Grau wie eine Maus
Valeska starrte Nolan eine ganze Weile an, nachdem er aus dem Sattel gestiegen war, dann begann sie zu schimpfen. Minuten lang ohne eine Pause. Selbst Angela schien beeindruckt. Nolan ließ das ganze schweigend über sich ergehen. Später, als Angela Valeska für ihre Predigt lobte, meinte diese nur: „Ich hatte vier Jahre Zeit, um sie mir zurecht zu legen." Eragon überlege, was wohl gewesen, wäre, wenn Angela so lange Zeit gehabt hätte, doch er verdrängte diesen Gedanken ganz schnell wieder. „Wenigstens hat er gut auf sich und Ailia aufgepasst." Arya lächelte unergründlich. „Deshalb hast du geschwiegen, als wir dich fragten, ob noch ein Drache geschlüpft wäre." Lilu lächelte gequält: „Ich wusste nicht, wo unser Ausreißer war, ob er überhaupt noch lebte. Wie hätte ich da antworten können?" Die Elfe nickte verstehend und blickte Nolan an. „Ich würde dir ja auch noch einiges sagen, aber Valeskas Rede war … sehr ausführlich." Nolan schmunzelte. „Ich werde mir in den nächsten Stunden wohl noch einige anhören Dürfen." Lilu nickte und zählte grinsend auf. „Die von Vater, dann die unseres Clanführers …" Lilus Liste war lang, dann wandte sie sich plötzlich Arya, Nasuada und Valeska zu. „Ich würde gerne den kleinen Drachen sehen." Nasuada nickte überrascht. „Ihr wisst davon?" Eragon nickte etwas betrübt. „Ich fürchte, er oder sie hat sich jedem Drachenreiter in Alagaesia lautstark angekündigt."
Nasuada führte sie quer durch das Schloss in ihre Gemächer. Dort saß ein Junge, von vielleicht 11 oder 12 Jahren auf dem Boden und hielt einen kleinen Drachen in den Armen. Er ist sehr jung, hörten Eragon und Lilu Nolan in ihren Gedanken. Wir werden ihn ehr beschützen müssen, als dass er mit uns kämpfen könnte. Eine Frau saß auf einem Stuhl in seiner nähe. Sie war hin und her gerissen zwischen Stolz, Freude, Besorgnis und purer Angst. Behutsam streichelte der Junge sein Drachenbaby. Lilu war die erste, die sich neben den Jungen setzte. „Hallo, mein Freund. Ich bin Lilu." Er blickte zu ihr auf. „Ich bin Rion", antwortete der kleine. Ein sanftes Lächeln legte sich auf ihre Lippen. „Und du bist jetzt ein Drachenreiter. So wie wir." Zum Beweis hielt sie ihm ihre Hand mit dem Mal hin. Rion hob ebenfalls die Hand und zeigte ihr sein Mal. „Eigentlich wollte ich mir die bunten Eier nur ansehen, aber das graue Ei gefiel mir. Da hab ich es einfach angefasst und schon war es passiert." Lilu grinste. „Ja." Rion erwiderte ihr Grinsen. „Er ist grau wie eine Maus, aber trotzdem wunder schön." Nun musste die Drachenreiterin kichern. „Ja, dass ist wahr, aber er ist kein er. Du hast da ein hübsches, kleines Drachenmädchen und bald wirst du mir ihr sprechen können, wenn sie etwas größer ist." Rions Augen strahlten und das Drachenmädchen hob ihren Kopf, große silberne Augen sahen erst ihren Reiter und dann Lilu an. Sie fiepte freudig. Lilus Blick wanderte durch den Raum, die Mutter des Jungen war einem Zusammenbruch nah. „Ich bin gleich wieder da", murmelte sie, dann erhob sie sich und ging zu den anderen zurück. „Ich fürchte er ist hier in Gefahr", meinte Nasuada. „Wäre er etwas älter, dann wäre ja alles gut, dann könnte er sich verteidigen, aber so. Jederzeit könnte ein Spion in die Stadt eindringen und ihm ein Leid zufügen." Eragon nickte leicht. „Wir könnten ihn, seinen Drachen und die Mutter nach Ellesméra bringen, dort wären sie in Sicherheit und man könnte sie Ausbilden. Ich muss ohnehin zurück. Ich habe versprochen, meine Ausbildung zu beenden." Nun mischte Valeska sich ein. „Dann kannst du Lilu und Nolan gleich mitnehmen. Ihrer Ausbildung fehlt auch noch der letzte Schliff." Lilu seufzte ergeben und Nolan lag der Widerspruch zwar bereits auf der Zunge, doch Valeskas Blick ließ ihn stumm bleiben. „Dann besprecht ihr das mit der Mutter", meinte Lilu. „Ich stelle Rion und seinen Drachen Saphira, Daray und Ailia vor."
