Kapitel 3

Ich höre, Pettigrew."

Eure Lordschaft, Lily Potter hat vor einigen Tagen einen Sohn zur Welt gebracht. Sie und ihr Mann haben Euch bereits dreimal die Stirn geboten und beide sind im Orden des Phönix."

Das hast du gut gemacht, Pettigrew", sagte Voldemort sanft, als lobe er ein Kind für eine Buntstiftzeichnung.

Snape, der bereits bei der Erwähnung von Lilys Namen zusammengezuckt war, wagte es in den Vordergrund zu treten.

Mit Verlaub Eure Lordschaft, das bedeutet nicht zwangsläufig, dass sich die Prophezeiung auf sie beziehen muss. In diesem Zeitraum werden und wurden sicher noch viele Jungen geboren, einige stammen sicher auch von Mitgliedern des Ordens ab."

Voldemort sah Snape durch seine schmalen Augen scharf an.

Warum habe ich nur das Gefühl, dass es nicht Vernunft ist, die dich zu diesem Einwurf veranlasst. Aber in einem Punkt hast du Recht. Wir sollten nicht losschlagen bevor wir wissen, dass es sich wirklich um das richtige Kind handelt. Sonst wären sie eventuell gewarnt und das würde die Sache unnötig erschweren."

Sie hatte allmählich das Gefühl für Zeit verloren, während sie stundenlang im Kerzenlicht Zutaten zubereitet, den Kessel in verschiedene Richtungen umgerührt und unzählige Zauberformeln gesprochen hatte. Es war anstrengend gewesen – nicht nur für sie. Snape hatte in der Zwischenzeit das Bewusstsein verloren.

Das hatte sie nicht besonders gestört, so konnte er nicht weiter mit lästigen Fragen nerven.

Wie hypnotisiert starrte sie in die blubbernde Flüssigkeit. Der Trank durfte auf keinen Fall anfangen zu kochen. Snape hatte das so oft wiederholt, dass sich daraus fast ein kleines Mantra entwickelt hatte.

„Nicht kochen, auf keinen Fall kochen, nicht kochen…", murmelte sie vor sich hin. Sie spürte, wie sie schon wieder müde wurde. Ihr wurde bewusst, dass sie nicht einmal mehr hätte sagen können, ob es Tag oder Nacht war. Irgendwie musste sie wach bleiben.

Kurz entschlossen zog sie das Buch aus Snapes Sammlung hervor, schlug den Deckel auf und begann zu lesen.

„Vampire" von Alacer Amentia kündigte die Titelseite an.

Sie blätterte weiter.

Einleitung:

Der Begriff Vampir oder auch Vampyr stammt aus dem Serbischen. Er gilt gemeinhin als eine der dunkelsten Kreaturen der magischen Welt. In allen Teilen der Welt ist er berühmt berüchtigt für seine übermenschlichen Kräfte und seine grausame Jagd.

Man geht davon aus, dass besonders in weiten Teilen Südosteuropas ein signifikanter Anteil der Bevölkerung heute von Vampiren gestellt wird. Dies gilt vor allem für den Karpatenraum nach Rumänien, Bulgarien, Serbien und Griechenland.

Bevor sich das Zaubereiministerium der Vampirfrage annahm, kam es vor, dass ganze Dörfer dem so genannten Vampirismus zum Opfer fielen. Inzwischen wurde in der Abteilung Führung und Aufsicht magischer Geschöpfe ein Spezialtrupp von ausgebildeten Vampirjägern eingestellt, deren Aufgabe es ist besonders gefährliche Vertreter dieser Lebensform einzufangen. Dies ist jedoch moralisch fraglich, da sie offiziell als „nichtmagische Teilmenschen" anerkannt sind. Dabei ist umstritten, ob ein betroffener Zauberer seine magischen Fähigkeiten verliert, wenn er von einem Vampir angefallen wurde. Fakt ist jedoch, dass Zauberer selten gebissen werden, weil Muggel für Vampire, vor allem durch deren Unglauben, wesentlich leichtere Beute sind.

