Leidenschaft, die Leiden schafft

Natürlich hatte sich Daphne nicht gleich aufdringlich in die erste Reihe gesetzt, sondern in die zweite, wo sie noch gut zu sehen und zu hören war. Pansy war auch wieder aufgetaucht, und hatte sich doch wieder zu Draco gesetzt. So als wolle sie nach außen hin das Bild einer intakten Beziehung liefern. Wie immer zeichnete Draco auf seinem Block, und Daphne konnte gut erkennen, dass er Harry porträtierte. Irgendwie bedauerte Daphne, dass sie nicht mit den Gryffindors, sondern mit den Hufflepuffs Verteidigung gegen die Dunklen Künste hatten, es wäre bestimmt sehr unterhaltsam geworden. Aber es hatte auch einen Vorteil, Daphne war sich sicher, dass von den Hufflepuffs nur wenige Lupins Fragen beantworten können würden, ohne Hermine und die Ravenclaws hatte sie also leichtes Spiel mit Lupin.

Sie langweilte sich, während sie auf Lupin wartete und ging in Gedanken noch mal den gestrigen Abend durch, um zu überlegen, welche Tränke sie noch brauen könnte. Dabei wurde ihr schmerzlich bewusst, dass sie natürlich vergessen hatte, sich Zigaretten zu besorgen. Das war im Eberkopf keine komplizierte Angelegenheit, wenn nicht diese dumme Razzia gewesen wäre, hätte sie bestimmt daran gedacht. Wenn sie also heute nicht wieder in den Eberkopf gehen würde, müsste sie am Ende noch ihren Bruder Damon anschnorren, und der forderte prinzipiell irgendwelche lästigen Gegenleistungen.

Endlich betrat Remus Lupin das Klassenzimmer, von allen Mädchen war Daphne die einzige, die ihn noch so wie in der dritten Klasse anstrahlte, alle anderen kauerten sich beinahe zusammen. Daphne fand es einfach lächerlich, wie sie so ängstlich sein konnten, immerhin war gestern erst Neumond gewesen, sie waren also vollkommen sicher. Außerdem würde Severus Snape Lupin ganz bestimmt den Wolfskrauttrank brauen.

Fröhlich begrüßte Remus die Schüler und Schülerinnen und gab sich noch freundlicher als sonst, offenbar war ihm bewusst geworden, wie die Schüler und Schülerinnen auf ihn reagierten. Sein Blick schweifte durch die Klasse und er hielt sich offenbar an Daphnes Lächeln fest, denn für die nächsten fünf Minuten sprach er mehr zu ihr, als zu allen anderen.

Es war beinahe zu einfach, überlegte Daphne, als sie auf die erste Frage von Lupin schon die Hand hob. Die anderen wagten offenbar gar nicht einmal Aufmerksamkeit auf sich zu regen. Nur die Slytherin Jungs steckten kurz die Köpfe zusammen und grinsten dann verschlagen. Offenbar überlegten sie wie sie Lupin zeigen konnten, dass sie ihn für eine widerwärtige Kreatur hielten.

„Ja, Miss?", rief er sie auf und fragte nach ihrem Namen.

Dabei versank er ganz offensichtlich in ihren smaragdgrünen Augen, die ihn herzlich anstrahlten.

„Greengrass.", flötete sie mit ihrer Unschuldsstimme, „Daphne Greengrass."

„Also Miss Greengrass, sie wissen also bereits eine bessere Methode um Angriffszauber abzuwehren, als mit protego.", forderte er sie auf.

Daphne tat natürlich etwas, womit er nicht gerechnet hätte. Schließlich sollte er sie doch im Gedächtnis behalten. Sie stand also auf und forderte ihn auf sie anzugreifen.

„Greifen sie mich an.", meinte sie auffordernd.

„Miss Greengrass, ich kann nicht eine meiner bezaubernden Schülerinnen attackieren.", meinte zunächst.

„Vertrauen sie mir Professor.", lächelte sie ihn noch immer unschuldig, aber schon etwas verführerisch an.

Lupin überlegte für einen Augenblick und akzeptierte den Vorschlag dann.

„Ich werde sie mit ‚Locomotor Mortis' behexen, also geschieht ihnen nichts, außer, dass sie solange bis ich sie von dem Fluch befreie, nicht gehen können. Aber ich habe vollstes Vertrauen in sie.", meinte Lupin schließlich.

