Ein verhexter Zauberstab und andere Probleme
Heaven sass auf dem Sofa und wartete auf Melchior. Das Buch über Chemie mit welchem sie hoffte ihm erklären zu können was Chemie denn sei, hatte sie griffbereit auf den Tisch gelegt. Schliesslich klopfte es im Sekundentakt an der Tür, doch bevor sie irgendetwas machen konnte wurde sie auch schon aufgerissen. Ein ziemlich missgelaunter Severus funkelte Heaven böse an.
„Entschuldigen sie mal, was fällt ihnen ein, einfach so in meine Räume gestürmt zu kommen", fauchte sie ihm von dem Sofa entgegen.
„Was mir einfällt, was mir einfällt! Was fällt ihnen ein, einfach so meinen Zauberstab zu verhexen", schrie er fast vor Wut. „Wenn sie nicht mit ihrem Zauberstab umgehen können ist DAS nicht mein Problem. Ich möchte sie bitten meine Räume nun zu verlassen, denn ich erwarte noch Besuch", sagte sie, stand vom Sofa auf und öffnete die Tür. „Ich denke nicht daran zu gehen, bevor sie meinen Zauberstab nicht wieder in Ordnung gebracht haben", zischte er. „Wenn sie ein Problem mit ihrem Zauberstab haben, würde ich ihnen Raten einen Zauberstabmacher aufzusuchen um ihn zu fragen was mit ihrem Stab ist. ICH kann ihnen dabei nicht helfen", stellte sie trocken fest und deutete unmissverständlich auf die Tür. „Jetzt tun sie doch nicht so als wüssten sie nicht was mein Problem wäre, sie wissen es ganz genau", seine Geduld war ausgeschöpft und er trat wütend einige Schritte auf sie zu. Sie betrachtete jeden seiner Schritte, wich aber nicht zurück, sodass er etwa einen Meter von ihr entfernt stehen blieb und sie wütend anfunkelte. Heaven tat ihrerseits einen Schritt auf ihn zu, nun trennte sie nur noch wenige Zentimeter. Erst jetzt stellte sie fest wie gross er doch war, denn sie musste ihren Kopf heben um ihm ins Gesicht zu sehen, doch das schüchterte sie nicht ein. Auch nicht das wütende Funkeln, was sie in seinen schwarzen Augen beobachten konnte. „Ja, ich weiss ganz genau was ihr Problem ist. Ihr Problem bin ich und das ich die Stelle in Verteidigung bekommen habe und sie mal wieder nur die Stelle in Zaubertränke", flüsterte sie, so dass er sich nach vorne beugen musste um sie zu verstehen.
Als er jedoch hörte was sie sagte war entsetzt darüber, dass sie wusste, dass er die Stelle in Verteidigung haben wollte. Von wem hatte sie das nur erfahren? Von Minerva wahrscheinlich, überlegte er und schwor sich die Schulleiterin beim nächsten Treffen zur Schnecke zu machen. Obwohl... dann war er seine Stelle wohl schneller los, als das er "Hogwarts" sagen könnte. Als hätte sie seine Gedanken erraten fuhr Heaven fort. „Bevor sie sich Gedanken darüber machen wer mir das erzählt haben möchte, ich bin ganz alleine darauf gekommen." Nun, dass stimmt zwar nicht, aber sie würde Hermine nicht verraten.
Er senkte seinen Blick um ihr Gesicht zu mustern, um zu erkennen ob es eine Lüge war, jedoch blieb er bei ihren Augen hängen.
Schon beim ersten Mal als er sie sah hatte er erkannt, dass sie grüne Augen hatte, als er ihr jedoch jetzt so nah war hatte er das Gefühl Lily -seiner Lily- in die Augen zu sehen. Sie hat genau die gleichen Augen wie Lily.
