Eine starke Schulter

Da stand sie nun im fünften Jahrgang und wurde als Heldin gefeiert, sie, die es mit der blöden Fledermaus aus dem Kerker gegeben hatte, sie die ihm einen reingehauen hatte und sie war ganz und gar nicht stolz darauf. So kam es das sie bereits eine halbe Stunde vor Unterrichtsschluss die Schüler und Schülerinnen entliess und diese feierten sie natürlich noch mehr. Na super, das könnte ja was werden, dachte Heaven als sie, ihre Umhängetasche über der Schulter, auf dem Weg zu ihrem Büro war. Gerade bog sie um die Ecke in den Gang von ihrem Büro, als sie vor ihre Bürotür jemanden in sich zusammen gesunken sitzen sah. Schnellen Schrittes ging sie auf die Person zu und erkannte Draco Malfoy. Was sucht den der junge Slytherin hier, wunderte sie sich. „Wenn sie mich an die Tür lassen würden, Mister Malfoy", sprach sie ihn an und Draco zuckte erschrocken zusammen. „Natürlich", sagte er und sprang förmlich auf um seiner Professorin Platz zu machen. „Wollten sie zu mir, Mister Malfoy?", fragte Heaven interessiert. „Ja, ich wollte zu ihnen", erwiderte der Blonde. „Nun, dann kommen sie herein, ich kann mich gleich um ihr Anliegen kümmern.", unsicher folgte Draco Heaven in das Büro und nahm auf einem Stuhl vor dem Schreibtisch Platz. Heaven umrundete den Schreibtisch stellte ihr Tasche ab und entzündete den Kamin, dann nahm sie hinter ihrem Schreibtisch Platz. „So, ich bin ihnen ganz Ohr, worum geht es?" „Ich… Eigentlich wollte ich mich bei noch einmal bei ihnen bedanke", stammelte Draco. „Das ist doch meine Aufgabe als ihre Professorin, Mister Malfoy. Dafür brauchen sie mir doch nicht danken."
„Sie waren so unvoreingenommen, trotz dessen sie wissen, dass ich ein… dass ich ein… dass ich einer von denen war. Die anderen Professoren sehen mich immer so an, als wenn ich Abschaum wäre, es nicht mehr wert wäre hier unterrichtet zu werden. Wir sind gerade einmal drei Tage hier und ich wünschte das Schuljahr wäre vorbei, aber das ist es nicht. Und dann auch noch die ganzen Kommentaren von den anderen Schülern, über meinen Vater, über meine Mutter und mich. Immer wenn sie denke ich würde sie nicht hören, zerreissen sie sich den Mund darüber, was ich doch für eine verkorkste Familie habe. Der Vater in Azkaban, die Mutter unter Arrest und ich gerade so einer Strafe entgangen. Dabei habe ich mich doch verändert, ich war blind... blind nicht zu sehen, dass es ist egal ist was man für einen Blutstatus hat. Wirklich wichtig ist es Freunde zu finden denen man vertrauen kann und die einem vertrauen können, aber die werde ich nie finde, immer werde ich der Todesser für sie blieben. Der verrückte Typ, dem man nicht vertrauen kann und der einem noch Verrückterem Untertan war. Ich halte das nicht aus und deshalb wollte ich ihnen Danken, weil sie mir gezeigt haben das es doch noch Menschen gibt die nicht nur den verrückten Todesser in mir sehen und mir eine zweite Chance geben. Nie in meinem Leben hätte ich gedachte, dass ich mal mit Hermine Granger und Harry Potter zusammen arbeiten würde und jetzt… Und das alles nur, weil sie mir gut zugesprochen haben und mich dazu überredet haben zu fragen ob ich in der Gruppe mitarbeiten kann", erzählte er und Tränen glitzerten in seinen Augen. Heaven schaute den jungen Malfoy eine Weile an, bevor sie sich erhob und ihren Schreibtisch umrundete und sich dem Schüler gegenüber auf einen Stuhl setze. „Ich wusste nicht, dass es für sie so besonders ist, wenn ihnen jemand vertraut und ich wusste nicht, dass ihnen ihre familiäre Situation so zu setzt", sagte sie und Draco lächelte sie traurig an. „Und alle die so über sie reden, Mister Malfoy, wissen nicht wie furchtbar weh und unrecht sie damit einem wunderbaren Menschen tun. Vom ersten Moment wo ich sie am Slytherintisch sitzen sah, wusste ich, dass sie ein ganz besondere Mensch sind, dem furchtbares geschehen ist und wissen sie warum ich das weiss, weil es mir auch so ging. Oft wollte ich einfach hinschmeissen, aufhören zu leben, nicht mehr existieren, alles vergessen was damals geschah. Es hat nicht geholfen ich hab es mehr als einmal versucht und jetzt muss ich sagen je öfter ich es versucht habe, desto verzweifelte wurden meine Versuche. Mir hat es nicht gebracht, bis vor zwei Monaten habe ich