Die Faszination des Bösen
Mit ihrem neu erbeuteten Unsichtbarkeitsumhang war es kein Problem McGonagall zu folgen. So musste sie nicht zurück in den Gemeinschaftsraum, um den Geheimgang zu benutzen. McGonagall hatte einen Umhang übergezogen und war nicht mehr zu erkennen. Sie ging zielstrebig auf einen Tisch in der letzten Ecke zu und setzte sich neben eine ebenfalls in einen Umhang verhüllte Gestalt.
„Minerva. Minnie.", meinte die Gestalt mit einer fast unmenschliche Stimme, „Ich wusste du würdest kommen, wenn ich dich darum bitte."
„Was willst du Tom?", fragte sie seufzend.
„Ich hätte etwas mehr von deinem Temperament erwartet, nachdem wir uns so lange nicht gesehen haben. Deine Leidenschaft ist irgendwie dahin. Ich vermute es liegt an dem alten Idioten. Ich verstehe einfach nicht, was du an ihm findest.", entgegnete die vermummte Gestalt.
Daphne beugte sich vor, so dass sie unter die Kapuze sehen konnte. Es war kein menschliches Gesicht. Und da wurde ihr alles klar. Sie hatte genug von ihrem Vater in Erfahrung bringen können, um zu wissen, dass der dunkle Lord in einer nicht wirklich menschlichen Gestalt wieder auferstanden war. Faszinierend, sie stand also Lord Voldemort höchst persönlich gegenüber, und sogar er war machtlos gegen ihre kleinen Spielchen. Aber viel interessanter war, dass McGonagall ihn hier traf, und das noch auf die Bitte von Dumbledor. Das konnte noch äußerst spannend werden.
„Viele Jahre voller Krieg und Verluste von Menschen die ich liebte, lassen davon wohl nichts übrig, Tom.", meinte sie nun außer sich vor Zorn.
„Und doch bist du gekommen. Du bist wirklich ein dummes Weibsbild, Minnie. Glücklicherweise habe ich all diesen menschlichen Müll hinter mir gelassen.", höhnte er.
McGonagall erstarrte offenbar. Ehe noch jemand ein Wort sagte, brachte die Kellnerin zwei Feuerwhiskey.
„Ich habe für dich bestellt, wenn es dir nichts ausmacht.", meinte er abschätzig.
„Wolltest du einfach nur wieder in alten Wunden stochern, Tom.", wurde sie nun noch wütender.
Daphne fand eine weitere Ampulle mit dem Liebestrank in einer ihrer Taschen. Das Gespräch war zwar spannend, aber irgendwie belustigte sie die Vorstellung, dass der dunkle Lord sich Hals über Kopf verlieben würde, und sie tatsächlich die Macht besaß ihn, der so viel Grausames vollbracht hatte, zu verhexen. Wie konnte er auch nur so naiv sein, und einfach so hier auftauchen. Daphne überlegte aber, dass er bestimmt nicht so dumm gewesen wäre, und allein kam. Aber ihr konnte niemand etwas anhaben. Also tat sie, was sie einfach nicht lassen konnte und hielt es noch im selben Moment für einen dummen Mädchenstreich und bedauerte sich selbst für ihren Mangel an wirklicher Genialität.
„Du hast dich kaum verändert. Du bist bitter geworden, aber das ist schon alles.", meinte Voldemort wieder abschätzig.
Darauf hin nahm McGonagall einen kräftigen Schluck vom Feuerwhiskey.
„Dafür hast du dich sehr verändert.", auf diese Worte nahm er ebenfalls einen kräftigen Schluck.
„Etwas seltsames geht hier vor sich.", murmelte er und Daphne erschrak, da es ihr erschien als würde er sie durch den Umhang hindurch sehen.
Doch plötzlich sahen sich beide mit einem Glitzern in den Augen an, dass sogar Daphne selbst beängstigte.
