Hi, da bin ich wieder. Jetzt geht es weiter mit unseren beiden...

Disclaimer: Frau meins, Mann nix meins... leider.

5. Kapitel

Die Sache mit den Fotos

Ich wurde von einem Rütteln geweckt. Es handelte sich nicht um einen akustischen Wachmachversuch, sondern vielmehr um einen gewalttätigen. Zwei Hände hatten meine Schultern gepackt und schüttelten sie.

„Juana, hey, jetzt wach mal auf. Ich muss dich was fragen. Außerdem ist es schon fast sieben."

Es war erst sieben Uhr! Der Typ hatte Nerven. Er weckte mich eine ganze Stunde bevor ich aus dem Haus musste. Was für eine Frechheit!

„Hau ab", murmelte ich in mein Kissen.

„Was? Ich hab dich nicht verstanden? Sprich lauter", kam es zurück.

Gut, er hatte den Kampf gewonnen. Ich drehte mich um und warf ihm einen finsteren Blick zu. Mir wurde ein Foto vor die Nase geschoben.

„Wann hast du das aufgenommen? Soll ich das sein?"

„Ja, das bist du. Und ich habe es nicht aufgenommen. Das war Alejandro."

„Alejandro? Einem Alejandro bin ich nie... ", er stoppte kurz und sah mich mit einem lustigen Gesichtsausdruck an, „Wer ist Alejandro?"

„Der Fotograf unserer Ausgrabung." Ich gähnte hingebungsvoll. Vielleicht würde ihm das ja ein schlechtes Gewissen bereiten, schließlich hatte er mich um meinen Schönheitsschlaf gebracht.

„Ein mexikanischer Fotograf hat Fotos von mir gemacht?", fragte er vollkommen ohne Reue.

Ein Foto", berichtigte ich ihn. Schön, ich war wach. Toll gemacht, Typ. Aber für jemanden, der schon um sieben Uhr vollangezogen durch die Gegend lief, obwohl er eigentlich noch Stunden schlafen konnte, war es wahrscheinlich normal. Einen komischen Kauz hatte ich mir da nach Hause geholt.

„Vielleicht kennt er mich ja. Er hat immerhin ein Foto von mir, nicht wahr?", er strahlte mich an.

„Er hat es gemacht, in dem er seine Kamera auf den Torbogen gehalten hat."

„Oh", gab er enttäuscht von sich, „heißt wohl, dass ich noch ne Weile bei dir bleiben werde, was?"

„Das oder du entschließt dich endlich ins Krankenhaus zu gehen. Da wird dir bestimmt jemand helfen können."

„Willst du mich loswerden? Ich kann mir auch einen anderen Platz suchen, werd' schon einen finden", gab er leicht verletzt von sich.

„Nein, nein, nein. Du kannst gerne solange bleiben, wie du willst." –Da hatte ich den Salat. – „Ich will nur, dass es dir besser geht, dass du dich wieder erinnern kannst."

„Okay. Sag mal, du könntest nicht rein zufällig das Sofa ein wenig gemütlicher machen?" Er grinste mich an. Schon gestern Abend hatte er die Dreistigkeit erwiesen sich über seine Schlafgelegenheit zu beschweren.

Noch bevor ich antworten konnte, plapperte er munter weiter. „Vielleicht findet man ja einen Zauber, der das Problem behebt. Und wenn nicht, schlafe ich einfach in deinem Bett."

„Es gibt bei der Sache einen Haken, mein Lieber. Ich schlafe bereits in diesem Bett."

„Da wäre noch ein Sofa, weißt du. Das ist total gemütlich, da könntest du schlafen", er schien damit zu kämpfen wie ein Unschuldslamm auszusehen und versagte kläglich.

„Wenn es so gemütlich ist, kannst du ja drauf schlafen"

Er neigte sich nach vorne flüsterte hinter vorgehaltener Hand: „Um ehrlich zu sein, das ist gar nicht meine Meinung. Ich finde das Sofa grässlich. Total unbequem. Die Wohnungsinhaberin hat das gesagt. Aber auf ihren Rat kann man sich nicht verlassen. Nur so als Tipp...", braune Augen funkelten mich amüsiert an.

„Nur so als Tipp zurück: Geh besser frühstücken, sonst schmeißt die Wohnungsinhaberin dich noch raus." Ich zwinkerte ihm zu.

Er sah mich mit großen Augen an: „Meins du wirklich? Die würde das doch nicht machen. Ich glaub, die steht auf mich. Die kann doch gar nicht mehr ohne mich." Er sah mich herausfordernd an und stand auf.

Doch bevor er die Tür hinter sich schließen konnte, traf ihn die volle Gewalt meiner Rache: Ein Kissen. Mein Kopfkissen um genau zu sein. Weshalb ich jetzt gezwungen war aufzustehen. Ohne Kopfkissen machte selbst faul im Bett rumliegen keinen Spaß.

Nachdem ich etwa fünf Minuten unmotiviert auf dem Bett saß, rang ich mich dazu durch aufzustehen und mir meine Kleidung überzustreifen.

