6.

Hestia hörte ihn nicht mehr. In ihren Ohren rauschte dröhnende Stille, die nur vom Klang ihres eigenen Herzschlages unterbrochen wurde. Sie starrte durch Malfoy hindurch, als wäre er Luft und fühlte nichts, als einen kalten Hass. Ihre Betäubung hinderte sie nicht am denken. Im Gegenteil, sie hatte das Gefühl nie klarer gedacht zu haben. Schweigend ging sie ohne den hinter ihr her schnaufenden Smith zu beachten zur Tür und trat auf den Korridor hinaus.

„Das tut mir leid. Ich schwöre, dass ich das nicht gewusst habe… ich hätte nie… das hätte ich Ihnen nie angetan", ächzte er, als er ihr auf dem Flur hinterher gekeucht kam.

Hestia reagierte nicht. Sie lief weiter den Flur hinunter. Smith holte sie ein und baute sich vor ihr auf.

„Ich verstehe, dass das gerade ein ziemlicher Schock für Sie war. Aber wir müssen uns trotzdem unterhalten. Sie…"

„Sie werden ihn kriegen, dass schwöre ich. Aber geben Sie mir erst einmal meinen Zauberstab wieder", unterbrach sie ihn tonlos.

Smith glotzte sie einige Sekunden verwirrt an. Doch der Ausdruck in ihren grauen Augen sagte ihm, dass es ratsamer wäre sich flexibel zu erweisen. „Das lässt sich einrichten", sagte er. Sie nickte nur.

Schweigend gingen sie zurück zum Aufzug. Als sie mit mörderischer Geschwindigkeit wieder gen Oberfläche flogen, fragte Hestia: „Wir befinden uns, wenn ich mich nicht irre im Ministerium für Zauberei. Gibt es hier eine Bibliothek?"

Auf Smith Stirn bildete sich eine tiefe Furche, die nur zu offensichtlich seine Verwirrung kundtat. Doch dann besann er sich auf den guten Lehrsatz, man müsse freundlich zu Verrückten sein, lächelte und sagte: „Ja"

Snape stand mit verschränkten Armen am Fenster und starrte auf die nebligen Schlossgründe. Es war ein nasser und kalter Tag, der bleierne Himmel hing tief über der Erde und schien alles Leben ersticken zu wollen. Über den Schlosshof ging eine einzige dunkle Gestalt in einen dicken Reiseumhang gehüllt auf eine der Kutschen zu, die von den Thestralen gezogen wurde. Er beobachtete, wie sie eine Reisetasche durch die Kutschentür schweben lies und dann selbst die Stufen zur Kabine erklomm. Für einen Moment zögerte sie und sah noch einmal zum Schloss zurück. Dann drehte sich Odora um und stieg ein.

Die Kutsche fuhr an und hatte schnell das Tor erreicht, womit sie aus Snapes Blickfeld verschwand. Auf seinem Gesicht bewegte sich kein einziger Muskel. Nur in seinen Augen spiegelte sich ein Anflug von Bedauern. Mit einem Ruck riss er sich von dem trübseligen Anblick der öden Herbstlandschaft los und verlies die Bibliothek.

Es war erstaunlich, wie schnell man auch in einem Ministerium die Dinge vorantreiben konnte, wenn man den Mitarbeitern nur genügend Angst einflößte. Und das gelang Hestia in ihrem Zustand hervorragend. Smith hatte ihre Zusicherung das Ministerium zu Snapes Unterschlupf zu bringen. Man ging davon aus, sie würde sich in einer halben Stunde unten bei ihnen melden. Sie hatte nicht vor dort zu erscheinen, aber das wussten sie ja nicht.

Hestia betrat begleitet von einem Beamten die Bibliothek und ein Schwall von abgestandener Luft und Staub kam ihr entgegen. Die hagere Frau hinter dem Tresen schien jedenfalls gelernt zu haben auch ohne Sauerstoff zu überleben. Der scharfe Blick, den sie ihr über ihre Brillengläser zu warf, hatte jedenfalls nichts von seiner Wachsamkeit eingebüßt. Hestia knallte ihre Genehmigung auf den Schreibtisch und ging wortlos an ihr vorbei. Sie nahm ihre Umgebung ohnehin nur am Rande war und bewegte sich mechanisch wie ein Roboter durch die Regale, als sie in den hinteren Teil der Bibliothek vordrang. Bei V blieb sie stehen und griff sich eine Leiter.