„Minerva, glaub mir, ich hätte gerne wieder einen menschlichen Körper. Weißt du, es ist gar nicht so leicht die ganze Zeit immer nur einen fixen Plan zu verfolgen. Ich habe dich so sehr vermisst. Weißt du was, am liebsten hätte ich ein kleines Haus – naja, vielleicht doch lieber ein gigantisches Anwesen – und wir beide und zwei oder drei Kinder. Das wäre wundervoll. Später würde ich mich vielleicht mehr auf Gartenarbeit spezialisieren."
„Kinder, Tom. Ich wollte immer Kinder. Aber nachdem du verschwunden bist und als etwas wiederkehrtest, das kaum noch menschlich war und du dich dazu entschlossen hast auf die andere Seite zu wechseln.", seufzte sie.
„Ich würde natürlich meine Hobbies nicht aufgeben. Unsere Kinder würden selbstverständlichen schwarze Magie lernen und würdige Nachfolger werden. Sie könnten meinen Plan fortführen.", überlegte er.
„Es ist immer dasselbe mit dir, Tom!", schrie sie und sprang auf wie eine pubertierende Jugendliche.
Daphne sah erschrocken auf die Ampulle. Es war derselbe Trank, den sie nun schon einmal benutzt hatte. Offenbar neigten Menschen die unter diesem Einfluss standen dazu sich der Lächerlichkeit preiszugeben. Und was die verfahrende Beziehung zwischen Voldemort und McGonagall betraf, war der Trank wohl zu schwach.
„Nun tu doch nicht so. Zuerst erledigen wir diesen Potterjungen und dann haben wir unser Leben, das wir uns verdient haben.", erklärte er.
„Du wirst Harry gefälligst in Ruhe lassen!", schimpfte sie.
„Gut, ich würde diese spezielle Sache für dich aufgeben.", gab er kleinbei.
„Ja und die Unsterblichkeit? Die würdest du wohl nicht für mich aufgeben?", wurde sie hysterisch.
„Die können wir doch beide haben. Obwohl es anstrengend wird, wenn du immer so zickig bleibst.", meinte er angestrengt.
„Ach, jetzt bin ich dir wieder zu zickig. Und wenn ich es nicht bin habe ich zu wenig Temperament und bin dir zu öde. Dir kann man es doch wirklich nicht recht machen.", zischte sie und lief auf die Toilette.
„Frauen.", schrie er ihr so nach, dass sie es hören und sich darüber ärgern konnte.
Der Wirt lief ihr nach, also wollte Daphne sehen, was da vor sich ging.
„Minerva. Ist alles in Ordnung? Albus hat mich beauftragt ihn sofort zu verständigen, wenn etwas nicht stimmt.", erklärte Aberforth Dumbledor.
„Nein, ich habe mich nur etwas aufgeregt. Es ist alles in Ordnung."
„Wenn das so ist, würde ich auch noch gerne erwähnen, dass wir gestern eine Razzia hatten, Drogen betreffend, und wir herausfanden, dass ein Geheimgang hinter dieser Kabine vermutlich nach Hogwarts führt.", erklärte er.
„Ich werde veranlassen, dass Albus das erfährt. Ist jemand hinein gegangen?", fragte sie.
„Nein, offenbar öffnet er nur für bestimmte Leute.", erklärte Aberforth.
„Gut, dass sie als sein Bruder hier zur Stelle sind.", meinte sie dann, „Aber ich sollte ihn nicht zu lange warten lassen."
Der Wirt war also Dumbledors Bruder! Daphne erschrak und besann sich sämtlicher Aufenthalte im Eberkopf. Nein, er konnte sie unmöglich erkannt haben. Nun musste sie sich aber leider einen neuen Platz suchen, an dem sie zu ihren Drogen kam. Das war vielleicht nervig. Aber bald hätte sie den Appartierschein, und dann könnte sie von Hogsmeade aus jeden x-beliebigen Ort aufsuchen. Damit tröstete sie sich über diesen Verlust hinweg.