Durch Bemühungen des Vereins „Toleranz gegenüber Vampiren" wurden die Vampire teilweise sogar an Diskussionen und politische Entscheidungen der Zauberwelt beteiligt."

Sie blätterte zum nächsten Kapitel.

Ein Vampir ist per Definition nicht mehr lebendig. Sein Körper arbeitet nicht mehr nach biologischen Gesetzmäßigkeiten, wie der eines Menschen. Er ist weder auf Nahrung, noch auf Flüssigkeit oder Sauerstoff angewiesen. Daraus folgt, dass es unmöglich ist ihn durch den Tod außer Gefecht zu setzen. Während die Seele eines Menschen dessen Körper verlässt, wenn er stirbt, ist die des Vampirs auf ewig an seinen Körper gebunden, ganz unabhängig von dessen Zustand.

Der Vampir speist seine Macht und Energie aus Blut. Es ist eines der geheimnisvollsten Elixiere, die der Menschheit bekannt sind und gilt gemeinhin als die Essenz des Lebens.

Ein gut genährter Vampir ist daher durchaus in der Lage, übermenschliche Kräfte zu entwickeln."

Einige Seite weiter.

Vampire sind durch verschiedene Eigenschaften gekennzeichnet. Im Laufe der Jahrhunderte wurden ihnen unzählige hinzugedichtet, die teils durch Aberglauben, teils durch zufällige Ereignisse entstanden.

Ein Beispiel hierfür sind die klassischen Vampirzähne. Sie sind in der Tat bei einer großen Zahl von Vampiren festgestellt worden. Was jedoch nicht mit einer Modifikation des Kiefers eines Gebissenen zusammenhängt, sondern mit einer besonders großen und einflussreichen Vampirfamilie, deren Eckzähne in der Tat von beachtenswertem Ausmaß sind. Wir sprechen hier von eben jener weltberühmten Familie Dracula, die selbst die Muggelwelt intensiv beschäftigte.

Bewiesen hingegen ist, dass Vampire sehr blass sind, da sie kein eigenes rotes Blut mehr produzieren und demzufolge auch keines mehr durch ihre Venen und Arterien fließt. Aus eben diesem Grund meiden sie auch Tageslicht, dass sie jedoch nicht umbringt. Aber der Verlust der Körperflüssigkeit schwächt sie.

Die Behauptung, dass sie in Särgen schlafen, geht vor allem auf einen Grafen von Fürstenstein zurück, der versuchte, sich durch die morbide Wahl seiner, von ihm als Ruhestätte bezeichneten, Schlafstatt, vor den Blicken Neugieriger zu schützen. Mit dem Erfolg, das magische und nichtmagische selbsternannte Vampirforscher und –jäger nun bevorzugt in Särgen nach Vampire suchen, ohne dabei zu beachten, dass Dunkelheit, wie auch bei Menschen das Hauptkriterium bei der Wahl eines Schlafplatzes ist. Genauso wenig ist es also sinnvoll an der Decke einer Gruft nach Fledermaus gewordenen Vampiren zu suchen, die dort kopfüber ein kleines Nickerchen veranstalten.
Es ist richtig, dass es Fledermäuse gibt, die sich von Blut ernähren, sie sind jedoch nicht in irgendeiner Weise mit den Vampiren verwandt. Auch wenn es unter den wenigen magischen Vampiren einige gab, die Fledermaus-Animagi waren. Der Grund dafür war jedoch vielmehr deren nachtaktiver Lebenswandel, als ihre Ernährung, auch wenn sie beides gelegentlich miteinander verbanden.

Die Fähigkeit fliegen zu können ist bei weitem nicht allen Vampiren eigen, im Gegenteil. Nur Wenigen und nur magisch Hochbegabten von ihnen gelingt dies. Darüber hinaus müssen sie dafür überaus ausgeruht und kräftig sein.

