Und das nächste Kapitel!
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Künstliches Licht füllte den zerstörten Supermarktflur soweit es möglich war und vertrieb die Dunkelheit der Nacht. Gedämpfte Geräusche erfüllten die Luft und Hoffnung keimte in Tabitha auf.
Schlafen hatte sie nicht mehr können, seit Greg das Bewusstsein verloren hatte. Ständig hatte sie seinen pfeifenden und rasselnden Atemgeräuschen gelauscht, hatte dem Husten zugehört und dem Keuchen und ständig darum gebetet, dass er nicht einfach damit aufhören würde. Sie hatte seine kalte Hand gehalten, seine Brust und seine Arme gerieben und ihn so gut es ihr möglich war, mit ihrem Körper gewärmt. Ihre Verzweiflung und Sorge war von Minute zu Minute gestiegen. Sie hatte unglaubliche Angst um ihn gehabt – auch jetzt noch – auch wenn sie im Moment noch nicht genau sagen konnte, wieso ihr soviel an ihm lag, doch das war nun wahrlich der letzte Gedanke, der sie gerade beschäftigte.
Und dann, vor vielleicht fünf oder zehn Minuten hatte sie auf einmal leise Stimmen gehört. Ohne nachzudenken hatte sie um Hilfe geschrieen, eine Dose gepackt und zusätzlich damit gegen das Regal geschlagen. Nur kurze Zeit später hatte eine Taschenlampe durch die Ritze geleuchtet. Noch jetzt rannen ihr Tränen der Erleichterung über die Wangen.
„Hallo?"
„Hier! Wir sind hier drin!"
„Hi, ich bin Angus McZeno vom Bergungstrupp. Sind sie verletzt, Miss?"
„Ich nicht, aber mein Freund hier."
„Wie ist ihr Name, Miss."
„Tabitha Myers. Ich bin hier mit Gregory House eingeschlossen, er ist schwer verletzt und hat hohes Fieber. Er steckt fest und er sagt, er hätte eine Blutvergiftung. Sie müssen uns hier rausholen und zwar schnell, ich weiß nicht, wie lange er noch durchhält."
„Keine Sorge Miss Myers, wir werden uns sofort darum kümmern. Ich lasse auch sofort einen Notarzt herkommen."
„Danke!"
Sie streichelte House über die Wange und lächelte dabei gleichzeitig ängstlich und hoffnungsvoll.
„Sie holen uns hier raus! Hörst du? Wir werden gerettet! Halt noch durch, bitte Greg. Bald sind wir hier raus!"
„Kayla?"
„Vic, was weißt du über den Mann, der mit Tabby eingeschlossen ist?"
„Was… er heißt glaub ich House, er lebt und er ist verletzt. Wieso fragst du? Kayla, was ist los? Ich muss zurück an die Arbeit und zusehen, dass wir Tabby da rauskriegen."
„Ich weiß, ich weiß." sagte Kayla hastig. „Kannst du trotzdem bitte nachfragen, was dem Mann passiert ist und wie es ihm geht?"
„Kayla, ich kann nicht einfach… wieso interessiert dich das so?"
Sie atmete tief durch. „Weil der beste Freund und die Chefin von diesem House hier neben mir sitzen!"
Dem Schweigen am anderen Ende der Leitung entnahm sie, dass Vic verstand. Er hatte selbst die letzten Stunden mit dieser nagenden Unsicherheit leben müssen, das wünschte er niemandem.
„Ich ruf dich in ein paar Minuten wieder an!" Dann war die Leitung tot.
Kayla stellte sich den angespannten Blicken der beiden Ärzte. „Er selbst wusste nicht mehr, als er mir schon gesagt hat, aber er erkundigt sich jetzt und ruft gleich noch mal an."
Cuddy rieb sich das Gesicht und zwang sich dazu, ruhig zu bleiben. Wilson dagegen sprang auf und begann, im Wartebereich auf und ab zu laufen wie ein Tiger im Käfig. Unbewusst rieb er sich den Nacken, wie meistens, wenn er versuchte, geduldig zu bleiben, obwohl alles in ihm danach schrie, sich Luft zu machen.
Die Sekunden vergingen wie Stunden. Jeff beobachtete Wilson aufmerksam und auch ein wenig mitleidig. Er selbst wusste jetzt, dass es Tabby gut ging, doch dieser Arzt wartete noch immer auf die endgültige Bestätigung.