Zu gerne hätte sie noch dem Streit von Voldemort und McGonagall gelauscht, aber sie musste den Gang jetzt nehmen, ehe es zu spät war. Nach ihrer Einschätzung würden sie ohnehin nur noch ein bisschen zanken und dann naiv beschließen den Rest ihres Lebens miteinander zu bringen. Oder eben den Rest der Ewigkeit, je nachdem wer diesen Streit gewann.
Am Weg aus dem Geheimgang sammelte sie ihre zweite Garderobe, die hier im Gang lagerte, ein. Zurück im Badezimmer fand Daphne ihren Zigarettenstummel und hatte eine glorreiche Idee, als sie nicht unweit davon Blaises Lippenstift fand. Sie behexte den Stummel so, dass sämtliche DNA – Spuren darauf verschwanden. Sie hatte sowohl an den Speichel, als auch an verbrannte Haut und ihre Fingerabdrücke gedacht. Letztere entfernte sie, nachdem sie den Stummel in den Geheimgang geworfen hatte. Dann behexte sie den Lippenstift so, dass DNA – Spuren von Blaise sich schließlich auf dem Zigarettenstummel befanden. Ihr Vater hatte ihr das genauestens erklärt. In der DNA befand sich auch eine Art magische Essenz, die leicht zuzuordnen war. Mit den Sprüchen die er ihr gelehrt hatte, würde niemand je erfahren, dass sie es war, die diese Zigarette geraucht hatte. Die Tür hatte sie nie mit bloßer Hand berührt. Das geniale an den Sprüchen war, dass sie selbst sowenig Zauberessenz besaßen, dass sie praktisch nicht mehr nachweisbar waren. Es war ein Vorteil, wenn wesen einen äußerst kriminellen schwarzen Magier zum Vater hatte. Dieses Wissen würde sie nun im Notfall schützen.
Den Umhang und die Karte ließ sie in ihrem Tresor verschwinden. Das gute an diesem Tresor war, dass er nicht gefunden werden konnte, da er durch schwarze Magie behext praktisch in Hogwarts nicht existierte. Hier lagerte Daphne auch ihren zweiten Zauberstab. Es war unerlässlich ein Duplikat zu besitzen, immerhin könnten die Zauber die sie damit verrichtete hätte, nachgewiesen werden.
Als sie schließlich bereits in ihrem Bett lag, ging alles sehr schnell. Plötzlich wurde das Licht in ihrem Zimmer angemacht.
„Aufwachen, Miss Greengrass.", hörte sie die erzürnte Stimme ihres Hauslehrers Severus Snape.
„Professor…", murmelte sie und stellte sich schlaftrunken.
„Es tut mir leid sie wecken zu müssen, aber es gab einen Vorfall.", erklärte er und verließ den Raum, so dass sie sich einen Morgenmantel überziehen konnte.
Im Gemeinschaftsraum standen bereits Draco, Blaise und Theodor aus ihrem Jahrgang. Pansy, Millicent, Vincent und Gregory waren die letzten, sie wurden von den Professoren beinahe aus dem Zimmer geschleppt. Sowohl Dumbledor, als auch McGonagall waren anwesend.
Offenbar hatte Dumbledor erkannt, dass McGonagall unter einem Liebeszauber stand, denn sie hatte wieder ihren üblichen strengen Blick.
„Jemand in unserer Schule hat verbotenerweise einen Liebestrank hergestellt und verwendet. Da ein Geheimgang zum Eberkopf der in dem Badezimmer der Slytherin Mädchen endet entdeckt wurde, liegt die Vermutung nahe, dass jemand aus diesem Haus dafür verantwortlich ist.", klärte Snape die verschlafenen Schüler und Schülerinnen auf.
Schließlich wurde das Bad inspiziert, eine Siebtklässlerin wurde darum gebeten den Geheimgang zu öffnen, als die Professoren und Professorinnen erkannten, dass nur Slytherin Mädchen ihn öffnen konnten. Snape war aufgebracht, als er den Zigarettenstummel fand. Daphne hatte es ihnen sogar unerhört leicht gemacht, da auch Blaises Lippenstift im Bad gefunden wurde, und am Stummel die gleiche Farbe klebte.