Ihre Rolle als Verführungskünstler haben sie sich hauptsächlich dadurch verdient, dass ihre mentalen, hypnotischen und telepathischen Fähigkeiten häufig die von durchschnittlichen Menschen überstiegen. Dies begründet sich darin, dass sie mit dem Blut auch immer einen Teil der Persönlichkeit ihrer Opfer in sich aufnehmen. Diese werden ihrerseits nur dann zum Vampir, wenn dieser es wünscht. Dazu muss er ihnen seine eigenen, schwarzen Körpersäfte zu trinken geben. Dies erklärt auch die vielen Verführungsgeschichten, die sich Vampire ranken. Es geht dabei nicht darum, dass sie Opfer in Sicherheit zu wiegen, sondern tatsächlich um die Suche nach einem Gefährten.

Ein bis heute ungeklärter Mythos hingegen ist ihre Wasserscheue. Theologen argumentieren, dass Wasser etwas Reines und Heiliges ist und ihnen deswegen Schmerz bereitet. Doch da die Theorie, Vampire ließen sich von anderen geweihten Gegenständen wie Rosenkränzen oder Kreuzen verjagen, hinlänglich widerlegt wurde, nimmt man in diesem Buch Abstand von derartigen Behauptungen.

Ähnlich verhält es sich mit der bei ihnen weit verbreiteten Knoblauchphobie. Sie ist womöglich schlicht das Produkt eines kollektiven Geschmacksurteils.

Was die Annahme angeht, Vampire wären in Spiegeln nicht sichtbar, so geht sie auf eine Hexe namens Gräfin zu Wilmershausen zurück, die ihr eigenes, bleiches Antlitz nicht mehr ertragen konnte und deshalb alle ihre Spiegel verhext hatte, sodass diese zwar ihre Umgebung, nicht jedoch die Gräfin selbst spiegelten."

„Interessante Lektüre", bemerkte Snape, der wieder aufgewacht war. Aus den Augenwinkeln schielte er auf die Buchseiten. Er schien es aufgegeben zu haben sich aufzurichten.

„Gut, dass Sie wach sind. Dann kann ich jetzt schlafen. Wecken Sie mich, wenn es wieder spannend wird", murmelte sie und rollte sich auf dem Fußboden zusammen.

Nein!"

Snapes Ruf verhallte in der Nacht. Alle Augenpaare waren auf ihn gerichtet. Voldemort fuhr zornig zu ihm herum.

Du hast Einwände?", fragte Voldemort und in seiner Stimme schwang die Ruhe vor einem Sturm.

Das würde ich mir nie anmaßen, Euer Lordschaft. Ich wollte vielmehr vorschlagen, die Frau nicht zu töten. Die Prophezeiung bezog sich nicht auf sie. Es hätte keinen Nutzen", brachte Snape mühsam beherrscht hervor.

Snape, ich bitte dich, stell deinen gepriesenen Intellekt nicht so unter den Scheffel. Du glaubst doch nicht, dass es nutzlos ist ein nervtötendes Schlammblut zu beseitigen, das ein Balg in die Welt setzt, das eines Tages angeblich meine Macht gefährden soll und die Dreistigkeit besessen hat mir die Stirn zu bieten."

Snape hob den Kopf und sah Voldemort in die Augen.

Natürlich nicht, Eure Lordschaft."

Na siehst du. Ich sehe es nicht gern, dass meine Anhänger mit Unwürdigen sympathisieren. Du solltest diese unschöne Angewohnheit ablegen."

Ich denke es ist Zeit, dass ich den Potters einen kleinen Besuch abstatte.", wandte er sich wieder an die anderen Todesser.

Sie standen in der Dunkelheit auf einem Hügel. Der Wind pfiff durch die Äste einiger weniger kahler Bäume. Snape keuchte und drehte sich auf der Stelle, den Zauberstab fest in der Hand. Er wartete.

Dann flog ein blendender, gezackter weißer Lichtstrahl durch die Luft und Snape sank auf die Knie, sein Zauberstab war ihm aus der Hand geflogen.

Töten Sie mich nicht!", rief er den Kopf nach unten geduckt.

Das hatte ich nicht vor."

Jedes Geräusch, das Dumbledore beim Apparieren ge macht hatte, war im Brausen des Windes, der durch die Äste blies, untergegangen. Er stand mit wehendem Umhang vor Snape, sein Gesicht durch das Licht seines Zauberstabs von unten erhellt.

