Kapitel 3
Demyx sah auf und blickte in die Augen des Anderen. Augen, wie die Sonne, die selbst durch die tiefsten Wellen drang. Dann nickte er und neigte seinen Kopf ein wenig nach hinten. Sein Körper fühlte sich so warm an, zu warm, aber es war eine gute Wärme. Axels Wärme. Die Hitze von Axels geschmolzenem Kern, der jene tanzenden Flammen gebar, die sein ewiges Gegenteil waren.
Axel fuhr mit seinen Fingern langsam durch Demyx' Haar. Dann ließ er sie tiefer sinken, bis er mit bloßen Fingerkuppen über die glatte und feuchte Haut streichelte. Die fein nach oben geschwungenen Lippen trafen sich mit seinen. Er kam näher, bis er die Hitze gegen seinen Schenkel spüren konnte, die ihm die Frage, ob all das bis hierhin in Ordnung war, beantwortete. Er leckte mit seiner Zunge über Demyx's Unterlippe, bis dieser sie müheos öffnete und Axel mit seiner Zunge sanft und vorsichtig eintreten durfte. Demyx' eigene Zunge brauchte ein wenig Ermutigung, doch schon einen Augenblick später antwortete sie seiner.
Demyx verschmolz mit dem Kuss, verstand, lernte, spielte und begann, es zu lieben. Es fühlte sich irgendwie so perfekt an. Er spürte Hitze zwischen seinen Beinen, und nicht nur seine eigene. Er verstand das alles nicht ganz, doch sein Körper verstand. Alles Blut aus seinem Gehirn pumpte hinab in seinen Unterleib – Ging es Axel ebenso? War das die Härte, die er gegen sich gedrückt spürte?
Als Axel den Kuss beendete, atmete er schwer. Er begann damit, mit seiner Zunge eine Spur entlang Demyx' Brust zu ziehen, leckte damit sanft über die Zwischenräume seiner Rippen und einen kurzen Moment später kreiste sie schon vorsichtig um eine freche Brustwarze.
Als die Zunge eine seiner vom Wasser gehärtete Brustwarzen berührte, stöhnte Demyx auf. Sein Körper zitterte und seine Finger krallten sich in Axels Haar. "Oh! Oooh!" Er atmete aus, starrte durch seine geschlossenen Augenlider zur Sonne hinauf.
Axel lächelte, als er die süßen Töne vernahm, während er sich langsam weiter nach unten küsste und seine Lippen einen feinen Film auf der weichen Haut von Demyx's Bauch hinterließen. Als er den Bund dessen Boxershorts erreicht hatte, sprang seine Zunge schnell und vorsichtig unter das Band, bis er die Spitze von Demyx's Härte streifte. Seine Seele erinnerte sich daran, wie gut es sich anfühlte, wie heiß und salzig es schmeckte... wo er ihn berühren musste. Und seinem eigenen Körper war dieser Körper, war Demyx überhaupt, noch immer ein kleines Rätsel.
Er ließ sich ins Wasser und auf seine Knie fallen, hakte seine Daumen in den Bund von Demyx's nassen Boxern. „Darf ich?", fragte er sanft und blickte mit flehend, grünen Augen unter karmesinroten Strähnen zu ihm hinauf.
Demyx fiel das Atmen mittlerweile wirklich schwer. Besonders, als Axel – er konnte doch nicht - oh! Verdammt! - als Axel ihn mit seiner Zunge dort berührte, wo er es so verzweifelt brauchte. Ein Winseln entkam ihm, als er genug Verstand zusammen gekratzt hatte, um eine Antwort geben zu können. „W... Was hast... du vor?" Er atmete aus, seine Augen beganen sich auf Axel zu fokusieren. Eine Hand hob sich, um das Gewirr aus roten Haaren zu glätten. Er schenkte ein unsicheres, unkonzentriertes Lächeln.
„Ich möchte dich in den Mund nehmen, dir Vergnügen bereiten... und ich verlange nichts als Gegenleistung.", sagte Axel ehrlich und spürte, wie die Wellen gegen seine Erektion schlugen, den Stoff seiner Boxer verlockend gegen das Fleisch drückte.
„Du, du musst das nicht machen, wenn du nicht wirklich willst.", sagte Demyx sofort. Er wollte nicht, dass Axel etwas tat, weil er sich dazu gezwungen fühlte oder so. „Aber es wäre schön...wenn du es machst." Er zuckte leicht, während er sich langsam über die Lippen leckte.
„Ich will es.", sagte Axel leise und lehnte sich nach vorn, um Demyx aus der Schwimmhose zu befreien. Der junge Mann wimmerte.