„Wem gehört dieser Lippenstift?", meinte Snape mit bedrohlicher Stimme, „Und gestehen sie es besser sofort!"
Blaise hob die Hand.
„Schön, alle außer den Sechstklässlern sofort zurück in die Betten.", beorderte Snape.
Daphne war verwundert, dass die gesamte Klasse bleiben musste, aber sie nahm an, es hatte etwas mit der Trinkorgie zu tun.
„Ich bin sehr enttäuscht von ihnen!", begann Snape schließlich, „Miss Bulstrode, Mr Crabbe, Mr Goyle und vor allem von ihnen Miss Parkinson, einer Vertrauenschülerin, ich hätte das wirklich nicht erwartet. Feuerwhiskey ist in unserer Schule verboten. Außerdem befanden sie beide, Miss Parkinson und Miss Bulstrode, sich nicht in ihren Zimmern. Ich werde jeden von ihnen für dieses Verhalten 50 Punkte abziehen und sie werden alle nachsitzen."
Dann wandte er sich an Blaise.
„Nun, haben sie irgendetwas zu diesem Vorfall zu sagen, Zabini?"
Sie schwieg. Wie Daphne vermutete, hatte Blaise den Geheimgang tatsächlich benutzt, und sie war auch Raucherin.
„Haben sie den Gang heute Abend benutzt?", fragte er nun weiter.
Sie schüttelte den Kopf.
„Ich nehme an sie waren den ganzen Abend bei ihr, Mr Nott?", meinte er giftig.
Theodor nickte.
„Ihnen beiden ziehe ich auch jeweils 50 Punkte ab.", dann wandte er sich an Albus, „Sie sehen, offenbar hat sich ihr Verdacht als unbegründet erwiesen."
Verwundert sahen ihn alle an, nur Daphne ahnte, dass Dumbledor eins und eins zusammengezählt hatte, und vermutete eine von ihnen hätte McGonagall den Trank untergemischt. Vermutlich hatte sich Harry in seinem Kummer an Dumbledor gewandt. Daphne fiel es schwer nicht zu grinsen, als sie an sein bemitleidenswertes Verhalten dachte. Aber sie musste sich nun wirklich zusammenreißen.
Snape nahm Greg, Vin, Millie und Pansy genauer unter die Lupe. Sie konnten alle vier kaum aufrecht stehen, und Pansy war extrem blass und hielt sich an Millie fest.
„Sie waren nach dem Vorfall im Mädchenschlafraum in ihrem Bett, Mr Malfoy?", fragte Snape weiter.
Spätestens jetzt war für Daphne klar, dass Harry bereits bei Dumbledor gewesen sein musste.
Draco nickte, er wurde ganz blass. Es war ihm höchst unangenehm, dass die Professoren und Professorinnen von der Geschichte erfahren hatten.
„Und wo genau befanden sie sich, Miss Greengrass?", fragte er nun Daphne.
„Ich habe ein Bad genommen.", meinte sie unbeeindruckt.
Es hatte keinen Sinn ihre Lügengeschichte jetzt noch zu ändern, auch wenn der Geheimgang doch aus dem Bad führte.
„Ich bin entsetzt, dass sie den Zauber gebrochen haben, der es Jungen unmöglich macht die Mädchenschlafsäle zu betreten. Ich kann zwar nicht mit Sicherheit sagen, dass es jemand aus ihrer Klasse war, aber Slytherin wird dafür 70 Punkte abgezogen. Es ist wirklich eine Schande für dieses Haus, ich glaube sie haben heute Nacht wirklich den Rekord, was Abzüge betrifft gebrochen.", wurde er zornig.
„Was haben sie dann gemacht, Miss Greengrass?", schaltete sich nun Dumbledor ein.
„Ich kam aus dem Bad und da traf ich Draco. Er kam gerade aus dem Mädchenschlafsaal.", erklärte sie, „Wir haben uns dann noch eine Weile unterhalten."
