Hallo zusammen, da bin ich wieder. Viel Spaß mit dem neuen Kapitel und einen schönen Dank nochmal an Sanny12 und Finulias.
Diclaimer: Alles, was ihr erkennt, gehört nicht mir. Zu dem Rest kann ich nur sagen: Meins.
3. Kapitel
Voruteile
Er hatte braune Haare und hieß Tim McLangly.
Und er ging mir schon jetzt auf die Nerven. Ich hatte den schlichten Fehler begangen auf etwas, das er auf Englisch gesagt hatte, zu antworten. Nun ging er davon aus, dass ich keine Probleme damit hatte ihn zu verstehen. Das Schlimme dabei war, dass er auch noch Recht hatte.
Mein Vater war nämlich der festen Überzeugung gewesen, dass die amerikanische Schule für Magieanwender deutlich besser sei als die mittelamerikanische. Eigentlich kam ich gut mit meinem alten Herren zurecht (er war ja indirekt dafür verantwortlich, dass ich noch immer einen Job hatte). Aber dass er mich auf diese Schule geschickt hat, werde ich ihm nie verzeihen.
Meine damaligen Mitschüler waren einfach immer gemein. Wenn irgendjemand einen Streich gespielt hat, wurde alle Schuld auf mich abgewälzt. Und die Lehrer glaubten ihnen den ganzen Quatsch auch noch. Während die eigentlichen Übeltäter den nächsten Streich planten, durfte ich noch für ihren alten in Form von Strafarbeiten aufkommen.
Dazu kam noch, dass sie meinen Namen absichtlich völlig falsch aussprachen mit der Begründung: „Du bist hier in Amerika, Schätzchen, da solltest du dich anpassen, oder bist du etwa zu stolz darauf aus einem Land wie Mexiko zu kommen?!"
Jetzt war ich also gezwungen mit jemand zusammenzuarbeiten, der diese schreckliche Sprache sprach. Zugegeben, der Akzent war deutlich angenehmer. Aber dennoch, es war Englisch und das war unangenehm genug.
Mittlerweile saßen McLangly, Joseo, den ich dazu überreden konnte hier zu bleiben (ich wollte auf keinem Fall alleine mit diesem Briten sein), und ich in dem kleinen Aufenthaltsraum. Bisher hatten wir nur unbedeutende Floskeln ausgetauscht, jetzt streckte sich McLangly (er wollte, dass ich ihn Tim oder Timothy nannte. Ich blieb bei McLangly, was ihn zu beleidigen schien (gut so)).
„Was für einen Fund haben Sie denn nun gemacht? Ich habe natürlich schon einiges von meinem Vorgesetzten erfahren, aber ich möchte, dass sie unvoreingenommen ihre Erfahrungen schildern."
„Da", ich legte ihm das Bild mit dem Holzschemel vor, „das ist er."
Meine Mundwinkel zuckten verräteririsch, aber noch konnte ich dem Druck zu Grinsen standhalten. Ich redete in Spanisch, genau wie Joseo es die ganze Zeit über getan hat. Joseo verstand zu meinem Pech ebenfalls Englisch, er hatte sogar mal ein Jahr in Großbritannien verbracht und probierte mich immer davon zu überzeugen, dass zumindest die Briten völlig in Ordnung waren.
Die beiden Männer blickten mich verwirrt an. Ach, solche Situationen waren einfach göttlich.
„Das ist wirklich das Bild, was Alejandro gestern von dem Tor gemacht hat", sagte ich an Joseo gewandt und nun schaffte ich es auch nicht mehr mein Grinsen zu verheimlichen.
„Aber das ist nicht der Torbogen."
„Ach? Wirklich? Ist mir noch gar nicht aufgefallen. Aber jetzt, da du es sagst ... an der ganzen Sache ist was dran."
„Juana, du machst dich gerade über mich lustig, nicht?", sagte der Mexikaner mit einem leichten Lächeln auf den Gesicht.
Doch mein Schweigen belehrte ihn eines Besseren.
„Du meinst das tatsächlich ernst, oder?", fragte er baff.
Ich nickte nur.
„Das ist wirklich der Torbogen?"