„Bleib ruhig... es wird nicht wehtun.", murmelte Axel, als er ihn mit seiner Wange berührte und fühlte, wie Demyx auf diese Berührung hin bebte und zuckte. Sanft umfasste er seine Hüfte, senkte seinen Mund langsam und umschloss zuerst nur die Spitze mit seinen Lippen. Er bewegte seine Zunge vorsichtig und schluckte einmal, nahm Demyx durch die Reibung, die dadurch entstand, noch tiefer in seinen Mund.
Ein Keuchen entflog dem Musiker und er fühlte, wie seine Zehen sich in den nassen Sand unter sich gruben. Was er fühlte, was mit nichts von dem, was er bisher erfahren hatte, vergleichba. Ein noch tieferliegender Teil seines Verstandes sagte ihm, das das hier etwas vollkommen Neues für ihn war. Es TAT weh. Auf eine köstliche, perfekte Art und Weise. Sie standen im offenen Ozean, eine Szene wie aus einem Traum. Zwei Körper ohne ein Herz, die ohne es zu wissen, versuchten, eines zwischen sie einzuritzen.
Demyx krallte seine Finger in Axels Haar und versuchte schüchtern, sein Vergnügen (nicht!) jedes Mal in den Himmel zu schreien, wenn Axel wieder eine dieser "Oh Gott, mach das noch mal mit deiner Zunge!" - Sachen tat.
Axel hatte erwartet, dass er 'singen' würde und in diesem Punkt überraschte Demyx Axel nicht. Er zitterte unter der liebevollen Fürsorge der Zunge des Rotschopfes und Axel musste zugeben... es war erotisch. Vergnügen zu bereiten, zu trösten, zu vertrauen, all das waren Dinge, die trotz seiner unnahbaren Natur lebenswichtig für den rothaarigen Niemand waren. Zu beschützen, zu geben.
Er schnurrte tief, ein zufriedener Klang, als Demyx unter seiner Berührung bebte, während die Finger in seinem Haar ihn drängten, ihn tiefer und schneller zu nehmen.
Axel begann, seinen Kopf hoch und runter zu bewegen, akzeptierte die Forderung zärtlich. Zögerlich, aber in der Hoffnung, dass es ihm gefiel, hörte er den Lustschreien zu und versuchte, seiner Seele die Erinnerung daran zu entlocken, wie er Demyx zu einer schönen und perfekten Vollendung bringen konnte.
Beinah schluchzte Demyx aufgrund der erstaunlichen Gefühle, die in einem einzigen, elektrischen Augenblick in seinen Verstand und wieder zurück in sein Unterleib fuhren. Er biss sich auf die Lippe, stöhnte und seufzte, seine Hüfte bebte leicht. Über ihm befand sich eine perfekte, weiße Linie, an der er hinaufkletterte. Er wusste, auf der anderen Seite befand sich ein Abgrund, so breit wie die Unendlichkeit und so schwarz wie die Tiefen des Ozeans, doch Axel würde da sein und ihn sicher zurück ins Licht führen.
Deswegen nahm der Blonde die Klettertour an und balancierte auf dem Rand, kaum fähig, ein Wort zu sagen. „ -AXEL-!", schrie er, zischte, schluchzte, kam. Er konnte sich nicht länger halten, nicht in einem solchen empfindlichen, neugeborenen Körper, und er erlöste sich in dem zärtlich arbeitendem Mund. Sein Körper krümmte sich wie eine Welle.
Axel konnte fühlen, wie Demyx's Körper sich in seinem Mund veränderte, wie er bebte; er konnte die Spannung in seinen Schenkeln und Hüften spüren, und als der neue Niemand zu stottern und keuchen begann, war er vorbereitet.
Als der Strahl heißer und salziger Flüssigkeit seinen Gaumen erreichte, schluckte und schluckte er. Er wusste, dass er ersticken würde, wenn er es nicht tat. Demyx entfernte sich von Axels Mund, nachdem der letzte Samen übergelaufen war, und brach zusammen, fiel mit den Knien ins Wasser. Axel nahm ihn in offene Arme und hielt ihn schnell fest, während der Kleinere zitterte und keuchte. Sein Herz donnerte gegen seine Rippen und das Wasser schlug gegen ihre Körper, trug sie, hielt sie fest und eng beieinander. Axel leckte seine Lippen und schluckte. Der Geschmack war nicht sonderlich gut, aber auch nicht schrecklich. Natürlich würde Demyx salzig wie das Meer sein... Natürlich.
Die Arme des Musikers hielten sich einfach locker in denen des Anderen. Sein Verstand fühlte sich an, als sei er kürzlich sauber und weiß gewaschen worden und alles, was er konnte, war fühlen. Er fühlte, wie das Wasser um sein empfindliches Glied spülte, fühlte die Arme, die ihn so fest hielten, fühlte die Wärme zwischen ihnen. Sein Verstand war beides - berührt und glücklich.