Daphne sah in ihren Augenwinkeln, wie die Jungs miteinander tuschelten, und Theodor schließlich nickte. Es war ganz klar, er würde versuchen ihren Schildzauber zu brechen, und sie so der Peinlichkeit aussetzen, den Fluch nicht abwehren zu können. Es gefiel ihm wohl gar nicht, dass sie sich plötzlich so sehr mit diesem Fach beschäftigte.

„Sind sie bereit?", fragte Lupin und lächelte ihr zu.

Daphne nickte und strahlte ihn weiter an.

„Locomotor Mortis.", rief Lupin als er den Zauberstab auf sie richtete.

„Barricarda.", rief Daphne und richtete den Zauberstab nach vorne.

Im selben Moment sprang Theodor auf und sprach einen Fluch der das Schild zerstören sollte. Daphne wandte sich rechtzeitig um, und wehrte Theodors Fluch mit „Reverso" um. Das führte dazu, dass Theodor seinen eigenen Fluch mit Protego abwehren musste.

„Was sollte das? Mr Nott, richtig?", ermahnte ihn Lupin, „Wenn das noch einmal vorkommt, werde ich ihnen eine Strafarbeit geben. Sie sollten besser über ihr Verhalten nachdenken."

Dann wandte er sich wieder Daphne zu und lächelte.

„Ausgezeichnet, Ms Greengrass. Sie haben gleich zwei Flüche vorgeführt, die wir erst diese Stunde besprechen werden. 10 Punkte für Slytherin.", lobte er sie, „Sie können sich wieder setzen."

Den Rest der Stunde lächelte er Daphne immer wieder an, während er über Abwehrzauber sprach und immer wieder Fragen stellte, von denen Daphne zwei Drittel beantwortete. Natürlich wäre sie imstande gewesen sämtliche Fragen zu beantworten, aber sie hatte keine Lust als Streberin zu erscheinen, sie wollte vor Lupin schließlich den Eindruck erwecken, ausgesprochen intelligent zu sein. Das war nicht besonders schwierig, denn Daphne war wirklich sehr schlau, aber sie benutzte ihre Intelligenz nun einmal gerne für in der Schule weniger angesehene Dinge.

Beim Abendessen saß Theodor ihr gegenüber und musterte sie.

„Was?", fuhr sie ihn schließlich an.

„Ja genau! Was! Was ist eigentlich los mit dir? Verteidigung gegen die dunklen Künste? Dir ist durchaus klar wessen zukünftige Frau du bist!", war er aufgebracht.

Daphne lachte belustigt. Ihr kleines Spielchen hatte noch wesentlich mehr positive Seiten, als sie sich dachte. Theodor machte sich doch tatsächlich Sorgen darüber, dass sie am Ende die Seite wechseln könnte. Vor allem aber, machte er sich zur Abwechslung einmal wirklich Gedanken über sie.

„Dummkopf.", meinte sie nur und machte ihm klar wie wenig Bedeutung sie seinen Befürchtungen beimaß, „Es ist wohl das wichtigste seine Feinde zu kennen, Theodor. Wenn du ihre Abwehrflüche kennst, kannst du deren Schwächen für deinen Vorteil benutzen."

Sie aß unbeirrt weiter.

„Daher habe ich deinen dummen Zauber auch beinahe zerstört.", erklärte er und schluckte dann, schließlich war es ihm nicht gerade angenehm, dass Daphne seinen Plan durchkreuzt hatte.

„Ja, beinahe. Aber ‚reverso' ist doch wirklich fabelhaft. Das musst du mir lassen.", sagte sie mit einem triumphierenden Lächeln.

Theodor nickte gequält.

„Aber ich warne dich, Daphne. Ich behalte dich im Auge.", meinte er schließlich.

Daphne rollte nur mit den Augen, er tat gerade so als wäre er der Todesser, und nicht sein Vater.

„Draco ist nicht hier!", schluchzte Pansy, als sie sich zu ihnen setzte.

