5 – Kleine Helden – Große Kompromisse
„Wie lange wollt ihr das jetzt noch ausdiskutieren", fragte Hermine. „Clumpsy und Muffi haben es doch klar auf den Punkt gebracht. Wenn wir nicht ganz schnell etwas unternehmen ist Gargamel nur noch Asche".
„Ich hasse ausdiskutieren", kam es von dem kleinen miesdreinblickenden Muffi.
„Wir können aber nicht einfach so in ihr Dorf marschieren und Gargamel herausholen", entgegnete Harry.
„Ich hasse marschieren", sagte Muffi.
„Aber wenn euch kein Plan einfällt, ist es doch schlumpfig hier noch weiter zu sitzen", sagte Clumpsy schüchtern.
Harry betrachtete den Schlumpf interessiert. Diese blauen Geschöpfe waren wirklich äußerst interessante Zeitgenossen, aber dieses Exemplar faszinierte ihn am meisten.
Er war es am Vortag gewesen, der als einziger abgesehen von Papa Schlumpf zu Harry und seinen Freunden gesprochen hatte. Und er und sein miesepetriger Freund Muffi hatten den Mut zusammen genommen und hatten die Diktatur von Papa Schlumpf verlassen, um ein unschuldiges Opfer vor dem Tod zu bewahren.
Gleichzeitig war sich Harry allerdings sehr sicher, dass dieser Clumpsy bei der bevorstehenden Rettungsaktion keine Hilfe sein würde.
Seit seinem Auftauchen war er schon mindest fünfmal über etwas gestolpert und mittlerweile hatte Harry das Gefühl, dass die Bezeichnung „Tollpatsch" bei ihm noch untertrieben war.
„Ich weiß zwar nicht, was das Wort schlumpfig in diesem Zusammenhang nun wieder heißen soll, aber du hast vollkommen recht", sagte Harry. „Wir machen uns jetzt auf den Weg".
„Aber Harry, die werden uns mit ihren kleinen Speeren aufspießen", entgegnete Ron ängstlich.
„Ich hasse aufspießen", meinte Muffi.
„Keine Sorge", entgegnete Hermine an Muffi gewand. „Ihr Zwei wartet hier auf uns".
Harry lächelte sie entzückt an. Es war schön zu wissen, dass jemand dachte wie er, auch wenn dies bei ihm und Hermine nur in den seltensten Zeiten der Fall war.
„Ich hasse warten", erwiderte Muffi.
„Langsam nervt es", murmelte Ron.
„Wir können nicht hier warten", sagte Clumpsy betrübt. „Wir müssen euch zum Dorf führen".
„Mist, das habe ich nicht bedacht", fluchte Hermine.
„Gut, ihr führt uns hin und wartet dann außerhalb des Dorfes auf uns", sagte Harry.
„Zauberstäbe bereit?", fragte Harry, woraufhin Hermine und Ron dieselbigen hochhielten.
„Gut, auf geht's".
Harry warf einen letzten, wie er hoffte, Zuversicht spendenden Blick zurück zu den wartenden Schlümpfen und stapfte dann den anderen voran weiter in den Wald hinein.
„Nanu", hörte er Hermine nach einigen Minuten hinter sich sagen.
Genau in dem Moment, in dem er sich umwand, fing eine Stimme an laut um Hilfe zu schreien.
„Halt ihm den Mund zu", beschwor er Hermine.
Als Hermine Mittel- und Zeigefinger auf den Mund des winzigen Schlumpfes in ihrer Hand drückte, verzog sie mitleidig das Gesicht.
„Er trägt eine Brille", stellte Ron fest. „Scheinen wirklich sehr fortschrittliche Wesen zu sein".
„Schau nicht so verbissen drein, Hermine", sagte Harry. „Es geht nicht anders. Er würde uns verraten. Halte dir immer vor Augen, dass sie böse sind, auch wenn sie noch so putzig aussehen. Aber gib ihn trotzdem besser mir".
Hermine reichte den Schlumpf vorsichtig zu Harry rüber, woraufhin sich ihre Miene gleich etwas aufhellte.
„Was machen wir mit ihm?", fragte Ron.
„Ich würde sagen uns ist gerade das perfekte Druckmittel in die Arme gelaufen", entgegnete Harry grinsend.
„Hoffentlich hast du recht", erwiderte Hermine.
Harry nickte zuversichtlich und die drei setzten ihren Weg fort.
Kaum eine Minute später blieb Harry erneut stehen und flüsterte zu seinen Freunden.
„Wir sind da. Ein paar Meter vor uns ist eine Lichtung, auf der einige Hütten stehen. Sie sehen genau aus wie Clumpsy sie uns beschrieben hat".