Erstaunlicherweise hob Demyx seinen Kopf hoch und stahl sich einen sanften Kuss. Er schmeckte etwas - war er das selbst? Auf Axels Lippen. Es schmeckte nicht schrecklich, einfach nur salzig, wie das Wasser um sie herum. „Mmm... war gut... nnn - gut." Das drückte in etwa aus, wie er sich fühlte.
„Und jetzt habe ich eine Idee, wie ich dich aus dem Wasser bekomme... lass uns ganz trocken werden... und dann etwas zu essen suchen? Es gibt da diese Frucht auf der Insel... die ist auch echt gut...", versuchte Axel ihn zu überreden, während er seine Nase zärtlich in das dunkelblonde Haar drückte.
„Mmm... trocknen ist gut, Essen ist auch gut.", sagte Demyx mit seinem dümmsten Grinsen auf den Lippen; seine Augen waren geschlossen und er sah total zufrieden aus. Er neigte seinen Kopf ein wenig zur Seite, um Axel noch mehr seines Haares anzubieten und versteckte sein Gesicht dann an Axels Brust. „Alles gut."
Axel lachte. „Du bist ein hoffnungsloser Fall.", sagte der Pyromane mit einem Seufzen. Er war noch immer hart, aber absolut entschlossen, diese Tatsache zu ignorieren. „Vielleicht sollte ich dich zurück ins Meer werfen und nach Hause gehen... dich hier lassen... was hältst du davon?", sagte Axel in einem offensichtlich neckischem Ton. Er küsste das Haar ein weiteres Mal, stand dann auf und warf Demyx mit dem Kopf in Richtung Ufer in die Wellen.
Demyx's Augen waren RIESIG, gerade in dem Moment, in dem er das Wasser traf. Er sank weiter in die tiefe Brandung und strampelte geschockt mit den Armen. Doch plötzlich legte sich ein Grinsen auf seine Lippen und er tauchte noch weiter unter die Oberfläche. Ihm kam eine Idee. Mit einem kontrollierten Gedanken rief er die Sitar zu sich. Sie war jedes Mal nass, wenn er sie rief, deswegen wusste er, dass Wasser dem schönen Instrument nicht schaden würde.
Der Musiker spielte eine sehr einfache, stille Melodie, die das Wasser von seiner Haut abperlen ließ und ihm eine schöne kleine Luftblase erschuf, in der er atmen konnte. Nicht, dass Axel es ahnen konnte. Er hatte ihn ins Wasser geworfen und war lauthals lachend losgerannt.
Axel wusste nicht, was passiert war, aber er hatte erwartet, auf dem Weg zurück zum Ufer angegriffen zu werden. Als er es nicht wurde, drehte er sich herum und fand nur eine leere Braundung, ein paar Wellen und nichts weiter.
Er beschattete seine Augen mit einer Hand. „Demyx?", rief er.
Ein erster Angstschauer lief über seinen Rücken und wirkte Wunder, seine Erektion zunichte zu machen.
Demyx fühlte sich wohl, er saß in seiner Blase und wartete. Vielleicht konnte er Axel seine Angst vor dem Wasser nehmen. Axel dachte nicht weiter darüber nach. Er drehte sich um und lief zurück in die Brandung.
„Demyx!", rief der Rothaarige scharf.
Keine Antwort. Er sah nach rechts und links. Er wusste noch nicht einmal, wo Demyx untergegangen war... er wusste überhaupt nicht, wo. „Demyx!", rief er noch einmal, seine Hände zitterten. Demyx war ein Wassermagier, er konnte nicht weit gekommen sein. Vielleicht schloss er gerade mit irgendwelchen Meeresschildkröten Freundschaft...
„Demyx?", rief Axel wieder und watete weiter ins Wasser hinaus.
Er wollte nicht weiter gehen als bis hierher. Er konnte den Sand unter seinen Füßen spüren und über die Wellen springen..., aber schwimmen konnte er wirklich nicht...
Demyx wartete einige lange Augenblicke und begann dann heimlich wieder zurück zum Ufer zu schwimmen. Er zog einen breiten Pfad und stand dann langsam aus den Wellen auf, ließ die Sitar ins Nichts seiner Seele verschwinden.
„Axel, warum stehst du da draußen im Wasser?" Demyx trug ein kleines Lächeln auf seinen Lippen und stand in der Nähe des Ufers.
Axel wirbelte herum.
„Du Bastard!", schrie Axel und hob seine Arme aus Frustration. Damit hatte er einen wesentlichen Fehler begangen. Er hatte dem Ozean den Rücken gekehrt.
