Und hier geht's weiter!

Ich würd mich wirklich über eure Meinung freuen!

Viel Spaß mit dem nächsten Kapitel!

Böses Erwachen

„Rein von der äußeren Struktur würde ich eher sagen, dass die Geschwulst gutartig ist, aber um sicher zu gehen, sollten sie eine Biopsie machen, Chase."

Wilson warf noch einen letzten Blick auf den MRT-Befund des Patienten und reichte ihn dann Chase, der nickte. Dasselbe hatte er sich auch gedacht, doch er hatte sich vorsichtshalber absichern wollen, nicht dass er dem Patienten erzählte, die Geschwulst sei sehr wahrscheinlich gutartig und der Onkologe meint dann hinterher, dass man doch von vorne herein hätte sehen können, dass sie bösartig sei, und er ein Idiot wäre, dem Patienten solche Hoffnung zu machen. Immerhin war er kein Experte für Tumore und ähnliches.

Chase machte sich auf den Weg und Wilson durchschritt den Konferenzraum von House und seinen Schützlingen und goss sich Kaffee in House' rote Tasse.

„Es ist so verdammt ruhig hier." stellte er mit schief gelegtem Kopf fest.

Foreman grinste. „Sie waren wohl noch nie hier, wenn House seinen freien Tag hat, oder? Fast wie Urlaub."

Wilson nickte abwesend. Wenn er an ihren Streit heute Morgen über das Einkaufen dachte, dann war diese Ruhe hier wirklich wie Urlaub. Wie dieser Mann sich bei solchen Lappalien nur so stur stellen konnte. Ein leichtes Grinsen huschte über sein Gesicht. Aber er lernte. Wenn er etwas haben wollte, dann musste er House geschickt austricksen, anders konnte er nicht gewinnen. Doch es war anstrengend, sich andauernd Fallen auszudenken und Hintertürchen, die er sich offen halten musste, nur damit dieser sture Esel mal das Geschirr spülte, seine Wäsche wegräumte oder Einkaufen ging.

„So schlimm ist es doch auch nicht, die meiste Zeit sitzt er in seinem Büro und spielt mit seiner Playstation, sieht fern oder wirft seinen Ball umher, da ist es genauso ruhig." verteidigte Cameron ihren Boss.

„Ja, und die restliche Zeit macht er uns das Leben zur Hölle, kommandiert uns herum, hält uns vor, wie schlau er ist und lässt uns wie Idioten dasteh…"

Weiter kam Foreman nicht, denn ihre Pieper gingen alle gleichzeitig los. Alarmiert zogen sie diese heraus und lasen alle dieselbe Botschaft: NA, SOFORT!

Nur wenige Minuten später fanden sich die drei unter zahlreichen anderen Ärzten in der Notaufnahme wieder, wo unter den Schwestern bereits reges Treiben herrschte. Cuddy stand vor dem Empfangsschalter und bat alle um Ruhe.

„Hören sie mir zu. In einem Friseursaloon im Huxley-Drive kam es vor einer Viertelstunde zu einer schweren Explosion, das ganze zweistöckige Gebäude ist zusammengestürzt. Die Trümmer wurden über die gesamte Straße geschleudert, teilweise auch in umstehende Wohnungen. Polizei, Feuerwehr und Rettungsfahrzeuge sind vor Ort. Es gibt zahlreiche Verletzte und einige Menschen wurden verschüttet. Der Großteil der Verletzten kommt zu uns, da wir das nächstliegende Krankenhaus sind. Einige der weniger schwerwiegenden Fälle bringen sie ins General. Das wird jetzt ziemlich hektisch und ich brauche jede helfende Hand. Geben sie ihr Bestes!"

„Huxley-Drive, nie gehört." überlegte Cameron.

„Das ist so ne kleine Seitenstraße, nicht allzu weit von hier. Ziemlich alt, lauter kleine Häuschen, die da schon seit Jahrzehnten stehen. Kein Wunder, dass da bei einer Explosion gleich das ganze Haus einstürzt."

Cuddy kam auf sie zu. Sie hatte Foremans Bemerkung mitgehört. „Sie haben Recht. Aber unter dem Friseur war ein Supermarkt. Wer weiß, wie viele Leute dort drin verschüttet wurden."

Beim Wort 'Supermarkt' hatten sich einen Augenblick lang sämtliche Muskeln in Wilsons Körper angespannt, doch nicht für lange. Zum Glück kaufen wir immer im Einkaufszentrum im Süden ein! dachte er noch und machte sich dann wie die anderen an die Arbeit, sämtliche Räume vorzubereiten und die wichtigsten Utensilien schon bereit zu legen. Nicht mehr lange, dann würde der erste Rettungswagen eintreffen.