Sie brauchte nicht lange bis sie fündig wurde. Sie knallte den alten Lederfolianten auf einen der kleinen Holztische, überflog das Inhaltsverzeichnis und schlug die gesuchte Seite auf. Ihre Pupillen rasten zwischen den Zeilen hin und her. Nach wenigen Minuten hatte sie die Information, die sie gesucht hatte. Sie schlug das Buch zu und stürmte, die empörten Beschwerderufe der Bibliothekarin ignorierend hinaus auf den Flur, den Beamten dicht auf ihren Fersen. Unter ihrem Umhang hielt sie ihren Zauberstab fest umschlossen. Mit einem plötzlichen Ruck blieb sie stehen, drehte sich mit einer fließenden Bewegung um und jagte dem jungen Mann einen kräftigen Schockzauber auf den Hals, der ihn augenblicklich zu Boden warf.

Hestia statt zu apparieren musste sie mit dem Fahrstuhl ins untere Stockwerk fahren um sich auf andere Weise hinaus schleichen. In der Eingangshalle herrschte dasselbe geschäftige Durcheinander wie überall auf den Gängen. Sie mischte sich ins Gewühle in der stillen Hoffnung niemandem aufzufallen und schob sich in Richtung Ausgang.

Gerade als das Portal nur noch wenige Schritte von ihr entfernt war, hörte sie dicht hinter sich eine ihr bekannte Stimme. „Jones, wo wollen Sie hin? Wir haben eine Abmachung!"

Sie drehte sich nicht um und beschleunigte stattdessen ihre Schritte, eine Schneise aus umgekippten Papierstapeln und ärgerlichen Angestellten, die ihre Ellbogen zu spüren bekamen hinter sich herziehend.

„Haltet den Ausgang verschlossen!", schnaufte Smith so laut er konnte. Hestia sah, wie ein Zauberer in Richtung Portal hechtete, den Zauberstab bereit zur Versiegelung. Doch so weit kam er nicht mehr, denn ihr Entwaffnungszauber riss ihm Zauberstab aus der Hand.

Sie rannte durch das offene Tor direkt in das Verkehrschaos der abendlichen Rushhour im überfüllten Muggellondon. Direkt vor den Augen eines sehr verstörten Lkw-Fahrers verschwand sie von der vierspurigen Straße und apparierte nach Critchton. Sie wusste, dass sie ihr folgen würden, aber bis dahin war sie längst unerreichbar.

Snape hob überrascht den Kopf, als es klopfte, dann stand er auf und öffnete.

Guten Abend, Severus. Ich hoffe ich komme nicht ungelegen", sagte Lucius Malfoy mit seiner aalglatten Stimme.

Da stand er, eleganz wie eh und je in einen langen, smaragdgrünen Umhang, mit schwerem Pelzbesatz gehüllt.

Snapes Gesichtsausdruck verhärtete sich. „Was willst du?"

Malfoy linste in Snapes Büro. „Nett hast du es hier. Nicht schlecht für einen Todesser."

Er grinste, so breit dass seine weißen Zähne Snape entgegenblitzten.

Ja, Malfoy. Ich verstehe deinen Neid. Malfoy Manor ist zu dieser Jahreszeit schrecklich ungemütlich", entgegnete Snape.

Die beiden standen einander gegenüber, Auge in Auge. Jeder wartete darauf, dass der andere unter seinem scharfen Blick einknickte und das Schweigen brach.

Ich will, dass mein Sohn bei dir ausschließlich hervorragende Noten bekommt. Er wird es in deinem Unterricht richtig nett haben. Verstehst du?", sagte Malfoy schließlich und warf seinen Kopf in einer arroganten Geste zurück.

Snape zog eine Augenbraue empor. „Und warum genau sollte ich deinen Sprössling bevorzugen?"

Malfoy grinste breit und selbstgefällig. „Anderenfalls stecke ich ihm, dass du ein kleines Lichtproblem hast. Draco ist eine kleine Plaudertasche, musst du wissen."

Snape baute sich bedrohlich vor ihm auf. „Sag deinem Bengel, dass er sich zusammenreißen soll, denn sonst stecke ich dem Ministerium, was für schöne Sachen du da so in deinem Keller hast. Borgin & Burkes sind doch praktisch deine Grundausstatter. Abgesehen davon halte ich es für fragwürdig, dass man einer Todesserbrut Glauben schenken wird."

