Um Gottes Willen

Heaven schloss die Tür zum Klassenzimmer für Zaubertränke hinter sich. Auf dem Weg zur Eingangshalle begegnete sie niemandem. Die Schüler waren entweder in der grossen Halle und assen etwas oder sie sassen zusammen mit ihren Freunden auf einem der vielen Höfe von Hogwarts, darum bemüht, bevor der Winter hereinbrechen würde, jeden Sonnenstrahl in sich auf zu nehmen. Auch Heaven beschloss sich die Sonne ein wenig ins Gesicht scheinen zu lassen, bevor sie gleich den siebten Jahrgang in Verteidigung unterrichten würde. Auf ihrer Wanderschaft, begegnete sie einigen jungen Schülern, die sich freudeschreiend über die Höfe jagten. Mit einem Schmunzeln musste sie an ihre Schulzeit zurück denken. In Beauxbatons lief alles etwas strenger und das rennen war strikt verboten. Was hatten sie immer gejauchzt, wenn sie es trotzdem gemacht hatten. Einige Jahre und mehrfaches Nachsitzen später waren sie dann nur noch gemässigten Schrittes über die Höfe gelaufen, hatten sich unterhalten, über Jungs getuschelt und gelacht.
„Na, was verschafft dir denn so gute Laune?", fragte eine Stimme direkt neben ihr.
„Um Gottes Willen, Melchior. Du hast mich ja fast zu Tode erschreckt. Wo kommst du denn auf einmal her?", sagte sie überrascht.
„Das wollte ich nicht tut mir leid, ich dachte du hättest mich gehört. Ich steh schliesslich schon eine ganze Weile hier. Und was bedeutet ‚Um Gottes Willen'?" - „In etwa so viel wie ‚Beim Barte des Merlin'. Ist ein Muggelsprichwort", erklärte sie ihm. Er nickte verstehend.
„Wie läuft der Unterricht?", wollte er wissen.
„Gut, gut. Ich kann nicht klagen. Und bei dir?" - „Ebenso. Ich bin echt froh, dass ich den Job bekommen habe", meinte Melchior. Sie lächelte ihm kurz zu. „Da fällt mir auf, du hast meine Frage von eben noch nicht beantwortet", schmunzelte er. „Welche Frage?", nachdenklich sah sie ihn an. „Na ja, die warum du so gute Laune hast." „Achso, ich habe eben an meine Schulzeit gedacht und an meine zahlreichen Vergehen", erzählte sie ihm.
„Was hast du denn bitteschön für Vergehen begangen?" - „Na ja, wie soll ich sagen, ich war eine kleine Rebellin", sagte sie und ein Grinsen zog über ihr Gesicht. „Du, eine Rebellin, das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen", stellte er fest.
„Das kannst du mir ruhig glauben", meinte sie, „oder muss ich es dir beweisen." „Hm, das muss ich mir mal überlegen", sagte er schmunzelnd.
„Na dann überleg mal." Sie boxte ihm in die Schulter. „Hey, was sollte das denn?", fragte er entrüstet. „Das, war ein kleiner Vorgeschmack", grinste sie. „Ha ha, sehr lustig. Wenn das so ist denke ich, glaube ich dir das du eine kleine Rebellin warst." „Komm, der Unterricht geht gleich weiter", informierte sie ihren Kollegen. „Na dann auf in den Kampf", meinte er und Heaven begann lauthals zu lachen. Punkt zwölf Uhr öffnete Heaven die Tür zum Verteidigungs Klassenzimmer und traf den ganzen siebten Jahrgang stillschweigend auf den Plätzen sitzend an. „Guten Morgen", grüsste sie, als sie am Lehrerpult angekommen war.
„Guten Morgen, Professor McAdam", erwiderte die Klasse. „So, dann werde ich jetzt ihre Anwesenheitsliste durch gehen. Ich rufe jeden Namen auf und diese Person stellt sich dann kurz vor. Alter, Berufswunsch und was sie von meinem Unterricht erwarten, sollte ihnen noch etwas Wichtiges einfallen können sie es gerne ergänzen. Haben sie das verstanden?"
