Nächtliche Begegnung
„Guten Abend Melchior nehmen sie doch bitte Platz. Neben Heaven ist noch ein Stuhl frei", sagte Minerva und deutete auf den freien Stuhl neben Heaven. Mit einem freundlichen Lächeln nahm der junge Mann neben Heaven Platz. Minerva gab weitere für das neuen Schuljahr wichtige Änderungen bekannt. Eine Stunde später waren alle Änderungen genannt und Minerva entliess ihre Kollegen. Einige gingen sofort, die meisten bleiben jedoch noch einen Moment beisammen, so auch Heaven und Melchior. „Sie sind also Heaven?", fragte Melchior die junge Frau neben sich. „Ja, Heaven McAdam." „Und was unterrichten sie wenn ich fragen darf?" „Sicher dürfen sie das. Ich werde Verteidigung gegen die dunklen Künste unterrichten und Zaubertränke, solange Mr. Snape gesundheitlich verhindert ist." „Das heisst sie sind dieses Jahr auch neu hier?" „Ja, das ist mein erstes Jahr hier." „Verteidigung und Zaubertränke sagen sie. Verteidigung war eines meiner Lieblingsfächer. In Zaubertränke war ich leider nicht so begabt." „Ich habe meinen Meister in Zaubertränke gemacht", erklärte Heaven. „Sollte ich irgendetwas haben werde ich zu ihnen kommen", scherzte Melchior. Heaven musste schmunzeln. „Sagen sie wie alt sind sie Heaven?" „26, wieso fragen sie?" „Sie waren nicht hier auf Hogwarts oder?" „Nein, war ich nicht. Wieso wollen sie das wissen", fragte sie skeptisch. „Nun eine so hübsche junge Frau wäre mir sicherlich aufgefallen, auch wenn ich nur mein letztes Jahr hier auf Hogwarts verbracht habe." „Wieso nur ihr letztes Jahr?" „Meine Eltern haben darauf bestanden, dass ich Privatunterricht bekomme. Ich wollte das nie, ich wollte immer nach Hogwarts. Meine Freunde haben mir immer erzählt wie toll es doch hier wäre und im letzten Jahr habe ich es dann geschafft meine Eltern zu überzeugen mich doch nach Hogwarts zu schicken und da ich 27 bin hätte ich ihnen eigentlich begegnen müssen." „Es scheint mir so, als wären ihre Eltern sehr streng." „Ja, das sind sie. Zum Glück kann ich jetzt mein eigenes Leben führen und sehe meine Eltern nicht mehr so oft, nur zu den Geburtstagen und eventuell zu Weihnachten." - „Ich kenne meine Eltern kaum, sie sind früh gestorben. Meine Mutter direkt bei meiner Geburt und mein Vater als ich viereinhalb Jahre alt war." „Das tut mir Leid für sie. Und wie ging es dann weiter für sie?" „Das geht sie nichts an!", zischte sie. „Entschuldigung es steht mir nicht zu, sie über ihre Vergangenheit auszufragen, wir kennen uns ja kaum." „Nein, also… ich… mir tut es leid, meine Vergangenheit war keine über die man gerne erzählt, aber das hat ja nichts mit ihnen zu tun." „Ich werde sie nicht mehr über ihre Vergangenheit fragen, versprochen", sagte er. Heaven nickte. „Es ist spät, ich denke ich werde jetzt in meine Räume gehen", meinte Heaven. „Es ist wirklich spät geworden, ich denke ich werde auch gehen", stimmt er ihr zu. Als sie aufstanden und ihre Stühle an den Tisch rückten merkten sie, dass sie die letzten in Raum waren, alle anderen waren schon gegangen. „Ich begleite sie, wenn das für sie in Ordnung geht?", fragte Melchior. „Gerne, meine Räume liegen in der ersten Etage." „Ich muss in die dritte, aber mein Büro liegt ebenso in der ersten Etage." - „Mein Büro liegt in der zweiten. Nun dann gehen wir." Sie gingen schweigend den Flur entlang, man hörte nur das Echo ihrer Schritte. „Was haben sie gemacht bevor sie die Stelle für Verwandlung angenommen haben?", fragte Heaven. „Ich bin gereist." „Wo waren sie denn überall?" „Hm, also zuerst war ich nur in Frankreich, Deutschland, Spanien, Italien und so weiter. Dann bin ich in die USA, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten und dann bin ich wieder hier her zurück. England ist doch am schönsten, obwohl ich sagen muss das Wetter war fast überall besser. Als ich dann wieder hier war habe ich von der Schlacht hier auf Hogwarts gehört, ich habe beim Wiederaufbau geholfen und dann hat mir Minerva die Stelle angeboten. Ich war einer ihrer Lieblingsschüler obwohl ich ein Ravenclaw war. Was haben sie gemacht?" - „Ich hab in einem Chemielabor gearbeitet." „Chemielabor, was ist das?" „Ein Chemielabor, nun zuerst müsste ich wahrscheinlich erzählen, dass es sich dabei um etwas aus der Muggelwelt handelt. Sie müssen wissen ich bin Muggelstämmig. Also erst einmal Chemie. Chemie ist eine Naturwissenschaft, die sich mit dem Aufbau, den Eigenschaften und der Umwandlung von Stoffen beschäftigt und ein Labor, da erforscht man Dinge oder arbeitet mit ihnen. Ich habe mit chemischen Stoffen gearbeitet." „Jetzt habe ich noch mehr Fragen als vorher", stellte er fest. „Hm, in gewisser Weise könnte man Chemie in etwa mit Zaubertränke vergleichen. Wie wäre es wenn ich ihnen morgen ein Buch über Chemie vorbei bringe? Oder sie kommen einfach um 12.00 Uhr zu mir?" Er schien kurz zu überlegen, aber dann nickte er.
