Das Geschenk des fahrenden Volks

Stundenlang waren Eragon und Saphira über den Jahrmarkt gelaufen, ihnen waren zwar einige richtige Magier begegnet, aber das Mädchen hatten sie noch immer nicht gefunden. Roran war schon wütend gewesen, als er erfuhr, dass sein Cousin und dessen Drache sich ‚amüsiert' hatten und sich nicht auf Katrinas Rettung konzentrierten, noch wütender war er geworden, als Eragon ihm erzählt hatte, dass sie dieses Mädchen finden wollten. Er schien zu glauben, dass sein Cousin sich kein bisschen für Katrina interessierte. Das hatte Eragon nun wiederum wütend gemacht.

Saphira lag traurig im Burghof, zu gerne hätte sie erfahren, wo dieses Mädchen das Stück Schale her hatte. Das alles gefiel ihr ganz und gar nicht. „Nasuada möchte besprechen, wie es weiter gehen soll, kommst du mit?" Sie hob den Kopf und blickte Eragon einen Augenblick lang an. Nein ich denke nicht, du kommst doch bestimmt eine Weile ohne mich aus oder, Kleiner. Eragon lächelte traurig. „Grüble nicht mehr zu lange, meine Schöne. Vielleicht war es doch nur ein Stein. So oder so, wir finden sie bestimmt." Saphira seufzte und legte sich wieder hin. Ungern ließ Eragon sie jetzt, doch er konnte auch nichts für sie tun.

Lange hatte Saphira da gelegen oder auch nicht, sie hatte nicht auf die verrinnende Zeit geachtet, als sie eine Gestalt auf der Burgmauer sah. Sie wich den Wachen gekonnt aus, dann sprang sie hinab. Die blaue Drachin knurrte bedrohlich, als die Gestalt in ihrem grauen Umhang sich ihr näherte. Sie blieb stehen und hob anwehrend die Hände. „Ich will dir und deinem Reiter nichts böses", sprach eine weibliche Stimme in der alten Sprache. Dann nahm sie die Kapuze ab. Saphira erkannte die Tänzerin. Doch war sie dieses Mal weniger auffällig gekleidet. Sie trug dunkle Kleidung, wenn sie es wollte, so schien es, sah niemand sie, ihre Haare wurden durch ein Lederband gebändigt. Du, wir haben versucht, dich zu finden, aber niemand half uns. Meinte Saphira. Das Mädchen lächelte. „Ich weiß, deshalb bin ich hier. Das fahrende Volk schützt die Seinen. Wenn ein einzelner von uns nicht gefunden werden will, dann wird er nicht gefunden." Saphira nahm eine weniger bedrohliche Haltung ein. Du bist gestern weggelaufen und jetzt bist du hier, warum? „Ich wäre auf jeden Fall zu dir gekommen, ich wollte mit dir sprechen. Aber Gestern war ich nicht auf ein treffen vorbereitet. Wenn ich ehrlich bin, war ich auch ein klein wenig erschrocken, als du auf mich zukamst. Du hast erkannt, was es ist, nicht wahr?" Sie holte ihre Kette hervor und hielt sie Saphira hin. Die Drachin beschnüffelte den Anhänger einen Moment lang. Sie hatte Recht gehabt, es war ein Stück einer Schale, es war hell lila, es hatte die Farbe von Lavendel. Das Mädchen ließ sich vor Saphira nieder. Wo hast du das her? Das Mädchen lächelte. „Das ist eine Lange Geschichte, vielleicht solltest du deinen Reiter hier her holen, dann erzähle ich sie euch beiden. Ach bevor ich auch noch meine letzten Manieren vergesse, mein Name ist Lilu." Ich bin Saphira.

