Kapitel 2
Sich ihres kleinen Sieges in diesem Wortgefecht sicher, grinste Hermine ihren Professor an. Und tatsächlich...
"Nichts würde mir mehr Freude bereiten, Miss Granger", antwortete Snape, der sich schnell wieder gefangen hatte. Sein Ton ließ ausnahmsweise mal keinerlei Rückschluss zu, ob er sich über sie lustig machte oder es ernst meinte. Die junge Frau wollte ihr Glück auch nicht weiter herausfordern und so schwieg sie, während sie gemeinsam den Weg zur Tanzfläche antraten, wo sich bereits diverse andere Paare eingefunden hatten.
Als die Musik einsetzte und ihr Tanz, ein klassischer Walzer, begann, bemerkte Hermine sogleich, dass sie mit Snape an einen guten Tänzer geraten war. Wobei sie dies eigentlich nicht sonderlich überraschte, da sie ja bereits im Unterricht oft seinen eleganten Bewegungen gefolgt war und... Moment... was dachte sie hier eigentlich gerade? Das war schließlich immer noch Professor Snape und...
"Warum plötzlich so schweigsam, Miss Granger?", unterbrach eben dieser Professor ihre wirren Gedankengänge und sie hob ihren Blick zu ihm. Was ein Fehler war wie sie sogleich bemerkte. Aus dieser - bisher nie gekannten - Nähe zu dem Tränkemeister, fiel ihr zum ersten Mal auf, dass seine Augen gar nicht schwarz waren, sondern nur von einem sehr, sehr dunklem Braun.
Als sich die Augenbrauen über diesen braunen Augen nun hoben wurde der jungen Frau mit einem Mal klar, dass er ihr ja soeben eine Frage gestellt hatte, und sie räusperte sich vernehmlich.
"Ich...", fing sie an und just in diesem Augenblick war das Lied zu Ende und rettete Hermine davor Snape antworten zu müssen.
"Ich danke Ihnen für den Tanz, Sir, aber wenn Sie mich nun entschuldigen würden, ich... ich habe ganz vergessen Ginny etwas zu sagen und ich werde sie jetzt mal suchen gehen", sprudelte es stattdessen aus ihr hervor und ehe ihr Professor ihr eine Antwort geben konnte floh sie praktisch vor ihm.
Natürlich gab es nichts was sie Ginny sagen musste und selbst wenn, sie hätte es im Moment wohl kaum geschafft deren Aufmerksamkeit von Harry, mit dem diese gerade beschäftigt war, auf sich selbst zu lenken. Vermutlich war dies dem Professor auch bewusst, aber das war ihr im Moment herzlich egal. Sie wollte nur weg von ihm und seinem undurchschaubaren Charakter.
Als sie sah, dass Neville auf sie zuzukommen schien, beschloss sie die große Halle vollständig hinter sich zu lassen und verdrückte sich durch die nächstbeste Tür nach draussen.
Hermine liebte das Schloss bei Nacht und es überkam sie mit einem Mal eine schreckliche Melancholie, als sie hier im Dunkeln durch die verlassenen Gänge und Korridore schritt. Die junge Frau war sich sicher, dass es nie einen Ort geben würde an dem sie sich mehr zu Hause fühlen würde als in Hogwarts.
Sie war sich auch sicher, dass nicht nur das Schloss ihr fehlen würde, sondern auch dessen Bewohner. Dumbledore, Professor McGonagall, Poppy Pomfrey, die Geister, sogar die Maulende Myrthe und... nun ja vermutlich sogar Professor Snape.
Hermine schlug den Weg zum Astronomieturm ein, einer ihrer absoluten Lieblingsplätze in ganz Hogwarts. Sie bewunderte jedesmal aufs Neue die Aussicht auf die Ländereien und genoss einfach das Gefühl, wenn sie die Landschaft von hoch oben betrachten konnte.
Die sommerliche Nachtluft war zwar relativ warm, trotzdem fröstelte es Hermine in ihrem dünnen Kleid plötzlich. Ihre Gänsehaut verstärkte sich um ein Vielfaches, als sie eine Stimme hinter sich vernahm.
"Wenn Ihnen kalt ist, sollten Sie zurück in die Große Halle gehen, Miss Granger. Ich bin sicher ihre Freunde vermissen Sie bereits."
Wie schaffte er es nur jedesmal wieder sie aufzuspüren ohne dass sie es bemerkte? Sie wandte sich langsam um und begegnete, zum wiederholten Male an diesem Abend, Professor Snapes Blick.
tbc
