Titel: die gestiefelte Katze – Teil 4
Autor: lorelei_lee1968
Rating: ab 16
Pairing: SS/RL (ich kann's nicht lassen) und heute ein bisschen RL/LM
Challenge: „Märchen 2009"
Disclaimer: Alles JKR – mir nix

Warnungen: AU (was nix anderes heißt als „alle leben noch")


Die gestiefelte Katze

Endlich – in der relativen Abgeschiedenheit seiner Kutsche - konnte der König dem vermeintlichen Grafen zeigen, wie sehr er ihn und seine Dienste für die Krone schätzte.

So kam es, dass Remus der… nun ja, sagen wir… der Gespiele des Königs wurde.

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Sehr viel später, als Remus von König Lucius im Schloss untergebracht worden war, traf auch Minerva wieder ein.

„Wie hast du mir eigentlich dieses herrschaftliche Anwesen verschafft?", war die erste Frage, die Remus über die Lippen kam, als er seine ehemalige Katze sah.

„Das hat alles einem bösen Zauberer gehört. Ich habe ihn herausgefordert und er ist darauf hereingefallen. Er hat sich in eine Maus verwandelt und ich hab' ihn gefressen", erwiderte Minerva ohne eine Miene zu verziehen.

Auf Remus' Gesicht zeichnete sich Ekel ab.

„Iiiiihhh", machte er. „Im Ernst jetzt?"

Minerva verdrehte die Augen.

„So was Leichtgläubiges wie du ist mir noch nicht unter die Augen gekommen. Glaubst du wirklich, ich würde Mäuse fressen? Wie lange kennen wir uns schon? Und wie oft hast du dich in der Vergangenheit über die Kosten für mein Deluxe-Futter beklagt?"

„Puh." Remus atmete erleichtert aus. „Und ich dachte schon… wie ist es denn nun wirklich abgelaufen?"

Minerva spitzte die Lippen und sah an die Decke.

„Naja… sagen wir mal so… er ist mit einem Lächeln auf den Lippen gestorben. Es war wohl alles etwas zu viel des Guten." Sie musterte mit Interesse ihre Fingernägel.

Remus schluckte.

„Ich glaube, ich will das jetzt gar nicht so genau wissen."

„Guter Plan." Minerva nickte zustimmend. „Aber keine Sorge, ich bin dennoch auf meine Kosten gekommen. Bevor sein Herz schlapp gemacht hat, hat er mir noch die Nummern von seinem Schweizer Bankkonto gegeben. Für mich ist dieses Märchen also hiermit beendet." Sie machte Anstalten zu gehen.

„Halt! Moment mal!" Remus war aufgesprungen. „Und was ist mit mir?"

„Mit dir? Was soll mit dir sein?"

„Schon vergessen? Du hast mir Reichtum, Glück und Liebe versprochen."

Minerva sandte ihm einen genervten Blick.

„Schon vergessen?", äffte sie ihn nach. „Das ist alles erledigt." Sie zählte an den Fingern ab. „Reichtum? Das Geld für die Pfauen, das Feld, der Wald, das Haus. Erledigt. Glück? Hängt unmittelbar mit dem Punkt Liebe zusammen. Liebe? So krumm, wie du auf diesen weichen Kissen sitzt, beweist dir der König mehr als einmal täglich, wie sehr er dich liebt. Erledigt. Ich bin hier fertig und verschwinde."

„Aber ich bin nicht glücklich", erwiderte Remus kleinlaut. „Und unter Liebe verstehe ich auch etwas anderes."

Minerva starrte ihn ungläubig an.

„Du hast den Nerv mir zu sagen, dass du trotz all dieser Segnungen nicht glücklich bist?!", schrie sie ihn an und Remus zuckte erschreckt zurück. „Bist du denn von allen guten Geistern verlassen? Jeder andere in diesem Königreich wäre froh und glücklich, an deiner Stelle zu sein. Außerdem habe ich dir gleich gesagt, dass das mit der Liebe schwierig wird. Ich habe dir aus gutem Grund Sex versprochen. Nicht mehr und nicht weniger."

„Ich bin trotzdem nicht glücklich", beharrte Remus. „Und das hast du mir versprochen. Und ich liege auch nicht gerne unten", murmelte er.

„Du tust was nicht gern?", hakte Minerva nach.

„Ich liege nicht gern unten! Ich bin kein Bottom", brüllte Remus trotzig.

Minerva seufzte.

„Na toll. Unter all den armen Burschen in diesem bescheuerten Königreich gerate ich ausgerechnet an eine verkappte Macho-Tunte."