Mann, erst viertel nach sieben und ich war schon angezogen. Ich wusste doch, dass Engländer nichts Gutes bringen.

Besagter Brite saß auf einem Barhocker an der Küchentheke und betrachtete das Foto. Meine Wohnung war nicht die größte und deshalb mussten sich Küche und Wohnzimmer einen Raum teilen, von dem das Bade- und Schlafzimmer abgingen, auch auf einen Flur hatte man verzichtet. Dafür hatte die Kombination aus Wohnzimmer und Küche wenigstens die angemessene Größe.

„An diesem Foto stimmt etwas nicht. Das bin ich nicht."

Ich schaute über seine Schulter. Das war er. Da konnte er sagen, was er wollte, außer vielleicht er hatte einen eineiigen Zwilling.

„Und wer soll das sonst sein?"

„Ich weiß es nicht." Er sah mich unsicher an.

„Das bist du, glaub es mir. Du siehst genau so aus."

„Nein, ich weiß aber, dass ich nicht so aussehe. Ich meine, der Mann sieht mir ziemlich ähnlich, jedoch ist irgendwas daran falsch."

Verwirrt sah ich ihn an. Mit einem gemurmelten „komm mal mit" schleifte ich ihn ins Bad und stellte ihn vor den Spiegel.

Er starrte sein Spiegelbild an und dann begann wieder das gleiche Spielchen: „Das bin ich nicht."

Nun wusste ich gar nicht mehr, was ich erstens von der Sache halten und zweitens wie ich reagieren sollte.

„Scheint aber so", war mein Versuch einer Antwort. Gut, man hätte ihn sich auch sparen können, aber irgendetwas musste ich ja sagen. Zumindest hatte ich das Gefühl, dass es von mir erwartet wurde.

„Dieser... dieser Mann sieht mir zum Verwechseln ähnlich, aber ich weiß, dass da was nicht stimmt. Irgendein kleines Detail, aber ich weiß nicht was." Er sah mich unschlüssig an.

„Vielleicht hattest du einfach kürzere Haare oder einen Bart."

„Ja, könnte sein, aber... ach, ich weiß nicht."

Mit einem unzufriedenen Gesichtsausdruck kehrte er wieder in die Küche zurück und ließ sich auf einen der Hocker nieder.

Da ich schon einmal im Bad war, konnte ich den Umstand auch gleich dafür nutzen meine Haare zu zähmen und meine Zähne zu polieren. Auf magische Art und Weise versteht sich.

Sollte ich ihn eigentlich mit zur Arbeit nehmen? Er war immerhin ein lebendiges Fundstück und als solches gehörte er eigentlich ins Archiv. Dort hatten wir auch mal einen Fisch aufbewahrt, den wir bei einer anderen Ausgrabung gefunden hatten. Na gut, er stand im Aufenthaltsraum und diente mehr der Dekoration als einem archäologischem Zweck. Aber der Mensch bei mir im Wohnzimmer würde vermutlich einen entscheidenden Hinweis darauf liefern, was sich hinter dem Torbogen versteckt hielt. Jedoch hatte er im Gegensatz zu dem Fisch seinen eigenen Kopf, einen ziemlich sturen um genau zu sein. Er würde sich sicherlich nicht darauf einlassen sich irgendwo hinzulegen und sich von uns untersuchen zu lassen.

Nein, er würde erst mal hier bleiben, entschied ich. Wer konnte schon wissen, was die Engländer täten, sobald sie davon erführen, dass sich einer ihrer Landsleute aus unserem Vorhang herausgekämpft hat. Wahrscheinlich würden sie den Anspruch darauf erheben ihn alleine untersuchen zu dürfen. DAS konnten sie vergessen. Nicht mit mir. Der Torbogen gehörte uns und der Typ auch. Der war schließlich auf unserem Grund und Boden aufgetaucht und räumte gerade meine Küchenschränke aus.

Halt, meine Küchenschränke? Da lief was schief.

Der Übeltäter hockte vor meinen geöffneten Küchenschränken auf den Boden und sah nun zu mir auf.

„Hast du auch was Gescheites zum Frühstück?", fragte er anklagend.

Dieser Mann trieb mich auf die Palme.

„Nein, ich frühstücke normalerweise nicht hier", antwortete ich bemüht ruhig.

„Nicht einmal am Wochenende?"

„Nein, nicht einmal am Wochenende, da geh ich meist ins Cafe oder esse erst etwas gegen Mittag." Die letzte Option war die wahrscheinlichere.

„Und was soll ich jetzt essen?"

War ich seine Mutter oder was? Es freute mich ja, dass er sich hier wohl fühlte, aber so langsam fühlte er sich zu wohl.

„Weiß ich doch nicht, such dir was aus."

„Außerdem ist die Hälfte deiner Sachen bereits abgelaufen", sagte er ohne auf meine Antwort einzugehen.

Das schlimme war: Ich konnte ihm nicht widersprechen. Er hatte Recht. Meine Vorratsschränke waren nie wirklich voll und das, was drin war, konnte man meistens nicht mehr essen.