Als das Handy schließlich klingelte, zuckte Cuddy erschrocken zusammen und Wilson machte so schnell auf dem Absatz kehrt, dass er beinahe ausrutschte und stolperte.
Kayla ging ran und lauschte den Worten von ihrem Freund. Immer wieder nickte sie und ihr Gesichtsausdruck wurde ernster und ernster, bis sie sich auf die Unterlippe biss und eine kleine, neue Träne über ihre Wange kullerte.
Als Wilson das sah, war er kurz vorm Hyperventilieren. Cuddy packte seine Hand und zog ihn neben sich auf den Stuhl. Auch dann ließ sie seine Hand nicht los, sie brauchte einfach was zum Festhalten.
Schlussendlich legte Kayla auf und das Handy beiseite. Sie schluckte einmal, ehe sie es wagte, zu sprechen.
„Tabby hat den Leuten vor Ort bisher nur knapp beschreiben können, was passiert ist. Sie hat gesagt, dass sie sich beeilen sollten, weil es ihm nicht gut gehe. Er steckt irgendwie dort unten fest, Victor konnte mir nicht sagen, ob er eingeklemmt ist oder ob es etwas anderes ist. Aber Tabby sagte etwas von hohem Fieber, von Unterkühlung und einer Blutvergiftung."
Cuddy hielt Kaylas Blick gefasst stand. „Wissen sie, ob das die Diagnose ihrer Freundin war, oder die von House?"
„Soweit ich von Vic weiß, war es seine."
Cuddy schloss entsetzt die Augen, während Wilson aufsprang und aufgebracht seine Lauferei fortsetzte. Wenn die Diagnose von House stammte, dann konnten sie sich drauf verlassen, dass sie der Wahrheit entsprach.
„Die müssen sich beeilen! Eine Sepsis wird ihn umbringen, wenn er da nicht bald rauskommt!" ereiferte sich Wilson.
„Das war noch nicht alles." warf Kayla leise ein. Sofort wurden alle drei still und sahen sie gespannt, aber auch ängstlich an. „Eine der Seitenwände ist eingestürzt und hat sich mit einer tragenden Wand aus der Mitte des Gebäudes verhakt. Da drunter sind die beiden eingeschlossen. Aber die Seitenwand hat von der Explosion Risse bekommen und die Feuerwehr kann sie nicht einfach anheben, da sie höchst instabil ist. Deshalb müssen sie sich von der Seite aus einen Weg freigraben. Vic meinte, dass jede größere Erschütterung dafür sorgen könnte, dass die Wand in sich zusammenfällt und die beiden begräbt."
Die Stille im Raum war beinahe greifbar. Jeffs Augen waren riesengroß und seine Hände zitterten leicht, als seine Freude über ihr Auffinden wieder der Angst wich.
„Ich werde dort hinfahren!" verkündete Wilson fest und marschierte auf die Tür zu. Er hielt das Herumsitzen nicht mehr aus, er musste zu House. Vielleicht konnte er irgendwas tun, irgendwie helfen.
Eine Hand an seinem Arm hielt ihn plötzlich auf und im nächsten Moment stand Cuddy vor ihm. „Und was wollen sie dann tun? Wilson, ich weiß, es ist schwer für sie, aber sie können nichts für House tun. Weder hier, noch vor Ort. Das müssen die Rettungsmannschaften erledigen. Sie würden dort nur im Weg stehen!"
Schon fast entsetzt sah er sie an. „Aber Cuddy, ich muss…"
„Sie müssen ruhig bleiben, Wilson. Für ihn! Wenn die Leute dort draußen ihn rausholen, dann braucht er einen Freund, der für ihn da ist und kein Nervenbündel, das jeden Augenblick zusammenbricht. Ich weiß, es ist schwer und ich verlange viel. Aber bleiben sie hier, bereiten sie meinetwegen alles vor, aber bleiben sie hier und lassen die Leute vor Ort ihre Arbeit machen, Wilson."
Er zitterte am ganzen Körper vor Anspannung, in seinen Augen schimmerte es feucht. „Heute ist sein Geburtstag, Cuddy!"
Sie lächelte milde. „Ich weiß. Und genau deshalb wird er das packen, hören sie? Ich habe nämlich keine Lust, diesem rechthaberischen Besserwisser schon wieder umsonst eine Karte gekauft zu haben."
Ein schwaches Lächeln huschte über Wilsons Gesicht. „Gut, ich… ich gehe nach oben und sag den Dreien Bescheid."