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Tage später wusste Minerva immer noch keinen Rat für Remus' Misere.

Immer noch unglücklich durchstreifte er daher das Schloss auf der Suche nach Zerstreuung.

Immer wieder stieg er Treppen hinauf und hinab, lief unermüdlich Gänge entlang, bis er schließlich in den tiefsten Kellergewölben auf eine Tür am Ende eines Ganges stieß.

Neugierig öffnete er die Tür und trat ein.

Hinter einem Tisch auf dem allerlei Glaskolben und merkwürdige Gerätschaften aufgebaut waren, stand Severus Halbblutprinz. Dämpfe und Rauchsäulen, die aus verschiedenen Glasbehältern aufstiegen waberten um ihn herum.

Mehrere kleine Feuerstellen tauchten den dunklen Raum in ein unheimliches, flackerndes Licht.

Prinz Severus bemerkte den Eindringling und grüßte ihn mit seinem üblichen, verächtlichen Tonfall.

„Herr Graf, was führt Euch zu mir… obwohl… so wie Ihr hier vor mir steht, braucht Ihr sicher meine Spezial-Salbe. Eigentlich hatte ich Euch bereits früher erwartet."

„Spezial-Salbe?", fragte Remus verwirrt. „Nein… ich… was für eine Spezial-Salbe?"

„Die Salbe, die jeder der aktuellen Favoriten des Königs benötigt", erklärte Prinz Severus trocken. „Auf Hamamelis-Basis und mit Aloe Vera und…"

Remus' Wangen verfärbten sich blutrot.

„Nein, deswegen bin ich nicht hier… ich kam eher zufällig vorbei…"

„Ach", meinte Prinz Severus nur und hob eine Augenbraue.

„Ja. Zufällig", wiederholte Remus trotzig. „Was macht Ihr hier eigentlich?"

Prinz Severus schien gleichzeitig geschmeichelt durch die aufmerksame Frage und wirkte dennoch ungewillt, sie zu beantworten.

„Ich arbeite an einem biologisch-dynamischen Dünger", erklärte er schließlich unwillig. „Aber das wird Euch nicht interessieren. Es interessiert niemanden hier."

„Oh doch", widersprach Remus freudig. „Das interessiert mich sogar sehr! Ich hatte früher mal eine Bio-Mühle… für Bio… Brot…" Zu spät fiel dem vermeintlichen Grafen auf, dass er sich verplappert hatte.

Doch zu seiner Überraschung rief Severus Halbblutprinz nicht gleich die Wachen, sondern kam um den Tisch herum und nahm eine von Remus' Händen.

„Das habe ich mir fast schon gedacht. Deine Hände sind nicht weich genug, um die eines Adligen zu sein."

Ein seltsames Gefühl durchströmte Remus in diesem Moment und er wandte den Blick von ihren ineinanderverschlungenen Händen ab und hob ihn zu Severus' dunklen Augen, die ihn unverwandt ansahen, bis ihre Lippen es ihren Händen gleichtaten und sich in einem seligen Kuss trafen.

Als die Hände von Prinz Severus tiefer über Remus' Rücken hinabwanderten, flüsterte Remus leise: „Vielleicht hätte ich doch gern was von der Salbe."

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Wenige Wochen später war Minerva mit einem Koffer voller Geld und neuen Stiefeln wieder von der Schweiz zurückgekehrt und konnte zufrieden feststellen, dass Remus neben Reichtum nun auch endlich Glück und Liebe gefunden hatte.

Gemeinsam mit Severus und dessen Bio-Dünger baute er auf dem ertragreichen Feld nun Bio-Getreide an, das in ihrer gemeinsamen Bio-Mühle erst zu Mehl und dann zu Brot verarbeitet wurde.

Das Geschäft blühte.

Sie brauchten nur noch einen Namen dafür.

„Weißt du, Remus, ich würde unserem Betrieb gerne den Namen meiner ersten Jugendliebe geben", sagte Severus.

„Von mir aus", meinte Remus. „Und wie war der? Hoffentlich nicht Long John oder so etwas."

„Nein… es war ein Mädchen und sie hatte einen wunderschönen Namen. Es ist übrigens der Name einer Pflanze – das wäre doch sehr passend, oder nicht?"

Und so, liebe Kinder, kam „Rapunzel Naturkost" zu ihrem Namen und Remus und Severus lebten glücklich und zufrieden. Und wenn sie nicht gestorben sind…

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ENDE