Bevor er es wusste, verlor er jeglichen Halt und fiel durch Eis und Kälte. Es war in seiner Nase, in seinen Ohren... Er erkämpfte sich den Weg zurück an die Oberfläche, schnappte nach Luft und bekam Wasser in den Mund, bevor er ... wie ein Stein sank.
Oh. Schieße.
Demyx stieß einen Schrei aus und sprang hinterher, ignorierte den Gedanken, das Meer einfach von seinem Freund -wegzubefehlen-, sprang ihm stattdessen so professionell wie ein Seehund hinterher. Er sah sich an dem Ort, an dem er Axel untergehen gesehen hatte, nach ihm um, schwamm mit Panik im Herzen geschickt unter den Wellen hindurch.
Axel suchte etwas, woran er sich festhalten konnte, egal was, als seine Hände etwas Warmes und Festes berührten. Er trat hinein, krallte sich fest, versuchte seine Augen zu öffnen und etwas anderes zu sehen als dunkles Blau.
Bevor er es wirklich registrieren konnte, durchbrach er die Oberfläche und hustete und würgte, hielt sich noch immer krampfhaft an dem fest, was ihn zur Oberfläche zurück gebracht hatte.
Demyx hielt Axel über den Wellen und lief zurück zum Strand, schleppte den größeren Niemand weg vom krallenden Halt des Sogs der Unterströmung und ließ ihn in den Sand fallen. „AXEL! Axel, sprich mit mir! Atme!" Demyx' ohnehin schon hohe Stimme klang noch höher, als Angst ihren Klang durchdrang und er schüttelte Axel an den Schultern.
Axel rollte sich auf alle Viere und hustete hart.
„Deswegen... mag ich Schwimmen nicht.", sagte Axel, hustete und lachte ein bisschen hysterisch. „Man... ich hab' Wasser in den Ohren.", jammerte er. Er versuchte, nicht ewig bei dieser ganzen 'Nahtod'- Sache zu bleiben oder böse zu werden. Sie hatten eben gespielt und dann hatte Axel einen Fehler gemacht.
Demyx winselte und strich das Haar des Anderen zurück... und er weinte? „Ich... Es tut mir leid! Es tut mir leid! Bitte sag, dass es dir gut geht!" Er hatte Angst davor, dass der Feuermagier jetzt böse auf ihn war.
„Aach... Mir geht's gut... Hör auf zu weinen, Demyx.", sagte Axel. „Du hast mich gerettet... Ich weiß, dass ich bei dieser ganzen Wassersache versage... Schon okay."
Axel richtete sich auf und rieb sich den Sand aus den Handflächen. „Mir geht's gut, siehst du?", sagte er und lächelte ein bisschen zu heiter für den Wassermagier.
Demyx zog Axel sofort in einen harten Kuss, seine Hände verhedderten sich in den purpurroten Strähnen; seine Zunge leckte kurz über die weiche, salzige Unterlippe. „Du hast mich zu Tode erschrocken!", keuchte er, als er von dem Anderen abließ und ihn anstarrte.
Axels Hirn war irgendwie überlastet.
„Was... du hast mich auch erschrocken, du Idiot. Ich dachte /du/ wärst ertrunken..."
/warme Lippen auf seinen, salzige Küsse, schlagende Herzen, nackte Oberkörper./
Er legte seinen Kopf auf Demyx's Brust und zitterte ein bisschen, als das Adrenalin langsam nachließ.
„Ich hab' dich.", flüsterte der Blonde und hielt Axel fest, verbarg sein Gesicht in seinem weichen, nassen Haar. Langsam zog er den Anderen neben sich, damit er sich zu ihm legen konnte und sie sich im bequemen Sand ausruhen konnten. Sobald Axel im Sand lag, war alles besser. Die Sonne war heiß und die Brandung wirkte beruhigend, solange er nicht daran denken musste, hinein zu gehen. Und er begann schon, auf eine angenehme Sonnenbräune hinzuarbeiten.
Der Rest des Tages verlief entspannt und ereignislos, außer dass Demyx lernte, besser mit seiner Sitar zu kämpfen. Sie trieben einige dieser wunderbaren, gelben Früchte auf, die so süß und pink innen waren und als die Sonne unterging, war es Zeit, zurückzukehren.
Axel befreite sich vom Sand und zog sich mit Bedauern wieder an. „Bist du bereit, zurückzugehen?", fragte Axel. „Vielleicht kann ich dich nach dem Abendessen zu Naminé bringen, damit du ein bisschen Zeit mit ihr verbringen kannst. Ich muss einige Dinge erledigen.", sagte Axel ein bisschen gedrückt.
Alle guten Dinge mussten ein Ende nehmen.