Daphne wandte sich um zu dem Tisch der Gryffindors und staunte nicht schlecht. Draco saß doch tatsächlich neben Harry und hielt seine Hand. Sie sah Hermines Blick, offenbar war sie nahe daran zu kollabieren. Weasley war kreideweiß und klammerte sich ganz offenbar an Hermines Umhang. Auch Pansy bemerkte nun, wo ihr Freund sich befand und heulte laut auf. Und zwar so laut, dass Severus Snape es am Tisch der Professoren hörte, und ihr einen bösen Blick zuwarf. Als Daphne bemerkte, dass auch Remus auf die Szene aufmerksam wurde, streichelte sie Pansy tröstend die Schulter. Bestimmt würde er das als sehr liebenswert empfinden, immerhin musste sie alles tun um den angeblichen Laster, eine Slytherin zu sein, in seinen Augen zu entgehen.

„Schätzchen, mach dir nichts draus, das haben sie doch alle mal. Das nennt man homosexuelle Phase in der Pubertät.", meinte sie bemitleidend.

„Deine Homophobie macht mich krank!", murrte Millicent plötzlich.

„Was denn, findest du es nicht widerlich.", schüttelte sie den Kopf, aber dann sah sie zu Greg und Vin, „Meinetwegen. Du musst ja wissen, was dir gut tut."

Zugegebener Weise musste Daphne zugeben, dass sie es durchaus prickelnd fand, Potter und Draco zu beobachten. Aber sie vermutete, dass es daran lag, dass sie wusste wie sehr sie es hassen würden, wenn sie erst wieder bei Verstand wären.

Am Abend hatte Pansy dann die glorreiche Idee sich mit Feuerwhiskey zu betrinken. Dazu begaben sich Millicent und sie natürlich zu Vin und Greg. Das hatte natürlich zur Folge, dass Theodor schon sehr früh mit Blaise in deren Zimmer verschwand. Miss Zabini musste ja auch ihr eigenes Zimmer haben, ärgerte sich Daphne, da sie weder bei den Jungs noch bei den Mädchen schlafen konnte, wie die Schulleitung entschieden hatte.

Als Draco sie am Weg in den Gemeinschaftsraum abgefangen hatte, und fragte, ob auch sie sich der Trinkorgie anschließen würde, hatte sie natürlich bejaht. Daphne wusste schon was das zu bedeuten hatte. Es freute sie sehr, dass Draco das Mädchenschlafzimmer dem Bad der Vertrauensschüler/innen vorziehen würde. Alles was sie tun musste war nun also unter ihr Bett zu kriechen und abzuwarten.

Tatsächlich musste sie nicht lange warten, gerade als sie überlegte, ob sie sich nicht doch mit dem Trantrum-Trank ein paar aufregende Stunden bescheren sollte, weil sie dem Warten überdrüssig wurde – Ungeduld war eine ihrer größten Schwächen – öffnete sich auch schon die Tür.

Potter zierte sich doch tatsächlich, als Draco ihn beinahe in das Zimmer schleifte.

„Das ist doch das Mädchenschlafzimmer, bist du sicher, dass das eine gute Idee ist. Und wie ist es überhaupt möglich, dass wir hier reinkommen.", versuchte er ein Gespräch aufrecht zu erhalten, da er offenbar befürchtete, Draco würde sich sofort auf ihn stürzen, wenn er erst einmal aufhören würde zu sprechen.

„Der Fluch ist so einfach zu brechen, dass wir das schon vor Jahren geschafft haben. Und die Mädchen sind alle ausgeflogen, eine kleine Feuerwhiskey-Orgie im Jungs-Zimmer.", erklärte Draco.

Dann stand er dicht vor Harry und streichelte sanft seinen Hals. Harry konnte nicht anders, als unter der sanften Berührung der Person, die er glaubte zu lieben, aufzustöhnen. Im Taumel warf er zwei Gegenstände quer durch das Zimmer, so dass sie vor Daphnes Bett liegen blieben. Da Harry und Draco sich gerade intensiv küssten, konnte sie es riskieren die beiden Dinge unter das Bett zu ziehen. Sie staunte nicht schlecht, als sie den Unsichtbarkeitsumhang erkannte. Wie war Potter nur zu so einer Seltenheit gekommen? Der zweite Gegenstand faszinierte sie noch wesentlich mehr, es war eine Karte, auf der sämtliche Personen, die sie gerade als wichtig erachtete zu sehen waren. Genervt stellte sie fest, dass sich die Punkte die Blaise und Theodor darstellten, noch immer in deren Zimmer befanden.

„Ich bin noch Jungfrau, Draco!", riss sie der Schrei von Harry ganz aus ihren Gedanken.