Du solltest nicht den Einfluss der Galleone unterschätzen, Severus. So schnell durchsucht niemand mein Haus, nicht ohne dass ich mich vorher darüber informiert werde. Und zu dir, der leiseste Verdacht reicht und die Eltern rennen Dumbledore das Büro ein. Also würde ich sagen, du wirst Dracos bester Kumpel."

Mit diesen Worten drehte sich Malfoy um und ging davon.

Sanft landete sie auf einem der Hügel vor dem Schloss. Es hatte zu regnen begonnen und große warme Tropfen fielen auf sie herab. Reglos stand sie da, hielt ihr Gesicht dem Himmel entgegen gerichtet und lauschte. Es war nichts zu hören bis auf das lauter werdende Prasseln des hinabstürzenden Wassers. Sie wartete auf die Angst, auf das kalte Grauen, wie sie es immer getan hatte. Von jeher hatte sie die Angst hinter sich gebracht bevor es etwas zu fürchten gab. So konnte sie sich besser auf das konzentrieren, was vor ihr lag. Jetzt kam nichts, nicht einmal ein kleiner Schauer – nichts als kalte Leere. Die Sonne war inzwischen hinter einigen dunklen Wolken untergegangen und hatte die Ebene der näher kriechenden Dunkelheit überlassen.

Die Ruine ragte, wie ein letzter verfaulter Zahn aus der Landschaft vor ihr auf. Das Tor war nur leicht angelehnt, genauso wie sie es zurückgelassen hatte.

Kein Lufthauch regte sich auf dem großen Balkon, auf dem sie einander regungslos gegenüberstanden. Die Nacht war kalt und sternlos.

Du bist zu spät", sagte Voldemort. Die Kapuze seines schwarzen Umhangs fiel ihm ins Gesicht, sodass es zum größten Teil von Schatten bedeckt war.

Das ist mir klar. Ich gestehe, dass ich gezögert habe, weil ich nicht sicher war, ob ich es überleben würde hierher zu kommen", erwiderte Snape ruhig.

Eine seltsame Formulierung für jemanden wie dich, Severus."

Ich denke es ist überflüssig zu erwähnen, dass ich Euren Kräften trotz allem mit Respekt gegenüberstehe."

Was sollte mich denn veranlassen einen Groll gegen dich zu hegen? Etwa, dass du es dir unter Dumbledores Fittiche gemütlich gemacht hast? Nicht doch, das finde ich ganz herzallerliebst." Seine Stimme war kaum zu mehr als einem Zischen herabgesunken.

Snapes bleiches Gesicht zeigte nicht die geringste Regung.

Ich hätte Euch dort sehr nützlich sein können, wäre ich eingeweiht worden. Barty Crouch hat versagt, das wäre mir nicht passiert."

Voldemort lachte ein hohes, kaltes Lachen.

Der Junge war seit vier Jahren unmittelbar in deiner Nähe. Und es ist ihm dort ganz prächtig gegangen. Das würde ich durchaus Versagen nennen. Nicht nur, dass du nichts gegen ihn unternommen hast, du hast zu allem Überfluss darüber hinaus sein Leben geschützt. Du hingst offenbar noch immer zu sehr an diesem Schlammblut. Du bist schwach, Severus."

Snape verzog zum ersten Mal das Gesicht, als hätte man ihm etwas Widerwärtiges, Schleimiges ins Gesicht gespuckt.

Eine Sympathie für den Sohn eines Idioten lag und liegt mir fern, Euer Lordschaft. Aber ihn zu beseitigen hätte euch mehr geschadet, denn genützt."

Voldemort wirkte erstmals in dieser Nacht seiner Sache nicht ganz sicher. Er sah Snape fragend an.

Ich habe sehr viel Zeit und Muße gehabt, in der verbotenen Abteilung der Bibliothek schwarze Magie zu studieren. Unter anderem auch Horkruxe…", erklärte Snape langsam, scheinbar vorsichtig und blickte abwartend zu Voldemort.

Was willst du damit sagen?", fragte dieser lauernd.

Ich hatte schon länger eine Vermutung. Die Erschaffung eines Hokrux hinterlässt Spuren, sichtbare Spuren. Und die Prophezeiung… ergibt so einen völlig neuen Sinn."

Die Prophezeiung?" Fast hatte es den Anschein, Voldemort sei neugierig geworden.

