Ein verhängnissvoller Fehler

Creckdon war ein wahrer Riese: Seine abgewetzte schwarze Lederjacke spannte sich über breite Schultern, die markanten Gesichtszüge und das stoppelige schwarzes Haar passten wie perfekt zueinander - und trotz diesem plump erscheinenden Wesen bewegte er sich ertaunlich galant und flink. Es wirkte für Tonks fast schon verführerisch, sie konnte förmlich seine schwarze Aura spüren.

Was soll ich tun? Er ist ja gerade zu gewaltig! Ünbewusst langte ihre Hand nach Moodys braunem Mantel um sich daran festzuhalten.

"Weg da", knurrte der Todesser sie an und zuckte seinen Zauberstab, "du bist eine hübsche, junge Frau. Bei dir kann ich vielleicht eine Ausnahme machen." Damit schob er sich näher an die beiden heran, sodass sein nach Minze riechender Atem zwischen ihnen stand.

Mad-Eye sties mich beinahe gelassen zur Seite und fauchte: "Nur zu! Aber mich kannst du mit Sicherheit nicht laufen lassen. Ich würde dich umbringen oder -noch besser- ach Askaban schicken. Die Dementoren würden ein großes Vergnügen haben!"

Uaaaahhh... Alastor konnte wirklich gruselig sein. Ich mach mir gleich in die Hose. Und... Wo ist mein Zauberstab? Ahhhh... Hosentasche... Und es sind auch noch alle Pobacken dran.

"Komm doch! Du bist alt geworden, Auror! Findest du nicht auch, deine Zeit ist vorbei?", reizte Creckdon mit seiner tiefen Stimme. Er richtete seinen Zauberstab erst auf Moody, dann auf sie.

"STUPOR!"

ooooooOOOOOoooooo

Unter rotem Blitzlicht konnte man sehen, wie Tonks nach vorne kippte. Doch der Todesser machte keinen Halt und richtete den Stab wieder auf sie, jederzeit bereit, erneut abzufeuern.

"Lass das arme Mädchen in Ruhe! Kämpfe leiber mit mir!", schrie Moody, als er voller Entsetzen auf Nymphadoras Körper blickte. Der Zauberstab zitterte zwischen seinen Fingern. Wieso war er so tief berührt? Er hatte schon zig Morde durch Todesser erlebt, Harrys Eltern waren nur ein kleines Beispiel dafür. Dennoch hatte er es immer als neue Antriebskraft gesehen, eine Tat, die ihn nur noch mehr dazu brachte, Voldemorts Anhänger zu jagen. Doch dieses Mal war es anders. Er hatte Angst.

Creckdon genoss seine Gefühle. "Du zeigst endlich Gefühle, alter Mann! Nie hast du sie zugelassen, immer waren sie ein Schwachpunkt für dich. Sie aber...", mit einem Nicken deutete er auf Tonks "scheint dich berührt zu haben. Es ist wie mit deiner Tochter, damals." Grinsend richtete er nun den Stab auf Moody, sodass er ihm in gleicher Stellung gegenüberstand. Die Bosheit kroch aus seinen Augen.

Alastor spürte einen stechenden Schmerz in seiner Brust. Erinnerungen stürzten auf ihn ein.

..."Daddy komm mal schnell! Ich kann aus meiner Hand schon eine Rose wachsen lassen!" Emilia drehte sich zu ihrem Vater um und betrachtete sein rauhes Gesicht. Schon jetzt trug Alastor Narben, doch sie schienen rosig und frisch zu sein und gaben ihm ein verwegenes Aussehen. Sie betonten seine blauen Pupillen und die feine Nase, unter der im Gesicht kleine, goldene Stoppeln bis zum scharfen Kinn flossen. Ein glücklicher Ausdruck stand in seinen Augen, zerfloss in seinen Lachfältchen. "Das machst du gut, kleine Maus. Sollen wir es deiner Mutter zeigen?" "Ja", lachte Emilia mit ihrer Stimme, die wie tausend klirrende Glöckchen klang. Gemeinsam verließen sie den Garten mit seinem deftig grünen Gras und den duftenden Alpenveilchen und gingen in das kleine, aber gemütliche Haus...

"Nein!" Es schien ihm das Herz zu zerreissen, all das, wovor er sich jahrelang abgeschirmt hatte, stürzte auf ihn ein. "Woher weisst du davon?"

"Todesser kennen die Schwachpunkte von Auroren. Allesamt. Doch erst jetzt ist die Zeit gekommen, deinen Willen zu brechen. Der dunkle Lord wird mich dafür zu einen von den besten machen. Dann bin ich größer als Lucius Malfoy, stärker als Delwish und ein besserer Schauspieler als Snape. Wohlgemerkt, der Severus Snape." Er stockte, hörte aber nicht auf, überlegen zu lächeln. "Wie lange kennst du die junge Aurorin schon? Ich nehme an, nicht viel länger als ein paar Tage. Und dennoch hat sich dein Beschützerinstinkt gemeldet. Sie sieht deiner Tochter so ähnlich, oder? So ähnlich... Ähnlicher als alle anderen, die du bis jetzt ausgebildet hast. Wer weis, vielleicht ist sie ja auch deine Tochter?"

Das war zu viel. Zu viele Erinnerungen stürzten auf den Auror ein, zu viele Emotionen, wie er sie seit Jahren nur selten zugelassen hatte. Ein wahrer Pulk entstand und nahm ihm die Sicht.

"Harte Schale, weicher Kern, was? Keine Angst, ich mache es schnell. Es wird gar nicht wehtun... Obwohl, ein netter kleiner Crucio..."

"NEIN!", schrie Moody zornig. Zum ersten Mal in seinem Aurorenleben lies er sich von Gefühlen leiten. Er wollte nur fliehen von diesem schrecklichen Ort der Erinnerung... "Imobilius!" Der Todesser wich seinem Fluch geschickt aus. "Petrificus Totalus!" Wieder. "BOMBADA!" Das konnte doch nicht wahr sein!

"Du denkst nicht mehr, oder? Nein, Wut und Schmerz haben vollkommene Kontrolle über dich erlangt. Weisst du noch, wie man kämpft?" Spöttisch wich er einem weiteren Zauber aus. "So geht das. CRUCIO!"

Moody schrie vor Schmerzen. Sie brannten sich in seinen Adern ein, zermalmten sein Herz und füllten seine Lungen.

Endlich, nach ungefähr einer Minute, lies der Kopfgeldjäger von ihm ab. "Ich spar dich mir für später auf. Leider, wegen all den wertvollen Informationen, die in deinem Köpfchen stehen." Er zielte. "STUPOR!"