Ich kann euch agr nicht sagen wie leid es mir tut, dass ich euch so lange wartene ließ!
Ich hoffe es besteht trotzdem noch Interesse ;)
Vielen, vielen Dank für eure Kommis!
The Reunion
EDWARD
Wo ist Bella?
In dem einzigen Bett des spärlich eingerichteten Krankenzimmers liegt eine Fremde. Blass und so zerbrechlich wie sie ist, erscheint es mir wie ein Wunder, dass sie noch des Atmens mächtig ist. Doch ihr Brustkorb hebt und senkt sich hartnäckig in einem mehr oder weniger regelmäßigen Takt.
Sie schläft. Und als hätte sie meine vorherige Frage meinen Gedanken entnommen, ruft sie im Traum meinen Namen, und da weiß ich, dass sie es ist, auch wenn ihre Stimme rau und schwach an meine Ohren klingt. Alt. Sie ist alt, fremd. Hatte ich wirklich etwas anderes erwartet? Und da muss ich mir eingestehen, dass ich nie weiter als bis zu diesem Augenblick des Wiedersehens gedacht hatte. Dass es mir nie in den Sinn gekommen war, mir auszumalen wie sie wohl aussehen würde, wie sie riechen würde. Liebe ich sie, oder liebe ich das, was sie einmal gewesen ist?
Panik steigt ihn mir hoch und erlaubt mir für einen kurzen Moment die Möglichkeit in betrachtet zu ziehen einfach aus dem Raum zu stürzen, wegzulaufen vor dieser Fremden, die Bella ist.
Doch ein leises Stöhnen aus ihrer Richtung verschafft mir wieder Eintritt in die Realität. Sie ist wach, betrachtet mich mit müdem, zuerst ungläubigem, dann erstauntem Blick.
Ich starre zurück, unsicher, ob ich etwas sagen soll, wobei mir zugleich bewusst ist, dass alles was ich nun in Worte fassen würde, niemals das Richtige sein könnte.
Ich habe Jahrzehnte benötigt um zurückzukehren, zuviel Zeit, die vergangen ist.
„Edward", durchbricht sie nun die unangenehme Stille, ihre spröden Lippen formen sich zu einem leichten Lächeln. „Das wird aber auch langsam Zeit, nicht wahr?"
Als ich mich weiterhin nicht von der Stelle rühre, streckt sie einen ihrer dünnen Arme aus und klopft mit der von Altersflecken gesprenkelten Hand auf einen weißen Plastikstuhl neben sich, der wohl für Besucher gedacht ist.
„Setz dich", fordert sie mich fast schon ein wenig ungeduldig auf.
Automatisch durchschreite ich in ungewollter Anmut den Raum und lasse mich auf der mir angebotenen Sitzgelegenheit nieder, wobei ich ihren prüfenden Blick nur zu deutlich auf mir spüre. Auch sie scheint nach Veränderungen in meinem Aussehen, meinen Bewegungen, meiner Mimik zu suchen – ohne Erfolg.
„Du hast dich nicht verändert", spricht sie nun das Offensichtliche aus. „Kein bisschen." Sie klingt verbittert, alt, anders.
Verzweifelt beginne ich in ihrem von Falten durchzogenem Gesicht nach etwas mir Vertrautem zu suchen. Ihr langes, einst dunkles Haar ist beinahe zur Gänze ergraut und ohne jeden Glanz. Selbst ihr Duft ist ein anderer als der, dem ich damals kaum wiederstehen konnte. Es ist der Geruch nach dem Vergänglichen, dem Verderben, dem nahenden Tod.
„So schlimm?", fragt sie, ohne tatsächlich eine Antwort zu erwarten.
Noch nie habe ich mich so hilflos, so verloren gefühlt wie in diesem Moment. Als Vampir, ein Wesen ausgestattet mit übernatürlichen Kräften, bin ich es gewohnt jedes noch so große Problem aus dem Weg zu räumen – doch sie war schon immer eine Ausnahme gewesen und ist es noch, wird es wohl immer sein.
„Ich habe lange nach dir gesucht", merke ich an, nur um irgendetwas zu sagen und ohne sie dabei anzusehen. Mit einer gewissen Ausdauer beginne ich die Autos und sonstigen Fahrzeuge, die man durch das einzige Fenster des Raumes hindurch auf dem Parkplatz des Krankenhauses stehend erkennen kann, zu zählen – nur um irgendetwas zu tun. „Keiner scheint dich zu kennen", fahre ich nervös fort, schon beinahe sicher, dass sie ohne mich in Selbstmitleid versunken ein Einsiedlerleben geführt hatte, abgeschattet von dem Rest der Welt. „Ich habe nach einer Mrs. Black, einer Bella und auch nach einer Isabella Black gefragt..."
„Black?", sie scheint einen Moment zu benötigen um den Namen einordnen zu können. „Black . . . nein, so heiße ich schon lange nicht mehr", sie klingt müde, fast ein wenig ängstlich. Auch sie scheint sich so wie ich in alten Erinnerungen wiederzufinden. „Gleich nachdem . . . es passiert ist, habe ich wieder meinen alten Namen angenommen – Swan, und dabei ist es auch geblieben."
Fast instinktiv suchen meine Augen nun die ihren.
„Beängstigend nicht wahr?", wieder ist es mehr eine Feststellung als eine Frage. „Wie die Zeit vergeht."
Edward.
Ohne mich umzudrehen, weiß ich, dass Jasper nun in der Tür steht.
Ich habe dir gesagt, dass es keine gute Idee ist.
Auch sie scheint sich bereits im Klaren zu sein, dass wir nicht länger allein sind, denn sie nickt mir kaum merklich zu: „Du solltest jetzt gehen."
Ich erhebe mich in einer fließenden Bewegung, als sie plötzlich mit einer zitternden, knochigen Hand meinen Arm packt und mich noch einmal zurückhält.
„Versprich mir", flüstert sie kaum hörbar. „Dass du wiederkommst."
Edward. Lass uns gehen.
Erstaunt und beschämt zugleich bemerke ich, dass ich mir nicht sicher bin. Bislang hatte sich alles, sei dem Tag, an dem ich ihr zum ersten Mal begegnet war, nach ihr ausgerichtet. Jeder Gedanke, alles, was ich tat und sagte war an sie und ihr Wohlbefinden geknüpft gewesen. Jahrelang war ich mir sicher gewesen, nun bin ich es nicht mehr.
Mein Schweigen scheint ihr die letzten Kräfte zu rauben. Sie lässt mich los, schließt müde die Augen und ich gehe, ohne mich noch einmal umzudrehen.
