2 – Irgendwann wird er sie kriegen ...

„Wie fühlst du dich?", fragte Hermine. Sie sorgte sich noch immer sehr um Ron, denn er führte sich zwar nicht mehr so sonderbar auf, aber Gargamel hatte ihnen auch noch nicht gesagt was es mit den Beeren auf sich hatte.

„Du bist leichenblass", sagte Harry.

„Da bin ich aber nicht der einzige", entgegnete Ron und setzte sich auf einen der zerbrechlich wirkenden Stühle.

Harry und Hermine blickten zur Tür. Ihr Gastgeber hatte sie in seine Hütte geschickt, suchte selbst jedoch am Waldrand nach seiner Katze, so dass die drei Freunde allein waren.

„Da hast du recht", sagte Harry. „Als er angefangen hat von diesen Schlümpfen zu reden, sah er aus, als sterbe er gleich vor Angst".

„Zeig mal deinen Schuh her", sagte Hermine nachdem die drei eine zeitlang nur stumm zur Tür gestiert hatten.

Harry setzte sich auf einen der noch freien Stühle, hob sein Bein und streckte es Hermine entgegen.

„Wie wäre es, wenn du ihn einfach ausziehst", sagte Hermine, als sie seinen gequälten Gesichtsaudruck betrachtete.

„Ja", stimmte Harry etwas verlegen zu und folgte ihrem Ratschlag.

Hermine nahm den Schuh entgegen und betrachtete die verklebte Sohle eingehend.

„Was ist das?", murmelte sie nach kurzer Zeit.

„Was?", fragten Ron und Harry wie aus einem Mund.

Hermine zögerte einen kurzen Moment, hob dann ihre Hand und berührte mit von Abscheu gezeichnetem Gesicht die blaue Masse.

„Das ist widerlich", ließ Ron verlauten und wandte den Blick von Hermine, die nun eifrig mit dem Zeigefinger in der Masse herumwühlte, ab.

„Was haben wir denn da?", murmelte Hermine.

Als Ron sich wieder zu ihr drehte, sah er, dass sie etwas in die Luft hielt, das Harry, ebenso wie sie selbst fasziniert betrachtete.

„Haltet mich für verrückt, aber mir sieht das ganz nach einer Mütze aus", sagte Harry.

„Das ist es auch".

Erschrocken drehten die drei sich zur Tür um und erblickten Gargamel, der mit seiner Katze auf dem Arm in der Tür stand.

„Oh, man. Ich habe ein richtiges Wesen zertrampelt, das zumindest schlau genug ist, um Kleidung zu tragen", sagte Harry niedergeschlagen. „Ich bin ein Mörder".

„Ach, quatsch Harry", erwiderte Ron. „Das war doch ein Unfall".

„Du kannst stolz auf dich sein", sagte Gargamel, während er seine Katze liebevoll hinter den Ohren krauelte.

„Entschuldigen Sie mal bitte", entgegnete Harry. „Stolz?"

„Ich versuche seit Jahren einen von ihnen zu erwischen", erklärte Gargamel, bückte sich und setzte die schnurrende Katze auf den Boden. „Und mir ist es bis heute nicht gelungen. Keinen einzigen habe ich erledigen können. Aber eines Tages werde ich sie kriegen und wenn es das letzte ist was ich tue".

Die drei Freunde beobachteten wie der Zauberer sich mit einem müden Seufzer auf den letzten freien Stuhl fallen ließ.

„Ich verstehe das nicht Mr. Gargamel", sagte Hermine Stirn runzelnd. „Eben im Wald hatten Sie noch furchtbare Angst vor diesen … diesen Schlümpfen und nun erzählen Sie uns, dass Sie diese Geschöpfe jagen".

„Ich habe Angst und ich habe auch kein Problem das zuzugeben", entgegnete Gargamel. „Alle haben Angst vor ihnen. Und gerade das ist es was mich veranlasst sie ausrotten zu wollen".

„Was genau sind das für Biester?", fragte Ron.

Gargamel reagierte nicht auf Ron. Er fixierte wieder den Schuh von Harry, den Hermine noch immer in der Hand hielt.

„Darf ich mal sehen?", fragte er mit tonloser Stimme.

Hermine reichte ihm den Schuh und schaute mit verzogener Miene von Ron zu Harry und wieder zurück.

