Streit mit einer Wand
Mit den Worten ‚Wir sehen uns Montag in der fünften und sechsten Stunde zum Zaubertränke-Unterricht wieder', beendete Heaven die Doppelstunde Verteidigung in der siebten Klasse. Kurz darauf war der Klassenraum verweist, die Stühle an die Tische geschoben und der Raum bereit für die nächste Doppelstunde. Heaven trat gerade auf den Flur heraus, als Severus beinah in sie hinein lief. Mit einem plötzlichen Schritt zurück konnte sie gerade noch so einen Zusammenstoss vermeiden. „Passen sie gefälligst auf wo sie hin laufen", zischte Severus sie an. „Ich soll aufpassen wo ich hin laufe, sie sind es ja wohl der mich gerade fast über den Haufen gerannt haben", erwiderte Heaven leicht säuerlich. Severus starrte sie böse an. „Was fällt ihnen ein, mir zu widersprechen", flüsterte er gefährlich leise. „Was mir einfällt, tja mir fällt so einiges ein", antwortete sie.
„Zum Beispiel erachte ich sie als äusserst unnachgiebig." Wutschnaubend setze Severus dazu an etwas zu erwidern, als Heaven sich von ihm weg in Richtung Wand drehte. „Wissen sie Wand, ich finde sie sind furchtbar unhöflich, nie grüssen sie mich oder andere Menschen, die an ihnen vorbei laufen. Ausserdem sind sie abweisend und kalt. Und was fällt ihnen ein einfach so dort im Weg zu stehen. Kein einziges freundliches Wort haben sie für andere Leute übrig. Sie sind immer da, auch wenn man sie nicht braucht, Wand. Sie schliessen einen ein und so manch einer hat furchtbare Angst vor ihnen. Desweitern sind sie furchtbar unnachgiebig", zischte Heaven die Wand an und Severus stand verwirrt daneben, bis er verstand, dass Heaven eigentlich gar nicht mit der Wand sprach sondern mit ihm.
„Möglicherweise könnte es sein, dass ich eventuell nicht darauf geachtete habe wo ich hinlaufe", sagte die Wand zu Heaven. Entgeistert starrte Heaven auf die Wand, als ihr schließlich klar wurde, dass nicht die Wand sondern Severus mit ihr gesprochen hatte. Ruckartig wandte sie sich zu ihm um. „Wissen sie am liebsten würde ich ihnen einen Kleben, damit ihnen ihre beschissene Maske aus dem Gesicht fällt. Aber wissen sie mittlerweile ist mir scheiss egal was sie mit ihrem verkorksten Leben anfangen, ich wollte ihnen helfen, so aber nicht. Lassen sie mich in Ruhe, sprechen sie kein einziges Wort mehr mit mir und wenn doch dann Gnade ihnen Merlin. Sie können sich sicher sein, dass ich meine Drohungen wahr werden lasse und glauben sie ja nicht nur weil ich eine Frau bin ich hätte nichts drauf. Sie werden sich umsehen!", fauchte sie und ihre Hand zuckte dabei gefährlich oft. Als sie mit geendet hatte, knallte sie die Tür vom Klassenzimmer zu, so laut, dass man es sicher in ganz Hogwarts hatte hören können und eilte grossen Schrittes mit bauschendem Umhang davon. Sie ließ einen entsetzt dreinblickenden Severus zurück. Jedoch hielt das Entsetzen nicht lange an, schnell hatte er wieder seine unerschütterliche Maske, die wohl doch nicht so unerschütterlich war, aufgesetzt und rauschte ebenfalls mit bauschendem Umhang davon.
Kurze Zeit später betrat eine vor Wut kochende Heaven die grosse Halle, dich gefolgt von einem nicht minder wütenden Severus.