Nun, Severus? Welche Botschaft hat Lord Voldemort für mich?"

Keine - keine Botschaft - ich bin auf eigene Verantwor tung hier!"

Snape rang die Hände: Mit seinem strähnigen schwarzen Haar, das ihm um den Kopf wirbelte, wirkte er leicht wahn sinnig.

Ich - ich komme mit einer Warnung - nein, einem Wunsch - bitte -"

Dumbledore schnippte mit seinem Zauberstab. Obwohl noch Blätter und Zweige durch die nächtliche Luft um sie her flogen, legte sich Stille über den Ort, an dem er und Snape sich gegenüberstanden.

Was könnte ein Todesser von mir erbitten?"

Die - die Prophezeiung ... die Vorhersage ... Trelaw-ney ..."

Ah ja", sagte Dumbledore. „Wie viel haben Sie Lord Voldemort mitgeteilt?"

Alles - alles, was ich gehört habe!", sagte Snape. „Des halb - aus diesem Grund - er glaubt, es geht um Lily Evans!"

Die Prophezeiung bezog sich nicht auf eine Frau", sagte Dumbledore. „Sie erwähnte einen Jungen, der Ende Juli ge boren wird -"

Sie wissen, was ich meine! Er glaubt, es geht um ihren Sohn, er wird sie jagen - sie alle töten -"

Wenn sie Ihnen so viel bedeutet", sagte Dumbledore, „dann wird Lord Voldemort sie doch gewiss verschonen? Könnten Sie nicht um Gnade für die Mutter bitten, im Aus tausch gegen ihren Sohn?"

Darum - darum habe ich ihn gebeten"

Sie widern mich an", sagte Dumbledore mit Verachtung in der Stimme.

Snape schien ein wenig zusammenzuschrumpfen. „Dann ist Ihnen der Tod ihres Mannes und des Kindes also gleichgültig? Die können sterben, solange Sie haben, was Sie wollen?"

Snape sagte nichts, er blickte nur zu Dumbledore auf.

Dann verstecken Sie doch alle", krächzte er. „Passen Sie auf, dass ihr - ihnen - nichts passiert. Bitte."

Und was werden Sie mir dafür geben, Severus?"

Dafür - geben?" Snape starrte Dumbledore mit offenem Mund an, als wollte er protestieren, doch nach einem langen Moment sagte er: „Alles."

Was treibt ihr eigentlich, wenn ihr euch trefft?" Hestia hatte die Frage ganz nebenbei einwerfen wollen, trotzdem hing sie bleiern in der Luft.

Ihre Gegenüber zuckte trotzig mit den Schultern. „Was geht dich das an?"

Das Gesicht schien immer näher zu kommen und es kam Hestia vor, als würde sie in einen Spiegel starren.

Doch etwas stimmte nicht mit Amandas Augen. In ihrem Kopf halten ihre Worte nach. „Was geht dich das an?"

Die grauen Augen glitten zurück in die Dunkelheit, aus der sie gekommen waren.

In einem kleinen, dunklen Raum stand ein Bett. Sie hatte die ausgemergelten weißen Arme erhoben und sah schrecklich klein, ja beinahe winzig aus. „Wo bist du gewesen?", flüsterte sie. Es war fast, als könnte man durch sie hindurchsehen, so wenig war von ihr übrig geblieben. Hestia beugte sich über sie und ergriff die schmale Hand, deren Knochen sie durch die dünne Haut spürte konnte. „Was haben sie mit dir gemacht?"

Doch Amanda schien sie nicht zu hören. Ihr Blick glitt in weite Ferne und wurde mit einem Mal leer.

Hestia schrie so laut, dass sie meinte ihr eigenes Trommelfell müsse platzen. Sie krallte sich verzweifelt an dem Bett fest, das begonnen hatte sich von ihr wegzubewegen. Um es herum schwebten dunkle Schemen, die nach der blassen Gestalt zu greifen schienen. Es war so entsetzlich kalt, dass sie keine Luft mehr bekam.
Hestia wollte hinter ihr her rennen, doch etwas hielt sie fest. Die dunklen Schemen verschwanden in der Nacht und mit ihnen das Mädchen mit den leeren Augen. Plötzlich war sie allein in der Finsternis und fühlte nichts als nacktes Entsetzen.