Ihr Kopf dröhnte, als sie wieder zu sich kam. Vorsichtig tastete sie durch ihre Haare zu der schmerzenden Stelle, doch sie fühlte kein Blut, dafür eine langsam dicker werdende Beule und jede Menge Schmerz. Alle möglichen Körperstellen taten ihr weh.

Langsam öffnete sie die Augen und fand sich in fast völliger Dunkelheit wieder. Staub hing in der Luft und brachte sie zum Husten. Was war passiert?

Sie lag auf dem Boden, soviel wusste sie. Vorsichtig bewegte sie nacheinander ihre Beine und Arme. Alles okay, sie war nicht verletzt, abgesehen von ihrer Beule. Behutsam tastete sie ihre Umgebung ab. Um sie herum lagen lauter kleinere und größere Dosen am Boden, links von sich spürte sie das harte Material eines Regals und rechts von ihr lagen zwischen den Dosen auch knisternde Plastikbeutel.

Sie war im Supermarkt und da war dieser Krach gewesen, als wäre etwas in die Luft geflogen, das Regal war umgefallen und ihr gegen den Kopf geschlagen und dann wusste sie nichts mehr. Wieso war es so dunkel? Und woher kam all dieser Staub, der in der Luft flirrte? Was war das für ein Lärm gewesen?

Vorsichtig tastete sie in die Höhe weiter und setzte sich langsam auf. Das umgekippte Regal hing ungefähr einen Meter über ihr und schien sich ziemlich stabil verkeilt zu haben, denn es rührte sich keinen Millimeter, egal wie fest sie dagegen drückte. Mit der Zeit gewöhnten sich ihre Augen an das düstere Licht, das nur mühsam durch ein paar Spalten hindurchsickerte.

Sie kroch vorsichtig in die Richtung weiter, in die sie geschaut hatte, als sie aufgewacht war, doch schon nach einem halben Meter fand sie sich einem Hindernis gegenüber, ein ziemlich großes Hindernis sogar. Mehrere Betonbrocken lagen übereinander, dazwischen war etwas eingekeilt, das wie ein Waschbecken aussah, doch sie war sich nicht sicher. Einige Lücken waren in dem Schuttberg und gewährten dem Licht Eingang in ihre Regalhöhle.

Beton? Waschbecken? Hatte diese Erschütterung das Gebäude einstürzen lassen?

„Oh mein Gott…" murmelte sie leise und hockte sich entsetzt hin. Das durfte nicht wahr sein. Einen Moment starrte sie einfach nur vor sich hin, bis ihr etwas einfiel, oder besser, jemand.

Bevor das hier passiert war, wollte sie Hilfe holen für den Mann, den sie mit ihrem Wagen über den Haufen gefahren hatte. Ihr Herz schlug heftig in ihrer Brust, es war schon schlimm genug, unter diesem Regal und wer weiß wie viel Schutt eingeschlossen zu sein, aber hier möglicherweise mit einer Leiche zu liegen… sie wollte nicht weiterdenken. So durfte sie gar nicht denken!

Sie musste ihn finden! Sie fühlte sich irgendwie für ihn verantwortlich, immerhin hatte sie ihm zweimal an diesem Tag Schmerzen zugefügt. Es musste ihm einfach gut gehen!

Etwas ungelenk in der Enge drehte sie sich um und kroch auf allen Vieren Stück für Stück den Gang zurück, dabei schob sie die Dosen und Nudelpackungen - wie sie sich jetzt erinnerte - zur Seite. Vor ihr wurde es wieder etwas heller, denn auch hier quoll ein wenig Licht durch Risse im Schutt. Einer dieser dünnen Lichtstrahlen fiel auf eine Hand.

Sie schloss kurz die Augen und hielt den Atem an. Neben der Hand sah sie deutlich die Umrisse seines Körpers. Er bewegte sich nicht. Zügiger schloss sie auf und duckte sich neben ihm unter das Regal, das durch die Schräge hier tiefer hing. Sein Kopf war ihr zugeneigt, seine Augen geschlossen, über seine Schläfe rann Blut. Zwei Dosen lagen auf seinem Oberkörper und an deren Bewegung erkannte sie, dass er langsam atmete. Er lebte!

Erleichtert stieß sie die Luft aus, die sie die ganze Zeit über angehalten hatte. Sie ließ ihren Blick über seinen Körper gleiten, während sie die Dosen von ihm nahm und hielt abrupt inne, als ihr Blick seine Beine streifte. Entsetzt keuchte sie auf und hielt sich die Hand vor den Mund.

„Oh mein Gott…" entfuhr es ihr wieder.

