Diskriminierung und andere Probleme
„Minerva, ist es wohl möglich, dass Adam und Paul hierher zu Besuch kommen können?", wandte sich Heaven an die Schulleiterin. „Ich denke, dass es kein Problem sein sollte", erwiderte diese.
Die Tür zur großen Halle öffnete sich und herein kamen Harry, Ginny, Hermine und Draco. Der Held der Zauberwelt hielt die Hand seiner rothaarigen Freundin. Neben Harry ging Draco und dieser hatte seine Hand in deren von Hermine liegen. Sofort ging ein Flüstern durch die große Halle. Vielen war das kleine Detail aufgefallen, was die Gryffindor und den Slytherin verband. Denjenigen denen es nicht aufgefallen war, wurden von ihren Sitznachbarn darauf aufmerksam gemacht. Nur einer bekam nichts davon mit und das war Ron.
Die Vier steuerten lachend auf den Gryffindortisch zu. Gerade als sie sich am Tisch nieder ließen, blickte Ron auf und sein Blick viel genau auf die ineinander verschlungenen Hände von Hermine und Draco. Er sprang von seinem Platz auf und hielt auf die kleine Gruppe zu.
„Schlangen sind hier nicht geduldet", fauchte Ron Draco an. Hermine wollte sich erheben, doch Draco hinderte sie daran, indem er ihr die Hand beschwichtigend auf den Oberschenkel legte. „Lass deine schmutzigen Finger von Hermine" zischte Ron. Draco musterte seien Finger ausgiebig.
„Also ich finde nicht, dass meine Finger schmutzig sind", meinte er dann. „Du weisst genau was ich meine, Schlange", sagte Ron und der Hass in seinen Augen zeigte deutlich, dass er Draco gerne an die Gurgel gegangen wäre. „Hör auf, Ron", versuchte Harry schlichtend einzugreifen. Das hätte er wohl lieber sein lassen sollen, denn nun richtet sich Rons Hass auch gegen ihn.
„Von dir lasse ich mir gar nichts sagen, ich habe mal gedacht, dass du mein bester Freund wärst. Malfoy plant nur dich zu einem neuen Voldemort zu machen", schrie Ron dem Schwarzhaarigen entgegen.
„Ronald Weasley, so redest du nicht mit Harry. Wenn er nicht gewesen wäre, dann wären neben Fred, Tonks und Remus noch viel mehr Menschen ums Leben gekommen. Voldemort würde weiterhin sein Unheil verbreiten und wir würden immer noch in Angst und Schrecken leben. Harry könnte nie so werden wie Voldemort gewesen ist", erhob Ginny ihre Stimme.
„Du auch! Mum und Dad werden Augen machen, wenn ich ihnen davon erzähle", meinte der Rothaarige trotzig.
„Weißt du Ron", mischte sich nun auch Hermine ein, „ich habe gedacht du würdest vielleicht noch zur Vernunft kommen und sehen, dass Draco nicht so ist, wie du immer gedacht hast. Ich hatte ehrlich Hoffnung, aber ich war so dumm daran zu glauben. Immer, wirklich immer, gibst du anderen die Schuld, dabei solltest du sie öfter mal bei dir suchen, denn dort liegt sie so oft. Lass uns in Zukunft einfach in Ruhe, denn das was du gerade machst, ist das wogegen Harry und so viele andere gekämpft haben, gegen Diskriminierung. Ich bin wirklich enttäuscht von dir Ronald. Eins muss ich noch los werden: Ich bin froh, dass ich gemerkt habe wie du wirklich bist, bevor es zu spät gewesen wäre", sagte Hermine und die Kälte in ihrer Stimme ließ viele ihre Köpfe ducken. Noch nie hatte man die Musterschülerin mit dem großen Herz, die in jedem das Gute sah, so reden hören. Eine Weile starrte Ron Hermine an, dann wandte er sich ab und verließ die Halle. Erschrocken blickte Heaven Hermine an. Eine unglaublich bedrückende Stille hatte sich über die große Halle gelegt.
„Essen sie doch weiter", forderte die Schulleiterin die Schüler nach einigen Augenblicken auf. „Bei Merlin", hörte Heaven Melchior neben sich sagen.
„Es war nicht anders zu erwarten, dass es früher oder später zu einer Auseinandersetzung kommen würde", meinte Heaven an Melchior gewandt. „Ach ja und woher wollen sie das so genau wissen?", mischte sich Severus ein. „Nennen sie es weibliche Intuition oder wie auch immer sie wollen, Severus. Mir jedoch war bewusst, dass es zum Eclat kommen musste", sagte Heaven und lächelte Severus an. Dieser wusste drauf nichts zu erwidern und wandte sich wieder ab. „Minerva, ich werde in einigen Tagen mit dem Projekt fertig sein", sagte Heaven zu Minerva.
