Kapitel 3

Die beiden waren in der Zwischenzeit am Tisch angekommen. Sara stellte sich den Anwesenden selbst vor und das Gespräch plätscherte sich hin.

Alle warteten auf die Begrüßungsrede, die den Abend eröffnen sollte. Im Moment war alles noch ganz normal, aber was würde der Abend bringen?

Sara beschloss etwas dagegen zu unternehmen. Beruhigend legte sie ihre Hand auf seinen Arm und beugte sich zu ihm hin.

„Keine Angst, ich kann mit dem Besteck umgehen."

Grissom nickte. Ein Wort bekam er nicht heraus. Ihre Berührung war wie ein Stromstoß gewesen und hatte keine Beruhigung seiner Gefühle ausgelöst. Gefühle ? Was war denn das für ein Gedanke?


Die Rede war zu Ende und das Büffet wurde er eröffnet. Sara und Grissom blieben sitzen und warteten den ersten Ansturm ab. So kam es, dass Sara die ersten konkreten Fragen beantworten musste. Grissom war schnell klar, dass Sara in seinen Kreisen Aufmerksamkeit auslösen würde. Aber nach einer Weile entspannte er sich und hörte Sara zu. So erfuhr auch er etwas mehr über sie? Oder war es nur die Geschichte, die sie immer erzählte?

Ein älterer Wissenschaftler fragte sie schließlich nach ihrem Sachgebiet.

„Physik", antwortete Sara ganz gelassen.

„Tatsächlich. Ungewöhnlich für eine Frau."

Sie zuckte mit den Schultern. Skepsis war sie gewohnt, besonders von älteren Wissenschaftlern. Inzwischen hatte sie auch eingesehen, dass sie solche Männer nicht überzeugen konnte. Sie hatten eine fest gefügte Meinung und daran konnte niemand rütteln.

„Dr.Grissom, Sie haben uns gar nicht erzählt wie sie ihre Freundin kennen gelernt haben."

„Das habe ich ihm verboten", lachte Sara auf.

„Honey, verboten ist das falsche Wort."

„Nun ja, es war eine peinliche Situation."

Der Mann griff in den Wortwechsel ein.

„Also haben Sie sich an der Universität kennen gelernt."

Sara nickte.
"Harvard."

Grissom war beeindruckt. Jung, schön und gebildet. Wie war sie nur zu diesem Job gekommen?

Bevor sich das Gespräch vertiefen konnte, stand Grissom auf.

„Sie entschuldigen uns, aber Sara hat sich so auf das Essen gefreut und wenn wir noch etwas Gutes finden wollen, müssen wir uns beeilen."

Er schaute die anderen entschuldigend an. Sara stand auf und erwiderte lächelnd.

„Ich dachte du magst meine Figur."

Grissom wurde rot und der ältere Mann erwiderte nur „Diese Jugend."


Auf dem Weg zum Büfett fragte Grissom was Sara essen wollte.

„Egal. Als Studentin hat man immer Hunger."

„Sie studieren noch?"

„Irgendwie schon."

„Irgendwie scheint Ihr Lieblingswort zu sein."

Sara sah ihn an. Vielleicht sollte sie ihm endlich sagen, dass sie nur als Lisas Vertretung hier war.

„Ich mache diese Sache heute Abend wirklich nicht beruflich."

„Also machen Sie es nur wegen des Geldes. Ich kann das verstehen solange es wirklich nur ein Begleitservice ist."

Dabei betonte er das Wort nur.

„Natürlich. Was denn sonst ?"

„Nun ja."

Grissom wurde verlegen.

„Kein nun ja. Ich bin hier, weil Sie diesen Abend nicht allein verbringen wollten. Und nun möchte ich etwas zu essen haben oder verzichten Sie auf meine Anwesenheit?"

Grissom wusste nicht so recht was er von diesem Ausbruch halten sollte.

Bei diesem Beruf sollte sie doch nicht so empfindlich sein. Aber er hatte keine Lust sich diesen Abend verderben zu lassen. Denn zu seiner eigenen Überraschung genoss er die Gegenwart dieser Frau, auch wenn sie viel zu jung für ihn war.