Der Junge trägt einen Horkrux in sich. Deshalb dürft nur Ihr ihn vernichten, denn anderenfalls würdet Ihr selbst vernichtet werden. Insofern war es sogar eine Notwendigkeit sein Leben zu erhalten. Unabhängig davon hat sich herausgestellt, dass Ihr ohne ihn nur schwer hättet wieder auferstehen können, nicht wahr?"

Snape beobachtete beinahe gelassen die Wirkung seiner Worte. „Wie viel weiß Dumbledore davon?", fragte er.

Von mir? Nichts!", entgegnete Snape.

Voldemort hob seinen Zauberstab und sagte ruhig:„Crucio"

Ein Lichtstrahl schoss aus seinem Zauberstab hervor und traf Snape, der sich unvermittelt zusammenkrümmte und schließlich, sich auf dem Erdboden windend, zusammenbrach.

War alles, was du gesagt hast wahr?", fragte Voldemort über dessen Schmerzendschreie hinweg.

Ja!", ächzte Snape.

Weißt du, ich mag den Cruciatus. Er macht es unmöglich etwas zu verbergen, denn die Leute sind meistens viel zu sehr mit ihren Schmerzen beschäftigt. Interessant nicht?", fuhr Voldemort in ungezwungenem Plauderton fort ohne Snape weiter eines Blickes zu würdigen.

Dann hob er den Fluch auf und Snape hörte augenblicklich auf sich zu bewegen.

Ich hoffe, du nimmst es nicht persönlich", meinte er nur, mit dem Ton eines lieben Onkels, der seinem kleinen Neffen eine Süßigkeit entzogen hatte.

Snape richtete sich mühsam wieder auf. In dem zwecklosen Versuch, einen Teil seiner Würde wiederherzustellen, ordnete er seinen Umhang. Er sah Voldemort an und dieser sagte: „Willkommen zurück, Severus."

Hestia wusste, dass ihre Chancen auf Erfolg gering waren, doch sie konnte es nicht unversucht lassen. So grässlich es auch war, wieder einen Feind zu haben, dem sie die Schuld an ihrem einsamen und elenden Leben geben konnte, gab ihr eine Kraft zurück, wie sie seit Voldemorts Untergang nicht mehr gespürt hatte.

Ihr Plan war nicht besonders ausgefeilt. Er bestand im Wesentlichen darin, das Wasserglas zu werden das er ihr vor die Nase gehalten hatte als sie am verdursten war. Sie an sich herab und dachte, dass sie schon besser ausgesehen hatte, auch wenn das zugegebenermaßen eine ganze Weile her war. Sie zückte den Zauberstab und begann ihre Kleidung zu einem Kleid zu transformieren. Das Ergebnis war annehmbar, wenn auch nicht Ball-tauglich. Mit einem weiteren Schnippen verlieh sie ihrem Gesicht ein wenig Farbe und machte sich so gewappnet auf den Weg in den Keller.

Unten war es so dunkel, dass sie das Gefühl hatte in absolute Leere zu starren, als hätte sie genauso gut blind sein können. Sie ging ohne zu zögern weiter und als sie leise die Tür zu seiner Kammer aufschob, ohne das sich etwas regte, keimte in ihr leise Hoffnung, dass er es ihr womöglich leichter machen würde als sie geahnt hatte.

Sie bewegte sich mit äußerster Vorsicht in dem Raum auf das Bettgestell zu, auf dem sie ihn liegend vermutete. Kurz bevor sie es mit erhobenen Zauberstab erreicht hatte, erklang aus der dichten Schwärze seine Stimme.

„Ich dachte, wir wären uns einig darüber gewesen, dass du gehst."

Ihr Herz setzte für einen Augenblick aus und sie stolperte schockiert nach hinten.

Sie nahm sich zusammen und versuchte ihren flachen Atem zu beruhigen. „Lumos"

Im Licht ihres Zauberstabs konnte sie Snape auf dem Bettgestell kerzengerade sitzen sehen, die Augen direkt auf sie gerichtet. Über sein Gesicht wanderten mit jeder Bewegung ihres leicht zitternden Zauberstabes dunkle Schatten.

„Ich wollte nie gehen. Das ist mir klar geworden nachdem ich das Schloss verlassen hatte."

Mit einem beiläufigen Schnippen entzündete sie die Kerze, die auf dem Tisch stand und löschte ihren Zauberstab.