Das Drachenmädchen faltete ihre Flügel zusammen, so dass Rion sie vorsichtig in die Arme nehmen konnte. Sanft schmiegte sie sich an ihren Reiter. „Hast du schon eine Idee, wie du sie nennen willst?" Rion schüttelte den Kopf. „Ich kenne keine Drachennamen. Ich weiß ja nicht einmal wie eure Drachen oder die des Königs heißen." Lilu schmunzelte. „Vielleicht können unsere Drachen dir dabei ja helfen." Als sie die anderen Drachen sah, hüpfte die kleine aus Rions Armen und tapste vorsichtig auf sie zu. Noch ein Mädchen, brummte Daray. Da könnte ein Drache sich wirklich etwas überfordert fühlen. Lilu verdrehte die Augen. „Der Witzbold ist Daray, er ist mein Drache. Die blaue Drachendame heißt Saphira, sie gehört zu Eragon und die gelbe heißt Ailia, sie gehört zu Nolan." Das graue Drachenmädchen ließ sich von den großen Drachen eingehend beschnuppern. Rion beobachtete alles. „Sie sind wirklich groß", murmelte er. Lilu lachte: „Und sie werden noch größer. Genau wie deine Kleine." Vor Aufregung fiepte die kleine so laut sie konnte und lief dann wieder zu ihrem Reiter. Sie sind beide so klein, Saphiras Stimme war nicht mehr als ein Flüstern. Daray stimmte ihr zu, sie wird schnell wachsen, aber der Junge. „Ja, die darauf sind wir auch schon gekommen. Wir werden sie wohl nach Ellesmera bringen." Gut, dort dürften sie in Sicherheit sein. Rion trat unsicher vor die Drachen. „Ich wollte euch fragen, ob ihr mir vielleicht helfen könntet, einen Namen für meinen Drachen zu finden." Die Drachen tauschten überlegende Blicke. Die Drachen zählten ihm duzende Namen auf. Doch irgendwie schien der kleinen Drachin nichts wirklich zu gefallen. Langsam fällt mir wirklich nichts mehr ein, grummelte Saphira. Keiner der Namen gefällt ihr. Daray hob den Kopf, ein Name war ihm noch eingefallen, aber er zweifelte, ob der eine gute Wahl war. Wie wäre es mit Sasra. Das Drachenmädchen hob den Kopf und fiepte vergnügt. Rion lachte, als sein Kleines ihm auf den Schoß sprang und ihn sanft abschleckte. „Wenn der Name dir gefällt, dann heißt du ab jetzt Sasra."
Einen Wimpernschlag lang verschwand das Lächeln aus Lilus Gesicht, doch war es sofort wieder da. Sie wandte sich um, als sie Schritte hinter sich vernahm. „Vielleicht solltest du Sasra etwas zum Mittagessen besorgen." Nolan hob eine Augenbraue. „Sasra, eine interessante Wahl." Lilu nickte nur. „Was ist denn an dem Namen einzuwenden?" fragte Eragon. „Er ist doch schön." Nolan nickte leicht. „Ja er ist schön und er war es auch schön, als Galbatorix erster Drache ihn trug." Mit weiten Augen sah Eragon sie an. „Dann ist es wirklich eine interessante Wahl." Lilu nickte. „Was hat seine Mutter gesagt?" „Sie kann uns nicht begleiten, sie hat noch drei jüngere Kinder, um die sie sich kümmern muss, aber sie möchte, dass Rion in Sicherheit ist und deshalb übergibt sie ihn unserer Obhut." Erklärte Eragon. „Wann brechen wir also auf?" „Morgen."