Das könnte ja noch spaßig werden, freute sie sich.

„Keine Sorge, Harry, ich kann ganz sanft und vorsichtig sein, wenn ich will.", hauchte ihm Draco ins Ohr.

Tatsächlich brachte Draco es fertig gerade Pansys Bett auszuwählen, offenbar war er noch wesentlich ruchloser und fieser als sie selbst. Unter dem Schutz ihrer kostbaren Beute, konnte sich Daphne nun aus ihrem Versteck hervorwagen. Die hilfreiche Karte steckte sie in die Tasche, mit der sie am Tag zuvor ihre Drogen transportiert hatte. Klugerweise trug sie die immer bei sich.

Überrascht und beinahe von sich selbst angeekelt, da es ihr doch gefiel, beobachtete sie, wie sich die beiden Jungs auszogen und liebkosten. Das Gefühl von Selbstekel begann ihr schließlich zu gefallen, es war beinahe so erregend wie Schmerzen. Es gab ihr das Gefühl tatsächlich so böse zu sein, dass sie sich sogar vor sich selbst ekelte. Es gefiel ihr sogar ausgesprochen gut.

Daphne stellte sich hinter Millicents Bett, dessen Vorhänge zugezogen waren, so dass sie es wagen konnte, den Zauberstab unter dem Umhang hervorzustrecken. Harry lag gerade am Bauch und Draco über ihm. Sie war sich sicher, dass Draco bald den Höhepunkt erreicht hatte, was das betraf war er immer viel zu schnell, also musste es losgehen. Den Fluch des Zaubertrankes zu brechen war recht einfach. Es genügten eine magische Ohrfeige links und eine magische Ohrfeige rechts.

Draco fühlte sich geohrfeigt oder als ob er seinen Kopf gerade in eiskaltes Wasser gesteckt hatte, er konnte es kaum fassen, was er da tat. Als er nun den Höhepunkt erreichte war er angewidert. Wieder ganz klar im Kopf sprang er dann eilig zurück und schrie Potter an.

„Was glaubst du eigentlich, du widerlicher Mistkerl. Wie kannst du mich nur dazu bringen Sex mit dir zu haben.", schrie er und spukte wild um sich, da er sich der Küsse mit Harry bewusst wurde. Harry sprang auf und schüttelte den Kopf.

„Liebling, was ist in dich gefahren?", fragte er mit einer süßlichen, naiven Stimme.

„Du machst mich krank, Potter.", schrie er und wurde blasser als er es ohnehin schon war.

Zornig stieß er ihn gegen die Wand und schlug auf ihn ein. Daphne erkannte nun den geeigneten Moment um Harry zu entzaubern. Als Draco ihn durch den halben Raum schleuderte, behexte sie auch ihn.

Sie konnte direkt sehen, wie er langsam ernüchterte. Er wurde kreideweiß und offenbar war er kurz davor sich zu übergeben. Bestimmt hatte er sich in seinem gesamten Leben nicht elender gefühlt. Als sie ihn so sah, da wusste sie, dass in ihm gerade etwas zerbrach, dass seine Seele davon tiefe Narben tragen würde. Sie musste sich sehr zusammenreißen, nicht wie wahnsinnig loszulachen. Offenbar hatte sie vollbracht, was noch niemand geschafft hatte, sie hatte Potter zumindest für einen Augenblick vollkommen zerstört und vernichtet. Dieser Moment der vollkommenen Destruktion war ihr Kunstwerk und ein Gefühl uneingeschränkter Allmacht strömte durch ihre Venen. Und Theodor glaubte tatsächlich, sie könnte die Seite wechseln! Was für Freuden sollte denn diese andere Seite schon bieten. Sie konnte sich schwer vorstellen, dass es ein vergleichbar zufrieden stellendes Gefühl geben konnte.

Wie in Trance sprang Harry auf und öffnete die Tür, erst da bemerkte er beschämt, dass er nackt war. Daphne nützte den Augenblick und hastete durch die Tür. Sie sah noch zu, wie Harry seinen Umhang und seine Kleider schnappte, und sich lediglich den Umhang überzog und durch die Tür verschwand. Daphne verschwand im Bad, als sie die Schritte im Gemeinschaftsraum hörte, verstaute sie ihre Schätze in der Tasche und trat heraus.