Melchior, der schon freudestrahlend auf die blonde gewartet hatte, verstand die Welt nicht mehr, als diese ihm einen vernichtenden Blick zu warf und sich auf den Stuhl neben ihn setzte. Er warf einen alarmierten Blick zu Minerva und verschwand kurz darauf vom Tisch, um nicht von einem plötzlichen Ausbruch Heavens flüchten zu müssen. Heaven nahm das Getuschel, was schnell lauter wurde, gar nicht war und auch Severus, der sich vor Wut schäumend auf den Platz neben Heaven setzte, nahm es nicht war. Als den Schülern gewahr wurde, wie Severus tief Luft holte um zum Sprechen anzusetzen, verstummten sie plötzlich und es wurde gespenstig leise in der Halle. Minerva hatte vorsichthalbe ihren Platz verlassen um drei Stühle weiter wieder Platz zu nehmen. Bevor Severus jedoch ein Wort sagen konnte, sprang Heaven ruckartig von ihrem Platz auf, dem Zauberstab auf Severus gerichtet. Dröhnend laut hallte das Aufschlagen des Stuhls durch die Halle. „Nur ein Wort und sie würde sich wünschen sie wären an dem Schlangenbiss verreckt", schnitt ihre grabeskalte Stimme durch die Stille. Auch Severus hatte seinen Zauberstab gezückt und zielte auf die junge Frau. Bevor er jedoch zu irgendeiner weiteren Bewegung fähig war, traf ihn ein Entwaffnugszauber. Auch der Zauberstab von Heaven flog durch die Luft. Minerva fing beide Stäbe auf, blieb aber lieber aus der Gefahrenzone, wer weiß schon zu was die beiden in diesem Moment fähig wären. Nach einem kurzen Moment der Verwirrung, schritt Severus erhobenen Hauptes auf Heaven zu. „Und was wollen sie jetzt machen?", fragte er hämisch lächelnd. „Sie haben es nicht anders gewollt!" Heavens Stimme zitterte vor unterdrückter Wut. Die Schüler hielten den Atem an und Heaven, die holte aus und traf mit der flachen Hand und voller Wucht Severus Gesicht. Dieser vollkommen überrascht, verlor das Gleichgewicht, stolperte über seine eigenen Füße und fand sich kurz darauf auf dem Boden wieder.
„Das sollte ihnen eine Lehre sein, legen sie sich nie wieder mit mir an und denken sie gar nicht daran überhaupt ein einziges Wort an mich zu richten", fauchte sie. „Ich, ich, ich…", stammelte Severus und rappelte sich vom Boden auf. Als Heaven jedoch erneut ausholte verstummt er und zuckte zurück. Mit einem erfreuten Lächeln liess Heaven die Hand sinken. Severus machte sich so klein wie möglich, nahm wieder auf seinem Stuhl Platz und ass weiter. Heaven, die erst jetzt wieder realisierte das sie mitten in der großen Halle stand und ausnahmslos alle Schüler Hogwarts ihren Ausbruch beobachtete hatten, schämte sich furchtbar für ihr Verhalten. „Liebe Schülerinnen und Schüler, ich möchte, dass sie niemals ihre Konflikte versuchen mit Gewalt zu lösen. Eigentlich ist das gar nicht meine Art doch meine Starrköpfigkeit und meine Wut sind mit mir durchgegangen. Ich entschuldige mich an dieser Stelle öffentlich für meinen Ausbruch und hoffe, dass sie Severus meine Entschuldigung annehmen." Erwartungsvoll richteten sich alle Augen auf Severus, der bei der Erwähnung seines Namens zusammen zuckte. „Ich nehme die Entschuldigung an", sagte er kaum hörbar. „Durch dieses Auseinandersetzung und das vorrausgegangene Gespräch ist mir klar geworden, wie furchtbar ich mich gegenüber meine Schülern und Schülerinnen, sowie allen anderen Menschen mit denen ich zu tun hatte beziehungsweise habe verhalte, ganz besonders ihnen. Ich möchte mich ihnen danken werte Kollegin, dafür, dass sie sich mir wiedersetz haben und nicht so wie alle anderen auch sich vor mir geduckt haben. Sie haben mir die Augen geöffnet und ich muss wirklich sagen sie können ganzschön zuschlagen." Von einigen Ecken konnte man ein unterdrücktes Kichern hören, die meisten waren jedoch erstarrt und starrten den schwarzhaarigen Mann an, auf dessen Wange ein roter Handabdruck prangte. Schließlich begannen einige zu klatschen und kurz darauf war die Halle von tosendem Beifall erfüllt, dieser Moment würde unvergesslich blieben. Heaven und Severus nahmen, nachdem sie von Minerva ihre Stäbe zurückbekommen hatten, wieder am Tisch Platz. „Denken sie bloß nicht unsere Streitigkeiten hätten ein Ende, ich werde immer etwas an ihnen Auszusetzen haben, Heaven", raunte Severus Heaven zu. „Wäre ja auch langweilig wenn nicht, werter Kollege", erwiderte sie darauf. Draco hatte mit Ehrfurcht zwischen der neuen Lehrerin und seinem Patenonkle beobachtet. Er musste schmunzeln, als er sah wie sein Onkel kuschte. Er kannte ihn nur als strengen Mann, den nichts umhauen konnte und jetzt wurde er von einer jungen Frau so einfach fertig gemacht, dass hätte er nicht erwartet. Lächelnd ließ er seinen Blick zum Lehretisch schweifen und begegnete Heavens Blick. Sie zwinkerte ihm zu und er wurde wie jedes Mal, wenn die Hauslehrerin Gryffindors ihn dabei erwischte wie er sich beobachtete, rot.