„Können sie das bestätigen, Malfoy?", fragte nun wieder Snape.
„Ja, wir haben bestimmt noch eine gute Stunde miteinander gesprochen, ehe wir beide in unsere Betten gingen.", erklärte Draco unwahrheitsgemäß.
Daphne verstand nicht ganz, weshalb er die Dauer ihres Gespräches in die Länge zog, aber vermutlich befürchtete er, dass es als Alibi nicht ausreichen würde, zu behaupten, er habe einfach nur geschlafen.
„Wir würden gerne noch einen Blick auf den Schlafsaal der 6.Klässlerinnen werfen, ein gewisser Schüler vermisst einige Kleidungsstücke.", meinte Snape beinahe belustigt.
Snape schickte Vin, Greg, Blaise und Theodor in ihre Zimmer. Millicent, Pansy, Daphne und Draco mussten die Professoren und die Professorin begleiten.
„Wissen sie wo die Kleidungsstücke von Mr Potter sind, Malfoy?", fragte Snape direkt.
Draco senkte den Blick.
„Ich habe sie aus dem Fenster geworfen. Ich war in Rage!", versuchte er sein Verhalten zu rechtfertigen.
Dumbledor sah zum Fenster hinaus, und sah dort ein T-Shirt, Socken und einen Schuh. Danach sahen sie sich im Zimmer um, und McGonagall wurde neben Pansys Bett fündig. Sie öffnete eine Büchse und ging zu Snape.
„Sie kennen diese Kräuter?", fragte sie wohlwissend worum es sich handelte.
„Miss Parkinson! Sie haben diesen Liebestrank gemischt!", fuhr er Pansy an, die daraufhin zu heulen begann.
Durch den vielen Alkohol hatte sie offenbar ohnehin schwache Nerven.
„Ich wollte doch nur, dass Draco mich wieder wirklich liebt.", schluchzte sie.
Daphne krümmte sich innerlich vor lachen, als ob Draco sie jemals wirklich geliebt hätte. Für Daphne war es höchst erfreulich, dass sich auch noch herausstellte, dass Pansy tatsächlich einen Liebestrank gebraut hatte.
„Sie dummes Mädchen! Sie sollten wissen, dass Liebestränke meist ungeahnte Folgen haben. Sie haben zu verantworten, dass Mr Malfoy und Mr Potter, entsetzliche Dinge widerfahren sind! Ich hoffe ihr schlechtes Gewissen wird sie noch lange plagen. Slytherin verliert auch dafür 70 Punkte. Auch kann ich nicht ausschließen, dass sie der Schule verwiesen werden. Bis wir beschlossen haben was nun mit ihnen passiert werden sie jeden Abend zwei Stunden bei mir nachsitzen. Ich werde ihnen das Brauen verbotener Tränke schon noch austreiben.", fuhr Snape sie ungehalten an.
Dumbledor packte ihn an der Schulter und deutete ihm sich zu beruhigen.
„Was ist denn eigentlich genau los?", wollte Draco dann wissen.
„Das sollten sie doch am besten wissen. Es tut mir ausgesprochen leid, dass sie Opfer einer Liebeskranken werden mussten. Wenn sie darüber sprechen wollen, oder gerne ihre Eltern sehen würden, können sie jeder Zeit zu mir kommen, Draco.", meinte Snape dann verständnisvoller als üblich, „Ich möchte sie ohnehin noch alleine sprechen, ehe sie zu Bett gehen."
Snape nickte den Mädchen missmutig zu, ehe er mit Draco den Raum verließ. Auch McGonagall und Dumbledor wünschten ihnen eine gute Nacht und verschwanden. Pansy heulte weiterhin, und Daphne zog die Vorhänge ihres Bettes zu. Pansys Gewimmer war ideal um einzuschlafen. Sie fand es wirklich bedauerlich, dass die Professoren und Professorinnen Pansy tatsächlich zutrauten, sie könne einen derart komplexen Trank wie den Liebestrank brauen. Daphne freute sich schon auf den nächsten Tag, bestimmt würde sich Pansy noch wesentlich elender fühlen, wenn sie erst erfahren hätte, was genau sie angeblich mit ihrem Trank angerichtet hatte.