Demyx gähnte leicht und schenkte dem Anderen ein sanftes Lächeln. „Bereit? Ja. Wollen? Nein. Ich könnte mein Leben hier verbringen, dieser Ort ist so wunderschön." In seinen Händen hielt er eine der klebrigen, gelben Früchte. Er mochte sie. „Ich würd Naminé total gerne treffen."
Eine Pause. Dann: „Ich hoffe, ich habe dich nicht von irgendwelchen wichtigen Dingen abgehalten." Der Blonde nahm Axels Hand und versuchte dem Portal, das er so sehr hasste, mutig gegenüberzutreten.
„Nein, hast du nicht... das war der schönste Tag meines Lebens, seit ich geboren wurde...", sagte Axel ehrlich, seine Augenbrauen verzogen sich teils aus Sorge, teils aus Dankbarkeit. „Danke." Die Furie drehte sich um und schenkte ihm ein gewinnendes Lächeln. „Hör' niemals auf, an dich selbst zu glauben, okay...", sagte Axel, während er das Portal öffnete. „Und gib nicht auf... Es gibt da diesen Jungen namens Zexion… er spricht nicht... aber er wird auch auf dich aufpassen. Okay? Deshalb, falls du jemals... etwas brauchen solltest, versprich mir, dass du zu ihm gehen wirst. Okay?", setzte Axel mehr fest, als das er wirklich fragte, bevor er sie beide durch das Portal zog.
Sie materialisierten sich vor Naminés Zimmer.
Demyx ging es dieses Mal besser, sein Griff war fest und sein Atem ging schnell, aber das war's auch schon. „V- Versprochen. Wie sieht er aus?" Er ließ schnell ab und biss sich leicht auf die Lippe. „Wo sind wir jetzt?"
Axel lächelte und legte seine Hände auf Demyx' Schultern, stellte sicher, dass jene blauen Augen niemals die seinen verließen. „Zexion ist derjenige von uns, der niemals spricht. Er erkennt uns an unserem Geruch. Er hat kurze silberne Haare, die ihm über ein Auge fallen. Er ist schlank und nicht sonderlich groß. Er bewegt sich sehr leise, aber ich habe keinen Zweifel daran, dass er dich eher findet als du ihn. Such ihn, wenn du etwas brauchst..."
Axel lächelte den anderen Niemand an, der die Frucht noch immer umklammert hielt.
„Teil' die mit Naminé... Sie ist ziemlich oft einsam und sie würde dich total gern treffen. Siehst du die weiße Tür? Das ist ihr Zimmer."
Axel klopfte genau in dem Momen an, da jemand seinen Namen wütend durch den Gang schrie. Überraschenderweise war es Zexion, der die Tür öffnete. Axel seufzte aus Erleichterung, als das weiß strahlende Licht den Gang erfüllte. Licht in der Dunkelheit, hätte er gern gesagt. „Danke welcher Gottheit auch immer, dass du es heute Nacht geschafft hast, meine Pflicht zu übernehmen.", sagte Axel leise und drückte Demyx nach vorn.
„Demyx, das ist Zexion... er wird dir helfen.", sagte Axel sanft.
Ein weiterer wütender Ruf von Axels Namen hallte durch den Gang und Axel nahm einen zitternden Atemzug. „Danke, Demyx. Für alles.", sagte er sanft.
Naminé starrte schüchtern um Zexions Robe herum aus der Tür. Sie warf Axel einen traurigen Blick zu. Axel lächelte ihr tapfer entgegen und blinzelte ihr zu. Ihre Augen füllten sich mit Tränen.
„Zeichne ihm ein schönes Zimmer, bitte, Naminé?", fragte Axel, während er einen erstarrten und verwirrten Demyx ins Zimmer schob. Zexion schloss schnell die Tür.
Axel rannte und er wusste, dass, was immer er auch tun würde, er seiner Strafe nicht entkommen konnte.
Demyx war erstarrt. Axel, Axel war in Schwierigkeiten. Er sollte ihm NACHLAUFEN und versuchen, zu helfen... Und deshalb begann er sofort zur Tür zurückzulaufen, mit Augen voller Sorge. Er konnte sich später bei den beiden Anderen im Raum für seine Unhöflichkeit entschuldigen.
Zexion packte ihn an den Schultern und hielt ihn fest. Traurig schüttelte er den Kopf.
Naminé lief beinah schwebend zu Demyx herüber, drehte sich leicht und legte ihre vogelartigen Hände auf seine Robe.
„Du kannst ihm jetzt nicht helfen... Niemand kann ihm helfen... Du würdest ihm nur noch mehr wehtun... Wenn die Zeit gekommen ist, kannst du wieder zu ihm, aber jetzt..." Sie sah Demyx mit tränenfeuchten Augen an.
