Rührende Erzählung
Am Abend, Punkt 19 Uhr, klopfte es an Heaven Büro Tür. Eilig erhob sie sich von ihrem Stuhl hinter dem Schreibtisch, huschte zur Tür und öffnete sie. Davor standen Harry und Hermine. „Ginny und Ron müssen noch Hausaufgaben machen", erklärte Hermine auf Heavens fragenden Blick. „Nun gut, kommen sie doch herein", sagte Heaven. Harry und Hermine betraten das Büro und blieben unsicher in der Mitte des Raumes stehen. Heaven wandte sich, nach dem sie noch einmal den Flur rauf und runter geblickt hatte, den beiden zu.
„Folgen sie mir", meinte Heaven und trat auf eine schmale Tür zu, die Harry und Hermine beim Betreten des Raumes gar nicht aufgefallen war. Bevor sie jedoch die Tür öffnete, drehte sich Heaven noch einmal herum und verschloss ihre Bürotür magisch. Dann öffnete sie die Tür, ging gefolgt von Harry und Hermine hindurch und kam im Flur ihrer privaten Räume wieder heraus. Sie führte die beiden ins Wohnzimmer und bat sie Platz zu nehmen.
„Also Hermine hat mir von ihrem Wunsch erzählt, dass ich ihnen etwas über ihre Eltern erzähle, Mister Potter", begann Heaven. Der Angesprochene zuckte kaum merklich zusammen und nuschelte etwas vor sich hin. „Harry, du musst schon so laut sprechen, dass wir dich verstehen", meinte Hermine.
„Ich sagte, sie sollen mich ruhig Harry nennen Professor", wiederholt er und sah unsicher zu Heaven. „Gut dann sagst du aber auch Heaven zu mir, Harry", sagte Heaven. Erschrocken sah er sie an. „Hey Harry, du bist doch sonst nicht so", flüsterte Hermine an ihren besten Freund gewandt und stiess ihm leicht ihren Ellbogen in die Seite.
„Aber, Mine, ich hab Angst", flüsterte er mit erstickter Stimme. „Warum hast du den Angst, Harry?", wollte Hermine wissen. „Na ja, alle die mir etwas über meine Eltern erzählen konnten und die ich gerne hatte, sind über länger oder kürzer verstorben, ach was sag da, ich kaltblütig ermordet wurden. Erst Sirius, dann Dumbeldor und dann Remus und Tonks", meinte er und blickte schüchtern zu Heaven. „Harry, du brauchst keine Angst haben, ich werde immer bei dir sein und selbst wenn jemand stirbt, stirbt er nie wirklich, denn solang sich nur eine einzige Person sich noch an ihn erinnert, wird der Verstorbenen immer im Herzen dieser Person weiter leben. Denn Liebe, Harry, egal welche, bedeutet Unsterblichkeit. Wenn ich es könnte, hätte ich Lily und James schon lang wieder geholt und meine Eltern und meine Adoptiveltern. Du siehst Harry ich habe viele geliebte Menschen verloren, dennoch bringe ich den Mut auf und möchte dir von deinen Eltern erzählen", versuchte Heaven, Harry die Angst zu nehmen. Und siehe da, es klappte. „Es tut mir Leid", murmelte er, setzte sich aufrecht hin und sah neugierig zu Heaven. „Ich weiss auch nicht mehr alles so genau, schliesslich ist es sehr lange her. Deine Eltern waren meine Familie, nachdem meine Eltern leider sehr früh verstorben sind. Lily und James waren gerade einmal 12 Jahre alt als ich geboren wurde, schon damals war Lily wie eine Mutter für mich. Meine starb leider bei meiner Geburt, ich durfte sie nie kennen lernen. Wenn sie in den Ferien zu Hause war hat sie sich immer um mich gekümmert und in ihrem siebten Jahr in den Ferien zu Weihnachten kam James sie das erste Mal besuchen. Ich war damals fünf Jahre und freute mich schon auf Weihnachten, als Lily und James zu mir kamen und mit mir Schlittenfahren gingen. Schon damals hatte ich irgendwie gewusst, dass Lily und James später heiraten würden. Als mich mein Vater abends ins Bett brachte habe ich ihn gefragt, wann sie Heiraten würden. Mein Vater sah mich überrascht an und meinte, dass er gar nichts davon wüsste, dass die Beiden heiraten wollten und woher ich das wüsste. Doch ich war schon eingeschlafen. Ein Jahr später, am 18. Juli, heiraten sie dann. Am 30. Juli starb mein Vater, damals wusste ich noch nicht was es bedeutet wenn jemand stirbt. Lily und James haben sich um mich gekümmert und mich getröstet wenn ich nach meinem Vater gerufen habe, er aber nicht kam. Zwei Jahre später kamst du dann auf die Welt, Harry, und ich habe immer mit dir gespielt. Du warst wie ein kleiner Bruder für mich. Das Jahr darauf an Halloween geschah es. Mittags war dein Patenonkel Sirius da und hat mit uns beiden gespielt. Den ganzen Tag schon hatte ich das Gefühl, dass an diesem Tag etwas Grausames geschehen würde und ich hatte Recht, leider. Lily kam in das Zimmer gerannt, nahm dich und setzte dich in das Bettchen. Ich verstand nicht was passierte, aber Lily sagte mir ich solle weg rennen, ganz weit weg, so schnell ich könnte. Sie nahm mich an der Hand und führte mich zur Terrassentür, wie wir unbemerkt dort hinkamen weiss ich nicht mehr. Aber schliesslich waren wir da und Lily öffnete die Tür. »Ich liebe dich Heaven, vergesse das niemals« sagte sie zu mir. Dann nahm sie ein Bild und drückte es mir in die Hand. »Damit du dich immer am mich erinnerst«, meinte sie. »Und jetzt lauf, lauf so schnell du kannst und dreh dich nicht um«, hatte sie gesagt und konnte das Zittern in ihrer Stimme nicht mehr unterdrücken. Also drehte ich mich um und rannte in die Dunkelheit. Plötzlich hörte ich Lilys Schrei und rannte zurück. Ruckartig hielt ich an, als ich einen Mann auf das zerstörte Haus zugehen sah. Die Angst überkam mich und ich rannte los, so schnell ich konnte, bis ich schliesslich irgendwo in der Dunkelheit zusammen brach und die Tränen hemmungslos über weine Wangen liefen. Ich war gerade neun Jahre alt und hatte zum zweiten Mal meine Familie verloren", erzählte Heaven. Zuerst ziehrte ein Lächeln ihr Gesicht, doch je mehr sie erzählte desto mehr wich es einem traurigen Gesichtsausdruck, bis ihr beim letzten Satz einen einzelne Träne über die Wange lief. Harry sowie Hermine hatten ihren Erzählungen aufmerksam gelauscht und waren zutiefst gerührt, dass Heaven so offen über diese Zeit mit ihnen gesprochen hatte. „Du kannst sie also seit du ein Baby bist. Hast du neben meiner Mutter gewohnt, dass sie so oft nach dir sehne konnte?", wollte Harry mit einem neugierigen Funkeln in den Augen wissen. Heaven atmete tief ein und aus und sagte dann. „Harry, ich bin…" Bevor sie den Satz beenden konnte klopfte es energisch an die Tür.