„Sara, ein schöner Name. Wollen wir den Abend nicht einfach genießen?"

„Einverstanden. Wie soll ich Sie nennen?"

„Bleiben wir doch bei Honey."

Sara verdrehte die Augen.

„Eigentlich nennen mich alle Grissom."

„Also Grissom."

In diesem Moment wusste er, dass der Abend gerettet war. Und er behielt Recht. Zum ersten Mal amüsierte er sich auf diesem Ball. Er lachte, tanzte und trank. Er hatte Spaß mit ihr. Und er hoffte, dass der Abend nie zu Ende gehen würde.

Aber das war natürlich Wunschdenken und so kam es, dass bald nur noch eine Handvoll an Gästen übrig blieb. Sara war der „Hit". Alle Männer beneideten ihn, dass konnte er merken. Aber irgendwann war der Saal dann leer und sie machten sich auf den Weg.


Grissom lies es sich nicht nehmen Sara nach Hause zu bringen. Obwohl es ihn etwas verwirrte sie zum Campus zu bringen.

Aber schließlich standen sie vor ihrer Wohnungstür und beiden fehlten die Worte.

Sara brach das Schweigen.

„Es war ein sehr schöner Abend."

„Das fand ich auch."

„Ich würde Sie gern hereinbitten, aber das gehört nicht zu meinen „Diensten".

Aber da sie lächelte als sie das sagte, wusste Grissom wie sie es meinte.

Er schaute sie traurig an.

„Und als Frau muss ich betonen, dass ich im Prinzip keinen Sex nach dem ersten Date habe."

„Im Prinzip?"

Sara freute sich, dass er ihre Äußerung so kommentierte.

„Bisher gab es keine Ausnahmen."

Er war froh, dass zu hören.

Und Sara fiel ein, dass sie ihn noch immer nicht aufgeklärt hatte. Aber vielleicht war das ganz gut so. Es gab nur diesen Abend.

Sie hatte sich vorgenommen keine ernsten Beziehungen einzugehen und Grissom hatte eine Frau für einen Abend gebucht. Sie würden ein schönes Paar abgeben.

„Machst du keine Ausnahmen?"

Wieso stand er plötzlich so nah bei ihr, fragte sich Sara.

„Nein."

„Nie ?"

„Nie."

Plötzlich fühlte sie seine Lippen auf ihren und alle Vorsätze waren wie weggeflogen. Fast jedenfalls.

Denn plötzlich schlug irgendwo im Haus ein Tür zu und sie fuhren auseinander.

„Sie sollten jetzt gehen Dr.Grissom."

„Einfach Grissom", erwiderte er und küsste sie erneut.

„Bitte nicht."

Sie schob ihn leicht von sich weg.

Langsam merkte Grissom, dass Sara seine Küsse nicht erwiderte.

„Oh Gott, bitte entschuldige. Ich wollte nicht. Bitte denke nicht dass …"

Sie legte einen Finger auf seine Lippen.

„Scht, ist schon gut. Ich mag Dich sehr, aber du kennst mich nicht und der Abend heute, dass bin nicht ich."

„Ich weiß, es war dein Job. Aber das zwischen uns – das ist doch nicht gespielt."

Sie schüttelte den Kopf. Es war nicht gespielt, aber trotzdem war es nicht die Wirklichkeit. In der war sie nicht diese fröhliche und vor Sex sprühende Sara. Und sie war sicher, dass Grissom die echte Frau nicht interessant finden würde. Nein, es war das Beste, wenn sie ihm jetzt Good Bye sagte.

„Es war ein schöner Abend, Griss."

Griss, niemand hatte ihn bisher so genannt. Aber er mochte es. Trotzdem hatte sie wahrscheinlich Recht. Er sollte sich verabschieden, bevor er sich vollkommen lächerlich machte.

„Ja, das war es. Du hast ihn dazu gemacht. Vielen Dank, Sara."

Langsam ging er zur Tür. Dort drehte er sich noch einmal um.

„Wenn ich wieder in der Stadt bin, dann rufe ich dich an. Oder besser Deine Agentur. Darf ich?"

Sie nickte.

„Schlaf gut. Und noch einen guten Konferenz-Abschluss morgen."

„Danke."