Das Rätsel um Severus Snape

Madame Pomfrey hastete durch den Krankenflügel auf das einzige belegte Bett zu. Draco Malfoy warf sich im Schlaf unruhig hin und her. Vor wenigen Sekunden hatten ein lauter Schrei Madame Pomfrey aus dem Schlaf gerissen und sich auf den Weg zu ihrem Schützling laufen lassen. „Was haben sie nur mein Junge?", sprach sie leise und legte eine Hand auf seine Stirn. Die Stirn hatte die normale Temperatur. Sie nahm sein Handgelenk in die Hand, achtete darauf, dass sie ihn nicht in seiner Bewegung einschränkte und untersuchte den Herzschlag. Auch normal, merkwürdig, dachte sie. Es war zum verrückt werden, sie, eine der besten Heilerinnen Englands, hatte keine Ahnung, was mit dem Jungen geschah. Konnte es möglich sein, dass er verflucht wurde. Aber wer sollte das gemacht haben und überhaupt, irgendwem hätte das doch auffallen müssen oder etwa nicht?
Sie nahm sich vor direkt am nächsten Morgen mit einem der Professoren zu reden, ob diesem etwas an Dracos Verhalten aufgefallen war, was ihre Vermutung bekräftigen könnte. Ja, so würde sie es machen. Sie warf einen besorgten Blick auf den jungen Malfoy, der sich immer noch in seine Bett hin und her warf, bevor sie zurück in ihr Büro ging um einen kurze Notiz zu verfassen. „Lissy", rief sie leise und mit einem ‚Plop' erschien eine Hauselfe. „Was kann Lissy für Madame tun?", quiekte sie. „Hefte diese Notiz bitte im Lehrezimmer an das schwarze Brett", wies Madame Pomfrey an. „Jawohl Madame, Lissy wird sofort die Aufgabe erfüllen", piepste die Hauselfe, verschwand mit einem ‚Plop' nur um kurz darauf wieder aufzutauchen. „Lissy, hat die Notiz an das schwarze Brett geheftet, wie Madame befohlen hat", meinte sie. „Gut dann kannst du jetzt wieder gehen, Lissy", erwiderte Madame Pomfrey. Die Hauselfe verschwand und Madame Pomfrey kehrte in ihr Bett zurück.

Die Tür vom Krankenflügel schwang auf und Heaven eilte großen Schrittes in Richtung Madame Pomfreys Büro. „Hier bin ich, wie kann ich helfen", meinte sie und die Heilerin, die gerade kopfüber in einem Schrank wühlte, hätte sich beinah den Kopf gestoßen, als sie erschrocken herum fuhr. „Ah, guten Morgen Professor, gut das sie hier sind. Ich nehme an, sie haben die Notiz gelesen", sagte sie. Heaven nickte. „Gut, gut. Nehmen sie doch bitte Platz. Ich bin gleich bei ihnen ich muss Mister Malfoy erst noch den schmerzstillenden Trank verabreichen und das am besten bevor der Schlaftrank nachlässt, sonst schreit er mir den ganzen Krankenflügel zusammen", fuhr sie fort, deutete auf einen Stuhl, nahm dann eine Flasche mit der Aufschrift ‚schmerzstillender Trank' vom Tisch und verliess das Büro. Kurz darauf kehrte sie wieder zurück. „So, sie fragen sich sicher, wie sie mir helfen können. Würden sie mir bitte erzählen, ob ihnen was Merkwürdiges am Verhalten des jungen Malfoys aufgefallen ist. Etwas was vielleicht darauf schliessen könnte, dass er verflucht wurde", begann sie. Heaven riss panisch die Augen auf. „Sie nehmen an, er könnte verflucht worden sein. Wann sollte das bitte geschehen sein? Und überhaupt, ich denke nicht, dass er verflucht wurde. Ja, es stimmt viele Schüler können ihn nicht leiden, aber keiner unserer Schüler dürfte in der Lage dazu sein so einen Fluch auszusprechen. Aber lassen sie mich einen Moment überlegen. Ist mir am Verhalten von Mister Malfoy etwas Besonderes aufgefallen. Nein, nicht wirklich. Es lässt mir keine Ruhe, jetzt wo sie mich auf die Idee gebracht haben. So genau habe ich nicht auf ihn geachtet, es gibt viele Schüler die meine Aufmerksamkeit verlangen und zu jemandem anders hat er keinen Kontakt. Doch, natürlich! Fragen sie doch mal Miss Granger und Mister Potter, ob ihnen etwas aufgefallen ist. Die beiden haben in letzter Zeit immer mehr mit Mister Malfoy gemacht", überlegte Heaven. „Herzlichen Dank, ich werde mich mal an Miss Granger und Mister Potter wenden. Das wär's dann auch gewesen, sie können gehen", sagte die Heilerin dankbar.