„Ein Kleid? Was ist denn der Anlass?", fragte er süffisant. Sie spürte, dass etwas an ihm seltsam war, auch für seine Verhältnisse. Etwas in seiner Stimme irritierte sie, doch Hestia beschloss nicht von ihrem Vorhaben abzuweichen.

Langsam ging sie auf das Bett zu und setzte sich neben ihn. Ihre Blicke trafen sich und eine beinahe fühlbare Stille breitete sich zwischen ihnen aus.

Vorsichtig biss sie sich auf die Lippen, lehnte sich ein bisschen vor und flüsterte: „Und jetzt?"

„Warum bist du hier?", fragte er leise und stand mit einer so ruckartigen Bewegung auf, dass sie sich zum zweiten Mal erschrak.

„Weil du mir noch einen Flug schuldest", erwiderte sie und stand nun ihrerseits auf.

Nun war es der dicht an sie herantrat und leise sagte: „Was willst du von mir?"

Dann packte er sie mit einer ungeahnt kräftigen Bewegung bei den Armen und wirbelte sie herum, so dass sie mit dem Rücken zur Wand gepresst zum stehen kam. Seine rechte Hand schloss sich fest um ihren Nacken, die linke umfing ihre Taille.

„Ist das, was du willst?", flüsterte er in ihr Ohr.

Hestia war unfähig sich zu bewegen und sah ihn wie paralysiert an, unschlüssig ob sie glauben sollte, was gerade geschah. Doch sein Verhalten entsprach tatsächlich ihren Vorstellungen und so führte sie zu Ende, was er angefangen hatte.

Ganz langsam drehte sie ihren Kopf und küsste seine kalten Lippen. Als er ihren Kuss erwiderte ließ sie ihre rechte Hand langsam an seinem Körper hinunter wandern, um sie dann in ihrem Rock verschwinden zu lassen.

Noch bevor sie ihren Zauberstab zu fassen bekam, hatte er mit einer blitzschnellen Bewegung ihr Handgelenk umklammert.

Sie noch immer mit seinem Körper an jeder Bewegung hindernd, sagte er leise: „Hast du wirklich geglaubt, dass ich es dir so leicht mache?"

Seine kalte Nähe jagte ihr einen Schauer über den Rücken, als sie spürte, wie er sich zu ihrem Ohr hinabbeugte: „Was genau haben sie dir erzählt?"

Hestia spürte wie sich ihre Eingeweide zu einem Klumpen zusammenzogen. Er zog den Kopf ein Stück zurück und fixierte sie mit seinem bohrenden Blick.

Sie wusste sofort, dass es zwecklos war ihn anzulügen, sie hatte es im Grunde die ganze Zeit gewusst.

„Ich weiß, dass sie dich geholt haben. Ich habe sie gesehen. Wann werden sie hier sein – ein, zwei Stunden?"

Sie sah ihn aus hasserfüllten Augen an, ohne jedoch ein Wort zu sagen. Er hatte ihre Hand fest in seinem Griff. Sie konnte nur noch hoffen, dass er einen Fehler machen würde.

„Was hast du jetzt vor?", flüsterte er beinahe sanft in ihr Ohr. „Du wirst mir doch nicht wirklich etwas antun wollen? Du weißt, dass du das nicht kannst!"

Er ließ sie los und trat einen Schritt zurück.

„Ich hatte gedacht, dass du wusstest worauf du dich einlässt, als du hier her kamst. Deinen Mut in ehren hier vor den Bürohengsten aus dem Ministerium aufzutauchen, ich hätte dich für klüger gehalten."

„Was soll ich denn gewusst haben, Severus?", fragte sie leise.

Ein kaltes Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. „Das ich ein Todesser war. Ich habe dir gesagt, was dich erwartet, aber du warst so beschäftigt vor deinem eigenen Leben wegzulaufen, dass du nicht zuhören wolltest. Ich habe dich gewarnt"

„Ich weiß nicht mehr was ich weiß oder was ich glaube"

„Du hast uns alle verraten nicht wahr?" Sie wollte ihn ablenken, ihn irgendwie dazu bringen unaufmerksam zu sein, doch er sah sie nur mit leicht gehobener Augenbraue fragend an.

„Du wusstest von den Horkruxen lange vor Dumbledore. Wahrscheinlich hast du ihn direkt in die Falle gelockt, die Voldemort für ihn gelegt hatte", fuhr sie fort.