Cuddy nickte erleichtert, sie ging Wilson hinterher, bog dann aber in Richtung ihres Büros ab. Seine letzten Worte hatten sie an etwas erinnert, das ihr schon viel früher hätte einfallen sollen: House' Eltern. Auch wenn seine Beziehung zu seinem Vater nicht die Beste war, so sollten die beiden doch Bescheid wissen.
Tief durchatmend ließ sie sich auf ihren Schreibtischstuhl fallen und griff nach dem Telefon.
Ob sie auch Stacy anrufen sollte?
„Tabby?"
Die Stimme erkannte sie sofort. „Vic?" fragte sie ungläubig.
Da erschien auch schon sein Kopf in der Lücke, die der Bergungstrupp bereits neben dem Waschbecken freigelegt hatte. Sie war ungefähr so groß wie zwei Köpfe, zumindest seit man gerade einen weiteren Betonbrocken entfernt hatte, aber immer noch zu schmal, um durchzukriechen. Helles Licht schien herein und in dem Licht erschien jetzt der Umriss von Vics unverkennbarem Schädel. Seine wilde Lockenpracht verriet ihn.
„Vic!" rief sie noch mal, diesmal schon fast euphorisch.
„Ist mit dir wirklich alles in Ordnung?" wollte er besorgt wissen.
„Es geht mir gut. Wie lange braucht ihr noch? Es geht ihm schlechter. Sein Husten wird immer schlimmer."
„Wir haben hier ein Problem."
„Die rissige Wand?" fragte sie besorgt.
Er nickte. „Das Zeug hier ist alles ineinander verkeilt, wir können es nicht rausziehen, wir müssen irgendwas davon zertrümmern, aber das ist zu gefährlich wegen der Wand über euch. Aber ich hab solang was für euch. Decken und warmen Tee. Aber der Notarzt hat gesagt, dass du ihm keinen Tee zum Trinken geben darfst, weil er wegen dem Bein vermutlich noch operiert werden muss." Dann verschwand seine Silhouette.
„Ich komm gleich zurück!" flüsterte sie House ins Ohr, auch wenn sie wusste, dass er sie vermutlich gar nicht hören konnte.
Vorsichtig kroch sie unter dem Cardigan hervor und bemerkte erst jetzt, wie taub ihre Beine schon waren. Ihre Füße spürte sie so gut wie gar nicht und die Bewegungen schmerzten. Doch sie zog sich wacker zur Öffnung und wartete auf Vic.
„Hier!"
Er stopfte mehrere Decken durch die Lücke und am Schluss eine Thermoskanne.
„Tabby."
„Ja."
„Wir holen euch da raus. Ich versprech's dir!"
Sie lächelte weich. „Ich vertrau auf dich."
„Im Krankenhaus ist schon alles für eure Ankunft vorbereitet und hier stehen die Rettungswägen bereit. Jeff und Kayla warten auch schon in der Notaufnahme."
Sie nickte. „Danke Vic."
So schnell es ihr möglich war, kroch sie zurück und machte sich daran, die erste Decke über Gregs Beine zu legen und so gut wie möglich auch darunter zu schieben. Dann rollte sie ihn so gut es ging auf die rechte Seite und drückte die zweite Decke wulstig in seinen Rücken, ehe sie ihn vorsichtig auf die andere Seite drehte – nie weit genug, dass sein Bein dadurch größer beeinträchtigt worden wäre – und die Decke unter ihm hervorzog. Jetzt lag er wenigstens nicht mehr direkt auf dem kalten Boden. Die letzte Decke warf sie über sie beide, als sie sich wieder eng an ihn kuschelte.
„Halt durch, nur noch ein bisschen!" flüsterte sie an seinem Hals.
Wieder fiel Wilsons Blick auf die Uhr. Es war jetzt bald eine Stunde her, seit man House gefunden hatte, doch er steckte noch immer unter den Trümmern fest. Eine verdammte Stunde! Er hatte eine Blutvergiftung, da zählte jede verfluchte Minute, und diese Stümper brachten es nicht fertig, ihn da rauszuholen!
Energisch trat er das Gaspedal weiter durch. Er hatte es keine Sekunde länger im Krankenhaus ausgehalten. Zum Glück waren um diese Uhrzeit fast sämtliche Ampeln in der Stadt ausgeschaltet und unglaublich wenig Verkehr. Endlich erreichte er sein Ziel. Die Flutlichter, die blauen Signalleuchten von Polizei, Feuerwehr und Krankenwägen und nicht zuletzt die Beleuchtungen der Kameras der verschiedenen Sender erhellten den Schauplatz. Einen Block weiter stellte er sein Auto an den Straßenrand, sperrte ab und lief los.
