Sport

Schließlich ging auch die Mittagspause zuende, was ich etwas bedauerte, da die Cullens echt nett waren und man sich gut mit ihnen unterhalten konnte. Ich schaute auf meinen Stundenplan und mir entwich unbewusst ein Seufzer. Ich wurde fragend angeschaut und Emmet fragte mich lachend:

„Was ist denn los, Bella? Hast du jetzt drei Stunden Politik bei Mr. Hellir oder etwa Chemie?"

„Schlimmer", antwortete ich, „viiiel schlimmer. Ich muss jetzt Sport treiben. Schlimmer geht es echt nicht."

„Ach Quatsch! Sport ist doch super!", schaltete Jasper sich jetzt ein. „Vielleicht sind wir ja in einem Kurs, dann wäre das Ganze doch nur halb so schlimm, oder? Zeig mal deinen Stundenplan, welchen Lehrer hast du denn?"

Er zog mir den Stundenplan aus der Hand, warf einen kurzen Blick darauf und erklärte:

„Weißt du, Bella, es gibt nach der Mittagspause zwei Sportkurse. Einmal den bei Mrs. Leonard und einmal den bei Mr. Maro. Mrs. Leonard ist echt super! Sie bewertet fair, jedoch lässt sie die...hmm.. ich sag's mal so...die Unsportlichen nicht durchfallen. Vorausgesetzt, sie geben sich Mühe. Mr. Maro hingegen, nun ja.... bei ihm muss man sich seine Noten regelrecht erkämpfen. Das heißt, du musst im Unterricht top sein und alles können, und das auf Anhieb und außerdem in zwei Schulteams eintreten, um die volle Punktzahl zu erreichen. Das klingt hart, aber der Kurs ist ein eingeschweißtes Team und wenn du aus seinem Unterricht raus bist, bist du wirklich fit! Das ist unglaublich bewundernswert. Stell' dir vor: am Ende jedes Schuljahres treten die beiden Kurse in mehreren Disziplinen gegeneinander an, und einige, die bei Mr. Maro durchgefallen sind, haben gegen gute Schüler des anderen Kurses gewonnen."

Ich musste schlucken und sagte darauf zögerlich: „Ich kann also hoffen, dass ich bei Mrs. Leonard bin, damit ich in Sport nicht durchfalle. Wie war das mit der Wahrscheinlichkeit? Fünfzig Prozent, richtig?"

Jasper lächelte mich entschuldigend an: „Naja, wie wir jetzt mitbekommen haben, bist du nicht gerade der Sportfan, aber wenn du willst, können wir ja mal zusammen trainieren gehen."

„Heißt das, ich bin in dem Kurs von Mr. Maro?", fragte ich geschockt.

„Ich fürchte ja, Bella. Das ist echt schade, denn Emmet und ich sind in dem anderen Kurs und Emmet will unbedingt den Kurs tauschen, jedoch erlauben die Lehrer das nicht, weil dann die Gleichberechtigung flöten geht. Aber mach' dir keine Sorgen. In deinem Kurs werden genügend andere sein, die sich so wie du fühlen. Wie gesagt, du hast ja jeden Tag Sport und wenn du dich jeden Tag mit deinem Kurs durchbeißen musst, wirst du schnell integriert und du wirst sehen, in keinem Kurs werden so viele Freundschaften geschlossen wie im Kurs von Mr. Maro."

Nach dieser Erklärung ging ich mit gemischten Gefühlen zur Sporthalle.

„Guten Tag, Mr. Maro, ich bin-", wollte ich mich gerade vorstellen, da wurde ich auch schon unterbrochen:

„Coach M! Donnerwetter, ich bin COACH M UND NICHT MR. MARO! MR. MARO BIN ICH IM ENGLISCHUNTERRICHT!"

Vor Schreck machte ich einen Satz zurück. „Verzeihung, Mr. ähm...Coach M! Mein Name ist Bella Swan, ich bin neu in Ihrem Kurs!"

„Das entschuldigt gar nichts! Jeder auf dieser Highschool weiß das seit dem ersten Tag!"

„Wissen Sie, das ist mein erster Tag auf dieser Highschool. Ich habe nicht aus einem anderen Kurs hierher gewechselt.", versuchte ich meine Situation zu retten.

„Achso", brummte er nun und setzte gleich wieder an: „Sie werden jetzt wie Ihre Mitschüler 23 Runden in der Halle laufen, zum warm werden. Um die äußerste Linie natürlich, und möglichst zügig. Ist das klar? Oder haben sie noch Fragen?"

Mit offenem Mund starrte ich ihn an. 23 Runden?! Das müssen mehrere Kilometer sein! Wie kommt er denn auf solch eine Idee? Und das nur zum Aufwärmen? Okay, nun konnte ich auch Jaspers Erklärung absolut nachvollziehen, als er sagte, danach sei man fit. Ich will doch keinen Marathon laufen!

„Ähm, Coach M, ich hätte da doch noch eine Frage."

Er zog hier nur die linke Augenbraue hoch.

„Wie kommen Sie auf 23 Runden? Ist das eine bestimmte Länge?"

Nun musste der Coach lachen.

„In diesem Kurs gilt das Motto 'Einer für Alle und Alle für Einen'. Da du jetzt auch hier bist, sind 23 Schüler im Kurs, das heißt, es werden auch 23 Runden gelaufen. Inzwischen dürfte das auch nicht mehr so anstrengend sein, da ja jeden Tag trainiert wird. Frage beantwortet? Los jetzt! Die Anderen sind schon bei ihrer dritten Runde!"

Damit scheuchte er mich zu dem Rest. Die meisten waren wirklich nicht aus der Puste als wir fast fertig waren, von anderen erntete ich jedoch ständig böse Blicke, die schon mit den 22 Runden zu kämpfen hatten.

Der weitere Verlauf der Stunde war nicht anders: Alle Kursdurchgänge, kurz KDs, wie der Coach sie nannte, wurden um einen angehoben. Das hieß zum Beispiel 23 Liegestütze, 23 Sit-Ups.... Coach M hatte wirklich alles auf Lager: Kraft-, Ausdauer-, Dehn-, Beweglichkeits- und sogar auch Geschicklichkeitsübungen. Für mich wurde kurzerhand eine neue KD eingeführt. Leider war sie vom Typ Geschicklichkeit und als ich so darüber nachdachte, fiel ich auch prompt hin.

Irgendwann war der Unterricht dann zu Ende und ich freute mich nur noch auf die Dusche. Zum Glück ist diese Highschool absolut auf Sport ausgerichtet, sodass die Duschen sehr groß, schön und sauber waren- das einzig Gute.

Während des Sportunterrichts hatte ich mich kurz gefragt, wie man hier denn Freundschaften schließen sollte, wenn der Drill- Instructor einen höchstpersönlich trainiert.

Als ich dann in der Umkleide von einem Mädchen namens Lily angesprochen wurde, ob ich auch mit ins Sportcafé käme wusste ich erst nicht, was damit gemeint war. Sie erklärte mir also, dass es sich um ein gemütliches Café an der Sporthalle handelte, wo man sich nach dem Unterricht oft traf um sich vom Sport zu erholen.

Ich war einverstanden und sehr froh, dass das mit dem „Anschluss finden" gut klappte, also machten wir uns kurz darauf auf den Weg in das besagte Café.