Außerdem würden ganz besonders die Siebtklässler und Siebtklässlerinnen ausgesprochen wütend darüber sein, wie viele Punkte sie heute Abend verloren hatten. Auch das könnte noch durchaus ein Spaß werden.
Als Daphne dann an den Tantrum-Trank dachte, musste sie zugeben, dass er wahrscheinlich eine bessere Wahl gewesen wäre. Insgesamt war die ganze Geschichte doch wenig spannend. Wie immer hatten die Professoren und Professorinnen es geschafft alles viel zu sehr herunterzuspielen. Snape hatte nicht einmal einen richtigen Anfall bekommen, weil Dumbledor ihn zurückhielt. Außerdem war McGonagall wieder von der Wirkung des Trankes befreit. Zumindest konnte sie sich schon einmal darauf freuen morgen Harrys unglückliches Gesicht zu sehen, aber vermutlich würde er ihr alles dadurch verderben, dass er die Geschichte dazu benutzen würde, um Mitleid zu heischen. Der Potter Junge hatte es ja schon immer geschafft aus seinem Leid auch noch Profit zu schlagen. Für die nächsten Tage musste sie sich wirklich etwas Besseres überlegen.
Da kam ihr der Honig der Palma Christi in den Sinn. Das wäre bestimmt ein geeignetes Frühstück.
Genüsslich schmierte sich Daphne am Tisch der Slytherins ihr Brot. Sie hatte sich so positioniert, dass sie einen perfekten Ausblick auf den Tisch der Gryffindors hatte. Bedauerlicherweise war Harry noch nicht aufgetaucht. Bestimmt würde sich Potter bei seinen Freunden ausheulen und gar nicht erscheinen. Aber immerhin hatte sie ja noch ihren Honig und es gab genug andere Menschen deren Leben sie zerstören konnte. Auf den einen kam es da gar nicht an.
Sie nahm ein paar Bissen und fragte sich, wie lange es wohl dauern würde, bis die Wirkung eintrat. Eigentlich hätte sie besser daran getan ein paar wirkungsintensive Tränke zu brauen, dieser Honig war bestimmt nur eine sehr mäßige Alternative. Auch Pansy war nicht anwesend. Als Draco sich neben sie setzte, ahnte sie schon, was geschehen war.
„Du hast ihr gesagt, was passiert ist, nicht wahr?", fragte Daphne und nahm noch einen Bissen.
„Ich habe der kleinen Schlampe gesagt, dass sie dafür noch büßen würde.", meinte er und nahm sich selbst ein Brot, „Sie wird leiden, das schwöre ich dir. Ich werde ihr das Leben zur Hölle machen."
Dracos Blick war ausgesprochen finster. Bestimmt hatte er gestern abend auch noch mit Snape gesprochen und dafür gesorgt, dass seine Eltern unter keinen Umständen von diesem Vorfall erfahren würden. So wie Daphne seine Eltern kannte, war das auch besser so, bestimmt hätten sie ihm Vorwürfe gemacht und auf ihn herabgesehen. Daphne speicherte in ihrem inneren Protokoll ab, bei Zeiten dafür zu sorgen, dass Lucius und Narcissa Malfoy erfuhren, was zwischen ihren Sohn und Potter vorgefallen war. Sie liebte es Draco zu sehen, wenn seine Eltern mit ihm fertig waren. Lucius Malfoy war vermutlich der einzige, der Draco wirklich etwas anhaben konnte und diese Tatsache genoss Daphne.
„Willst du einen Bissen?", fragte Daphne ihn dann mit einem verschwörerischen Lächeln.
„Neuerdings nimmst du deine Drogen auch schon am Frühstückstisch zu dir? Das ist ja hoch interessant.", tat er etwas herablassend, nahm dann aber einen Biss.
