Grüne Augen wecken Erinnerungen
„Ist er immer so?", fragte Heaven und blickte auf die verschlossene Tür. „Meistens und wenn er anders ist, dann nur im Privaten. Sie müssen wissen, er ist mein Patenonkel", erwiderte Draco. „Früher war er nicht so", murmelte Heaven leise, dennoch hatte Draco jedes Wort klar und deutlich vernommen. „Woher wissen sie das? Kennen sie ihn schon länger?", wollte Draco neugierig wissen. „Ja… also eigentlich nein…, ich habe gehört, er sei früher anders gewesen", sagte sie.
Ihr Blick glitt in weite Ferne und Draco beschloss, sie nicht weiter zu stören. Leise setzte er sich aufs Sofa und beobachtete Heaven. Er musste wirklich zugeben, sie hatte etwas Besonderes an sich. Die Art und Weise wie sie auf die Menschen zuging und Hilfe anbot, diese Eigenschaften hatte er eigentlich nur bei Harry und Hermine bisher beobachtet. Hermine, er musste kurz lächeln, ja sie war einfach fantastisch. Er stutzte kurz und rief sich das Gesicht von Harry in Erinnerung. Die Augen - wenn ihn nicht alles täuschte, dann hatte Harry dieselben Augen wie Heaven oder zumindest sehr ähnliche.
Draco schreckte aus seinen Gedanken auf, als sich Heaven neben ihn setzte und ihn ansprach. „Nun Mister Malfoy, ich hoffe es ist für sie in Ordnung, wenn wir diese Unterhaltung etwas persönlicher gestalten, ich bin Heaven und sagen sie ruhig ‚du' zu mir", begann sie. „Gut, Heaven, ich bin Draco und für sie… äh dich gilt das Gleiche", erwiderte er.
Einen Augenblick blieb Severus noch vor der verschlossenen Tür stehen und starrte sie an, bevor er sich auf den Weg zu seinen Räumen machte. Es erstaunte ihn, wie höflich die junge Kollegin immer mit ihm umging, obwohl er sich ihr gegenüber wie ein Ekelpaket benahm. Irgendetwas - er war sich nicht im Klaren was, faszinierte ihn an ihr. Wahrscheinlich war es ihre positive Lebenseinstellung. Ihre Weltanschauung war lebendig, farbig, froh, bejahend - aber niemals schwarz. Diese Art erinnerte ihn sehr an Lily. Er seufzte. Seine Gedanken kehrten an den Punkt zurück, an dem er sich selber in der Bücherei ermahnt hatte, nicht weiter zu denken. Er lächelte, als er an diesen besonderen Tag zurück dachte. Lily hatte damals nervös vor ihm gestanden und sich die schönen roten Haare immer und immer wieder hinters Ohr geschoben.
-Rückblick-
„Lily, was ist los mit dir?", fragte Severus die Rothaarige. „Ich weiß nicht genau wie ich es dir sagen soll", murmelte sie. „Sag es einfach, ich werde dir zuhören und dich nicht unterbrechen", meinte Severus. „Severus es ist… ich mag dich", stammelte sie. „Das weiß ich doch, ich mag dich doch auch", erwiderte er. „Du wolltest doch nichts sagen", lächelte sie und strich sich dann zum zehnten Mal die Haare hinters Ohr. „Ok, ich bin jetzt still." „Also Servus, ich mag dich, mehr als man einen Freund oder eine Freundin mögen sollte", sagte sie leise und blickte vor sich auf den Boden. Severus wusste im ersten Moment nicht wie ihm geschah. „Lily… ich… das freut mich und macht mich sehr glücklich, ich mag dich auch auf diese Art", erwiderte er schließlich leise. Lily blickte auf und er erkannte das Strahlen in ihren Augen, das er so sehr mochte. Sie trat ganz nahe an ihn heran und legte zart und vorsichtig ihre Hand auf seine Brust. Dann stellte sie sich auf die Zehenspitzen und streifte ganz leicht mit ihren Lippen die seinen.
-Rückblick Ende-
Severus fuhr sich leicht mit seinen Fingern über seine Lippen. Wie es wohl wäre, wenn… Er unterbrach den Gedanken und versuchte ihn in den letzten Winkel seines Gehirns zu verbannen. „Beherrsch dich, Severus", ermahnte er sich selber leise.
Aus seinem Bücherregal zog er ein Buch hervor, und begann zu lesen. Bisher konnte ihn diese Tätigkeit immer ablenken. Doch dieses Mal wollte es nicht klappen. Schon nach der ersten Seite schweiften seine Gedanken ab.
Er erinnerte sich an das erste Mal, als er Heaven gesehen hatte. Das erste was ihm damals an ihr aufgefallen war, waren ihre unglaublich grünen Augen, die ihn so sehr an die von Lily erinnerten.
Der Kuss, den er damals von Lily erhalten hatte, war leider der einzige gewesen. Die Vorkommnisse von damals taten ihm immer noch in der Seele weh. Am Tag nach ihrem ersten Kuss hatte er sie mit James gesehen. Dieser hatte ihr etwas erzählt und sie musste laut darüber lachen. Severus wusste noch genau, wie sehr er James in dem Moment hasste. Vor allem wie James seine Lily anhimmelte, hatte ihn rasend eifersüchtig gemacht.
Nur wenige Minuten, nachdem er die beiden beobachtet hatte, lief ihm James über den Weg. Dieser trieb wie immer seine Spielchen mit ihm. Doch dieses Mal wehrte er sich. Natürlich kam Lily genau in dem Moment vorbei und war schockiert, wie Severus mit James umging. Das Vorspiel hatte sie leider verpasst, so dass sie einen völlig falschen Schluss aus dieser Streiterei zog.
Ganze zwei Wochen sprach sie nicht mehr mit ihm. Nach dieser Zeit des Schweigens war zwischen ihnen etwas zerbrochen, das sich nie wieder gut machen liess. Lily hatte sich immer mehr von ihm ab und James zu gewandt. Severus fühlte sich immer mehr zu den dunklen Künsten hingezogen. Als er dann erfuhr, dass Lily mit James ausging, verlor er fast den Boden unter den Füssen. Kurz darauf folgte der Tag, der ihn und Lily für immer entzweite. Bis heute weiss er nicht, welcher Teufel ihn damals geritten hatte, als er ‚Schlammblut' zu ihr sagte. Immer und immer wieder versuchte er nach diesem Vorfall mit ihr zu reden. Sie liess jedoch ihn nie mehr an sich heran.
Langsam kehrte er aus seiner Vergangenheit wieder in das hier und jetzt zurück. Er schlug das Buch zu, das in seinem Schoss geruht hatte und stellte es im Bücherregal auf seinen Platz zurück.
Er schaute auf die Uhr und stellte fest, dass es Zeit zum Abendessen wurde. Deshalb machte er sich auf den Weg in die große Halle. Dort setzte er sich an seinen angestammten Platz. Kurz danach betrat Heaven die Halle.
Es sollte Frauen verboten werden, solche Röcke zu tragen, vor allem, wenn sie darin so gut aussahen, dachte er sich, als er Heaven dabei beobachtete, wie sie auf den Lehrertisch zuschritt. „Guten Abend", grüßte Heaven freundlich.
„Wünsche ich Ihnen auch, Heaven", sagte Severus und bemerkte dabei gar nicht, dass er seine junge Kollegin zum ersten Mal, seit sie an der Schule war, mit ihrem Vornamen angesprochen hatte. Diese sah ihn nur kurz erstaunt an, und setzte sich ohne weitere Worte.
