklen Lord zu besiegen, naht heran … jenen geboren, die ihm dreimal die Stirn geboten haben, geboren, wenn der siebte Monat stirbt …"
„Weiter!", fuhr ihn Voldemort an.
„Mehr habe ich nicht gehört. Der Wirt des Eberkopfs hatte mich entdeckt und wollte mich rauswerfen"
Voldemort wirkte ungehalten, doch er sagte beherrscht: „Nun gut, das Wichtigste wissen wir nun. In ein paar Monaten wird ein Kind geboren, dass mir angeblich sehr gefährlich hätte werden können. Aber so weit wird es nicht kommen. Wir werden herausfinden, wer dieses Balg in die Welt setzt und wir werden es vernichten"
Snape nickte stumm.
Wurmschwanz scharrte nervös mit einem Fuß in der feuchten Erde des Friedhofes. Um ihn und Voldemort standen einige dunkle Gestalten in ihren langen, schwarzen Umhängen beinahe so, als wären sie Gäste auf einer Beerdigung.
Sie war umfangen von absoluter Dunkelheit, die sie immer stärker in ihr Zentrum sog und zu verschlingen drohte. Als würde sie in einen endlosen Tunnel rennen, sah sie weit von sich entfernt ein helles weißes Licht auf sich zu kommen, doch die Bewegung fiel ihr mit jedem Schritt schwerer. Vor dem Licht tauchte eine dunkle Gestalt auf, die einen langen Schatten auf den Boden warf. Hestia spürte Panik in sich hochsteigen, die ihr die Kehle zuschnürte. Sie wusste mit Gewissheit, dass sie die Gestalt unbedingt erreichen musste. Doch je mehr sie sich anstrengte desto langsamer wurde sie. Kurz bevor sie sie erreicht hatte verschwand die Gestalt und die dunkle Silhouette verschwand.
Sie rannte weiter. Als Hestia sie erreicht hatte, starrte sie in das ausgemergelte Gesicht einer jungen Frau, deren weiße Haut sich straff über ihre hohlen Wangen spannte. In ihren grauen, tiefliegenden Augen, die von dunklen Ringen umgeben waren, standen Angst, Wahnsinn und Verzweiflung – eine stumme Anklage. Der Mund war noch aufgerissen, die spröden Lippen geöffnet zu einem Entsetzensschrei, der bereits vor langer Zeit verhallt war. Das beinahe weiße Haar formte einen leuchtenden Kreis um ihren Kopf.
Aus weiter Ferne hörte Hestia eine Stimme: „Jones, wachen Sie auf!"
Die Dunkelheit löste sich allmählich auf. Nur das Gesicht des Mädchens blieb ihr mit schmerzhafter Klarheit vor Augen. Dumpf und unwirklich hörte sie ihren eigenen Schrei an, riss mit einem Schlag die Augen auf und starrte direkt in Snapes Gesicht.
„Ich werde Ihnen nie wieder einen Animaserum geben. Es scheint bei ihnen ungewöhnliche Nebenwirkungen zu haben", bemerkte er nüchtern.
Hestia brauchte einige Augenblicke, um sich wieder in ihrer Umgebung zu Recht zu finden. Sie richtete sich langsam, mit zitternden Händen auf und wandte den Blick von Snape ab. Das Feuer unter dem Kessel war fast vollständig herunter gebrannt und glühte nur noch schwach. Sie tastete nach ihrem Zauberstab, um ihm wieder neues Leben einzuhauchen und vermied es dabei Snape anzusehen.
Nachdem sie sich wieder gefangen hatte, fragte sie: „Was als Nächstes?"
„Fügen Sie Dianthus Cruentus und Lythrum Salicaria-Blätter hinzu." sagte er.
„Warum tun Sie das hier?", fragte er unvermittelt, während er beobachtete, wie seiner Aufforderung nachkam.
Hestia blickte nicht auf. „Was meinen Sie?"
„Sie wissen, was ich meine." Er hatte sich zu ihr herumgedreht, soweit es ihm sein Zustand erlaubte und sah sie aufmerksam an.
„Das habe ich Ihnen doch bereits gesagt", erwiderte sie, noch immer in den Kessel starrend.
„Nein haben Sie nicht", entgegnete er.
Sie sah ihn kurz an. „Warum fragen Sie? Haben sie etwa Angst ich wollte sie in Wahrheit vergiften?"
„Sagen wir einfach ich bin neugierig", sagte er leise.
Hestia schwieg beharrlich.
„Hat das etwas mit diesem Mädchen zu tun?", fragte er.
Sie drehte den Kopf ruckartig zu ihm herum, auf ihrem Gesicht zeichnete sich Erstaunen und Unsicherheit ab.
„Woher…?"
„Legilimentik", meinte er nur ungerührt.
„Und ich dachte, Sie sollten wissen, dass man die Privatsphäre anderer respektieren sollte."
Er gab auf und nach einer Weile unbehaglichen Schweigens sagte er: „Wir müssen weiter machen, sonst wird der Trank unbrauchbar."
Sie nickte nur und stand auf.