Eragon war sofort losgerannt, als Saphira nach ihm rief. Seine Drachin klang mit einem Mal richtig aufgeregt. Nasuada, Roran und Arya waren ihm sofort gefolgt. Denn sie hatten das Gefühl, dass etwas Wichtiges geschehen war. Eragon erkannte das Mädchen, das bei Saphira saß sofort. In den Händen hielt sie die Kette. Eragon viel auf, dass sie Handschuhe trug, obwohl es sehr warm war. Eragon, dass ist Lilu. Lilu, dass ist Eragon, mein Reiter. Noch einmal erhob das Mädchen sich. „Lilu, ein ungewöhnlicher Name", meinte Eragon. Sie Lächelte ihn an und ihre grünen Katzenaugen blitzten schelmisch. „Das ist Eragon aber auch." Dann fiel ihr Blick auf die anderen. „Lilu. Dies sind Roran, mein Cousin. Arya, Abgesandte der Elfen und Nasuada, Herrin der Varden." Sie Verbeugte sich leicht. „Ich bin Lilu. Kind des fahrenden Volkes. Tochter von Lyza und Fionn." Roran hob eine Augenbraue. „Dann bist du also die Tänzerin von Gestern", er klang noch immer gereizt, doch das störte Lilu nicht. Sie nickte nur, ging zurück zu Saphira und ließ sich nieder. „Darf ich die Kette sehen?" fragte Eragon sie. Das Mädchen nickte leicht und gab Eragon die Kette. Die Ränder der Schale waren abgerundet. Es war ein perfekt geschliffenes Dreieck, in eine der Ecken hatte man ein Loch gebohrt, durch das ein Lederband gezogen wurde. „Es ist eine Drachenschale, aber wo hast du sie her und wer ist in der Lage sie so zu bearbeiten?" „Eigentlich habe ich meinem Lehrmeister versprochen, nichts voreilig zu sagen. Deshalb frage ich euch bevor ich auf irgendetwas antworte, würdet ihr jemals, aus welchem Grund auch immer für Galbatorix arbeiten und glaub mir, es gibt viele Gründe." Finster sah Eragon sie an sie spricht die alte Sprache, kam Saphira dazwischen. „Niemals", antwortete er schließlich. Lilu lächelte mild. „Also gut. Es gibt nur ein Wesen, dass die Schale eines Dracheneis Formen kann und das ist ein Drache. Von ihm habe ich es auch bekommen." Sprachlos sahen die Anwesenden ihn an, Saphira fand als erste ihre Sprache wieder. Soll dass heißen, es gibt dort draußen einen wilden Drachen? Lilu lächelte schief. „Nein", Saphira blickte enttäuscht drein. „Er ist an einen Reiter gebunden." Das war zu viel auf einmal. „Würdest du das in der alten Sprache wiederholen?" Sie lächelte schief. „Nein", dann wanderte ihr Blick in den Himmel. „Ich stelle ihn euch lieber vor." Am Himmel erschien ein großer Schatten, größer als Saphira.

Bevor Lilu sich erhob, zog sie einen ihrer Handschuhe aus und hielt Eragon diese Hand hin. „Du bist seine Reiterin?" entfuhr es ihm. Lilu musste lachen. „Blick nicht so geschockt drein, sonst fühl ich mich noch beleidigt." Der Drache war wirklich größer als Saphira, er musste einige Jahre älter sein als Saphira. Erst spielen wir Jahre lang verstecken und nun dass, Mädchen, dass wird Valeska nicht gefallen. Eine männliche Stimme erklang in ihren Köpfen. Aber schon wegen ihrer Gesichter war es dass Wert. „Daray bitte benimm dich", kicherte Lilu. „Sei einfach froh, dass wir uns nicht mehr verstecken müssen." Der lavendelfarbene Drache lachte und stupste seine Reiterin liebevoll an, dann wandte er sich Eragon und Saphira. Ich bin Daray, Sohn von Sasra und Tyrron. „Aber wie, woher kommst du?" brachte Eragon hervor. Lilu streichelte sanft über die Schuppen ihres Drachen. „Setzten wir uns, dass wird eine längere Geschichte." Sie wartete einen Augenblick lang, bis alle zwischen den Drachen Platz gefunden hatte. Diesen Augenblick nutzte Saphira um den anderen ausgiebig zu beschnüffeln. Die Aufmerksamkeit der Drachendame schmeichelte Daray offensichtlich. Lilu kuschelte sich an ihren Drachen und begann zu erzählen. „Vor über einhundert Jahren, gab es einige Drachenreiter, die die Gefahr erkannten, die von Galbatorix ausging. Sie versuchten mit Vrael zu sprechen, doch er unterschätzte die Gefahr. Also nahmen sie und ihre Drachen es selbst in die Hand. Sie holten so viele der Eier aus dem geschützten Lager, wie sie konnten und brachten sie in Sicherheit, niemand, der ihrer nicht würdig ist, würde sie jemals finden. Dann brach der Krieg aus und beinahe alle, die das Versteck kannten starben. Alle bis auf eine Reiterin, die mit angesehen hatte, wie sein Drache starb. Schwer verletzt, dem Tode nah, schleppte sie sich in den nächsten Wald, dort hoffte sie, sich verstecken zu können. Eigentlich wollte sie nur sterben, doch dann hätte es niemanden mehr gegeben, der wusste, wo die Eier versteckt waren. Sie verlor das Bewusstsein, als sie wieder zu sich kam, hatte mein Volk sie bereits gefunden. Darunter auch meine Urgroßmutter, sie nahm die Drachenreiterin auf und pflegte sie gesund. Es dauerte lange, bis es ihr besser ging. Meine Urgroßmutter kannte das Gedwey Ignasia, schon als Kind war sie fasziniert von den Drachen gewesen. Doch die Drachenreiterin vertraute ihr nicht, sie Vertraute nach dem Verrat der Wyrdfell niemandem mehr. Bis zu dem Tag, an dem Galbatorix anfing Jagd auf mein Volk zu machen. Ich weiß nicht warum, er fürchtete wohl, dass sie ihm zu viel Ärger machen könnten. Freigeister, denen es vom Gesetz her erlaubt war, überall hin zu Reisen. Galbatorix machte sie zu Freiwild. Der Feind meines Feindes ist mein Freund, wie es so schön heißt, also weite sie den Clan, der sich um sie gekümmert hatte ein.

