Titel: „In Favor of the Morning Star"
Status: WIP; Prolog Part 2
Word Count: 1903
Disclaimer: siehe Part 1
Rating: T +
Warnung: das Übliche für Team Hell Fans^^
Kommentar: R&R please! Viel Spaß beim Lesen!
Prologue II: In the Beginning, there was a Woman on Fire...
02. November 1983 - Lawrence, Kansas
Sechs Monate, seit sie ihn das erste Mal im Arm gehalten und vergöttert hatte - doch sie würde dieses Anblicks niemals müde werden. Lächelnd beugte sich Mary Winchester über das Gitterbettchen ihres jüngsten Sohnes: „Gute Nacht, mein Schatz." Darauf bedacht den kleinen Racker nicht zu wecken, küsste sie Sam vorsichtig auf die Stirn.
Ein greller Blitz erhellte das Kinderzimmer, zuckte über Möbel und Spielzeug. Donner folgte Sekunden später, vibrierte durch das Fundament des Hauses. Mary fuhr zusammen und wandte dem Fenster fröstelnd den Rücken zu.
Ein Schemen lehnte lässig im Türrahmen: „Hey - wo ist Dean?"
„Im Bett. Er ist gerade wieder in seiner 'Ich kann meinen kleinen Bruder nicht ausstehen' - Phase." Mary brachte eine beeindruckende Nachahmung von Dean's Schmollmund zustande und lachte leise, als John die Augen verdrehte. „Aber wir wissen ja beide, dass darauf 'Ich bin vernarrt in Sammy' folgt."
Johns Lächeln hatte etwas gequältes. Mary nahm seine Hand in ihre und drückte sie beruhigend: „Er ist 4 Jahre alt, John. Das ist völlig normal - und ich glaube, er ist sowieso einfach nur gerissen..." „Was meinst du?"
„Nun - Dean liebt Eiscreme. Und ein gewisser Jemand hält Bestechung für eine probate Erziehungsmethode...," Mary warf ihm einen vielsagenden Blick zu, während sie das Nachtlicht anknipste und dem Mobile einen sanften Stoß gab. Die ersten, hellen Töne eines Schlafliedes kämpften gegen den draußen tobenden Sturm an.
John verschränkte die Arme vor der Brust und setzte eine Unschuldsmiene auf: „Wer würde denn so etwas tun?"
Sie musste zugeben, sein entrüsteter Ton klang beinahe überzeugend und lachte leise: „Die üblichen Verdächtigen in diesem Haus." Mary machte das Licht aus und schubste ihren Mann mit sanfter Gewalt auf den Flur. „Träum was schönes, Sammy."
Ein starker Arm wand sich um ihre Taille und zog sie weg vom Kinderzimmer. „Gute Nacht, Sam."
BREAK
Der leuchtende Mond in der Steckdose war die letzte Lichtquelle im Zimmer. Alles jenseits davon lag in tiefen, drückenden Schatten.
„Heute Nacht ist es endlich soweit. Und, ah - der große Meister versauert hier auf Daddys Befehl, als Babysitter... Wie fühlt sich das an, wenn man den menschlichen Gestank gar nicht mehr los wird?" Es war schwer zu sagen ob die körperlose Stimme grausam spöttisch oder doch eher seltsam mitleidig klang.
„Sie schlafen jetzt beide." Keine Antwort, eine sachliche Feststellung.
Ein verächtliches Schnauben und dann schwand ein Teil der erstickenden Präsens und nahm etwas von der Dunkelheit mit sich.
BREAK
Das Schlaflied war längst verstummt, doch als die Clowns des Mobiles sich wild im plötzlichen Windhauch drehten, ertönten ein paar zittrige Noten. Sie erstarben zusammen mit dem Ticken der Wanduhr.
Nichts anderes war zu hören als das Rascheln der Blätter im Sturm und das Kratzen von dünnen Zweigen an der Fensterscheibe.
Unruhig wand sich Sam in seinem Strampelanzug hin und her, knautschte sein Gesichtchen zu einer skeptischen Miene. Seine riesigen Augen, noch absolut babyblau, starrten fasziniert auf den Schemen, der wie aus dem Nichts an seinem Bettchen stand. Glucksend streckte er seine Ärmchen aus und patschte mit geballten kleinen Fäusten in die Luft.
Azazel's gelbe Augen leuchteten auf, als er breit lächelnd seine weißen, spitzen Zähne entblößte. Die Geste hatte nichts freundliches. Der Dolch in seiner Hand weckte einfach nur... süße Erinnerungen. An eine Kirche voller Blut und toter Nonnen, an Schreie, wie Musik in den Ohren.
Die leicht gebogene Spitze drang tief ins weiche Fleisch seiner Hülle, ritzte eine dünne Linie. Schnell sammelte sich schwarze Flüssigkeit in seiner Handfläche, verströmte den vertrauten Geruch nach Blut und Schwefel...
Heimat.