„Woher weißt du, dass es nicht ganz normale Pilze sind, wenn sie doch so aussehen sollen?", fragte Ron.
Harry legte einen Zeigefinger auf dem Mund und drehte sich wieder in Richtung Lichtung.
Mit äußerster Vorsicht, um sich auch nicht durch das kleinste Knacken eines zerbrechenden Astes zu verraten, setzte er einen Fuß vor den anderen.
Als seine Freunde hinter ihm unversehens aus vollem Hals aufschrieen, wäre er beinahe gestolpert.
„Was zum Teufel …".
Als er den Grund für die Schreie der beiden sah, hätte er am liebsten noch einmal laut aufgeflucht. Er hatte die Schlümpfe aus dem Hinterhalt überraschen wollen und stattdessen hatten sie den Spieß umgedreht.
Hermine und Ron waren umringt von mehr als fünfzig Schlümpfen, die mit verbissenen Mienen ihre Speere auf sie richteten.
„Das ist wohl nicht so gelaufen, wie ihr es euch vorgestellt habt", sagte Papa Schlumpf, der inmitten seiner Schlümpfe stand und ein zufriedenes Grinsen aufgesetzt hatte.
„Ich habe einen von euch", sagte Harry. „Wenn ihr meinen Freunden auch nur ein Haar krümmt, dreh ich ihm schneller den Hals um als ihr gucken könnt".
„Töte ihn ruhig, junger Mann", erwiderte Papa Schlumpf kühl. „Wir sind so viele, da macht uns der ein oder andere Verlust nichts aus".
Trotz dieses Ausspruches von Papa Schlumpf wollte Harry sein einziges vermeintliches Druckmittel dennoch behalten und so blieb ihm fast das Herz stehen, als der bebrillte Schlumpf in seiner Hand plötzlich mit voller Wucht in seinen Finger biss.
Um ein Haar hätte er ihn fallen gelassen.
„Aber Papa Schlumpf", quiekte der Schlumpf wimmernd.
„Reiß dich zusammen, Schlaubi", entgegnete Papa Schlumpf nur kalt.
„Aber ihr werdet aussterben ohne Schlumpfine und da könnt ihr jeden einzelnen von euch gebrauchen", kam es plötzlich von Hermine, die vorher wie erstarrt gewesen zu sein schien.
„Mach dir darum mal keine Sorgen, Kleine", erwiderte Papa Schlumpf zwinkernd. „Ich habe nicht nur eine beiderseitig nützliche Beziehung zu Mutter Natur, sonder auch sehr gute Connection zum hiesigen Storch-Koordinator".
Harry verstand kein Wort, wollte dies aber auch nicht.
„Sie lassen Gargamel gehen und ich lasse diesen bissigen Kerl hier laufen", sagte er.
Papa Schlumpf überlegte einen Augenblick.
„Ich lasse diesen Nichtsnutz nur gehen, wenn er für immer von hier verschwindet", antwortete er dann.
„Einverstanden", sagte Harry.
„Holt ihn", befahl Papa Schlumpf einem kleinen Grüppchen neben sich.
„Du kannst ihn jetzt freilassen", sagte Hermine.
„Gut, aber sobald ich das getan haben, laufen wir", entgegnete Harry. „Ich möchte nicht noch mal in einen Hinterhalt geraten."
Er setzte den Schlumpf auf den Boden, woraufhin dieser wie verrückt in Richtung Dorf zurück rannte.
„Los", rief Harry und rannte nun seinerseits los. Hermine, mit Muffi in der Hand, Ron, mit Clumpsy in der Hand und Gargamel folgten ihm.
Als sie an Gargamels Hütte angekommen waren, waren alle völlig außer Atem und es verging einige Zeit bis wieder jemand etwas sagte.
„Wo wollen wir jetzt hin?", fragte Ron.
„Ihr meint doch nicht wirklich, dass ich jetzt tatsächlich von hier verschwinde, oder?", entgegnete Gargamel lächelnd.
„Ich habe ihm mein Wort gegeben und das werde ich auch halten", antwortete Harry grimmig.
„Und Sie haben uns sowieso immer noch so einiges zu erklären", sagte Hermine. „Sagt Ihnen das Wort Gold etwas?"
Es war kaum zu sehen, aber bei genauerer Betrachtung konnte man entdecken, dass Gargamel einen Hauch rosa im Gesicht wurde.
„Gut, dann verschwinden wir hier", stimmte er eilends zu.
„Fragt sich nur wohin", seufzte Harry.
„Kein Problem, ich wüsste da etwas", entgegnete Gargamel grinsend.
„Und?", fragte Ron.
„Auf nach Springfield", rief Gargamel.