Heaven's Stimme riss ihn aus seinen Gedanken. „Wenn sie dann nun gehen würden oder muss ich ihnen erst Beine machen." Der Satz traf ihn unvorbereitet, denn genauso jagte er immer Schüler aus seinem Büro und nun wurde der Satz gegen ihn verwendet. So durcheinander wie er nun war tat er etwas was er seit Ewigkeiten nicht mehr gemacht hatte; er trat den Rückzug an. Floh regelrecht aus ihren Räumen. Am Ende des Ganges traf er auf Melchior, der aufgrund Severus Gesichtsausdruck beinah in Ohnmacht gefallen wäre. Als Melchior dann wieder nach vorne sah, erblicke er Heaven, die in der Tür zu ihren Räumen stand und Severus mit ihren Augen verfolgte, bis dieser um die Ecke verschwunden war. Ihre Augen wanderten den Gang zurück und trafen auf Melchior, sofort hellte sich ihr Gesicht auf und sie lächelte ihn an. „Guten Tag, Melchior ich habe sie schon erwartet", grüsste sie ihn.
„Guten Tag, entschuldigen sie die Verspätung, aber Minerva hat mich auf dem Flur abgefangen und mir den Lehrplan gegeben", sagte er und trat auf Heavens Aufforderung hin an ihr vorbei. „Setzen sie sich doch. Wollen sie etwas trinken, eine Tee vielleicht?", fragte sie. „Ja, ein Tee ist ein guter Vorschlag", erwiderte er und nahm auf dem Sofa Platz. Heaven verliess das Zimmer um Tee zu machen. In einer Ecke stand ein ebenholzfarbener Flügel. Etwas weiter stand ein kleines Bücherregal vollgestopft mit Büchern, die keine besondere Ordnung aufwiesen, Fachbücher standen neben Annalen und Romanen. Neben dem Regal befand sich die Tür durch die Heaven verschwunden war, er vermutet, dass sie in einen Flur führen würde, denn ausser der Eingangstür befand sich keine weitere Tür in diesem Raum. Vor dem Kamin, der gegenüber des Regals in die Wand eingelassen war, standen zwei bequeme Sessel, sowie ein kleiner Tisch, auf dem ein Bucher über Chemie lag, und das Sofa auf dem er Platz genommen hatte.
Vom Kamin aus links befand sich eine Fensterfront, von der aus man auf den grossen See und den dahinter liegenden verbotenen Wald werfe konnte. Gegenüber der Fensterfront befand sich die Tür durch die er den Raum betreten hatte. In der Mitte des Raumes lag ein grosser, weichaussehender, türkisblauer Teppich. Als er fertig mit der Betrachtung des Raumes war weckte das Buch, das auf dem Tisch vor ihm lag sein Interesse. Er nahm es in die Hand und schlug es auf der ersten Seite auf und las ein paar Zeilen bis er einfach die Seiten umblätterte und die Bilder betrachtete. Als er sich gerade eine Zeichnung des Sauerstoffatoms ansah, kam Heaven mit einem Tablett in der Hand wieder. „Und hast du jetzt eine Vorstellung was Chemie ist?", fragte sie. Leicht erschrocken sah er auf -er hatte sie nicht kommen hören- schüttelte kurz darauf verneinend mit dem Kopf. „Es scheint aber interessant zu sein. Sagen sie mal was wollte Sna… äh Severus denn vorhin von ihnen, er sah wütend aus als er an mit vorbei ging?", fragte er neugierig. Das er wütend aussah und an ihm vorbei ging, war die Untertreibung des Jahres. Um den Gesichtsausdruck zu beschreiben, hätte man ein neues Wort erfinden müssen und er rauschte auch eher an ihm vorbei als das er ging. „Ach, er war der festen Überzeugung, dass ich seinen Zauberstab verhext hätte. Ich haben ich daraufhin gewiesen, dass wenn er ein Problem mit seinem Zauberstab hat zu einem Zauberstabmacher gehen soll und ihn dann aus meinen Räumen geschmissen", erzählte sie ihm. „Und er ist einfach so gegangen?", fragte er