„Nein, nein, das ist das Foto davon. Der Bogen sieht immer noch genauso aus. Warte, ich zeig dir die anderen." Ich kramte, die anderen Fotos hervor, die ich in die Tasche gesteckt hatte, doch ohne die obersten fünf. Das waren die mit den Menschen drauf und ich wollte nicht, dass der Brite sie sah. Es war schlimm genug, dass er mir ab jetzt auf die Finger gucken und dumme Kommentare abgeben würde.
„Das gibt's doch nicht. So etwas ist technisch unmöglich. Und du bist dir wirklich sicher, dass das die Fotos sind?" Was würde er nur zu dem Foto mit Ofelia sagen?
„Ja, ich bin mir sicher. Alejandro hat sie mir gegeben und wieso sollte er mich anlügen?"
„Das ist wirklich sehr merkwürdig. Hast du irgendeine Erklärung dafür?"
„Eigentlich war ich gekommen um dich nach einer zu fragen."
„Haben Sie vielleicht so etwas schon mal bei ihrem Exemplar bemerkt, Mr McLangly?"
„Nein, wir haben schon einiges erlebt, aber so etwas ist mir noch nie unter die Augen gekommen", er runzelte die Stirn. „Aber ich kann euch berichten, was wir bisher über unseren Torbogen wissen."
Wir nickten kurz und er fuhr fort: „Also als erstes muss man wohl sagen, dass wir nicht genau wissen, woher der Torbogen stammt und wann er in die Departments of Mysteries gekommen ist."
„Sie haben da etwas, in der Größe eines Torbogens, und wissen nicht, woher es stammt?", fragte ich patzig.
„Nein, nein, so ist das nicht. Sie hätten mich ausreden lassen sollen. Er ist mindestens dreihundert Jahre alt. Aus dieser Zeit stammen nämlich die ersten Aufzeichnungen über ihn. Und sonst wissen wir noch nicht sehr viel. Wer durch den Vorhang geht, verschwindet für immer. Einige Leute hören Stimmen flüstern, andere nicht. Wir vermuten, dass es damit zu tun hat, wie viel Erfahrung jemand mit dem Tod gemacht hat, aber genau sagen können wir es nicht.
Genau können wir eigentlich gar nichts sagen, außer dass wir keine Ahnung haben. Wir vermuten dennoch, dass es sich bei ihm um ein Portal zum Reich der Toten handelt.
Zu dem kommt noch, dass der Torbogen in der letzten Zeit nicht unser Hauptaugenmerk war, wir also keinen Spezialisten für ihn haben und ihr deshalb mit mir Vorlieb nehmen müsst. Jedoch habe ich veranlasst, dass alle Unterlagen über ihn hierher geschickt werden. Ich denke, dass sie per persönlicher Eskorte vorbei gebracht werden, da wir sehr ungern unsere Dokumente fremden Händen anvertrauen."
Der Brite war also ein vollkommener Anfänger und jetzt kamen auch noch jede Menge Unterlagen dazu, die wir durcharbeiten durften. Wie ätzend! Ich hasse Zettelkram! Aber ich denke, dass wisst ihr schon.
„Och nö, nicht noch mehr Zettelkram", machte ich meinem Ärger Luft.
Joseo und McLangly schauten sich an und prusteten los. Na wunderbar, die beiden hatten sich schon verbündet.
„So, jetzt wird es aber an der Zeit, dass wir Ihnen einmal unser Exemplar zeigen", schlug Joseo vor und drückte sich mit den Händen vom Tisch hoch.
„Sehr gerne", antwortete der Vorhanglaie.
oOoOoOo
Den Weg zu unserem Zielort verbrachte Joseo damit McLangly über einige britische Bekannte auszufragen. Da fielen Namen wie Mike Brown, Richard Scolaro oder Remus Lupin. Namen, die mir nichts sagten und mich auch nicht interessierten.
Als wir endlich bei dem Torbogen ankamen, sahen mich Ofelia und Alejandro fragend an.
„Nein, Joseo hat auch keine Ahnung", sagte ich ihnen schulterzuckend. Ofelia sah mich enttäuscht an und Alejandro fixierte etwas hinter meinem Rücken. Seinem Blick folgend erkannte ich Joseo, der gerade McLangly alles über diesen Raum und die Rätsel, die er aufwarf, erklärte.