„Potter.", meinte Daphne plötzlich, und Draco verschluckte sich beinahe.
„Musstest du mich darauf hinweisen, da vergeht mir gleich das Essen.", meinte er würgend.
Daphne warf ihm einen belächelnden Blick zu.
„Du musst das ganze einmal von einer positiven Seite aus betrachten, Draco. Sieh dir doch mal Potter an, ist es nicht der Zustand in den du ihn immer schon gerne einmal sehen wolltest? Völlig am Ende?", fragte ihn Daphne.
„Natürlich wollte ich das, aber ich hätte mich dabei gerne besser gefühlt.", ärgerte er sich über ihre Worte.
„Du musst noch vieles lernen Draco! Für manche Dinge müssen eben Opfer gebracht werden."
„Malfoys bringen keine Opfer, sie erreichen immer was sie wollen.", meinte er stur.
„Ach so. Dann musst du die Ereignisse einfach nur geeignet interpretieren. Du hast Potter auf das ärgste erniedrigt, er lag unter dir und sein Körper war ganz dein. Was willst du mehr, Draco? Ist das nicht eine der grausamsten Arten um seinen Feind zu demütigen?", meinte sie mit einem finsteren Lächeln und schmierte sich ein weiteres Brot.
„Ich glaube die Drogen vernebeln langsam deinen Verstand. Du wirst langsam wahnsinnig.", schüttelte er den Kopf.
Erst nachdem sie eine Weile schwiegen, sickerten Daphnes Worte in Dracos Bewusstsein. Unterdessen war sie damit beschäftigt Harry zu beobachten. Er war ausgesprochen blass und nahm keinen Bissen von seinem Teller. Hermine und Ron saßen links rechts von ihm, und versuchten für ihn da zu sein. Als dann auch noch Luna zu ihnen stieß, wandte sie sich ab. Es hätte viel mehr Spaß gemacht, wenn Potter einsam am Tisch gesessen hätte, und sein Leid in sich hineingefressen hätte. So war es nur eine belanglose, von Mitleid verseuchte, Episode. Bestimmt würde auch Hermine nun weniger Zeit für die Lerngemeinschaft aufbringen. Irgendwie musste es ihr gelingen, dass sich seine Freunde und Freundinnen von Potter abwandten. Das klang nach einer neuen, spannenden Unterhaltung, die vielleicht sogar einige Wochen in Anspruch nehmen könnte. Währenddessen könnte sie Draco dabei zusehen, wie er Pansy systematisch fertig machte und in den Wahnsinn trieb.
„Du hast Recht, Daphne. Wieso bin ich nicht selbst darauf gekommen, ich kann Potter jetzt noch viel besser fertig machen. Ich muss ihn nur immer wieder schmerzhaft daran erinnern, dass ich stöhnend auf ihm lag und er mir vollkommen verfallen und untergeben war.", fand Draco nun gefallen an Daphnes Ansichten.
Sie grinste ihn nur noch an, langsam begann der Honig zu wirken. Sie fühlte sich enorm entspannt und unbekümmert. So ließen sich die heutigen Stunden bestimmt überstehen. Vor allem Wahrsagen, das gleich nach dem Frühstück wäre, würde bestimmt ganz unterhaltsam werden.
Am Abend saß Daphne gelangweilt im Gemeinschaftsraum. Die Wirkung des Honigs hatte bereits beim Mittagessen so stark nachgelassen, dass sie den gesamten Rest aufgebraucht hatte. Da sie vorhatte den Tantrum-Trank heute Abend zu verwenden, hatte sie beschlossen bis dahin keine Drogen mehr zu konsumieren, schließlich würde sie jetzt eine Weile keinen Nachschub aus dem Eberkopf bekommen, ohne Gefahr zu laufen, vielleicht doch noch aufzufliegen.