„Daphne?", fragte Draco, der sich gerade erst einen Pullover überzog und den Rest seiner Kleidung in die Mitte des Gemeinschaftsraumes geworfen hatte.

„Schon schlapp gemacht?", versuchte er sich abzulenken.

„Ich war nicht beim Whiskey trinken.", meinte sie und versuchte unglücklich zu wirken, „Ich habe die letzten Stunden im Bad verbracht. Ich wollte niemanden sehen, Theodor ist schon wieder in Blaises Zimmer."

Gekonnte stellte sie sich nun selbst in den Mittelpunkt und verhinderte auch noch, dass Draco den geringsten Verdacht schöpfte. Er kam auf sie zu und zog ihre Ärmel hoch.

„Du hast doch nicht schon wieder getan, wobei ich dich das letzte Mal erwischt habe.", meinte er und schüttelte den Kopf.

Daphne hatte ihm erzählt, dass sie Rasierklingen vor ihm versteckt hätte, denn er hatte bemerkt, dass sie schnell etwas beiseite schaffte, ehe er gestern das Bad betreten hatte.

„Glaubst du ich würde zulassen, dass es sichtbar ist.", zuckte sie mit den Schultern, „Aber was ist mit dir? Hast du jetzt doch wieder was mit Pansy gehabt?", fragte sie und sah auf den Kleiderberg.

„Nein.", stammelte er.

„Millicent?", fragte sie und tat erstaunt.

„Daphne, nein! Wie kommst du auf die Idee.", schüttelte Draco den Kopf.

Schließlich aber kam er zum Schluss, dass er das noch wesentlich angenehmer gefunden hätte.

„Muss ich die Namen aller Mädchen aufzählen!", wurde Daphne ungeduldig.

Draco senkte den Kopf, innerlich lachte sie.

„Das würde nichts bringen.", meinte er beschämt.

Daphne sah ihn erstaunt an.

„Jetzt sag aber nicht, dass du dich aus lauter Frust in Pansys Bett gelegt hast, um es dir selbst zu machen.", sie sah ihn mit entsetzten Augen an.

In ihrer Phantasie ließ sie sämtliche Möglichkeiten vor ihren Augen ablaufen und redete sich ein, es wäre Wirklichkeit, so gelang es ihr immer schon überzeugend zu lügen. Solange sie sich nur selbst einredete, dass sie ihre eigenen Lügen glaubte, war es ein Kinderspiel.

Draco schüttelte den Kopf.

„So sehr fahre ich doch nicht auf Pansy ab. Für solche Obsessionen braucht es schon eine spannendere Frau.", erklärte er und schaffte es so sich für einige Sekunden von den Ereignissen, die soeben stattgefunden hatten, abzulenken.

„Naja, ich weiß wirklich nicht, wer es gewesen sein könnte. An den Gerüchten die ich gehört habe, wird doch nichts dran sein, nehme ich an.", meinte sie als würde sie unter keinen Umständen glauben, er habe gerade mit Potter geschlafen.

Draco schwieg.

„Draco? Das ist nicht dein Ernst? Ich meine ich war wirklich verstört dich am Tisch der Gryffindors zu sehen, aber ich dachte, dass wäre irgendein seltsamer Plan, den du dir ausgeheckt hast.", meinte sie vollkommen verstört und starrte ihn so entsetzt sie konnte an.

„Ich glaube jemand hat mir Liebestrank eingeflößt.", überlegte er, dann sah er Daphne durchdringend an, „Du bist doch so ein Ass in Zaubertränken."

Sie beutelte entsetzt ihren Kopf.

„Bist du komplett durchgedreht? Wenn es einen Ratschlag gibt, den meine Mutter mir je gab, und den ich beherzige, dann den niemals mit Liebestränken zu experimentieren. Spiele mit der Liebe gehen prinzipiell nach hinten los!", meinte sie nun und Draco glaubte fest, sie wäre direkt beleidigt über den Vorwurf.

„Sie gehen nach hinten los, sagst du?", wurde er nun neugierig.

„Sag bloß, dass deine Mutter dich nie gewarnt hat. Nun gut, du bist kein Mädchen, vielleicht ist das ja etwas anderes.", meinte sie sehr überzeugend, „Wenn jemand aus Eifersucht oder bloßer Selbstsucht einen derartigen Trank braut, dann geschieht immer etwas ziemlich schreckliches, dass für diese Person noch tragischer ist. Aber glücklicherweise erlischt die Wirkung von Liebestränken sobald jemand Dinge tut, die der eigentlichen Persönlichkeit komplett widerstreben."