mich versteckt vor der magischen Welt. Ganze fünf Jahre lang, ich habe nichts von dem Krieg mitbekommen, nicht beobachten können wie mein Neffe aufwächst und wofür das alles, sicher nicht um zurück zu kehren in diese Welt um festzustellen, dass sich nicht, aber rein gar nichts an meiner Vergangenheit verändert hat. Jetzt habe ich endlich verstanden, dass ich Anfangen muss mit meiner Vergangenheit zurecht zu kommen, doch das Problem ist, dass es nicht so einfach ist von jetzt auf gleich meine Vergangenheit zu akzeptieren, vor allem nachdem ich sie so lange versucht habe sie zu verdrängen. Ich möchte nicht, dass sie nicht versuchen zu Vergessen was geschah, denn es machte sie zu diesem wunderbaren Menschen der sie jetzt sind. Sie müssen beginnen ihre Vergangenheit zu akzeptieren und wenn sie damit einverstanden sind, möchte ich sie auf diesem Weg begleiten, nicht als ihre Professorin, sondern als Wegbegleiterin. Als starke Schulter an die sie sich anlehnen können und als eine Person die ebenso eine starke Schulter zum Anlehnen braucht. Ich möchte, dass sie jetzt gehen und sich Gedanken darüber machen, was ich ihnen erzählt habe. Wenn sie mein Angebot nicht interessiert, dass ich ihnen eben gemacht habe, dann vergessen sie einfach ihren Besuch in meinem Büro. Doch wenn sie sich sicher sind, dass sie mir eine starke Schulter sein wollen und ich ihnen, dann melden sie sich bei mir und ich versichere, dass keiner von diesem Gespräch oder möglicherweise folgenden erfahren wird, alles was sie mir erzählen ist bei mir sicher." Heaven erhob sich von ihrem Stuhl und ging auf die Tür zu, aus dem Augenwinkel sah sie, wie Draco sich verstohlen über die Augen wischte. „Ich werde ihnen berichten wie ich mich entscheide", sagte er, als er an Heaven vorbei das Büro verliess. Nachdenklich blickte sie dem durch den Krieg viel zu schnell erwachsen gewordenen jungen Mann hinterher. Er war noch zu jung um schon so erwachsen zu sein, doch was war ihm anders übrig geblieben, als so schnell erwachsen zu werden, der Krieg forderte immer, dass man stark war und keine Schwäche zeigte. Auch an Harry, Hermine und einigen anderen der Schüler, die an der großen Schlacht von Hogwarts beteiligt waren konnte sie es sehen. Sie waren noch nicht bereit erwachsen zu sein. Man musste diesen jungen Menschen helfen, sie durften ihre Kindheit nicht verpassen. Heaven fasste einen Entschluss, doch bevor sie mit der Schulleiterin darüber sprechen konnte, musste sie sich noch ein paar Gedanken darüber machen und die Idee ausarbeiten. Sie schloss die Tür hinter sich, holte Pergament aus der Schreibtischschublade, legte es auf den Tisch, nahm eine Feder und legte sie daneben. Dann begann sie die Regale in ihrem Büro abzuschreiten, zog das ein oder andere daraus hervor, überflog ein paar Seite und ließ es, wenn es möglichweise nützlich war auf den Schreibtisch schweben, wenn nicht stellte sie es zurück ins Regal. Auch wenn sie nicht viele Bücher in ihrem Büro hatte, so brauchte sie doch einige Zeit um alle durchsucht zu haben. Gerade stellte sie ein Buch über Zauberränke zurück ins Regal und fragte sich warum sie es überhaupt herausgezogen hatte, da es ja gar nicht zu ihrem Thema passte, das klopfte es an ihrer Bürotür. „Es ist offen", sagte sie. „Ich hab dich schon überall gesucht", meinte eine Stimme vorwurfsvoll. „Jetzt hast du mich ja gefunden Melchior. Was gibt es denn?" „Du hast das Abendessen verpasst und keiner konnte mir sagen wo ich dich finde." Erschrocken blickte Heaven zu der großen Standuhr und stellte fest, dass es bereits halb zehn war, wo war die Zeit nur geblieben. „Ich hol mir gleich was in der Küche", erwiderte sie und begann ihre Sachen ein wenig zu ordnen. „Das brauchst du nicht ich habe dir etwas in deine Räume bringen lassen. Na ja jetzt wo ich weiss, dass es dir gut geht, kann ich beruhigt in meine Räume gehen", meinte er und schloss die Tür wieder. Heaven stand mit in ihrem Räume, wie konnte sie nur das Abendessen verpassen, das war ihr ja noch nie passiert. Müde fuhr sie sich über die Augen und entschloss sich, die Arbeit für heute Arbeit sein zu lassen. So kam es das sie die Bürotür von innen magisch verschloss und durch die unscheinbare Tür hinter ihrem Schreibtisch in ihre Räume zu gehen.