Azazel ließ die Wunde heilen und das dunkle... Taufwasser zäher werden. Erst dann ballte er die Hand zur Faust und ließ die Flüssigkeit seinen ausgestreckten Zeigefinger hinablaufen. Ein dicker Tropfen sammelte sich an der Kuppe, bis er endlich der Schwerkraft gehorchte und in den Mund des quietschenden Babys fiel. Klein-Sammy schluckte gierig.
Verspätet, wie es bei ganz kleinen Kindern der Fall war, erkannte er den bitteren Geschmack und fing prompt an, zu weinen...
BREAKMary warf sich unruhig hin und her in ihrem warmen Bett. Albträume hielten sie in ihrem Klammergriff. Ein lautes Knacken riss sie aus dem Schlaf.
Sechs Monate Konditionierung zeigten ihre Wirkung: Sofort warf sie ihre Decke zur Seite und griff nach dem Babyfon auf ihrem Nachttisch. Statik war alles, was sie hören konnte. Stirn runzelnd drehte sie am Regler und überprüfte die Batterien. Ohne Erfolg. Da sie ohnehin wach war, würde sie schnell nach Sam sehen und dann das Ersatzgerät raus suchen.
John war gerne auf alles vorbereitet. Mary schnaubte, unterdrückte ein Gähnen und schlüpfte in ihre pinken Pantoffeln. Wenn es nach ihm ginge würden sie technische Gerätschaften nur noch paarweise kaufen.
Der dicke Teppichboden schluckte das Geräusch ihrer Schritte, als sie bis zum Ende des Flurs tappte. Mary rieb sich schaudernd die Arme - irgend etwas an der Stille im ersten Stock war zu erdrückend...
Alte Instinkte rissen sie aus ihrem Halbschlaf, als die Lichter zu flackern begannen.
Sie rannte die letzten Meter. Die Tür war offen und - ein Mann beugte sich über Sam's Bettchen. Er wandte ihr den Kopf zu, seine Augen gelbe Punkte im Dunklen.
„Oh Gott! Sammy -" Etwas unsichtbares packte sie. „John!"
Mary wurde so hart nach vorne gerissen, dass ihr Schrei in einem Stöhnen erstickte.
Das Knallen der Tür war endgültig.
BREAK
Warm.
Ihm war ganz warm in diesem Licht. Es war hell, überall um ihn herum - und so friedlich. Wie Sommer und Sonne, auf dem Rücken im Gras liegen und zum blauen Himmel schauen.
Er mochte diesen Traum.
„Wach auf, Dean. Heute ist die Nacht...," flüsterte eine tiefe Stimme.
Sie war ganz nah und doch weit weg, freundlich und - traurig?
Keuchend fuhr Dean hoch in seinem Bett.
BREAK
Panzergranaten schlugen dröhnend in die feindlichen Stellungen und rissen John aus dem Schlaf. Einen Moment lang starrte er blicklos auf die Mattscheibe, doch ein Poltern aus dem ersten Stock machte ihn endgültig wach.
„Mary?" John setzte sich im Sessel auf und lauschte angespannt, den Kopf zur Seite geneigt; doch alles blieb still. Er fischte die Fernbedienung vom Boden und schaltete den Kriegsfilm stumm.
Die Lampen in der Vitrine flackerten mehrmals, als draußen schwerer Donner grollte. Der Fernseher ging mit einem dumpfen „zipp" aus. John stand auf, reckte sich, bis seine Knochen knackten und löschte das Licht. Dieser Fingerzeig war so gut wie jeder andere. Zeit, ins Bett zu gehen.
Als er die Treppe hoch kam, zog ihn ein laut giggelndes Quietschen zu Sam's Kinderzimmer. Mit einem breiten Lächeln öffnete er die Tür, den Blick sofort wie magisch angezogen auf das Bettchen gerichtet, in dem sich der kleine Wurm wand. Er brabbelte, als er das vertraute Gesicht sah. „Hey Sammy, warum so aufgedreht, Sportsfreund?"
John beugte sich hinunter, um den Kleinen vorsichtig auf die Arme zu nehmen. Normalerweise schlief er schnell wieder ein, wenn man nur etwas mit ihm hin und her ging.
Doch in dem Moment fiel etwas auf seine ausgestreckte Hand.
Ein roter Tropfen, dann noch einer... Stirn runzelnd sah er hoch: „Was zum -"
Mary. Über ihm. An der Decke.
Wie ein aufgespießter Schmetterling. An die Zimmerdecke gepresst.
Arme und Beine grotesk verrenkt.
Das weiße Nachthemd liegt eng an dem schlanken Körper.
Ein roter Fleck, der Stoff durchtränkt.
Die blonden Haare eine goldene Aura um ihr Gesicht; Augen und Mund weit aufgerissen.
Panik, Entsetzen, Schmerz...
Blut.
Ihr Blut tropft warm auf seine Stirn...
Es ist nicht real!