Aus der Dunkelheit tauchte vor ihr unvermittelt das schwache Licht einer kleinen Kerze auf. Langsam ging sie darauf zu und spürte sofort, dass es wärmer wurde, je näher sie ihm kam.

Als sie die Augen öffnete stellte sie als erstes fest, dass auch Snape zu schlafen schien. Erschrocken fuhr sie hoch und beugte sich noch etwas schwummerig im Kopf über den dampfenden Kessel, doch es schien alles in Ordnung zu sein. Der Trank hatte inzwischen eine tiefrote Farbe angenommen, stank ordnungsgemäß entsetzlich und blubberte munter vor sich hin. Neugierig beobachtete sie Snape. Er sah beinahe friedlich aus, wie er so dalag und zu träumen schien.

Vorsichtig stieß sie ihn an, woraufhin er nur langsam und widerwillig die Augen öffnete, gerade so, als wollte er sich weigern wieder in die Realität zurückzukehren.

„Ich glaube er ist bald fertig", sagte Hestia, schöpfte mit einer Kelle ein wenig Flüssigkeit ab und hielt sie ihm zur Kontrolle unter die Nase. Er nickte und sagte: „Nehmen Sie ihn vom Feuer, er muss jetzt abkühlen", sagte er.

Hestia nahm den Kessel und stellte ihn vorsichtig auf dem kalten Stein ab. Aus dem Augenwinkel sah sie, wie er sie betrachtete und drehte sich um.

„Was?"

„Ich habe gerade eine Wette verloren", bemerkte er.

„Sie hatte nicht viele Gelegenheiten zum Fehler machen", erwiderte sie.

„Ich verstehe Sie nicht", sagte er.

Hestia hatte sich wieder hingesetzt und starrte in das allmählich erlöschende Feuer.
„Ich kann sie doch eh nicht daran hindern in meinem Verstand zu wühlen. Warum fragen sie?"

Er ächzte. „So einfach ist es nun auch wieder nicht"

„Was verstehen Sie nicht?", fragte sie.

„Immer noch dasselbe."

„Und warum wollen Sie das wissen?"

„Wahrscheinlich, weil Sie es mir nicht sagen wollen."

Sie schwieg, erst nach einer Weile begann sie zu sprechen.

„Ich hatte eine Schwester. Sie war drei Jahre jünger als ich. Als wir beide die Schule besuchten, war Voldemort gerade auf dem Gipfel seiner Macht – ich meine das erste Mal. Ich war damals bereits im Orden ziemlich engagiert, sehr zum Missfallen meiner Eltern. Sie sind Muggel und haben nie wirklich verstanden, was Voldemort für eine Gefahr darstellte. Sie haben ihn wahrscheinlich immer für einen gewöhnlichen Verbrecher gehalten", sie schluckte schwer, dann fuhr sie fort.

„Sie konnten mich nicht aufhalten, aber sie verhinderten, dass Amanda dem Orden beitrat. Sie war so wütend damals – auch auf mich, weil ich sie nicht mitnahm. Auf meine Eltern, weil sie es ihr verboten und auf die ganze Welt. Sie hat so wenig von dem verstanden, was damals geschah. Sie begann sich jedenfalls für unsere Eltern zu schämen und leugnete irgendwann , dass sie Muggel waren. Dann traf sie sich mit aus Trotz mir gegenüber- grundsätzlich mit Leuten, die ich ablehnte.
Das Ministerium war damals überfordert und so entstand ein blinder Aktionismus, der bald nicht mehr zu stoppen war. Eine sehr junge Beamtin im Ministerium hatte einen anonymen Tipp bekommen und man stellte einen Haftbefehl für meine vierzehnjährige Schwester aus. Sie nannten es: „Das Übel im Keim ersticken." Dumbledore war damals im Ausland und tat Gott weiß was. Wir haben ihn nicht rechtzeitig erreicht. Sie haben sie nach Askaban gebracht. An ihr konnten sie es machen ohne Konsequenzen fürchten zu müssen, ein Exempel statuieren. Ich werde den Moment nie vergessen, in dem ich damals die Unterschrift auf dem Haftbefehl las.