„Das ist ja mal eine erfreuliche Nachricht. Wenn es für Sie in Ordnung ist, dann würde ich mich freuen, wenn wir diesen Abend gemeinsam ausklingen lassen könnten und sie mir schon mal im Vorab von der Überlegungen erzählen", schlug Minerva vor. „Ich denke, dass sollte sich einrichten lassen", überlegte Heaven, „ich müsste nur nach dem Essen meine Unterlangen holen und könnte ich mich direkt auf den Weg zu ihnen machen." „Das Passwort lautet ‚Qudditch'", sagte Minerva, bevor sie sich vom Tisch erhob, sich verabschiedete und allen einen schönen Abend wünschte.
„Miss McAdam wären sie so gütig und könnten mir die Kartoffeln reichen?", wurde Heaven von Severus gefragt. „Waren wir nicht eben schon beim Heaven, werter Kollege?", wollte Heaven von Severus wissen, als sie ihm die Kartoffeln reichte. „Sie sind unverbesserlich, wissen Sie das Heaven?", meinte Severus, mit einer besonderen Betonung auf dem ‚Heaven'. „Nein, aber danke, dass Sie es mir sagen Severus", erwiderte Heaven.
Kurz darauf erhob sich Severus. „Warten Sie auf mich", forderte Heaven ihn auf und wunderte sich, als er wirklich wartete, bis sie aufgestanden war. „Nun, was wollen Sie noch von mir?", wollte Severus wissen. „Ihnen einfach ein kleines bisschen Gesellschaft leisten, bevor sie wieder in ihren Kerker verschwinden", lächelte Heaven und Servus konnte nicht anders, als sie in dem Augenblick ganz genau zu beobachten. Ihr blondes Haar, welches sie zu einem hohen Pferdeschwanz gebunden hatte, glänzte golden im Schein der Kerzen und ihre grünen Augen schienen zu leuchten.
Es fiel ihm schwer seinen Blick von ihr zu nehmen und er hoffte, dass keiner bemerkt hatte, wie er für einen kurzen Augenblick seine Beherrschung verloren hatte. „Dann tun Sie, was Sie nicht lassen können", meinte er und ging den Mittelgang hinunter. Einige der Schüler beobachteten das Schauspiel gebannt. Unter ihnen war auch Draco, der sich fragte, ob es wirklich so sein könnte, wie er annahm. Er beschloss seinen Paten Onkel und auch Heaven in nächster Zeit etwas besser im Auge zu behalten.
„Ich hatte gehofft Sie könnten mir sagen, ob die Klassen zu ihrer Zufriedenheit unterrichtet wurden?" Severus blickt Heaven einen Augenblick abschätzend an. „Ich muss gestehen, dass ich ein wenig überrascht war, als ich erfuhr, wie weit sie im Stoff schon gekommen waren. Allerdings wären die Klassen unter meiner Aufsicht noch weiter vorangekommen", antwortete er.
Wenn er ausgesprochen hätte, was er gedacht hatte, dann wäre diese Aussage noch positiver gewesen. Er war tatsächlich sehr überrascht gewesen, wie weit die junge Kollegin im Stoff gekommen war und musste sich eingestehen, dass die Schüler erstaunlich aufmerksam waren.
Selbst denen, die sonst üblicherweise Fehler beim Brauen machten, schienen auf einmal sehr genau zu wissen, was sie machen mussten. Die Schüler aus dem ersten Jahrgang hatten scheinbar alle, zumindest die ersten Kapitel, des Tränkebuchs gelesen. Selbst die Beurteilungen seiner Kollegin waren erstaunlich streng gewesen und reichten an seine eigenen heran.
Aber das alles hätte er nicht zugeben können.
„Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend", verabschiedete sich Heaven. Severus schreckte überrascht aus seinen Gedanken auf. „Den wünsche ich Ihnen auch", gab er schließlich zurück, bevor er schnell in Richtung der Kerkertreppe verschwand. „Severus, ich mag Sie, auch wenn der Umgang mit ihnen manchmal echt schwierig ist", rief Heaven ihm noch nach. Er drehte sich noch einmal um und schaute zu ihr zurück. Er wusste wirklich nicht, was er mit dieser Äußerung anfangen sollte. Einfach weiter gehen dachte er und machte das auch.
„Er mag sie auch, mehr als er jemals zu geben würde", sagte eine Stimme hinter Heaven. Etwas erschrocken drehte sie sich um und sah Draco aus der Dunkelheit des Gangs kommen. „Ich weiß", meinte Heaven, „aber das Problem ist, dass er das selber auch endlich bemerken soll." „Das wird er noch, glauben sie mir. Sie sind eine fantastische Frau und ich muss gestehen, dass ich sie zu Beginn des Schuljahrs sehr interessant fand", erwiderte Draco. Heaven lächelte. „Ich muss weiter", verabschiedete Draco sich.