Snape zog eine Augenbraue hoch und erwiderte: „Dumbledore, unser lieber guter alter Dumbledore. Er wirkte immer so herrlich Vertrauens erweckend, nicht wahr.
Alles, was Potter in dieser Nacht erfahren hat, war die Wahrheit. Man kann ein Denkarium nicht fälschen, wenn man zerfetzt auf der Erde liegt. Potter verdrängt gerne, aber er hat in meinen Erinnerungen etwas gesehen, dass sein großer Mentor ihn vors Schafott führen wollte, zum Wohle aller natürlich. Ja, ich habe ihm die Horkruxe verschwiegen, weil ich wusste, dass es so kommen würde. Als Lily starb, schwor ich ihren Sohn schützen und das tat ich weil ich Lily geliebt habe."

Es entstand eine gespannte Stille und Hestia war nicht sicher ob sie wirklich mehr hören wollte.

„Du kannst dir denken, was ich von seinem genialen Plan hielt, Voldemort den Jungen töten zu lassen, in der Hoffnung, dass er sich dabei selbst in die Luft jagt. Ich war 16 Jahre in diesem Kerker eingesperrt um zu verhindern, dass dem Jungen etwas zustößt. Das Harry Potter noch am Leben ist, ist reine Glückssache – Dumbledore konnte es nicht wissen.

Aber er hat mich ja für meine Treue entschädigt. Er hat mir seinen Zauberstab vermachen wollen, für den mich der dunkle Lord letztendlich umbringen wollte. Ich war ihm so dankbar, als ich auf dem Boden der heulenden Hütte lag"

Nachdem Snape geendet hatte, sah Hestia ihn versteinert an und wusste unwillkürlich, dass er die Wahrheit gesagt hatte.

„Es spielt keine Rolle mehr. Ich bin hier, weil du meine Eltern ermordet", sagte sie und erschrak über ihre eigene Gleichgültigkeit. Zum ersten Mal in dieser Nacht breitete sich Schrecken auf seinem Gesicht aus. Sie nutzte seinen Schock um ihren Zauberstab zu packen und auf ihn zu zutreten. „Flamma daemon", schrie sie und umfing ihn mit ihren Armen, während aus ihrem Zauberstab eine gewaltige Flamme hervortrat und zu einem Ungetüm formte, dass sie beide umschloss.

Durch ihren Kopf hallten noch immer die Worte des Professors Abrosum: „Die einzige wirklich erfolgreiche Methode, einen Vampir endgültig unschädlich zu machen, ist ein Dämonenfeuer."

Snape riss sich ruckartig von ihr los, durch das an ihr zehrende Flammenmeer konnte sie sehen sie seine dunkle Silhouette den Arm hob und den Zauberstab auf die Flammen richtete. Sie hatten beide Feuer gefangen und der kleine Raum war von tödlicher Hitze erfüllt wird. Bevor sie das Bewusstsein verlor sah sie wie Snape die Flammenwand zurückdrängte. Sie fühlte eine dumpfe Erleichterung als sie in die Dunkelheit glitt.

„Consanesco" Seine wispernde Stimme drang dumpf an ihr Ohr. Hestia das Feuer brannte noch immer auf ihrer Haut, als sie widerwillig ins Bewusstsein zurückkehrte.
Snapes grauenhaft entstelltes Gesicht tauchte in ihrem Gesichtsfeld auf. Seine Haut hing in rohen Fetzen schwarz über seinen hohlen Wangenknochen und in seinen Augen stand der helle Wahnsinn. Ihr Verstand war von einem dichten Nebel aus Schmerz verhüllt, sie begriff nicht was hier geschah.

„Consanesco"
Er versuchte es noch einmal, doch auch dieses Mal zeigte sich kaum Wirkung. Stattdessen engte sich ihr Blickfeld erneut ein und dunkle Flecken begannen vor ihren Augen zu tanzen.

„Lass mich los!", stieß sie brüchig hervor. Allmählich begriff sie, dass sie nicht mehr wirklich brannte, das vermeintliche Feuer brannte in der gewaltigen Wunde zu der ihr Körper geworden war.

„Du bist schwer verletzt!", seine Stimme war nicht mehr als ein heiseres Flüstern.

„Fürchtest du etwa ich könnte sterben?", fragte sie bitter und hustete gleich darauf so stark, dass sie meint innerlich zu explodieren.

Sie konnte spüren, dass er zitterte. „Es tut mir so leid."