„Aber er ist in Schwierigkeiten! Ich... Ich will nicht, dass er verletzt wird!" Demyx verstand das alles nicht. Er verstand die Politik, die in diesem Schloss vorherrschte, nicht. In dieser Organisation. Er wurde ein wenig panisch, seine Nägel bohrten sich in die Haut der Frucht, die er defensiv an seine Brust drückte. „Es ist wegen MIR! Wenn er mich nur nicht mitgenommen hätte..."
„Wenn du nicht gegangen wärst... hätten sie dich getötet. Auch wenn Axel jetzt vielleicht leidet, es hat seinen Sinn. Bald wirst du sicherer sein, wir alle werden sicherer sein. Xemnas wird schon helfen, du wirst sehen. Aber jetzt... du musst verstehen, Axel würde nicht wollen, dass du stirbst und du bist wichtig für die Organisation. Und für Axel. Bitte... Bitte setz dich neben mich. Ich tue, worum er mich gebeten hat, ich mache dir den schönsten Raum von allen, die ich je gemacht habe. Respektiere seine Aufopferung... das ist alles, was du tun kannst."
„A... Aber." Demyx sah noch immer aus, als würde er jeden Moment zu weinen beginnen, aber stattdessen setzte er sich und starrte seine gefalteten Hände an. Er konnte sich nicht entspannen, wenn er wusste, dass Axel dasselbe durchmachen musste, von dem er selbst erst vor kurzem geheilt worden war. Er legte die Frucht beiseite, vergrub dann den Kopf in seinen Händen und begann zu weinen.
Naminé schlang ihre dünnen Arme um Demyx Taille und umarmte ihn mit all ihrer unschuldigen Süße. „Los, Demyx... sag mir... wenn du dir deine eigene Welt erschaffen könntest, wie würde sie aussehen?", sagte sie, versuchte so, ihn abzulenken und wischte sich eine Träne aus den Augen. „Eine Welt, in der du die ganze Zeit Musik spielen könntest? Ich habe gehört, du kannst ziemlich gut spielen..."
Er blickte in ihre Augen auf und ein bisschen ihrer Stille schien augenblicklich in seine Haut zu sickern. „Ah... Ah... Sie hätte viel Wasser.", flüsterte er und blinzelte. „A... Axel hat gesagt, dass ich für dich spielen soll. Und... oh, die Frucht!"
„Wir drei sollten sie uns teilen.", sagte sie und nickte in Richtung der Frucht. Ein Hauch Traurigkeit huschte abermals über ihr Gesicht, wurde jedoch sofort wieder von sanfter Begeisterung abgelöst. „Los, was noch... Komm, sag mir, was ich zeichnen soll.", sagte sie, als sie von Demyx Taille abließ und nahm sogleich seine erschrockene Hand in ihre. „Komm schon.", sagte sie und lächelte ihn mit kindlicher und vertrauensvoller Unschuld süß an.
Demyx gab ihr ein leichtes Nicken und folgte ihr, seine Gedanken kreisten unaufhörlich um seinen purpurhaarigen Freund. Er verstand nicht völlig, was sie meinte, als sie sagte 'zeichnen', aber er war neugierig. Er warf einen unsicheren Blick zu dem stillen Zexion. Er war sich über den Fremden unsicher. Doch wenn Axel ihm vertraute, dann konnte er es doch auch, oder nicht?
Zexion nahm die Frucht und begann sie - nachdem er sein silbernes Messer aus der Tasche geholt hatte- zu schälen. Er gab Demyx ein mildes, aber warmes Lächeln, eins, das Andere offensichtlich selten erhielten. Er lächelte auch Naminé an und nickte, als sie ihren Skizzenblock und ihre Stifte zu die Hand nahm und Demyx damit darauf hinwies, dass er aufpassen sollte.
Demyx blinzelte, lächelte dann (leicht ängstlich) zurück, bevor er sich wieder Naminé zuwandte. „Für was sind die?" Sanfte Worte.
Naminé kicherte und öffnete ihren Block vorsichtig, enthüllte ein sehr vertrautes, karmesinrotes und schwarzes Zimmer. „Kommt dir das vertraut vor?", fragte sie.
„Oh, das ist Axels Zimmer!", sagte der Musiker schnell. „Wann hast du das gezeichnet? Das ist viel ordentlicher als sein Zimmer jetzt." Demyx lächelte und errötete dann, als ob er ein schmutziges Geheimnis enthüllt hatte.
„Nun, der Zweck eines Zimmer ist ja auch, dass man darin lebt.", sagte Naminé sanft und kicherte, als sie Demyx Röte sah. „Ich habe das nur ein paar Tage, nachdem er zu uns gekommen war, für ihn gezeichnet. Als er noch sehr neu war, so wie du jetzt."