Schweigend durchquerten sie die Eingangshalle, als Heaven aus Richtung der Kerker Schritte hörte. Das kann ja eigentlich nur Severus sein, dachte sie und sie hatte Recht behalten. Nur kurze Zeit später trat der dunkle Mann ebenfalls in die Eingangshalle, doch er schien sie und Melchior gar nicht zu bemerken. „Guten Abend Severus", grüsste sie und musste ein Lachen unterdrücken als er sich ruckartig herum drehte. Seine Augen fixierten erst sie, bis sie weiter wanderten um ihre Begleitung zu mustern.
„Minerva hat sie sicher darüber informiert, dass sie hier keinen Besuch empfangen dürfen. Machen sie, das ihr Freund hier verschwindet oder ich sorge dafür", zischte er gefährlich. Mit Genugtuung beobachtete er wie der junge Mann neben Heaven erst zusammen zuckte und dann einen nervösen Blick zu Heaven warf, doch diese zuckte nicht einmal mit den Wimpern. „Natürlich hat Minerva mich darüber informiert, dass ich keinen Besuch empfangen darf", erwiderte sie nur. „Dann setzten sie sich über die Regeln der werten Schulleiterin hinweg", klagte er sie an. „Ich bin mir keiner Schuld bewusst", konterte sie. „Nun, dann dürfte es sie auch nicht stören wenn ich mich auf der Stelle zur Schulleiterin begebe und sie über das Treffen informiere", verkündete er bedrohlich. Es verärgerte ihn, dass sich Heaven nicht aus der Ruhe bringen liess, im Gegenteil sie schien von dem was sie machte sehr überzeugt zu sein. „Tun sie was sie nicht lassen können, Severus, aber ich kann ihnen sagen dieser Weg wäre umsonst."
„Was fällt ihnen ein an meinen Entscheidungen zu zweifeln?", donnerte er durch die Eingangshalle, sodass sein Echo widerhallte. Melchior zuckte zusammen und fragte sich wie die hübsche junge Frau neben sich so gelassen auf die Anfeindungen dieses Kerls reagieren konnte. „Vielleicht, weil sie erst einmal die gesamte Situation überblicken sollten?", schlug sie mit einer unschuldigen Stimme vor. Severus schien kurz davor in die Luft zu gehen. „Ehe sie mir unterstellen ich würde die Regeln brechen. Haben sie überlegt, dass dieser junge Mann neben mir vielleicht gar nicht mein Freund ist?", fuhr sie unbeirrt fort. Severus holte gerade Luft um etwas auf diese Anschuldigung zu erwidern, da fuhr ihm Heaven über den Mund. „Wenn ich vorstellen darf, Melchior Eltringham, der neue Kollege für Verwandlung, Severus Snape, der krankgeschrieben Professor für Zaubertränke." Damit war die Unterhaltung für Heaven beendet und sie drehte sich um den Weg zu ihren Räumen fortzusetzten. Nach einem ängstlichen Blick zu seinem neuen Kollegen machte Melchior dass er hinter Heaven her kam.
Severus blieb überrascht in der Halle zurück und starrte auf die Stelle, auf der bis eben Heaven gestanden hatte. Irgendetwas hatte diese Frau an sich, dass ihn verrückt machte, er war sich nur noch nicht sicher was, aber er tendierte stark auf ihr unerschrockenes Verhalten ihm gegenüber. Schliesslich machte er sich auf den Rückweg zu seinen Räumen und es senkte sich eine gespenstige Stille über Hogwarts, die es wenn die Schüler wieder aus den Ferien zurück wären nicht mehr geben würde.