„Ja, das ist der Engländer. Sein Name ist Timothy McLangly, aber ihr könnt ihn gerne Tim oder Timothy nennen", äffte ich McLangly nach.
„Ja, genau", bestätigte McLangly und schien dabei meinen ironischen Ton überhört zu haben.
Ich starrte Ofelia an, die gerade aufgesprungen war und ihm die Hand entgegenstreckte.
„Sehr erfreut Sie kennen zu lernen, Tim. Ich bin Ofelia, einfach nur Ofelia oder Feli wie Sie wünschen."
War das nur meine Einbildung oder wurde Ofelia tatsächlich rot um die Wangen? Alejandros Miene nach zu urteilen wurde sie wirklich rot. Er trug nämlich ein breites Grinsen und seine Augen wanderten zwischen Ofelia und McLangly hin und her.
McLangly strahlte sie dümmlich an und nahm ihre Hand entgegen: „Mir ist es ebenfalls eine Freude Sie kennen zu lernen."
Jetzt war Ofelia fast so rot wie ihr T-Shirt.
„Ich bin übrigens Alejandro."
Warte, irgendetwas stimmte hier nicht.
McLangly nickte ihm zu: „Tim."
Das T-Shirt! Es war rot. Und es stand ihr. Verwirrt und amüsiert über meine eigenen Gedanken lachte ich laut auf.
„Dein ... dein T-Shirt ist rot."
Ofelia sah an sich herunter und erschrak.
„Was? Was ist hier los? Wie geht das?"
Sie sah mich panisch an, so als ob sie vermutete, dass der Teufel hinter ihr her war und dies das erste Anzeichen dafür wäre.
„Oh mein Gott", war alles, was Alejandro sagte.
„Wie kann mein T-Shirt auf einmal rot sein? Es war noch eben gelb, das kann doch nicht sein", flüsterte Ofelia und starrte noch immer ungläubig ihr Kleidungsstück an.
„Habt ihr irgendeinen Zauber verwendet? Ist euch irgendetwas Ungewöhnliches aufgefallen?", fragte Joseo fachmännisch. Das war Joseo, wie ich ihn liebte. Sobald sein Verstand akzeptiert hatte, dass etwas sehr ungewöhnlich war und wir es nicht erklären konnten, wurde er zum Analytiker schlechthin und sammelte mit detektivischem Eifer jeden Hinweis, den er kriegen konnte.
„Nein, nichts, mir ist bis eben noch nicht einmal bewusst gewesen, dass ihr T-Shirt rot ist. Das hätte mir eigentlich auffallen müssen, oder nicht?" Alejandro sah mich und Joseo an, als ob ihm die ganze Sache gerade zu Kopf steigen würde.
„Habe ich es richtig verstanden, dass das T-Shirt gerade seine Farbe geändert hat, ohne dass ein Zauber gewirkt wurde?", fragte McLangly.
„Ja ja. Es hatte vorher so ein hässliches gelb." Hatte ich das gerade wirklich gesagt? Taktlosigkeit war einfach meine große Stärke.
„Ja, ich weiß. Es hatte nicht gerade die schönste Farbe", gab Ofelia mit einem schwachen Lächeln zu.
Was? Und ich dachte immer, dass sie heimlich in dieses Kleidungsstück verliebt wäre. So täuschte man sich also.
„Dann ist es ja kein allzu großer Verlust", McLangly lächelte ihr zu.
„Nein, nein, ist sogar kein schlechter Tausch, die Farbe gefällt mir", sagte Ofelia und kicherte dabei.
Bisher war meine Meinung, dass ich nur fünf Jahre älter war als sie, jetzt änderte ich das nur gedanklich in ein schon um.
„Ich denke, die einzige Möglichkeit herauszufinden, was mit deinem Oberteil passiert ist, ist in dem wir mehr über den Torbogen an sich herauszufinden", erklärte Joseo. „Also ich würde vorschlagen, dass Alejandro sich weiter dem Fotoschießen widmet und dabei genau darauf achtet, was passiert. Merke dir alles, was dir irgendwie auffällig erscheint. Alles, was anders ist als normal.