„Ja, Professor McAdam", antwortete die Klasse geschlossen. Die Hälfte der Liste hatte sie schon durch. „Draco Malfoy?" Keiner reagierte. „Draco Malfoy?", fragte sie erneut und blickte von ihrer Liste auf. „Äh, ja hier", meinte der blonde Junge, den sie schon mehr als einmal dabei erwischt hatte, wie sein Blick an ihr hängen geblieben war. „Gut, erzählen sie mir etwas über sich, Mister Malfoy", forderte Heaven ihn auf. „Also ich bin, ähm… 17 Jahre alt. Mein Berufswunsch ist äh… Unternehmer. Ja, Unternehmer… so wie mein öhm… wie mein Vater. Und ich erwarte von ihrem Unterricht hm… das wir viel neues lernen", stotterte der Junge und nahm einen leicht rötliche Schimmer um die Nasenspitze an. „Dankeschön, Mister Malfoy, nun dann weiter", sagte sie. Schliesslich hatte sie die Liste durch, konnte mehr oder weniger den Namen Gesichtern zu ordnen und hatte eine gute Vorstellung, davon wie sich die Schüler den Unterricht vorstellten. „Sie werden jetzt Arbeitsgruppen zusammenstellen. Jede dieser Arbeitsgruppen sucht sich einen Verteidigungszauberspruch aus, den sie gerne lernen würde und bereitet diesen dann mit Hilfe von dem Schulbuch oder Büchern aus der Bücherei vor. Sollten Schwierigkeiten auftreten können sie gern zu mir kommen. In zwei Wochen haben sie den Zauberspruch dann soweit vorbereitet, dass sie ihm ihren Kameraden vorstellen und ihn ihnen beibringen können. Haben sie alles verstanden?" „Ja, Professor." „Nun, worauf warten sie dann noch?", forderte Heaven die Klasse auf, die Arbeitsgruppen zu bilden. Bald schon hatten sich mehrere Gruppen gebildet, in denen schon heiss diskutiert wurde welchen Spruch sie nehmen wollten. Nur Draco Malfoy stand alleine und ziemlich unschlüssig in der Mitte des Klassenzimmers. „Kann ich ihnen helfen, Mister Malfoy", fragte Heaven und trat an den blonden Slytherin heran. Unsicher sah er Heaven kurz ins Gesicht und dann auf seinen Schuhspitzen. „Ich glaube nicht, dass mich eine der Gruppen haben will", murmelte er undeutlich. „Sie müssen schon ein wenig lauter sprechen, wenn sie wollen, dass ich sie verstehe", meinte Heaven. „Ich sagte, dass mich keine der Gruppen haben will", widerholte er etwas lauter. „Kommen sie, wir finden schon eine Gruppe für sie. In welcher Gruppe sind denn ihre Freunde?" „Ich habe keine", stellte der Junge bitter fest. Erstaunt blickte sie denn Junge an. „Aber, wieso das denn nicht?" „Weil ich… weil ich… Verdammt, weil ich ein Todesser war. Sie hassen mich alle", meinte er aufgebracht. „Das wird schon, man kann jemanden nicht nach den Fehlern beurteilen, die er gemacht hat. Kommen sie, was halten sie davon mit in Miss Lovegoods Gruppe zu arbeiten", schlug sie vor. Draco schüttelte verneinend mit dem Kopf. „Nun gut, dann halt eine andere Gruppe. In welche Gruppe würden sie denn gerne?" „In die von Hermine Granger", meinte er verlegen. „Nun, dann gehen sie und fragen sie", scheucht sie den Jungen in Richtung der Gruppe um Hermine, Harry und Ron. Unsichere Schrittes trat er auf die Gruppe zu. „Was willst du, Malfoy?", fauchte Ron. „Ich wollte eigentlich fragen, ob ich in eurer Gruppe mitarbeiten kann, aber ich geh dann lieber wieder. Ihr wollt mich ja eh nicht haben", meinte der Blonde geknickt und machte auf dem Absatz kehrt. „Warte Malfoy. Natürlich kannst du in unserer Gruppe mitarbeiten", sagte Hermine und warf Ron dabei einen bitterbösen Blick zu. „Hast du schon vergessen was er ist? Ein verdammter Todesser! Und weißt du, was das bedeutet? Er hasst dich, er hast alle die so sind wie du, er hast muggelstämmige und Halbblüter, wie Harry eines ist und Blustverräter, so wie ich und meinen Familie welche sind. Verdammt Hermine, er will dich umbringen und Harry und mich, verstehst du das nicht", keifte der Rothaarige seine Freundin an. „Doch, verdammt Ronald, das weiss ich alles. Aber das ist seine Vergangenheit, alleine das er den Mut bewiesen hat und nach Hogwarts zurück gekommen ist, zeigt, dass er sich verändert hat. Und wenn du nicht damit klar kommst, dass er mit uns in einer Gruppe arbeitet, dann such dir eine andere, aber ich werde ihn sicher nicht wegschicken. Das siehst du doch auch so Harry, oder?", ereiferte sich die Brünette. Unschlüssig sah der schwarzhaarige Brillenträger zwischen seinem besten Freund und seiner besten Freundin hin und her.
„Ich denke wir sollten ihm ein Chance geben, uns zu zeigen, dass er sich verändert hat", meinte er schliesslich. „Fein, dann geh ich", giftete Ron, nahm seine Sachen und verschwand in Richtung der Gruppe um Luna und seine Schwester. „Gut, dass wir das nun auch geklärt haben", meinte Hermine säuerlich und blickte ihrem Freund böse hinterher. Draco, der das Schauspiel was sich ihm bot, mit Entsetzen beobachtet hatte, blickte nun unsicher zwischen Harry und Hermine hin und her. „Danke", murmelte er schliesslich leise. Heaven musste ein Grinsen unterdrücken, sie hatte Harry und Hermine nicht falsch eingeschätzt und Ron würde sicher auch noch einsehen, dass Draco eigentlich gar nicht so schlimm ist.