In Dracos Kopf schien plötzlich ein Licht aufgegangen zu sein. Daphne staunte innerlich über ihre plötzliche Kreativität. Sie hatte in ihrem ganzen Leben nie mit ihrer Mutter über Liebestränke gesprochen und nur wirklich schlechte Liebestränke hatten die Angewohnheit in Extremsituationen ihre Wirkung zu verlieren. In sämtlicher leicht zugänglicher Lektüre war natürlich davon die Rede, dass das alle derartigen Tränke betreffen würde. Vermutlich, dachte Daphne, um junge Leute davon abzuhalten derartige Tränke zu brauen. Sie allerdings hatte durch den freien Zugang zur Bibliothek ihres Vaters, natürlich weit bessere Informationen. Es war ein erheblicher Vorteil die Tochter eines Schwarzen Magiers zu sein.

„Was wenn jemand den Trank nur braut, um anderen eins auszuwischen?", fragte Draco.

„Keine Ahnung!", zuckte Daphne mit den Schultern, schließlich wäre es verdächtig zuviel zu wissen, „Vielleicht wirken sie dann ja gar nicht."

„Das hilft mir nicht weiter. Glaubst du es gibt in der Bibliothek Bücher darüber?", wollte er nun wissen.

„Also ich schätze nicht im offen zugänglichen Bereich, ich schätze du weißt, dass Liebestränke in Hogwarts streng verboten sind.", tat sie als würde sie spekulieren.

Draco nickte.

„Es war bestimmt Pansy, diese Schlampe!", fluchte er, „Wenn dieses Miststück wüsste, was sie mir dadurch angetan hat."

Dabei spuckte er wieder und sah aus, als würde er sich in kurzer Zeit übergeben.

„Ich würde nicht zulassen, dass sie das bemerkt. Du kannst ihr doch wohl diesen Triumph nicht gönnen.", ermahnte ihn Daphne.

Wenn er sich noch etwas mehr anstrengte, würde Draco bald ihr Lieblingsspielzeug werden. Nun auch noch Pansy in die ganze Angelegenheit hinein zu ziehen gefiel ihr ausgesprochen gut. Sie malte sich innerlich schon aus, wie Draco ihr eine Szene machen würde. Bestimmt würde er ihr auch eine Ohrfeige geben. Pansy würde entsetzt und verstört sein und nicht wissen wie ihr geschieht. Oh ja, und sie würde wimmern, um Vergebung, um Nachsicht, würde flehen, dass er aufhört sie anzuschreien, und ihre Unschuld beteuern.

„Daphne?", fragte Draco verstört.

Offenbar war sie zu lange in Gedanken abgedriftet.

„Du hast nicht zufällig eine Zigarette. Tut mir leid, wenn ich den ganzen Tag nicht rauche, bin ich immer so unkonzentriert.", log sie nun.

Draco kramte eine ziemlich zerknautschte Zigarette aus seinem Umhang hervor.

„Danke, ich dachte schon ich müsste Damon darum bitten.", meinte sie

Beide schauderten, als sie sich ausmalten, worum er sie wohl diesmal als Gegenleistung gebeten hätte. Es war wieder dieses Gemisch aus Ekel und Gefallen am Ekel, das sich nun in Daphne breit machte.

„Ich brauche Schlaf, und wenn ich Pansy noch einigermaßen nüchtern in die Finger bekomme, wird ihr diese dumme Idee verdammt leid tun!", fluchte Draco und verschwand in seinem Zimmer, wo bereits alle vollkommen betrunken über Betten und Boden verteilt schliefen.

Als nun alles ruhig wurde, konnte Daphne plötzlich Geräusche aus Blaise Zimmer vernehmen. „Jaaaa, Ja.", hörte sie das Stöhnen von Blaise. Ihr wurde schlecht. Sie musste raus hier. Und sie brauchte mehr als diese eine Zigarette. Da es ihr zu riskant erschien unter dem Umhang zu rauchen, setzte sie sich noch kurz ins Badezimmer.