Heaven nickte kurz und verliess dann das Büro. Sie lief am Bett von Draco vorbei, beobachtete den Jungen kurz, wie er scheinbar friedlich zu schlafen schien und setzte dann ihren Weg fort. Gerade hatte sie die Tür auf die Klinke gelegt, als sie es hinter sich rascheln hörte. „Professor", hörte sie dann, wand sich um und erblickte Draco, wie er sich in seinem Bett leicht aufgerichtet hatte und sie anblickte. „Können sie Harry und Hermine Bescheid sagen, dass ich sie gerne sehen würde?", fragte er leise, die Stimme schleppend vom Schlaf und den Tränken, die er alles schon verabreichend bekommen haben musste. „Sicherlich", erwiderte sie, „schlafen sie noch ein bisschen." Ein kurzes Lächeln stahl sich über Dracos Gesicht, bevor er erschöpft zurück in die Kissen viel und weiter schlief. Heaven lächelte, scheinbar waren Draco die beiden Kriegshelden sehr ans Herz gewachsen, sonst würde er sie nicht bitten, dass sie die beiden hier vorbei schickte.
Erstaunlich viele Schüler waren auf dem Weg in die große Halle. Es war Samstag und gerade einmal halb neun. Heaven bahnte sich ihren Weg durch die Massen, als sie einige Schritt entfernt Harry und Hermine erblickte. „Miss Granger, Mister Potter, auf ein Wort", rief sie den beiden zu. Sie blieben stehen, was einige Schüler dazu brachte sie empört anzusehen, bis ihnen auffiel, dass die beiden ja die Kriegshelden schlecht hin waren. Schliesslich kam Heaven neben den beiden zum Stehen und auch die Schülermasse lichtete sich langsam. Vereinzelt kam noch einige Schüler den Flur herunter, achteten aber nicht auf die Professorin, Hermine und Harry. „Es geht um Mister Malfoy, er würde sie beide gerne sehen. Es scheint ihm sehr wichtig zu sein. Ach und wenn sie dann schon einmal im Krankenflügel sind wenden sie sich doch an Madame Pomfrey, sie hat ein paar Fragen an sie, bezüglich Mister Malfoy", erklärte sie den beiden. „Gut, wir werden uns gleich nach dem Frühstück auf den Weg zu Draco machen. Oder Hermine?", meinte Harry. „Bestimmt", nickte sie und die beiden verschwanden in die große Halle.
„Und ich dachte, Mister Potter hätte mal wieder etwas angestellt", kam es zynisch von Severus, der aus einem dunklen Nebenflur trat. „Nun, falsch gedacht", erwiderte Heaven und grinste Severus frech an. „Irgendwann werden sie schon feststellen, dass der allseits beliebte Held Potter gar nicht so toll und unschuldig ist, wie alle behaupten. Warten sie nur ab", sagte er und rauschte an ihr vorbei. Sie konnte ein abfälliges Schnauben nicht unterdrücken. Was dachte der sich bloß, dass sie nicht hinter die Fassade von Menschen blicken konnte. Nein, im Gegenteil, sie konnte es sogar sehr gut, nur bei ihm hatte sie da so ihre Probleme. Auch wenn sie wohl ein ganze Ecke mehr über ihn wusste, als alle anderen zusammen, so war er ihr dennoch ein Rätsel. Aber sie lebte Rätsel und so war sie fest entschlossen das Rätsel um Severus Snape zu lösen, koste es was es wolle. So leicht würde sie nicht aufgeben.