„Du meinst, wenn du es zeichnest, wird es wahr? Alles?" Demyx sah erstaunt aus und sehr beeindruckt.
„Ich kann nur Welten erschaffen, Dinge, Demyx... Wenn ich euch allen Herzen zeichnen könnte, würde ich's tun. Aber ja, ich kann dir einen Raum erschaffen... ein Zimmer und einen besonderen Ort. Einen Ort, den nur du kennst, einen Ort, an den zu gehen kannst, um dich zurückzuziehen. Das Leben ist hart genug, wenn man ein Herz besitzt. Ohne eins... sogar noch grausamer. Sag mir, wenn du dir einen Raum für dich erschaffen könntest..., einen Ort, an dem du gehen kannst, um von den Anderen wegzukommen... wie würde er aussehen?"
„Wasser. Viel Wasser. Ein großes Bett und weiche Laken und Kissen. Und es hätte eine gute Resonanz! Und - Axel wäre da.", sagte er sehr sanft und errötete.
Naminé kicherte. „Du wirst dir deinen Axel selbst zur Verfügung stellen müssen... aber ich wette, er wird gerne bereit sein, dich besuchen zu kommen... lass es uns besonders schön machen... Ich mag tropische Fische... und du? Wie fändest du Aquarien als Wände? Was ist mit... einem Wasserbett?", bot sie an und lächelte. „Ich könnte dem Zimmer eine gewölbte Decke geben. Was hältst du von... mitternachtsblauen Wänden mit silbernen Spritzern... dann ist es wie unterm Ozean?"
Der arme Musiker schnappte überrascht nach Luft. „Du kannst das echt alles machen?" Sein Verstand wurde kurz aus den Gedanken an Axels jetzige Situation geholt, was im Eigentlichen genau Naminés Wille war. „Das... das klingt toll. Gibt es eine Möglichkeit, dass ich die Sterne sehen kann?" Er sah sie mit hellen, ausdrucksvollen Augen an; Augen, die die meisten der Niemande so schnell verloren hatten.
Naminé lächelte noch einmal und nickte. „Sterne über dem Wasser... das kann ich machen...", sagte sie sanft. „Willst du vielleicht einen Springbrunnen in deinem Zimmer... einen kleinen vielleicht, aber so, dass du das Wasser plätschern hören kannst?"
Demyx drehte seine Hände ein wenig, er trug noch immer keine Handschuhe, geschweigedenn richtige Kleidung unter Axels geborgter Robe. Er nickte leicht. „Du hast echt gute Ideen.", sagte er leise, mit dem Hauch eines echten Lächelns anstelle eines durch Angst verfälschtem.
Er versank für einen Moment in Gedanken und rief dann seine Sitar in seine Hände. Er strich prüfend über ihre Oberfläche und sah dann wieder zu Naminé. „Stört es dich, wenn ich spiele, während du zeichnest?"
Naminé lächelte. „Natürlich nicht. Das ist schöner als ich es mir vorgestellt habe.", sagte sie und berührte das Instrument einmal behutsam. „Genau wie das Meer..." Sie fuhr fort, nachdem Zexion ihr ein Stück der Frucht gegeben hatte.
Sie bot Demyx das erste Stück an, bevor sie nach ihrem blauen Buntstift griff.
Der Schlag von Saïx's Klinge hämmerte zwischen Axels Schulterblättern und er fühlte, wie seine Rippen wie trockene Zweige zerbrachen. Er würgte Blut und erbrach es auf den Boden, während Saïx mit einem Fuß auf seinem Nacken stand.
„Dafür, dass du dich mir widersetzt hast... Dafür, dass du Xemnas Ärger gemacht hast, nur wegen eines wertlosen Niemands! Kannst du sagen, dass du Xemnas nichts bedeutest? Dass er dir nichts bedeutet! Dass du Nichts bist und dass du nicht mehr sein kannst als du bist! Ruiniere seine Arbeit nicht! Wir brauchen Herzen, nicht noch einen Jammerlappen, der sich nicht helfen kann! Wir können uns ja kaum selbst helfen!"
Axel zuckte zusammen, als der Stiefel sich von seinem Rücken entfernte und dann ein letztes Mal zwischen seine Rippen trat, ihn ächzen und keuchen ließen.
Ein weiterer Tritt, dieses Mal auf seinen Wangenknochen... Dann wurde es glücklicherweise dunkel.
Demyx schloss seine Augen und spielte, aber die Musik wiederspiegelte seine Seele. Sie klang gejagt und irgendwie traurig über die Versuche, etwas zu spielen, das Naminé glücklich machen könnte. Er wollte nichts mehr, als Axel finden und ihn weit weg von der Organisation bringen, zurück an den sonnendurchtränkten Strand. Er wusste schon jetzt, dass dieser Ort hier die Hölle war.