Am Ende der Regalreihe im Mittelflur war die Decke ebenfalls ungehindert heruntergekommen und versperrte den Ausgang. Der Schutt hatten ihren Einkaufswagen zertrümmert und eingekeilt, doch was viel schlimmer war, war die Tatsache, dass das linke Bein des Mannes zwar angewinkelt und unversehrt war, aber das rechte Bein dafür auf der unteren Ablage ihres Einkaufswagens von einem abstehenden Metallstab völlig aufgespießt war. Das Metall hatte seinen Unterschenkel von der linken Seite aus durchstoßen und trat rechts blutig wieder aus, um dann in einem Betonhaufen zu verschwinden. Der Mann war vollkommen festgenagelt, im wortwörtlichen Sinne. Es sah grausig aus. Aber wenigstens blutete es kaum.

Sie biss sich auf die Lippe, was sollte sie tun?

Ohne Nachzudenken rutschte sie nah an eine der Ritzen, die Licht spendeten und schrie, was ihre Lungen hergaben um Hilfe.

Ein schrilles Geräusch zerrte an seinen Nerven, ließ nicht locker, bis er schließlich die Grenze der Bewusstlosigkeit durchbrach und ganz allmählich zu sich kam. Das erste, was er fühlte, war Schmerz. Sirrender Schmerz jagte von seinem Oberschenkel aus durch seinen gesamten Körper, sein Kopf pochte schrecklich und da war noch der stechende Schmerz in seinem rechten Unterschenkel, den er nicht einordnen konnte.

Ein jämmerliches Stöhnen entwich seinen Lippen und er kniff gequält die Augen zusammen.

„Hallo? Können sie mich hören?" fragte eine Stimme.

Langsam öffnete er die Augen, um zu sehen, wer da bei ihm war, doch alles, was er erkennen konnte, was Finsternis und sonst gar nichts. Er blinzelte ein paar Mal und versuchte schließlich seinen Kopf zur Seite zu drehen, um vielleicht etwas mehr erkennen zu können.

„Sie sollten sich besser nicht bewegen, sie sind verletzt."

Wieder diese Stimme. Wage erinnerte er sich an einen Einkaufswagen, an ein näher kommendes Regal, höllischen Lärm und ein grausiges Knirschen. Nur langsam gewöhnten sich seine Augen an die Dunkelheit. Und schließlich sah er über sich im matten Licht eine Frau knien, die ihn besorgt musterte.

Er kannte ihr Gesicht, fiel ihm plötzlich wieder ein. Sie hatte ihn fast umgestoßen und ihn mit dem Einkaufswagen gerammt.

„Was… was ist passiert?" Seine Stimme klang rau und brüchig, so sehr beeinflusste ihn der Schmerz.

Als er Anstalten machte, sich aufzusetzen, legte sie ihm entschieden ihre Hände an die Schultern und hielt ihn unten.

„Bleiben sie liegen! Sie sind verletzt! Ich weiß nicht genau, was passiert ist, aber ganz offenbar ist das Gebäude in sich zusammengestürzt. Dieses Regal hier hat uns wohl vor dem Schlimmsten bewahrt, aber wir sitzen fest, es gibt keinen Weg nach draußen. Und ihr Bein…" Sie ließ den Satz unausgesprochen.

Irgendwie beunruhigte House der letzte Satzteil mehr als das ganze in sich zusammengefallene Haus. Er spürte, wie sein Herzschlag schneller wurde, und versuchte schließlich sein rechtes Bein anzuziehen, um sich den Schaden ansehen zu können, der da so grässlich schmerzte. Doch ein Ruck ging durch seinen Unterschenkel, begleitet von einem so intensiven Schmerz, dass er leise aufschrie. Sein Bein konnte er keinen Millimeter weit bewegen und das wollte er jetzt auch nicht mehr.

„At… atmen sie ganz ruhig." sagte die Stimme der Frau wieder, doch sie klang unsicher, hilflos.

Mit fahrigen, zittrigen Fingern kramte er in seiner Tasche nach dem Vicodin, doch seine Tasche war leer. Panik stieg in ihm auf. Wo waren seine Schmerztabletten? Er brauchte sie jetzt dringender als jemals zuvor, wo zur Hölle waren sie? Hektisch tastete seine Hand an seiner Seite entlang, doch sie fand nichts. Er versuchte neben sich etwas zu erkennen, doch die Frau saß ihm im Weg und er müsste sich auch auf die Seite drehen dafür, aber das konnte er vorerst vergessen.

„Hier muss… eine kleine… Dose mit… Tabletten sein… irgendwo…" presste er mühsam hervor, ehe er vom Schmerz erschöpft keuchend die Augen schloss und seine Hand sinken ließ.