Ofelia, du vergleichst gerade die Schrift auf dem Tor mit uns bekannten Schriften, nicht wahr?"
Die Angesprochene nickte kurz und Joseo fuhr fort: „Gut, mach weiter damit. Und wir drei beschäftigen uns mit den Sachen, die sich hier befinden. Vielleicht finden wir etwas Ungewöhnliches. Am Besten tragen wir sie zu unserem Büro, um sie da zu untersuchen. Hat irgendwer noch Fragen? Nein? Dann an die Arbeit."
Ofelia nahm das Buch in die Hand und Alejandro eilte davon.
Tja, so war es auch, als wir den Altar fanden: Joseo übernahm das Kommando und ich stand doof daneben. Nicht dass mir das was ausmachte. Wenn er nur auch noch diese Berichte übernehmen könnte, dann wäre ich richtig glücklich.
oOoOoOo
Joseo und ich waren gerade dabei die zweite Fuhre Gegenstände aus dem Raum zu holen, als mir einfiel, dass ich ihm noch gar nicht von den Menschen auf den Fotos berichtet habe. Zum Glück war McLangly im Quartier geblieben um schon einmal mit der Untersuchung anzufangen.
„Ähh, Joseo?"
„Ja?"
„Auf den Fotos, da war noch mehr als nur Gegenstände."
Mittlerweile fühlte ich mich mies, weil ich es nicht vor McLangly hatte sagen wollen. Aber woher sollte ich auch wissen, was für ein Kerl er war? Und ich hatte alles Recht misstrauisch zu sein, nicht wahr? Schließlich war er Engländer.
Joseo sah mich merkwürdig an.
„Da waren Menschen auf einigen Fotos." Ich hielt ihm die fünf Bilder hin, die ich in meiner Tasche versteckt hatte.
„Da, die drei hier stammen, denke ich, aus der Zeit, als diese Räume noch bewohnt wurden. Der Meißel, den hab ich in dem Vorraum gefunden. Und das ist Ofelia vor circa drei Stunden. Das ist meiner Meinung nach das merkwürdigste Bild. Sie hat dieselbe Hose und dasselbe Oberteil an. Na ja, dasselbe Oberteil wie vor drei Stunden jedenfalls. Wie kann man ein Foto von etwas machen, was erst noch passieren muss?"
Joseo starrte das Foto an.
„Du bist dir sicher, dass das eine Situation von heute ist?"
„Ja, eigentlich schon. Ich habe sie heute genauso da sitzen sehen und das Buch, was sie in der Hand hält, haben wir erst seit heute in unserem Besitz. Also kann es kaum irgendwann davor passiert sein. Und sieh dir die Bildecke da an. Ist das da nicht ein Stück des Tores?"
Es seufzte. „Nun gut, das bedeutet, dass es noch mehr gibt, was wir herauszufinden haben."
„Und dann ist da noch dieser Mann." Ich reichte ihm die letzte Fotografie.
„Den hab ich noch nie gesehen. Er sieht aber nicht aus wie ein Mexikaner."
„Ja, das war auch mein Gedanke."
„Wieso hast du mir die fünf hier nicht vorhin gezeigt?"
Ich hatte befürchtet, dass diese Frage kommen würde.
„Ich ...ich war mir einfach nicht sicher, ob wir dem Engländer trauen können."
Joseo sah mich mit hochgezogener Augenbraue an. Er kaufte es mir nicht ab.
„Na gut, ich wollte nicht, dass dieser Engländer genauso viel weiß, wie wir. Das ist unser Fund. Er ist auf mexikanischem Boden gemacht worden, nicht auf britischem."
„Aber vielleicht kann er uns helfen?"
„Du hast doch selbst gehört, dass er fast nichts über den britischen Torbogen weiß. Wieso sollte er uns also weiterhelfen können?"
„Ich denke, Juana, du solltest aufhören dich von deinen Vorurteilen leiten zu lassen", sagte Joseo ernst, drehte sich um und ging weg.
Ich bin nicht so begeistert von dem Kapitel ... wenn ihr darüber genauso denkt oder es vielleicht doch gar nicht so schlecht fandet, lasst es mich wissen. Also Reviews nicht vergessen!
