Kapitel 7

Ein Glas Wein später saßen sie in einem kleinen Restaurant und Sara versuchte vergeblich dem Charme dieses Mannes nicht zu erliegen. Wie konnte irgendjemand einen Wissenschaftler langweilig finden? Sie jedenfalls lauschte seinen Erzählungen und lachte über seine Witze.

Allerdings hatte sie den Eindruck, dass er ein ernsthaftes Gespräch von ihrer Seite vermeiden wollte. Dabei war es doch etwas Gutes was sie ihm beichten wollte.


Grissom hätte sich selbst nie als charmanten Redner bezeichnet. Aber wenn er Sara ansah, dann konnte man glauben, dass sie ihn genau dafür hielt.

Inzwischen hatte er eine neue Flasche Wein bestellt und hielt Saras Hand. Mit seinem Daumen fuhr er über ihren Puls und er fragte sich, ob dieser immer so schnell war.

Seiner war es bestimmt. Er konnte nicht glauben wie schnell er sich in diese Frau verliebt hatte. Deshalb wollte er auch nichts hören was ihn auf seiner rosaroten Wolke stören könnte.

Nichts darüber wie jung sie war und schon gar nichts über ihren Beruf.

Im Hintergrund hörte er Musik. Er hatte zwar schon mit Sara getanzt, aber diese Umgebung war doch intimer.


Sara nahm seine Hand und lies sich zur Tanzfläche führen. Sie passten sich schnell der Musik an und Sara wollten an keinem anderen Ort der Welt mehr sein.

Sie hatte nie wirklich einen Mann kennen gelernt, der sie länger als eine Woche interessiert hatte. Und so richtig verliebt war sie seit Jahren nicht gewesen. Wann hatte ein Mann das letzte Mal ihre Hand gehalten? Sie konnte sich nicht daran erinnern. Und nun hatte sie Grissom gefunden und vielleicht war er es auf den sie hatte. Oh Gott, sie schüttelte den Kopf. Der Alkohol musste ihr doch sehr zugesetzt haben.

Grissom nahm ihre Bewegung war und sah sie fragend an.

„Nein. Ich habe nur nachgedacht."

„Worüber ?"

„Über uns."

Ihre Antwort stellte Grissom zufrieden.


Es war fast Mitternacht und sie die beiden die letzten Gäste. Aber ein gutes Trinkgeld belohnte die Kellner für ihre Geduld.

Nun liefen sie Hand in Hand die Straßen entlang. Beide hatte ein wenig zu viel getrunken, aber nicht so viel um nicht zu wissen was sie bald erwartete. Gab es nur einen Kuss vor der Tür oder würde sie ihn hereinbitten?

Grissom wusste was er wollte, aber war es der richtige Zeitpunkt?

Und Sara wollte ihn mit Hineinnehmen, aber nicht ohne alle Missverständnisse zu geklärt zu haben.

Und als sie dann vor der Tür standen, bekam Grissom einen Guten Nacht Kuss und suchte sich ein Taxi. Das einsame Hotelbett wartete.

Sara lies sich stöhnend auf das Bett fallen. Sie hatte sich verliebt. Und morgen würde sie ihn wieder sehen.


Im ersten Moment wusste Grissom nicht wo er war. Dann viel es ihm ein – San Fransisco und Sara.

Sie hatten sich extra früh verabredet um mit der ersten Fähre nach Angel Island zu fahren. Er konnte sich daran erinnern, dass die Insel wirklich schöne Picknick-Plätze hatte. Es schien, dass Gil Grissom eine romantische Ader hatte. Allerdings konnte er sich nicht mehr daran erinnern, ob er die Rezeption gebeten hatte ein paar Sachen zu besorgen. Ein Telefonat später war alles geklärt und Grissom machte sich für den Tag fertig. Er hatte sich mit Sara direkt am Pier verabredet und er wollte nicht zu spät kommen.


Sara stand eine Viertelstunde vor der Zeit an der Anlegestelle. Sie hatte ihren Rucksack dabei und kam sich etwas komisch vor. Aber die Freude den Tag mit Grissom zu verbringen überwog.

Ansonsten hatte sie sich vorgenommen auf den Teppich zu bleiben und ihre Erwartungen zu kontrollieren. Bisher lief alles zu gut und das konnte nicht gut gehen, oder ?

Als Grissoms Taxi ankam, hatte sie sich so weit unter Kontrolle, dass die coole Sara Überhand gewonnen hatte.

So fiel die Begrüßung auch etwas steif aus.

Aber als sie dann auf dem Schiff saßen und sich der Insel näherten, waren sie schon wieder etwas entspannter. Nicht alle stiegen aus, viele Touristen fuhren weiter nach Alcatraz.

Grissom hatte versucht Sara den Rucksack abzunehmen, aber sie bestand darauf ihn selbst zu tragen. Mit einer kleinen Bahn fuhren sie um die Insel und stiegen schließlich an einem der Picknick-Plätze aus.

