Zum Ersten Mal
Der Unfall
Ihr erster Kuss war ein Unfall. Sie gingen gerade Seite an Seite einen Verlassenen Korridor entlang, die Nasen in ihren jeweiligen Büchern, als Lily stolperte. Sie packte Severus' Arm um ihr Gleichgewicht zu wiederzuerlangen und zog ihn mit sich. Nach viel herumtaumeln landete irgendwie Severus auf Lily.
„Geht's dir gut?" fragte er besorgt.
Sie schien vage genervt als antwortete. „Ja, ja, ich bin okay."
Severus seufzte erleichtert.
Nun da der Schock und die Sorge weg waren wurde Severus auf einmal intensiv bewusst in welch unbeabsichtigt intimer Position sie sich befanden. Sein Blick wanderte von Lilys Augen zu ihren Lippen und er lehnte sich runter und sie bewegte sich rauf und ihre Lippen berührten sich zufällig mit Absicht.
Beide hielten still, Augen weit aufgerissen, Atem angehalten, Herzen laut schlagend.
Dann riss sich Severus los, sprang auf die Füße. Seine Wangen brannten hell rot und er sah Lily nicht in die Augen während er ihr half ihre Sachen einzusammeln. In seiner Verlegenheit bemerkte er nicht einmal Lilys ebenso leuchtend rote Wangen.
Sie sprachen nicht bis sie sich fürs Abendessen trennen mussten und dann war es nur ein gemurmeltes „Tschau." und ein hastiger Rückzug zu ihren Haustischen.
Der Unfall wurde für viele Jahre nicht erwähnt.
Fragen
Nachdem sie einander für eine Woche aus dem Weg gegangen waren und drei weitere Wochen in Unbehagen verbracht hatten, hatte Lily endlich genug.
Sie und Severus lernten in der Bibliothek weil eines der Dinge war, die sie gemeinsam machten, die keine Unterhaltung oder anderen Kontakt verlangte und daher weniger anfällig für unerträgliches Unbehagen war. Außerdem war die Bibliothek einer der Orte im Schloss, die James Potter und Sirius Black für gewöhnlich nicht besuchten (es sei denn Remus Lupin zwang sie dazu, was nicht oft passierte).
Jener besondere Tag war der Freitag vor einem Hogsmeade Wochenende.
Lily sah zu wie Severus über Zaubertrank Notizen brütete, während er so tat als würde sie nicht existieren. Nachdem sie ihn für etwa eine halbe Stunde intensiv angestarrt hatte, knallte sie das Buch vor ihr heftig zu. Severus erschrak und er hob seinen Kopf hastig, nur um im nächsten Moment die Augen wieder zu senken als er Lily unabsichtlich in die Augen sah.
Sie seufzte leicht frustriert.
„Willst du morgen mit mir nach Hogsmeade gehen?"
Die Frage überraschte Severus genug ihn vergessen zu lassen, dass er ihren Blick mied. „Wir gehen immer gemeinsam nach Hogsmeade, Lily. Warum würdest du jetzt fragen?"
Lily hielt einen weiteren frustrierten Seufzer zurück. „Ich hab gemeint; willst du morgen mit mir auf ein Date nach Hogsmeade gehen?" Die Art und Weise auf die sein Mund aufklappte und sich seine Augen weiteten war unheimlich befriedigende Rache dafür, dass er nach seiner Liebeserklärung über sie gelacht hatte.
Nachdem er sie für eine volle Minute ausdruckslos angestarrt hatte, schloss Severus seinen Mund und schüttelte seine Kopf heftig. Enttäuscht sammelte sie ihre Sachen ein und war dabei zu gehen als seine Stimme sie aufhielt (schon wieder). „Sicher, natürlich, ich würde liebend gern mit dir ausgehen." Um ein Haar hätte Lily noch einmal geseufzt, dieses Mal aus Erleichterung und sie grinste lebhaft. Die Überraschung auf Severus' Gesicht verwandelte sich langsam in ein ebenso lebhaftes Grinsen.
Hürde überwunden.
Und dann sahen sie die Zeit.
Liebes Tagebuch
Diese Wochenende war ein Hogsmeade-Wochenende, und Severus und ich hatten unser erstes Date!
Am Samstag haben wir allerdings beide einzeln unsere Weihnachtseinkäufe erledigt. Sev's Geschenk war wirklich schwer zu finden, also hab ich das zum Schluss übrig gelassen. Ich bin fast eine ganze Stunde lang herumgewandert bis ich dieses kleine Geschäft neben Madam Puddyfoot's gefunden hab. Es war bis zum Bersten gefüllt mit mehr oder weniger nutzlosem Schnick-Schnack, aber da war ein wirklich wunderschönes Armband. Es ist Silbern mit zwei schwarzen Schlangen deren Schwänze verschlungen waren und ihre Köpfe sind um ein rote Blume gewickelt.