Es war als würde jeder Zug ein verzweifeltes Atmen nach mangelndem Sauerstoff sein. Sie zog an der Zigarette, als hinge ihr Leben davon ab. Dabei genoss sie das Gefühl, wie der Rauch in ihre Lungen strömte, und beinahe schmerzte. Es würde sie früher oder später umbringen, dachte sie und zog nur noch genüsslicher daran. Selbstzerstörung war etwas äußerst befriedigendes.

Sie dämpfte die Zigarette auf ihrem Unterarm aus und zog ihr Gesicht fest zusammen. Sie biss sich vor Schmerz auf die Lippen, und schließlich ließ der Schmerz endlich nach, und sie genoss diesen kurzen, vergänglichen Augenblick. Es war noch viel schöner, als Potter dabei zuzusehen, wie er vor Scham und Elend verging.

Potter! Jetzt da sie diesen nützlichen Umhang und die rettende Karte besaß, könnte sie es wagen nach ihm zu suchen, und ihn dabei zuzusehen, wie er litt.

Dank der Karte war es keine Schwierigkeit Potter zu finden. Er saß zusammengekauert hinter einer Statue und zitterte am ganzen Leib. Kein Wunder, wenn er sich noch nicht einmal richtig angezogen hatte, dachte Daphne und setzte sich ihm gegenüber. Sie war fast dazu geneigt laut zu seufzen, als sie saß, dass seine Augen ganz glasig waren. Sie vernahm grässlichen Gestank und war etwas angewidert, als sie sah, dass er sich wenige Meter vor der Statue offenbar übergeben hatte. Er zitterte unglaublich heftig und war offenbar am Boden. Immer wieder schnaufte er kurz verzweifelt nach Luft, offenbar war ihm alles so grausam bewusst geworden, dass ihm jetzt nicht einmal mehr klar war, dass er mitten im Gang saß, und er jede Minute von Filch oder einem Professor oder einer Professorin erwischt werden konnte. Daphne belächelte ihn, als ob es so unglaublich tragisch gewesen wäre, er hatte schließlich den ganzen Tag über seinen Spaß mit Draco gehabt. Was hatte der kleine dumme Junge nur erwartet, fragte sie sich. Liebestrank hin oder her, wie naiv war er denn? Sollte sie mit so einer erbärmlichen Kreatur auch noch so etwas wie Mitleid haben? Nicht das sie wirklich gewusst hätte, was Mitleid bedeutet.

Es bereitete ihr Spaß ihm zuzusehen. Zu gerne hätte sie „Oje, hat jemand die Gefühle des armen, gepeinigten Potterjungen verletzt?" aber besseres Wissens hielt sie sich zurück und genoss die Situation. Das war ganz alleine ihr Werk, sie hatte es offenbar geschafft Harry Potter zu brechen. Den Jungen der lebte zu brechen! Ob er sich jetzt wohl wünschte er wäre zusammen mit seinen Eltern gestorben, weil er plötzlich keinen Wert mehr in seinem Leben sah? Ein Blick auf die Karte riss sie aus ihren Gedanken, ein Punkt näherte sich: Luna Lovegood.

War das nicht diese durchgeknallte Ravenclaw? Was wollte die denn um diese Uhrzeit noch hier.

„Sirius, Sirius.", wimmerte Harry.

Was denn? Jetzt wimmerte er auch noch um den flüchtigen Verbrecher, der ihn umbringen wollte? War er tatsächlich zu feige das selbst zu tun, was war denn das für ein Gryffindor. Daphne rollte mit ihren Augen.

Durch den Umhang beobachtete Daphne wie Luna Lovegood um die Ecke bog. Ihre Augen waren geschlossen. Nur schwer konnte sie sich davor abhalten aufgrund ihrer plötzlichen Erkenntnis loszulachen, das Mädchen schlafwandelte, das war alles.

„Luna?", rief Harry plötzlich mit einer tränenertränkten Stimme.

Das war ja klar, er würde sich jemanden suchen und um Mitleid flehen. Das sah dem Potterjungen ähnlich, wenn Papa Dumbledor nicht da war um „Ei,ei." zu machen, suchte er sich eben jemand anderen. Dabei besaß er auch noch die Frechheit eine Schlafwandlerin zu wecken, hatte ihm niemand gelehrt, dass das nicht gut für die schlafwandelnde Person war.