Ohne Rücksicht auf Verluste drängte er sich durch die Reporter und schlüpfte unter dem Absperrband hindurch.
„Hey, sie da, Mister! Sie dürfen hier nicht rein!"
Nur Sekunden später packte ihn ein großer Polizist mit breiten Schultern und roten, kurzen Haaren am Arm und hielt ihn fest.
„Hören sie, ich bin Arzt. Ich gehöre zu dem Krankenhaus, in das die Verletzten gebracht werden und der Mann, den sie da gerade bergen, ist mein Freund. Also lassen sie mich gefälligst durch!" fauchte er den Mann gereizt an. Das war sonst nicht seine Art, aber er war bisher auch noch nie gezwungen gewesen, in solch einer anormalen Gefühlsachterbahn mitzufahren.
„Haben sie einen Ausweis?" fragte der Kerl diplomatisch.
„Was ist denn hier los?" erkundigte sich ein großer Kerl mit langen Locken, der eine Feuerwehruniform trug.
„Der Kerl hier behauptet, er wäre Arzt und der Mann da drin sein Freund. Jetzt will er durch. Aber ich kann hier schließlich nicht jeden durchlassen, nur weil er…"
Doch der Feuerwehrmann hörte ihm nicht weiter zu. „Sind sie der Mann, von dem Kayla am Telefon gesprochen hat?"
Wilson nickte. „Dann sind sie Vic?"
Victor nickte ebenfalls, dann wandte er sich an den Polizisten. „Das ist schon okay. Ich nehm ihn mit. Wenn sie jemand fragt… ich übernehm die volle Verantwortung!"
Damit bedeutete er Wilson, ihm zu folgen. Er brachte ihn zu zwei wartenden Krankenwägen. Von hier aus konnte er das Schlachtfeld zum ersten Mal mit eigenen Augen sehen, nicht nur über den Fernsehbildschirm. Es jagte ihm eine Gänsehaut über den Rücken. Das sah alles noch viel schlimmer aus, wenn man es real vor Augen hatte.
„Näher darf ich sie nicht ranlassen, also bleiben sie bitte hier, sonst muss ich sie doch noch entfernen lassen. Hier werden sie sofort mitkriegen, wenn sich etwas tut."
Widerwillig nickte Wilson. „Danke."
Unruhig trat er von einem Bein auf's andere und beobachtete Victor dabei, wie er sich seinen Weg durch die Trümmer bahnte, immer auf einen Fleck am hinteren Ende zu, wo Scheinwerfer hell leuchteten. Er bemerkte, dass auch sonst überall Leute in den Trümmern suchten.
Gerade als er daran zweifelte, ob es sinnvoll gewesen war, herzukommen, weil er hier genauso untätig herumstand, wie in der Klinik, rührte sich etwas hinten in den Scheinwerfern. Eine Person wurde aus einem Loch gezogen und auf eine Trage gelegt. Jemand beugte sich über sie und schien sie kurz zu untersuchen. Als ein paar Feuerwehrleute sich dann daran machten, die Trage anzuheben und wegzutragen, hörte er laute Stimmen und es sah so aus, als würde sich die gerettete Person sträuben. Nichtsdestotrotz wurde sie dennoch in seine Richtung gebracht, zu den Krankenwägen. Sobald sie die Straße erreichten, klappten sie die Räder aus.
„Wo bringt ihr mich hin? Ich will hier nicht weg!" rief die Frau energisch, die auf der Trage lag, aber immer wieder versuchte, sich aufzusetzen.
Je näher sie dem Scheinwerferlicht um die Wägen herum kamen, desto besser konnte Wilson sie erkennen. Die Frau war leichenblass, ihre braunen Haare standen ihr wirr vom Kopf ab und waren total staubig. Der Rest von ihr war in dicke Wolldecken gehüllt.
„Nicht, ich will hier nicht weg! Lassen sie mich! Was ist mit Greg?"
„Wir bringen sie jetzt ins Krankenhaus. Sie haben eine Unterkühlung, das muss behandelt werden." entgegnete einer der Sanitäter, die an der Straße die Trage übernommen hatten, ruhig. Sie hatten jetzt den Rettungswagen links von Wilson erreicht.
„Nein! Ich fahr hier nicht ohne Greg weg!" beharrte die Frau energisch.
Es fühlte sich seltsam an für Wilson, zu hören, wie eine ihm völlig fremde Person seinen Freund Greg nannte. Er trat zu den Sanitätern hin.