Die Sonne war angenehm und bald hatten sie ihre Decken und das Essen ausgepackt.


Sara hatte sich Kaffee aus der Thermoskanne eingegossen und überlegte wie sie das Gespräch auf den Begleitservice bringen sollte. Am besten sofort und direkt. Und da sie hier auf einer Insel waren, konnte Grissom auch schlecht die Flucht ergreifen.

„Grissom, ich würde dir gern meinen Job bei Begleitservice erklären."

„Ok."

„Es ist nicht so wie du denkst. Du warst mein erster Kunde. Sozusagen."

„Wirklich. Das hätte ich nicht gedacht."

„Wie meinst du das?"

Verdammt, das hatte Sara nun wirklich falsch verstanden.

„So habe ich es nicht gemeint. Ich bin irgendwie nur froh, dass zu hören."

Sara atmete tief durch. Nur keine Missverständnisse zu lassen.

„Ich wollte eigentlich sagen, dass ich überhaupt nicht für diesen Service arbeite. Ich habe an diesem Abend einer Freundin geholfen. Du warst mein erster und einziger Kunde."

Grissom wusste nicht was er sagen sollte.

Das war einfach toll.

„Aber warum hast du mir das nicht gleich gesagt? Ich hatte schlaflose Nächte deswegen. Immer wieder habe ich mir vorgestellt, dass ich nur einer von vielen war."

„Das klingt nach …"

Grissom war aufgestanden und hatte sich vor sie hingestellt.

„Du kannst es ruhig sagen. Es klingt nach Eifersucht. Allerdings."

Sie lächelte.

„Sara Sidle. Hör sofort auf zu lächeln. Das ist nicht komisch."

Sie versuchte es wirklich, aber ohne Erfolg.

„Grissom, entschuldige. Aber du bist so süß."

Eifersüchtig und süß, dass wollte er als Mann eigentlich nicht sein.

„Kannst du mir verzeihen?"

„Was? Das du mir nicht gleich die Wahrheit gesagt hast? Sara, da gibt es nichts zu verzeihen. So schlimm ist es ja nicht, eigentlich eher das Gegenteil."

„Ich wusste wirklich nicht wann ich es dir erzählen sollte. Am Telefon? Oder gestern Abend?"

Sie war wirklich überrascht, dass er nicht böse war. Ihr Vater konnte es nie ertragen, wenn er nicht alles wusste und sie dachte alle Männer wären so. Aber anscheinend nicht.

„Hast du wirklich gedacht, dass ich wütend auf dich bin?"

Sie zuckte mit den Schultern.

Grissom setzte sich dicht neben sie.

„Es ist das Beste was ich seit langem gehört habe. Ich hätte dich nämlich nicht mit anderen Männern teilen können."

„Wow."

„Niemand würde dich mit anderen teilen wollen. Honey, du bist etwas ganz besonderes."

Sie versuchte ihre Tränen zurückzudrängen. So etwas hatte ihr noch niemand gesagt.

„Warum küsst du mich nicht endlich?"

Das lies sich Grissom nicht zweimal sagen.

Nach ein paar Sekunden schmeckte er Salz und merkte, dass Sara weinte.

Sofort ließ er sie los.

„Entschuldige. Ich …"

Sie kam so dumm vor. Wie konnte sie plötzlich in Tränen ausbrechen?

Sara hielt ihn fest.

„Bitte. Es liegt nicht an dir. Ich weiß auch nicht. Irgendwie habe ich mir alles möglich vorgestellt und nun bin ich einfach froh, dass du so reagiert hast."

Sie sahen sich an.

„Lass uns zu Ende essen und dann laufen wir über die Insel, einverstanden."


Diesmal liess es Sara zu, dass Grissom ihre Sachen trug. Nach eine Stunde kamen sie an einer kleinen Bucht an.

Grissom breitete die Decke aus. Sara legte sich hin und starrte in den Himmel.

„Alles in Ordnung?"

„Ja. Ich schaue mir gern die Wolken an."

„Darf ich auch?"

Er legte sich zu ihr und zog sich zu sich heran.

„Sara, ich mag dich sehr."

„Aber?"

„Kein aber. Warum bist du so misstrauisch?"

„Vorsichtig. Ich bin halt so. Schlimm?"

Sara setzte sich plötzlich hin. Genug davon, so war sie doch nicht. Diese Gefühlsduselei würde Grissom noch vertreiben.

„Also - …"

Sie kam nicht mehr dazu irgendwas zu sagen. Denn Grissom hatte sich umgesehen und festgestellt, dass sie allein waren und die Gelegenheit war günstig.

Zuerst wollte er nur sicher sein, dass sie ihn auch wollte. Dann dachte er wirklich nur noch daran wie sie sich anfühlte, was er fühlte und dass er nicht wollte, dass es aufhörte.


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