„Du hast Schlumpfine erwischt", sagte der Zauberer und zeigte einen Gesichtsausdruck, der einen schwer erahnen ließ, ob er Freude oder Angst ausdrücken sollte. Hermine vermutete, dass es eine Mischung aus beidem war.

„Schlumpfine?", fragte Ron.

„ihr einziges Weibchen", erklärte Gargamel, wühlte nun ebenfalls wie Hermine kurz zuvor in der Masse und zog einige gelbe Fäden hervor.

„Ihre Haare", erklärte er, als er die fragenden Gesichtsausdrücke seiner Gäste bemerkte.

„Das ist schrecklich", krächzte Hermine.

„Du darfst kein Mitleid empfinden", sagte Gargamel energisch. „Ohne mich hätten sie Schlumpfine sowieso nicht gehabt. Aber ich sollte der Reihe nach erzählen".

„Es wird Zeit", stimmte Harry zu. „Mir raucht schon der Kopf von den vielen Bruchstücken an Informationen".

Gargamel stand auf und schob seine Katze, die sich an seinem Bein schlängelte, vorsichtig zur Seite, woraufhin sie beleidigt von dannen zog. Er entnahm etwas aus einer Schublade einer kleinen Kommode, die ebenso schäbig wirkte wie der Rest der Behausung.

„So sehen sie aus, wenn sie nicht gerade an einer Schuhsohle kleben", sagte er und hielt ein Stück Pergament hoch. Auf dem Pergament befand sich eine recht kindlich wirkende Zeichnung eines über und über blauen Geschöpfes.

Lediglich Hose, Schuhe und Mütze, verdeckten das reine Blau, aber Hermine, Ron und Harry waren sich sicher, dass sich darunter ebenfalls diese Farbe versteckte.

„Sie sehen irgendwie putzig aus", sagte Hermine.

„Und total harmlos", ergänzte Harry.

„Diese süßen kleinen Ohren, die Stupsnase und dieser Stummelschwanz", kicherte Ron, woraufhin alle Anwesenden besorgt zu ihm schauten.

„Sind wohl noch die Nachwirkungen von diesen vermaledeiten Beeren", sagte Ron und räusperte sich verlegen.

„Diese Niedlichkeit ist es was ihnen so sehr zu Gute kommt", erklärte Gargamel. „Sie locken zum Beispiel gern Hasen an, indem sie die Freundlichkeit in Person spielen. Wenn ihnen das Tier dann zu Nahe gekommen ist, schnappen sie es sich und versklaven es."

„Versklaven?", fragte Hermine skeptisch.

„Wozu?", fragte Ron.

„Im Grunde genommen ist alles worauf sie abzielen eine gute Schlumpfbeeren-Ernte", antworte Gargamel. „Dafür brauchen sie gutes Dünger und viele weitere Faktoren. Außerdem brauchen sie Hilfe beim ernten, da sie die faulsten Lebewesen sind, die ihr euch nur vorstellen könnt".

„Was machen sie mit den Beeren?", wollte Harry wissen.

„Diese Beeren verschaffen einem ein angenehmes Gefühl, müsst ihr wissen. Sie lassen einen leicht und locker werden", erklärte Gargamel weiter.

„Das habe ich gemerkt", entgegnete Ron und sein Gesicht nahm einen leichten Rosaton an.

„Das einzige was die Schlümpfe interessiert ist Feiern und ein lockeres Leben genießen und dazu brauchen sie die Beeren", sagte Gargamel, offenbar um diesen Punkt ganz deutlich zu machen.

„Und warum haben Sie nun Angst vor ihnen?", fragte Hermine.

„Ja", sagte Harry. „Es klingt nicht danach als ob man als Mensch, insbesondere als Zauberer, vor diesen kleinen Viechern Angst haben bräuchte".

„Als ich sagte, dass das einzige was die Schlümpfe interessiert feiern ist, war dies im Prinzip richtig", entgegnete Gargamel. „Aber es gibt einen Schlumpf der mehr will als ein ruhiges Leben voller Spaß".

„Sie zittern ja", stellte Harry fest.

„Er ist ihr Anführer", sagte Gargamel ohne auf Harrys Worte einzugehen.

„Sie nennen ihn Papa - Papa Schlumpf".