John stolperte zurück, das Bild ein Schlag mit betäubender Wucht. Instinktiv klammerte er sich an dem Gitterbett hinter sich fest. „Nein! Mary!"
Hinter ihrem Körper explodiert ein Flammenmeer, züngelt in Wellen über die Decke, frisst sich in den Baumwollstoff, ihr Haar - ihr Fleisch...
Der Geruch von faulen Eiern breitet sich aus, vermischt mit...
Sammy schreit und weint, das zittrige Stimmchen schrill.
John kann wieder denken, genug, um seinen kleinen Sohn samt Decke zu packen. Schützend, gegen die Flammen, die Hitze, hält er es nahe an seiner Brust und rennt auf den Flur.
Nur weg von - aber es ist Mary!
„Dad!" Dean steht im Schlafanzug am Treppenabsatz. Seine grünen Augen beobachten verwirrt den Rauch, der aus dem Kinderzimmer quillt.
John drückt ihm ohne zu zögern das kleine Bündel in die Arme: „Dean, nimm Sammy und bring ihn nach draußen, so schnell du kannst!" Sein Sohn ist wie erstarrt; er gibt ihm einen kleinen Schubs: „Na los, lauf!" Ungeschickt presst Dean seinen kleinen Bruder an sich und läuft die Treppe hinunter, so schnell ihn seine kurzen Beine tragen.
John macht kehrt, doch er kommt nicht mal mehr in die Nähe der Türschwelle. Hitze und Flammen schlagen ihm entgegen. Stoffkaninchen und Bilderbücher brennen, das Bett, die Möbel, die Gardinen, knisternd und knackend verschlungen. Der Teppich zu seinen Füßen verkohlt zu einer stinkenden Matte aus geschmolzenen Fasern.
Für eine Sekunde hätte John geschworen, einen Schemen zu sehen, hochgewachsen, schlank, neben dem Fenster -
Doch Mary, schwarz, sein blonder Engel - fällt von der Decke...
„Oh Gott! Mary! Nein!"
Ein Windstoß aus dem Nichts schmettert ihn weg von der Tür, zurück in den Flur. Klirrend geht das Porträt von Marys Eltern zu Bruch, als er gegen die Wand prallt und benommen liegen bleibt.
BREAK
Dean rennt so schnell er kann aus dem Haus, getrieben von den Worten seines Vaters, den Flammen, dem warnenden Wispern - und den Schreien...
Keuchend hält er auf dem feuchten Rasen an, nur, um kurz Luft zu holen. Sammy droht, aus seinem Griff zu rutschen und er packt fester zu.
Nicht zu doll; mit Babys muss man vorsichtig sein...
Etwas knackt laut, fast wie der Teller von heute morgen. Es ist das Fenster hoch über ihm, hinter dem es orangerot flackert. Dort bewegt sich etwas, im Feuer.
Es schaut, ist zu nah...
Dean's Hände sind nass, verlieren den Halt und Sammy wird schwerer. Schnell läuft er weiter, bis zur Straße. Wie er es gelernt hat schaut er nach rechts und links, bevor er hinüber läuft. Es kommt kein Auto, kein Scheinwerfer im Dunkeln, aber die Nachbarn stehen vor den Türen; rennen herbei.
Eine Sirene heult und kommt näher, als Dean sich vorsichtig auf die Bordsteinkante setzt und Sammy sicher auf den Schoß nimmt. Er sieht, wie sein Vater aus dem Haus gestürzt kommt, verfolgt vom Qualm und hört die Panik in seiner Stimme: „Dean! Sammy!"
„Daddy!" Dean's helle Stimme übertönt den Lärm und er winkt mit seiner freien Hand, erleichtert, das Daddy zurückgekommen ist.
Starke Arme ziehen ihn in eine Bärenumarmung, doch Dean sieht nur Feuer...
BREAK
Überall wimmelt es vor Uniformierten.
Die Feuerwehr bemüht sich seit einer Dreiviertelstunde vergeblich, die Flammen einzudämmen. Ein zweiter Löschzug wurde angefordert und die Polizei muss das Gebiet absperren, als sich immer mehr Schaulustige einfinden.
Nachdem seine Jungs und er kurz im Krankenwagen untersucht wurden, hatten sich auch schon die Aasgeier mit ihren Mikrophonen und Videokameras auf sie gestürzt.
In dem Chaos ist die Motorhaube des Impala die einzige Rückzugsmöglichkeit. Alles, was von seiner Familie, seinem Leben, übrig geblieben ist, hält er fest in seinen Armen.
John muss hinsehen, in Sammys kleines Gesichtchen und Dean's weit aufgerissene Augen, denn er kann ihre Körper nicht spüren. Alles ist taub und dumpf.
Zu weit weg. Nicht real.
Doch da war etwas in den Flammen. Er weiß, was er gesehen hat. Und dieses Wissen ist eisige Gewissheit. Was es auch war, es hatte ihm Mary genommen, seinen Jungs die Mutter...
Und er wird es finden - und jagen...
Bis zum Tod.
tbc
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