Henry fragte mich, was er denn hätte tun sollen. Wir waren lange zusammen gewesen, obwohl er nie dem Orden beigetreten war. Das harmonierte nicht gut mit seinem Posten im Ministerium. Ich habe ihn nie wieder gesehen, was nichts daran änderte, das meine kleine Schwester drei Wochen lang in Askaban war. Als wir sie rausgeholt hatten, war nichts mehr von ihr übrig geblieben, ich sehe heute noch ihr Gesicht vor mir. Es war so leer, als hätten die Dementoren sie geküsst. Doch das war nicht geschehen, sie war einfach verschwunden"

Hestia verstummte. Er sah sie abwartend an und sie fuhr fort: „Kurz bevor Voldemort fiel, ließ er meine Eltern ermorden. Ich weiß, dass er es war. Die Polizei fand nie heraus, wie sie gestorben sind. Aber ich musste nur ihre Gesichter sehen … hätte sie fast nicht erkannt. Sie waren ganz verzerrt. Beide haben am Ende für meine Sturheit bezahlt"

Nachdem sie geendet hatte entstand eine erdrückende Stille. „Das tut mir leid, Jones", sagte er nach einer Weile.

Sie nickte nur, dann reichte sie ihm kurz die Hand und sagte: „Ich heiße Hestia."

Er sah sie einen Moment überrascht an, erwiderte den Händedruck und sagte: „Severus"

Das Mondlicht fiel in Dumbledores Büro und warf sein helles Licht auf die vielen seltsamen sirrenden, silbernen Instrumente. Irgendetwas machte ein schreckliches Geräusch, wie ein verletztes Tier. Snape saß vornübergesunken auf einem Stuhl, und Dumbledore stand vor ihm, mit grimmiger Miene. Nach einer Weile hob Snape das Gesicht und er sah aus wie ein Mann, der hundert Jahre Elend durchlebt hatte, seit er den windumtosten Hügel verlassen hatte.

Ich dachte ... Sie würden ... auf sie ... aufpassen ..."

Lily und James haben ihr Vertrauen in die falsche Person gesetzt", sagte Dumbledore. „Ganz ähnlich wie Sie, Severus. Hatten Sie nicht die Hoffnung, dass Lord Voldemort sie verschonen würde?"

Snape atmete flach.

Ihr Junge hat überlebt", sagte Dumbledore.

Snape zuckte kurz mit dem Kopf, als würde er eine lästige Fliege verscheuchen.

Ihr Sohn lebt. Er hat ihre Augen, genau ihre Augen. Sie er innern sich doch gewiss an die Form und die Farbe von Lily Evans' Augen?"

NICHT!", brüllte Snape. „Fort... tot..."

Ist das Reue, Severus?"

Ich wünschte ... ich wünschte, ich wäre tot..."

Und was würde das irgendwem nützen?", sagte Dumble dore kalt. „Wenn Sie Lily Evans geliebt haben, wenn Sie sie wahrhaftig geliebt haben, dann ist Ihr weiterer Weg offensichtlich."

Snape schien durch einen Schleier aus Schmerz zu starren, und Dumbledores Worte brauchten offenbar lange, bis sie ihn erreichten.

Was - was meinen Sie damit?"

Sie wissen, wie und warum sie gestorben ist. Sorgen Sie dafür, dass es nicht umsonst war. Helfen Sie mir, Lilys Sohn zu beschützen."

Er braucht keinen Schutz. Der Dunkle Lord ist nicht mehr -"

- der Dunkle Lord wird zurückkehren, und Harry Potter wird in schrecklicher Gefahr sein, wenn es so weit ist."

Eine lange Pause trat ein, und allmählich gewann Snape wieder die Kontrolle über sich, beherrschte seine Atemzüge.