„Wie geht es ihr?"
„Wer sind sie?" fragte der Kleinere von beiden.
„Ich bin Arzt!" Er öffnete seinen Wintermantel und entblößte den weißen Kittel darunter mit seinem Namensschild, den er in seiner Eile gar nicht mehr abgelegt hatte.
Die Sanitäter nickten. „Anzeichen einer Unterkühlung, möglicherweise auch leichte Erfrierungen der Extremitäten. Sie ist tachycard bei 92, Blutdruck 95/60."
Wilson nickte. „Sie sind Tabitha Myers, nicht wahr?" fragte er die Patientin persönlich. Sie nickte erstaunt. „Okay, legen sie ihr einen Zugang und geben sie ihr Kochsalzlösung, im Idealfall angewärmte, wenn sie das dahaben. Ihr Zustand ist nicht kritisch und stabil, sie kann ruhig hier warten, bis man die zweite Person geborgen hat."
Etwas widerwillig kamen die Sanitäter seiner Aufforderung nach und zogen sich anschließend ein Stück in ihren Wagen zurück. Tabitha lag derweil auf der Trage, den Blick seitlich zu den Flutlichtern im hinteren Bereich gerichtet. Langsam tropfte die Kochsalzlösung in ihren Arm, die Wilson in der Hand hielt.
„Woher wussten sie, wer ich bin?"
„Ich kenne ihre Freunde aus der Notaufnahme. Jeff und Kayla. Was machen die da hinten gerade?"
„Einer von der Feuerwehr ist mit einer großen Zange drinnen, um die Metallstange abzutrennen, damit sie Greg da rausholen können. Wer sind sie eigentlich?" Jetzt sah sie ihn an, mit hochgezogener Augenbraue und in ihren Augen erkannte er dieselbe Sorge, die auch er empfand, was ihn dazu brachte, verwundert die Stirn zu runzeln.
„Ich bin Dr. James Wilson, ich bin hier…"
„Sie sind der Typ, der Greg zum Einkaufen geschickt hat." stellte sie trocken fest.
Einen Moment stand Wilson der Mund offen. Woher wusste sie das? Erst dann fiel ihm ein, dass sie immerhin fast zwei ganze Tage mit House eingesperrt war. Aber dass er ihr das erzählt hatte? Doch er kam nicht mehr dazu, etwas darauf zu erwidern, denn seine Augen erblickten gerade die Silhouette eines Mannes, der jemanden aus den Trümmern zog.
„Mein Gott, House! Sie haben ihn!" bemerkte er beinahe sprachlos.
Es schien Stunden zu dauern, bis die Sanitäter mit der Trage endlich ankamen. Stunden, auf die sowohl Wilson als auch Tabitha gut hätten verzichten können. Bis sie ihn endlich an ihnen vorbei rollten.
Tabitha sah ihn nur besorgt an, die Lippen zusammengepresst und einen undeutbaren Ausdruck in den Augen. Wilson dagegen traf sein Anblick wie ein Stich ins Herz. House war schrecklich blass, nur seine Wangen und seine Stirn schimmerten rötlich. Schweiß tropfte ihm vom Gesicht und weißer Schleim hing ihm im Mundwinkel. Seine Haare waren völlig staubig und Blut klebte teilweise darin. Obwohl sein Körper von mehreren Decken umhüllt war, zitterte er. Sein rechter Unterschenkel war unbedeckt und er sah einen Stab aus Metall quer durch stecken. Die Jeans war aufgerissen und zur Seite geklappt, so erkannte er auch die tiefdunkle Rötung und den zähflüssigen Eiter, der aus der Einstichstelle sickerte. Seine linke Hand lugte unter den Decken hervor, seine Fingerspitzen waren völlig weiß.
Entsetzt taumelte er, bis er Halt an Tabithas Trage fand. „Oh mein Gott!" stammelte er leise. Er atmete einmal tief durch und rang um Fassung. Langsam erhob er sich und wandte sich den Sanitätern hinter ihm zu.
„Sie können sie jetzt ins Plainsboro bringen!"
Er nickte Tabitha zu, doch die bemerkte es gar nicht. Dann überredete er die Sanitäter des anderen Wagens, ihn mitzunehmen. Wortlos nahm er an House' Seite Platz und suchte unter der Decke nach dessen Hand. Seine Finger waren kalt. Er schluckte.
„Ich bin hier, Greg! Gib nicht auf!"
TBC