„Äh, was hältst du davon, wenn ich dir Geld gebe und du dir was zu Essen kaufst?", schlug ich vor um ihn zu besänftigen und von meinem Lebensmittelproblem abzulenken.

„Okay", gab er ohne weiteres Murren von sich und streckte die Hand aus, „Wie viel krieg ich, wo ist der nächste Markt?"

Ich kramte einen Zwanziger hervor, drückte ihm den in die Hand und erklärte ihm, wo sich der nächste Laden befand. Noch bevor ich ihm ein weiteres Wort sagen konnte, war er auch schon durch die Tür verschwunden. Und er konnte noch nicht mal Spanisch. Na ja, er wollte unbedingt, also warum ihn aufhalten, er war schließlich alt genug und ich war nicht seine Mutter.

Mir blieb wohl nichts anderes übrig, als zu warten bis er wieder da war, denn ohne Schlüssel kam er nicht rein.

Es war kurz vor acht und er war immer noch nicht da. Was war los? Wo blieb er solange? Konnte er sich nicht beeilen? Ich hatte ihm gestern Abend noch gesagt, dass ich heute um acht Uhr losmusste. Aber ihn schien das nicht zu kümmern.

Na toll, jetzt kam ich wegen diesem Briten zu spät zur Arbeit und das nachdem er mich fast eine Stunde zu früh aus dem Bett geschmissen hatte.

oOoOoOo

Weitere zehn Minuten später war er immer noch nicht da.

Was trieb er da? Ich brauchte normalerweise keine fünf Minuten (mal abgesehen von dem Plausch mit der Verkäuferin) um einzukaufen. Er war jetzt schon fast eine halbe Stunde verschwunden. Vielleicht hatte er Probleme damit, sich zu verständigen oder er war in eine Streiterei geraten. Aber wer hatte um diese Urzeit schon den Elan sich zu streiten?

Ich entschied, dass es nicht schaden könnte mal zu sehen, wo er steckte. Zu spät war ich sowieso schon.

Ich schnappte mir meine Jacke und lief die Treppen hinunter. Von der Haustür aus konnte man den kleinen Laden schon sehen. Ein Schild über der Eingangstür wies daraufhin, dass es „Bustillos Laden" war. Elvira Bustillo war eine sympathische ältere Frau, die sich entgegen dem Trend schon seit über zwei Jahrzehnten mit ihrem kleinen Lädchen in der Branche hielt. Ein Besuch bei ihr war meistens mit einer viertelstündigen Plauderei verbunden, deren Schwerpunkt auf den neusten Gerüchten aus der Nachbarschaft lag. Auch meine aktuellen Männerbekanntschaften spielten eine nicht unerhebliche Rolle. Es war fast wie ein Verhör, ein gut gemeintes Verhör wohl bemerkt. Es war nun einmal ihr Hobby, die jungen Frauen aus der Umgebung mit guten Ratschlägen zu versehen.

Ein Blick durch das Schaufenster genügte mir um festzustellen, wo mein Engländer geblieben war. Er lehnte sich lässig an die Theke und schien mit Elvira zu plaudern. Diese amüsierte sich ihrer Miene nach prächtig.

Ich konnte es nicht glauben, während ich die ganze Zeit über darauf gewartet habe endlich zur Arbeit gehen zu können, betrieb derjenige, auf den ich gewartet habe, eine angeheiterte Konversation mit der wandelnden Gerüchteküche.

Mit einem leicht säuerlichen Gesichtsausdruck trat ich ein.

„Wo bleibst du?"

„Ach Juana, schön dich zu sehen. Hast du heute frei?", fragte mich Elvira in gebrochenem Englisch. Ich wusste gar nicht, dass sie Englisch sprach.

„Nein", erwiderte ich fuchsig, „ich warte darauf, dass dieser Herr hier seinen Hintern wieder zurück in meine Wohnung bewegt, damit ich gehen kann, da er sonst den ganzen Tag auf der Straße verbringen darf."

„Ach, Jack hier gehört zu dir?" Der sogenannte Jack lächelte mich unschuldig an. Na Bingo, jetzt dachte sie, ich hätte was mit ihm. Sie benutzte schon dieses Lächeln, das sie immer aufsetzte, wenn sie eine Spur witterte, die zu einem Mann führen könnte.

„Ja, er gehört zu mir", sagte ich genervt, „Hast du die Sachen, die du haben wolltest, Jack?"

Elvira sah amüsiert zwischen dem Briten und mir hin und her. Der Angesprochene hielt eine Einkaufstüte hoch und nickte.

„Können wir dann gehen?"

Ohne eine Antwort abzuwarten hatte ich ihn auch schon am Ärmel gepackt und warf der Ladenbesitzerin ein entschuldigendes „Tut mir Leid, ich muss zur Arbeit, wir reden später noch mal" zu. Dann schleifte ich den Zuspätkommer nach draußen.

Das war es auch schon wieder. Vergesst die Review nicht!