erstaunt, kannte er Severus ja noch von seiner Schulzeit als Professor. „Nach dem ich ihm gedroht habe Beine zu machen, ja. Er sah leicht erschrocken aus der Gute", beantwortete sie die Frage. Melchior schaute sie überrascht an, woraufhin sie leichtlächelnd mit den Schultern zuckte und ihm dann eine Tasse mit Tee reichte. Er nahm sie dankend entgegen und trank einen Schluck, überrascht über den Geschmack sah er fragend zu Heaven. „Melisse, Lavendel, Passionsblume und Rose", zählte sie die Inhaltsstoffe auf. „Er schmeckt gut und ich fühle mich so ruhig und entspannt", stellte er fest. „Ich habe ihn selbst hergestellt und er soll Ruhe und Entspannung bewirken." Er trank erneut einen Schluck und rückte dann ein Stück zur Seite, damit Heaven sich neben ihm aufs Sofa setzten konnte, diese kam der stillen Aufforderung nach und nahm das Buch, was er aufgeschlagen auf den Tisch gelegt hatte und legte es auf ihren Schoss. Er sah ihr aufmerksam dabei zu. Schliesslich begann sie ihm mithilfe des Buches zu erklären was Chemie ist. Eine Stunde später hatte er eine ungefähre Ahnung und konnte sich vorstellen was sie früher gemacht hat. Sie sassen eine weitere Stunde beisammen und sie hörte Melchior zu wie er über das eine Jahr, das er aus Hogwarts verbracht hatte, erzählte. Stillschweigend waren sie in dieser Zeit auf das "du" übergegangen. Nach dem Ärger mit Severus wurde der Tag, für Heaven doch noch ganz schön und sie hatte zusammen mit Melchior viel Spass. Doch leider erinnerte diese Momente sie auch an ihre beiden Jungs zu Hause und sie fasste den Entschluss ihnen möglichst bald einen Brief zu schreiben. Sie dacht darüber nach, was die beiden jetzt gerade wohl machten, wahrscheinlich waren sie wenn so gutes Wetter war wie auf Hogwarts mal wieder zum See gefahren, zum Baden. „Ich glaube es wird dann mal Zeit", sagte Melchior schliesslich, schlug leicht mit seinen Händen auf die Oberschenkel und risse Heaven damit aus den Gedanken. „Wenn du meinst, es ist zwar noch nicht Zeit zum Abendessen, aber okay", stellte sie enttäuscht fest. „Ich treffe mich noch mit meinem Freund", erzählt er ihr, „wir gehen zusammen essen." Heaven, die während des Gespräches herausgefunden hatte, dass Melchior vom andren Ufer war, grinste. „Na dann wünsche ich euch einen schönen Abend und guten Appetit." Sie standen auf und Heaven öffnete die Tür. „Dir auch noch eine schönen Abend", wünscht er ihr und trat auf den Flur. Er ging den Flur hinunter, drehte sich bevor er um die Ecker verschwand noch einmal zu Heaven um und winkte ihr. Heaven winkte zurück und schloss die Tür hinter sich. Als sie das Teeservice zurück in die Küche bringen wollte, war dieses bereits verschwunden. Sie müsste sich erst noch an die Hauselfen gewöhnen, stellte sie fest, nahm das Chemiebuch vom Tisch und tauschte es gegen einen ihrer Lieblingsromane. Mit dem Buch in der Hand machte sie es sich auf dem Sofa gemütlich und lass, bis ihr einfiel, dass sie einen Brief an ihre beiden Jungs schreiben wollte. Mit einem Accio reif sie Pergament, eine Feder und Tinte zu sich und begann den Brief zu schreiben. Sie erzählt, darüber was sie heute alles erlebt hatte, beschreib das Schloss und berichtete über den zynischen immer in schwarz gekleideten Mann. Als sie den Brief beendet hatte faltete sie ihn und steckte ihn in einen Umschlag. Dann machte sie sich auf den Weg in die Eulerei. Kurze Zeit später sass sie wieder mit dem Roman in der Hand auf ihrem Sofa.