Sie holten die Eier aus ihren Versteck und von nun an wahren sie sicher und geschützt in mitten des fahrenden Volkes." Lilu hielt lächelnd inne. „Lange Zeit geschah nichts. Bis ich mir die Eier vor acht Jahren das erste Mal ansehen durfte. Ich wusste sofort, dass ich und dieses lilane Ei zusammen gehörten. Ich berührte es, aber im ersten Moment geschah gar nichts, ich wäre schon beinahe weinend davon gelaufen. Dann schlüpfte er endlich. Mein Vater wäre vor stolz beinahe geplatzt. Sein kleines Mädchen, eine Drachenreiterin." Eragon schmunzelte, doch unterbrach er sie nicht. „Daray wuchs heran, doch ich war lange nicht bereit zu Kämpfen." Sie blickte Nasuada an. „Verzeiht bitte, aber mein Volk traute den Varden nie. Menschen die unter der Erde Schutz suchen, waren ihnen nie geheuer." Nasuada schmunzelte. „Nun ja, dieses Misstrauen beruht auf Gegenseitigkeit. Wir trauten den Nomaden ja auch nicht." Lilu nickte. „Daray und ich wuchsen heran und lernten. Dann erfuhren wir, dass ein neuer Drachenreiter aufgetaucht ist. Einer, der nicht für Galbatorix kämpfte. Wie hoch standen die Chancen dafür. Meine Lehrmeisterin war der Meinung, es wäre eine Falle, ihr müsst wissen, sie ist ein wenig paranoid und dass vermutlich zu Recht. Und auch wir waren noch nicht bereit. Stell euch vor, Galbatorix hätte zu früh von uns erfahren. Ich will gar nicht wissen. Was mit den Eiern geschehen wäre. Und wenn er seine Armee vergrößert hätte, das will ich mir gar nicht vorstellen." Sie zog ein angewidertes Gesicht, fing sich aber sofort wieder. „Valeska glaubt immer noch, wir wären nicht bereit und ich denke das auch. Aber ich glaube ihr braucht Hilfe. Jetzt, da der andere Reiter aufgetaucht ist." Eragon lächelte Schwach. „Valeska ist eure Lehrerin nehme ich an. Ich würde sie gerne kennen lernen." Lilu nickte leicht. „Ich werde sehen, was ich tun kann. Doch zuvor…" Sie holte einen samtenen Beutel unter ihrem Umhang hervor. „Habe ich einen kleinen Vorgeschmack, auf dass was euch noch erwartet hier und macht euch keine Sorgen, es ist mit unserem Wächter abgesprochen." Eragon nahm den Beutel entgegen und blickte hinein, mit großen Augen griff er hinein und holte ein Drachenei hervor. Es war grau und weiße Adern durchzogen es. „Es ist übrigens ein weiblicher Drache." Eragon starrte auf das Ei hinab. Wie viele habt ihr noch? Fragte Saphira. Daray schmunzelte, als er antwortete. Noch ein paar mehr, in allen Farben, die du dir Vorstellen kannst. „In all den Jahren, während denen dein Volk die Eier schon beschützt, habt ihr nie versuche unternommen, einen Reiter zu finden", fragte Arya schließlich. „Natürlich haben wir das, im geheimen versteht sich, doch nie ist etwas geschehen, in keiner Stadt, in der wir gewesen sind und wir waren in vielen. Generationen von Kindern haben diese Eier berührt, doch nie ist etwas geschehen." Auf einmal klang ihre Stimme Traurig, allen war sofort klar, dass sie etwas verschwieg. „Und auch bei deinem Volk ist kein Drache geschlüpft?" hackte Roran nach. Doch Lilu erhob sich. „Daray, es ist besser, wenn wir jetzt gehen, Valeska vermisst uns bestimmt schon." Lilu setzte sich in den Sattel, bevor er abhob, warf Daray Saphira einen Blick zu. Fragt nach Morna, wenn ihr uns sucht. Dann weiß unser Volk, dass ihr auf unserer Seite steht. Ich hoffe wir sehen uns Morgen, dann können wir besprechen wie es weiter geht. Mit diesen Worten hob der Drache ab. Eragon blickte ihnen nach. „Das war die falsche Frage, aber die Antwort war eindeutig." Werden wir sie morgen um Hilfe bitten, wir könnten am Helgrind Unterstützung gebrauchen? Eragon nickte leicht und stellte sich vor, so mit Saphira zu fliegen.