Aber der süße Geschmack der Pau-Pau- Frucht erinnerte ihn an ihren Kuss in den Wellen und er hoffte, dass auch Axel ein wenig Stärke in etwas so Einfachem finden konnte. Er verstand die Art dieser Leute nicht, von denen er fortan ein Teil sein musste.
Leider war seine zarte Seele dazu gezwungen.
Naminé gab Zexion ein süßes Lächeln und er erwiderte es. Es war ein leicht trauriges Lächeln, sogar noch, als er sich neben sie stellte, um auf ihre Zeichnung zu schauen.
„Fertig!", verkündete sie und drehte sich zu Demyx, damit er es sehen konnte, ohne mit Spielen aufhören zu müssen. „Willst du es in Wirklichkeit sehen? Dann kannst du mir sagen, ob ich noch etwas hinzufügen soll... Ich äh... Ich setze deinen Raum neben den von Axel... Ich hoffe, das stört dich nicht?"
Demyx sah herüber und blinzelte, als er hätte schwören können, tatsächlich Wände und Teppiche und eine Zimmerdecke zu sehen. Er lächelte sanft, lehnte sich hinüber und errötete. „Kann ich eine richtig große Wanne haben? Axel hatte eine und sie war - schön." Er schämte sich so sehr, dass er nichts weiter fragte. Die Zeichnung selbst war simpel, aber schön.
„Neben Axel ist perfekt." Er lächelte sie fröhlich an. „Danke. Vielen, vielen Dank."
„Danke, dass du für mich gespielt hast... Vielleicht könntest du öfters spielen... du solltest ganz oft herkommen und mich besuchen... Ich bin immer so einsam... vielleicht könntest... vielleicht könntest du mich irgendwann mal mit an den Strand nehmen? Ich würde da auch so gern mal hingehen.", sagte sie und lächelte ein bisschen traurig, während sie das angrenzendes Badezimmer skizzierte, das sie mit schwimmenden Fischen, ganz in dunkelblau und einer prächtigen Badewanne entwarf.
Demyx beendete sein Spiel vorerst und griff sanft nach ihrer Hand. „- Ich würde dich überall mit hinnehmen, wenn du dann mehr lächelst. -" Die Wahrheit. Keine Lügen, wie die, die sie von den anderen, vor Kraft protzenden (kurz: dummen) Mitglieder zu hören bekam. Die ehrliche Wahrheit. „Ich werd definitiv öfter kommen. Besonders dann, wenn ich Portale erschaffen kann, wie Axel."
„Axel.", flüsterte sie sanft, abermals füllten Tränen ihre Augen. „Du solltest zu ihm gehen... Zexion... geh mit ihm.. hilf Axel.", sagte sie leise. „Und... ich zeichne dir ein paar Kleidungsstücke, während du weg bist... Ich fülle deinen Kleiderschrank.", versprach sie. „Also geht,... geht zu Axel."
Demyx ließ seine Sitar verschwinden und zog Naminé in eine kurze Umarmung. Seine Stimme war sehr leise. „Danke, ich kümmere mich um Axel. Ich schwöre es." Er gab ihr einen Kuss auf die Wange, bevor er sie gehen ließ und Zexion ansah. „Bitte, kannst du mich zu Axel bringen?"
Zexion nickte, bot Demyx seine Hand an und öffnete ein Portal. „Komm", sagte er. Auch er sprach nur leise und ein wenig traurig.
Demyx schluckte seine Angst schnell herunter, nahm Zexions Hand und trat durch das Portal, ohne dass ihn jemand erst hineinschubsen musste.
Das, was er auf der anderen Seite sah, ließ ihn erstarren und ließ das Herz in seiner Brust versteinern. Ein Teil in ihm starb. Er lief an die Seite des gefallenen Niemands und fiel auf seine Knie. Er ignorierte das Blut und versuchte herauszufinden, wie der zugerichtete Körper - falls er es überhaupt noch tat- atmete.
Axel war bewusstlos, Blut sammelte sich in einer Pfütze unter ihm. Er lag ausgestreckt da, wie er zuvor zu Boden gefallen war und seine Arme waren offensichtlich gebrochen. Eine Maske aus Blut verdeckte sein Gesicht, es tropfte von seiner Robe und seinem schweißnassen Haar.
Demyx sah zu Zexion auf.
„H... Hilf ihm.", bettelte er mit Verzweiflung in seiner Stimme und in seinen Augen. Er wusste nicht, wie er Axel helfen sollte. Er wusste noch nicht, wie er heilen konnte. Demyx fühlte, wie seine Hände zitterten.
* * *
Fortsetzung folgt...