In letzter Zeit waren all ihre Aktionen viel weniger befriedigend gewesen als sonst. Schon seit einer Weile liebäugelte sie mit dem Gedanken den Todessern und Todesserinnen beizutreten, aber irgendwie hatte sie keine konkrete Vorstellung wie sie das anstellen konnte. Vielleicht würde sie es in den Weihnachtsferien schaffen, sich mit Lucius Malfoy zu treffen. Da er wieder einmal behauptet hatte, mit dem Imperius-Fluch belegt worden zu sein, war er auf freiem Fuß und möglicherweise konnte sie über ihn eine Anhängerin Voldemorts werden. Schließlich brauchte sie eine Steigerung in ihrem Leben, ihre Schülerinnen-Streiche – wie sie es bei sich selbst nannte - wurden langsam wirklich öde.
Pansy kam in Begleitung von Millicent aus ihrem Zimmer, sie setzten sich an ein kleines Tischchen. Daphne war begeistert davon, wie blass sie aussah. Sie war richtig erschüttert. Vermutlich ahnte sie bereits, was in den kommenden Wochen auf sie zukommen würde. Es war nie sehr ratsam, sich einen Malfoy zum Feind zu machen.
Mittlerweile wussten alle in Slytherin von dem Vorfall, und auch davon, dass Pansy mit einer Verwarnung und einer Vielzahl von Strafen davon gekommen war. Eigentlich schade, die vielen Strafen würden sie viel zu lange vom Gemeinschaftsraum fernhalten, und Daphne war sich sicher, dass hier der Albtraum für sie erst beginnen würde.
Wie erhofft, kam wenig später Draco in den Gemeinschaftsraum, mit einem gemeinen Grinsen kam er auf Pansy zu und blieb hinter ihr stehen. Er legte die Hände auf ihre Schultern, worauf sie zusammenzuckte. Daphne leckte sich aufgeregt die Unterlippe. Pansy so traumatisiert zu sehen war wirklich ein Geschenk.
„Du bist jetzt Freiwild, Pansy. Alle hier in Slytherin wissen, dass du eine kleine Schlampe bist und sie mit dir machen können, was immer ihnen gefällt.", sagte Draco in einem finsteren Tonfall zu ihr.
Daphne konnte sehen, dass sich Pansy nur schwer die Tränen zurückhalten konnte. Bestimmt würde sie in den Weihnachtsferien nachhause flüchten und den Ball nicht besuchen. Wie schade, dort wäre es bestimmt auch sehr lustig geworden.
Es dauerte unerhört lange, bis Pansy in dieser Nacht endlich einschlief. Sie heulte sich in den Schlaf. Daphne war schon ausgesprochen genervt, da sie endlich den Tantrum-Trank probieren wollte. Als sie Pansys Schnarchen vernahm – durch die vielen Tränen war sie verschnupft – ließ sie ein paar Tropfen hinüber zu ihr ins Bett schweben. Sie fielen direkt in ihren Mund. Daphne beobachtete noch, wie sie sich kurz irritiert im Schlaf hin und her wand. Dann schloss sie mit Magie die Vorhänge der beiden Betten.
Sie hatte heute noch in der Bibliothek nachgeschlagen – Professor Snape hatte ihr den Erlaubnisschein ausgestellt, da er dachte, es wäre für ein Projekt in Zaubertränke unerlässlich für sie die verbotene Abteilung der Bibliothek aufzusuchen – und sie wusste nun, das 3 Tropfen ihr gewöhnliche Albträume bescheren würden, 5 Tropfen sie schon ziemlich grausame Träume haben lassen würden, 7 Tropfen ihr auch noch die nächsten Tage sehr zusetzen würden und 9 bis 11 Tropfen die oberste Grenze waren. Über 9 Tropfen konnten sie den Verstand kosten, und über 11 vielleicht sogar das Leben. Also beschloss sie neun zu nehmen – Pansy hatte sie 7 gegeben – sie ging schließlich gerne an die Grenze.
Der Trank schmeckte bittersüß, was für ein passender Geschmack, wie sie fand. Sie verstaute ihn wieder im sicheren Versteck und lehnte sich dann entspannt zurück. Innerhalb einer viertel Stunde würde die Wirkung eintreten.