Professor Dumbledore, ich bin nicht in der Lage irgendjemanden zu beschützen."

Dumbledore lächelte matt, doch in seinen Augen lag etwas Gebieterisches. „Aber natürlich sind Sie das, Severus."

Nein, ich denke nicht, dass Sie verstehen. Ich bin nicht, schon seit langem nicht mehr menschlich in dem Sinne, in dem man diesen Zustand unter normalen Umständen definiert."

Sein Gegenüber blickte ihn über die Halbmondgläser seiner Brille fragend an.

Ich bin seit meinem sechsten Schuljahr ein Vampir. Ich denke nicht, dass es notwendig ist Ihnen zu erörtern, dass ich für jeden in meiner Umgebung eine erhebliche Gefahr darstelle."

Dumbledore sah Snape eine Weile nachdenklich an. „Ich glaube nicht, dass ich wissen möchte, wie Sie die letzten Jahre zu Recht gekommen sind. Aber ich weiß hingegen genau, dass Sie für alles, was sie getan haben für immer, im wahrsten Sinne des Wortes, büßen werden. Es spielt also keine Rolle, ob ich über Sie richte, das hat das Schicksal längst getan. Ich verstehe nur nicht, warum Sie mich nicht ins Vertrauen gezogen haben."

Snape schnaubte verächtlich. „Und was hätten Sie dann getan, außer mich aus der Schule zu entfernen?"

Der Schulleiter schwieg eine Weile und strich sich versonnen über den langen silbernen Bart. Dann stand er auf und stieg die kleine Wendeltreppe in seinem Büro hinauf zu einem der meterhohen Bücherregale und zog eine verstaubte Pergamentrolle hervor.

Ein sehr begabter Magier aus der Renaissance hatte einen Freund mit demselben Problem, vor dem Sie nun stehen, Severus. Sein Name war Morvial Potore und er hatte beachtliche Teilerfolge erzielt, bei der Herstellung eines Trankes, der die Symptome des Vampirismus lindern und einen Vampir nähren kann. Erstaunlich, nicht wahr?"

Snape starrte ihn verblüfft an.

Sie sind, soweit ich weiß, ein begnadeter Tränkebrauer. Es sollte Ihnen gelingen die Formeln zu vervollständigen. Spätestens nach einigen Tagen in unseren Laboratorien sollten Sie ausreichend motiviert sein, um alle Probleme dieser Welt zu lösen."

Dumbledore drückte Snape die Schriftrolle in die Hand. Dieser betrachtete sie, als hätte er noch nie zuvor in seinem Leben Pergament gesehen.

Ich weiß, dass Sie nie wieder einen unschuldigen Menschen töten wollen, Severus. Ich habe doch Recht, oder?"

Dumbledores klare Augen durchbohrten Snapes, der ihn direkt ansah und nickte.

Dann werden wir sie jetzt in die Kerker sperren."

Nur eins noch, Professor", sagte Snape leise.

Dumbledore, der gerade aus der Tür gehen wollte, drehte sich um. „Ja?"

Ich werde den Potter-Jungen beschützen, aber …" Schließlich sagte er: „Aber verraten Sie es niemals – niemals jemandem warum, Dumbledore! Das muss unter uns bleiben! Schwören Sie! Ich kann es nicht ertragen ... vor allem Potters Sohn ... ich will Ihr Wort haben!"

Mein Wort, Severus, dass ich niemals das Beste an Ihnen offenbaren werde?" Dumbledore seufzte und sah hinab auf Snapes erzürntes, gequältes Gesicht. „Wenn Sie darauf bestehen ..."

Sie schöpfte vorsichtig etwas von dem Trank ab und gab ihn mit einem leisen Schwappen in einen Becher.

„Ich denke, wir dürfen gespannt sein", murmelte Hestia und reichte ihm den Becher.

Er nahm ihn, beäugte noch ein letztes Mal kritisch den braunroten Trank und kippte ihn mit einem Mal hinunter. Angewidert verzog er das Gesicht.

„Er schmeckt genauso widerlich, wie er sollte", bemerkte er.

