Kapitel 4

Kapitel 4

Es kam nicht oft vor, dass Grissom vom Wecker geweckt werden musste. Heute war einer dieser Tage.

Er konnte sich nicht daran erinnern was er geträumt hatte, aber es hatte ihn gegeben. Nun war ein neuer Tag und er hatte eine wichtige Konferenz vor sich.

Er hörte die restlichen Vorträge, tauschte Adressen aus und notierte interessante Informationen. Und er hätte kaum an Sara gedacht, wenn ihn nicht andere Konferenzteilnehmer auf sie angesprochen hätten. Sie hatte anscheinend einen tiefen Eindruck gemacht.

Während seines abendlichen Rückflugs nach Las Vegas hatte er dann endlich Zeit an sie zu denken. Immer wenn er die Augen schloss, erschien ihr Bild. Er sah das strahlende Lächeln und die braunen Augen. Ihm war klar, dass er nur die Ereignisse des Abends verarbeitete und er sie sicher bald vergessen würde. So war es immer gewesen. Aber im Moment genoss er diese Ablenkung. Es war lange her, dass er sich solche Gefühle geleistet hatte.

Xxx

Sara hatte erst zwei Tage später Gelegenheit Lisa von ihrem Abend zu berichten.

Sie trafen sich in einem Cafe in der Nähe des Campus und Lisa hatte Stevie mitgebracht. Anscheinend war dieser schon wieder gesund und munter. Die beiden Frauen redeten über dies und das bevor Lisa in die Tasche griff.

„Die Agentur hat mir das Geld überwiesen. Du hast mir einen großen Gefallen getan und ich will, dass du das ganze Geld bekommst."

Sara schüttelte den Kopf.

„Die Hälfte war vereinbart. Und eigentlich will ich das Geld überhaupt nicht mehr."

„Was ?"

Sara kämpfte mit sich. Sollte sie Lisa wirklich erzählen was sie erlebt hatte?

„Es war ein wirklich schöner Abend. Tolles Essen, schöne Musik und eine interessante Begleitung. Irgendwie kommt es mir falsch vor, wenn ich dafür Geld nehme."

„Unsinn. Du hast deine Zeit zur Verfügung gestellt. Und wenn es nett war, umso besser. Und dieser Wissenschaftler. Ein Langweiler?"

„Nein, überhaupt nicht. Er war sehr interessant und nicht so alt wie du gedacht hast."

„Tatsächlich? Er hat dir also gefallen?"

Sara steckte die Zunge heraus.

„Das ich das noch erleben darf. Sara Sidle interessiert sich für einen Mann."

„Hey, was soll das heißen. Ich bin doch keine eiserne Jungfrau. Ab und zu interessieren mich schon Männer."

„Ja, für 5 Minuten und dann sitzt du wieder über den Büchern. Und wann siehst du ihn wieder. Du siehst ihn doch wieder?"

Sara schüttelte den Kopf.

„Wie sollte das denn gehen? Er denkt doch, dass ich von Begleitservice bin. Er hat mich nach Hause gebracht und das war's dann."

Lisa konnte nicht glauben, dass Sara so dumm gewesen war.

„Dir ist wirklich nicht zu helfen."

Längst fragte sich Sara, ob sie falsch gehandelt hatte. Aber dafür war es nun zu spät. Grissom war weg und sie würde ihn wohl nie wieder sehen.

Xxx

Zwei Wochen später saß Grissom am seinem Schreibtisch und war einem Nervenzusammenbruch nahe. Am liebsten hätte er das Telefon gegen die Wand geworfen. Er kam einfach nicht weiter. Seit drei Tagen rief er Saras Agentur an und versuchte ein Treffen zu vereinbaren. Anfangs hatten die Damen noch sehr freundlich und verständnisvoll reagiert. Inzwischen waren auch sie mit ihrer Geduld am Ende.

„Wir haben keine Sara Sidle unter Vertrag."

„Ja, es ist möglich, dass die Mädchen ein Pseudonym benutzen."

„Nein, wir schicken Ihnen keinen Katalog zu."

Am Ende musste Grissom einsehen, dass er Sara so nicht finden würde. Aber es sollten noch ein paar Tage vergehen ehe er den Dekan der Universität anrief. Es bestand ja die leise Hoffnung, dass Sara wirklich Studentin der Physik war.

„Hallo, mein Name ist Gil Grissom. Erinnern Sie sich an mich?"

„Dr.Grissom, natürlich. Wie geht es Ihnen? Was kann ich für Sie tun?"

„Danke gut. Herr Dekan, ich will Ihrer Zeit nicht unnötig strapazieren. Ich suche eine Studentin von Ihnen. Ihr Name ist Sara Sidle. Es geht um eine Forschungsarbeit."

Selbst Grissom war klar, dass er mit einer Lüge arbeiten musste.

„Dr.Grissom. Ich habe den Namen notiert. Natürlich kenne ich nicht alle meiner Studentinnen."

Er lachte und Grissom stöhnte innerlich auf.

„Aber ich lasse meine Sekretärin suchen und sie ruft sie dann an."

„Danke."

„Keine Ursache. Und Dr.Grissom, wenn Sie wieder einmal in der Nähe sind, schauen Sie bei mir herein."

„Das werde ich."

Erleichtert legte Grissom auf. Nun hieß es Geduld beweisen.

Xxx

Sara sah schon von weitem einen Zettel an ihrer Tür „kleben".

„Bitte beim Dekan melden."

In Gedanken ging sie die Aktionen der letzten Tage durch. Hatte sie etwas angestellt? Sie kam zu keinem Ergebnis. Aber es führte auch so kein Weg daran vorbei, sie musste zum "Chef".

Die Sekretärin empfing sie mit einem Lächeln.

„Hallo. Sie sind Sara Sidle?"

„Ja, ich sollte mich bei Ihnen melden."

Die junge Frau griff nach hinten und holte einen Zettel hervor.

„Ich habe eine Nachricht für Sie. Ein Dr.Grissom hat nach Ihnen gefragt."

Sie reichte Sara die Nachricht hin.

„Hier ist seine Telefonnummer."

Schockiert nahm Sara die Notiz und verlies das Büro. Die Sekretärin schaute ihr überrascht hinterher.

Xxx

Sara lief wie in Trance durch die Gänge des Gebäudes und den Park der Universität. In ihrer Wohnung angekommen, lies sie sich auf das Sofa fallen. Sie schaute ungläubig auf die Telefonnummer. Sollte sie ihn wirklich anrufen?

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