„Harry? Wo bin ich? Ich bin doch nicht schon wieder schlafgewandelt?", murmelte sie verwirrt.

Sie bemerkte zuerst gar nicht, dass Harry verheult in einer Ecke kauerte, freute sich Daphne. Dann kam offenbar der Moment der Erkenntnis.

„Harry, alles in Ordnung?", stammelte sie.

Was für eine dumme frage, schüttelte Daphne innerlich den Kopf, es war wohl nicht zu übersehen, dass ganz und gar nichts in Ordnung war.

„Was ist passiert?", erschrak sie und stürzte sich beinahe auf ihn.

Wunderbar, dass wird er jetzt bestimmt brauchen, dachte Daphne, nach so einem Erlebnis ist Nähe bestimmt ganz besonders hilfreich. Sie konnte nicht glauben, wie wesen nur so dumm sein könnte. Aber zumindest würde er noch ein bisschen mehr leiden, und sie hätte noch länger ihren Spaß.

Das Gegenteil trat ein, was Daphne ziemlich nervte. Er ließ sich doch tatsächlich in den Arm nehmen und trösten. Er heulte sich sogar noch aus. Das war wirklich deprimierend. Vielleicht hätte sie doch besser den Tantrum-Trank zu sich genommen, das wäre bestimmt eine wesentlich befriedigendere Erfahrung gewesen. Also sah sie wieder auf die Karte, vielleicht war woanders noch irgendetwas Aufregendes im Gange. Tatsächlich sah sie Dumbledor und McGonagall einen Stock über ihnen still stehen. Vielleicht konnte sie so wenigstens ein paar spannende Informationen bekommen.

„Ich habe meine Unschuld verloren.", stammelte Harry plötzlich.

Dann lachte er wie verrückt. Das war schon besser, das zeigte von Charakter, fand Daphne und entschloss sich noch einen Moment zu bleiben.

„Weißt du was mir noch gerade eingefallen ist? Ich habe auch noch die beiden kostbarsten Gegenstände die ich besitze dabei verloren.", schüttelte er sich, weil ihn plötzlich ein kalter Schauer überfiel.

Ja, das hatte er allerdings, dachte Daphne, und mit diesen Schätzen würde sie jetzt noch eine Menge Spaß haben. Als Harry begann Luna unter Tränen die gesamte Geschichte zu erzählen, wurde ihr schlecht. So wie er das darstellte, war das viel weniger grausam und zerstörerisch. Er verhöhnte ihr gesamtes Kunstwerk. Das wollte sie sich wirklich nicht länger anhören.

„Es war als stünde ich unter einem Zauber.", stammelte er.

„Ein Liebestrank, nehme ich an.", überlegte Luna.

Das Mädchen war nicht dumm, das musste ihr Daphne lassen. Vielleicht würde sie sich ihr annehmen, sobald sie von Hermine genug hatte. Hermine war zwar ein Spielzeug mit Potential, aber irgendwann würde sie auch dem überdrüssig werden, und da war es nicht schlecht sich schon rechtzeitig nach einem brauchbaren Ersatz umzusehen.

Dumbledor und McGonagall standen in einer Nische im Korridor. McGonagall wirkte etwas verstört, und Dumbledor zog sie an sich und streichelte sanft ihren Rücken.

„Albus, du weißt nicht was du da von mir verlangst.", schluchzte sie beinahe.

Er gab ihr einen zärtlichen Kuss und sah sie todtraurig an. So war das also, die beiden hatten also wie sie es sich schon länger dachte eine kleine Affäre.

„Du triffst ihn im Eberkopf, denk daran, dass dort immer jemand zur Stelle ist.", versuchte er sie zu beruhigen, „Ich wünschte ich müsste dich nicht darum bitten."

„Ich fürchte mich nicht davor, dass er mir etwas antut. Ich fürchte mich nur vor dem Schmerz, der dann wieder in mir hochkommen wird.", erklärte sie schon etwas stärker.

Dann küsste er sie noch einmal und sie seufzte unglücklich.

„Melde dich bei mir, sobald du zurück bist.", bat Dumbledor.

Mc Gonagall nickte. Das könnte wirklich noch ein Spaß werden, Daphne wollte doch ohnehin in den Eberkopf, um sich Zigaretten zu kaufen, und jetzt könnte sie gleich auch noch herausfinden, was genau denn da so vor sich ging.