„Lass es!", presste sie mühsam hervor, als er ein drittes Mal den Zauberstab hob.

Sie wusste, dass sie starb und es erstaunte sie nicht, dass sie nicht einmal ein wenig Angst fühlte – nur leere Gleichgültigkeit dem gegenüber, was mit ihr geschah.

„Ich werde es nicht zulassen", flüsterte er fieberhaft und beugte sich dicht über sie. Seine Haare strichen über ihre Wange. „Was tust du?", flüsterte sie.

Anstatt zu antworten, versenkte er vorsichtig seine Zähne in ihrem Hals, so sanft als würde er sie küssen und begann ihr Blut zu trinken. Hestia spürte seinen Biss nicht, doch etwas in ihr bäumte sich dagegen auf. Durch die trüben Schleier ihres Bewusstseins ahnte sie, dass etwas Schreckliches mit ihr geschah. Nach einer Weile setzte er ab und hob seine eigene Hand. Mit einer entschlossenen Bewegung riss er sich eine klaffende Wunde in den völlig verbrannten Handrücken und presste ihn an ihren Mund.

„Trink das! Sofort!", befahl er.

Sie spürte wie seine Worte langsam, wie durch klebrigen Brei, zu ihr durchsickerten. In einer entlegenen Ecke ihres Gedächtnisses fand sie eine Erinnerung. Ihre letzten Kraftreserven wurden einem letzten Aufbäumen geopfert.

„Nein! Lass mich sterben!", keuchte sie. Doch er fixierte mit seinen schwarzen Augen ihre und sprach mit eindringlicher Stimme: „TRINK"

Hestia wollte sich schreien, sich wehren, doch sie tat nichts der gleichen. Sie spürte mehr als das sie begriff, wie sie gehorsam die schwarze Flüssigkeit trank, die von seiner Hand tropfte. Das Schlucken bereitete ihr unvorstellbare Schmerzen, bis sie endlich in stille Dunkelheit sank.

Mit einem Mal war es ganz still geworden. Die Schritte waren verklungen und hatten nichts als Dunkelheit und Stille zurückgelassen. Regungslos lag er da und starrte an die Decke, während er spürte, wie langsam mit seinem Blut auch die Kraft aus seinem Körper strömte. Severus machte Anstalten den Kopf zu heben, doch selbst wenn der sofort einsetzende Schmerz irgendwie ertragbar gewesen wäre, wäre es ihm ohnehin nicht gelungen sich aufzusetzen. Nagini hatte ihn übel zugerichtet. Gedankenverloren malte er kleine Kreise in den staubigen Boden neben sich und versuchte den bohrenden Schmerz an seinem Hals zu ignorieren.

Es war das erste Mal seit Jahren, dass ihm seine Einsamkeit derart schmerzhaft bewusst wurde. Er wusste, dass wenn Voldemort die Chance bekam zurückzukehren, er Nagini ihr Werk vollenden lassen würde. Auf dem staubigen Boden liegen zu bleiben schien unklug und doch konnte es sich nicht dazu durchringen sich zu erheben.

Er konnte nicht leugnen, dass sich, trotz aller Gleichgültigkeit, etwas schaudernd in ihm zusammenzog, wenn er daran dachte von der Schlange zerfleischt zu werden.

Er hatte keine Angst vor dem Sterben -Tod war ohnehin ein Begriff zu dem er jeden Bezug verloren hatte - sondern viel mehr die Ungewissheit dessen, was darauf folgte.

Unruhig tippte er mit den Fingern auf die alten Holzdielen und lauschte dem Klang ihres dumpfen Widerhalls. Dann traf er eine Entscheidung.

Dem Schmerz zum Trotz presste er die Hände auf die Erde und begann langsam sich aufzusetzen. Er presste die Lippen fest aufeinander, um nicht vor Schmerz laut auszuschreien. Wie in Zeitlupe richtete er sich auf und suchte nach seinem Zauberstab. Er lag vergessen in einer staubigen Ecke. Er schnippte kurz mit den Fingern und murmelte „Accio". Gehorsam, wenn auch nicht ganz so zügig, wie sonst flog der Zauberstab in seine ausgestreckte Hand.

Wenige Minuten später verschwand Snape in der Dunkelheit.

So Fortsetzung folgt, wenn es euch gefallen hat denkt an das den Review-Button, wenn nicht gilt das natürlich genauso

danke fürs lesen :)