Hestia sah ihn gespannt an. „Wann wissen wir ob er funktioniert?"

„Morgen, denke ich. Ich bin müde", murmelte er und lies sich wieder in die Kissen sinken.

Hestia stand für einen Moment unentschlossen im Raum, dann sagte sie: „Gut ich werd' mich dann mal selber mit etwas Nahrung versorgen. Schlaf gut."

In den vergangenen Stunden hatten sie immer wieder kleine Anfälle von Übelkeit daran erinnert, dass es ratsam wäre wieder einmal etwas zu essen. Natürlich gab es im Schloss nichts Essbares und ihre trockenen Kürbispasteten hatten ihre besten Zeiten inzwischen soweit hinter sich gelassen, dass sie es lieber unterließ eine weiter davon zu essen. Also beschloss sie in der nächsten Dorfschenke eine richtige, echte und vor allem warme Mahlzeit zu sich zu nehmen.

In der Nähe des Schlosses lag das Dorf Critchton, an welchem sie auf ihrem Weg vorbeigekommen war. Es musste wenigstens zum Teil von Zauberern bewohnt sein, denn sie hatte ein paar verborgene Gebäude gesehen.

Hestia griff sich ihren Umhang und begann ihren Weg in Richtung Schlossausgang. Es war Nacht draußen, die Sterne standen hell am Himmel und der Mond warf silbernes Licht auf den unkrautüberwucherten Weg, der über das Gelände führte. Sie atmete tief ein und genoss es, ihre Lungen endlich wieder mit frischer Luft zu füllen. Angesichts dieser Annehmlichkeiten beschloss sie nicht ins Dorf zu apparieren, sondern stattdessen einen kleinen Spaziergang zu machen.

Snape blickte starr auf die Gläser, die überall auf dem Tisch verteilt standen, wohigegen seine schmalen, schlanken Hände mit hektischer Behändigkeit zwischen Kräutern, Flüssigkeiten, Tinkturen und Essenzen hin und her flitzten, dieses vermischten und jenes vermengten. In seine Stirn hatten sich tiefe Falten gegraben und er presste die Lippen fest auf einander. Der ganze Raum war erfüllt von den aufsteigenden Nebelschwaden der dampfenden Kessel. Überall verstreut lagen Pergamentfetzen mit wirr gekritzelten Notizen herum. Snape stand im Zentrum dieses Chaos, den Rücken krumm über die Arbeitsflächen gebeugt und arbeitete ohne anzuhalten, wie ein Wahnsinniger.

Nach Stunden lies er den Rührstab auf den Tisch klirren, mit dem er zuvor noch fieberhaft die Substanzen vermengt hatte. Er stützte sich schwer auf die alte Tischplatte und krallte die Finger fest um ihren Rand. Müde ließ er sich zusammengekrümmt auf einen nahe stehenden Holzschemel sinken. Mit glasigem Blick starrte er zu einem Glaskolben auf dem Schreibtisch hinauf. Er war von einer tiefroten Flüssigkeit angefüllt, die im flackernden Kerzenschein zu glimmen schien.

Dann erhob er sich wieder und beugte sich unsicher auf seinen Füßen stehend über den Tisch um den Glasbehälter zu ergreifen.

Ohne zu zögern stürzte er den Trank hinunter. Als er den Kolben wieder abstellte war sein Gesicht von Ekel verzogen und er setzte sich erneut, diesmal um zu warten.
Nach einer Weile fühlte er sich besser, doch er unterdrückte die aufkeimende Hoffnung aus Angst sich das nur einzubilden.

Snape streckte seine Hände aus und stellte fest, dass sie völlig ruhig waren, ohne jede Spur von Zittern. Beinahe wie in Trnace griff er zu einer Feder und kritzelte eine kurze Notiz auf ein Stück Pergament. Dann holte er die Eule aus ihrem Käfig, der in einer Ecke des Raumes gestanden hatte. Nachdem er die Nachricht an ihrem Bein befestigt hatte, öffnete er eines der unter der Decke liegenden kleinen Fenster und ließ die Eule ins freie.