Wie auch immer, unser Date: Sonntag Vormittag sind wir durch das Dorf spaziert, waren ein bisschen Schaufenster-Shoppen. Dann haben in den ‚Drei Besen' zu Mittag gegessen. Wir sind ein bisschen früh zurück ins Schloss gegangen, weil Severus gesagt hat, er hätte noch eine Überraschung für mich. Ich war total verwirrt als er mich zum Gryffindor Gemeinschaftsraum begleitet hat, aber di Fette Dame hat ohne ein Passwort aufgemacht und sie hat Sev zugezwinkert. Natürlich hab ich verstanden, in dem Moment, in dem wir drinnen waren. Die Couch-Sessel und alle Sofas bis auf eins waren vom Kamin weggeschoben und da war ein winziger Tisch vor dem Sofa. Auf dem Tisch stand eine Vase mit drei Rosen; eine gelbe, eine rote und eine weiße. Neben der Vase lag eine extra-große Box meiner Lieblingsschokolade. Ich hätte Sev fast geküsst, aber ich hab mich nicht ganz getraut. Trotzdem, das ist offiziell der schönste Tag meines Lebens.
Voller Liebe,
Lily
Sag's ihm
Das erste Mal, dass Lily ‚Ich liebe dich' sagte, war kein Zufall. Genaugenommen, war das bis ins kleinste Detail geplant. Sie machte sich für fast ein ganzes Monat Sorgen darüber, wo, wann und wie sie es ihm sagen sollte. Es war eine ihre Zimmergenossinnen, die ihr die Idee gab. Lily hatte sich entschieden, dieses Jahr in Hogwarts zu bleiben und ihre Eltern, nachdem sie über die erste Enttäuschung hinweggekommen waren, beschlossen ihre zweiten Flitterwochen an einem warmen und sonnigen Ort zu verbringen
Lily und Joanne hatten sich über Weihnachtsgeschenke unterhalten als Joanne erwähnte, dass ihr Bruder vorhatte seiner Freundin an Weihnachten einen Antrag zu machen. Anscheinend sollte der Verlobungsring das Weihnachtsgeschenk der Freundin sein. Plötzlich erschien alles so offensichtlich. Zugegeben, Lily hatte nicht vor Severus zu bitten sie zu heiraten (jedenfalls noch nicht), aber sie hatte das Armband und sie hatte ‚Ich liebe dich'.
Es war nicht schwer Severus zu überreden, sie nach Ausgangssperre am Weihnachtsabend zu treffen, der schwierige Teil bestand darin alles so herzurichten, wie sie es haben wollte.
Das erste Problem hatte sie mit dem Baum. Der Baum war wichtig, da sie Weihnachten mit ihrem festen Freund (ihr lief ein Schauer über den Rücken) feiern wollte und das würde ohne den Baum nicht funktionieren. Als sie es endlich schaffte, einen passenden Baum in ein unbenutztes Klassenzimmer zu bringen und alles zu dekorieren, bemerkte sie, dass sie Schwierigkeiten haben würde, die Musik abzuspielen, die sie wollte. Alle ihre Kassetten waren zu Hause in ihrem Zimmer und sie hätte sowieso nichts um sie abzuspielen.
Zum Glück schien Professor Dumbledore von ihren Plänen zu wissen und er deutete an, dass er zustimmte, solange sie nicht erwicht wurden. Er lieh ihr sogar ein kleines Gerät, das romantische Weihnachtsmusik spielen würde, wenn Lily es mit ihrem Zauberstab anstupste. Sie tat ihr Bestes (und versagte) das Glitzern in seinen Augen nicht zu bemerken.
Endlich war alles bereit und perfekt bevor der große Tag ankam. Von dem Moment da sie and dem Morgen aufwachte überdachte sie ihren Plan immer und immer wieder, auf der suche nach einem Fehler, bis Sirius Black beschloss sie in den Wahnsinn zu treiben indem er versuchte Mistelzweige dazu zu bringen ihr zu folgen. Als Rache, verzauberte sie die Zweige stattdessen ihm folgen, was ihn zum Grinsen brachte. Jedenfalls bis die Zweige begannen ihn zu schlagen. Genervt sie auch war, Lily musste zugeben, dass Sirius es geschafft hatte sie abzulenken.
Von da an lief alles wie am Schnürchen. Lily und Severus begannen ihren Abend mit Keksen und Albernheit. Die Stimmung veränderte sich langsam und bis sie bereit waren die Geschenke zu öffnen, waren Lilys Wangen rot und sie war beinahe sicher dass das gleiche für Severus galt.
Das Geschenk das er ihr überreichte war eingewickelt in rot und grün, und es fühlte sich an wie eine Schachtel. Es stellte sich heraus, dass die Schachtel mit Fotos von ihr und Severus gefüllt war. Manche bewegten sich sogar.
Lilys Sicht war ein bisschen verschwommen als sie die kleine silberne Box mit dem Armband ausstreckte. Severus nahm sie und sie sagte mit einem Lächeln: „Ich liebe dich, Severus." Er nahm sie in die Arme, aber bevor ihre Lippen einander berühren konnten öffnete sich die Tür und eine strenge Stimme voll Ärger, stoppte sie. „Mr. Snape, Miss Evans. Ich dachte ausgerechnet Sie wüssten es besser, als nach Nachtruhe noch aus den Betten zu sein." Es musste McGonagall sein, die hereinplatzte.
„Es tut mir Leid, Professor. Wir wollten nur allein feiern." McGonagalls böser Blick erweichte ein bisschen, aber sie bekamen trotzdem Nachsitzen.
