Kapitel 1

Sara Sidle sah auf die Uhr. Um diese Zeit rief sonst niemand an. Sie überlegte, ob sie überhaupt ans Telefon gehen sollte, schließlich war sie den ganzen Tag an der Universität gewesen und freute sich auf einen ruhigen Abend. Aber das Klingeln hörte nicht auf.

„Sidle."

Sara klang so unfreundlich, dass jeder andere sofort aufgelegt hätte. Nicht so Lisa.

„Gott sei dank, Du bist da. Ich brauch dich. Es ist ein Notfall."

Lisa Paul war Studentin im letzten Studienjahr und sie wohnte nicht auf dem Campus. Sie war 6 Jahre älter als Sara und hatte bereits ein Kind. Da sie allein stehend war, sprangen oft Kommilitonen ein und halfen als Babysitter aus. Auch Sara. Sie hatte das Baby wirklich ins Herz geschlossen, aber heute wollte sie eigentlich nicht mehr aus dem Haus.

„Lisa, muss das sein? Findest du keinen anderen Babysitter?"

„Es geht nicht darum. Ich habe einen Babysitter, aber nun ist Stevie krank und ich möchte ihn nicht allein lassen."

Das konnte Sara gut verstehen und sie bewunderte Lisa für ihr Engagement.

„Ist es sehr schlimm? Was kann ich für dich tun?"

Lisa wusste nicht so recht wie sie Sara die Situation erklären sollte.

Als sie absolut kein Geld mehr hatte, konnte sie einem Jobangebot nicht widerstehen. Auf dem ersten Blick erschien es nicht seriös, aber sie konnte sich die Zeit aussuchen und die Bezahlung war immer sehr gut.

Schließlich holte sie tief Luft und begann.


Es war der vorletzte Abend der Konferenz und traditionsgemäß fand an ihm immer ein festlicher Ball statt.

Der Verein hatte dazu in einem Hotel einen großen Saal gemietet. Neben wirklich gutem Essen und Trinken, gab es auch ein Orchester und eine Tanzfläche. Und das war für Gil Grissom ein Problem. Nicht das er nicht tanzen konnte. Nein, es ging darum, dass er aus Höflichkeit die Avancen der Teilnehmerinnen nicht ablehnen wollte. Also versuchte er entweder zu entkommen oder er fügte sich in sein Schicksal.

Im letzten Jahr hatte er einem anderen Teilnehmer von seinem „Schicksal" berichtet und der hatte ihm einen Tipp gegeben. Anfangs war Grissom nicht sehr davon angetan, aber je näher der Tag rückte desto mehr stand sein Entschluss fest. Zumal schon am ersten Tag ein paar Teilnehmerinnen auf den Ball anspielten. Also hatte er die besagte Telefonnummer herausgesucht und dort angerufen.

Allerdings nun, eine Stunde vor Beginn des Festes, war er nicht mehr so sicher, dass die Idee so gut war.


Sara wusste nicht wie es Lisa gelungen war sie dazu zu überreden. Sie war nicht einmal auf einen Schulabschlussball gegangen und nun sollte sie in diesem vornehmen Hotel „feiern".

Nach Lisas Erklärung hatte sie schnell ihren Kleiderschrank durchwühlt um sich dann doch ein Kleid von einer Nachbarin zu borgen. Viel Zeit für Make up und Frisur blieb da nicht mehr.

Aber der Blick in den Spiegel stellte sie zufrieden, ein dunkelrotes Minikleid und die langen braunen Locken sahen ganz in Ordnung aus.

Sie nahm ein Taxi zum Fairmont-Hotel und stand pünktlich am vereinbarten Treffpunkt.