Wow, ganze drei Reviews. Da hat mein Meckern ja geholfen ;) Und um es nochmals zu betonen, man muss sich nicht schämen erst jetzt auf die Seite der Reviewer zu wechseln... besser spät als nie. Nochmals einen Dank an die drei, die mich dazu angespornt haben das hier zu schreiben. Viel Spaß beim Lesen und Reviewn!
Disclaimer: Kommt ihr solltet mittlerweile wissen, dass mir bei Jack nur der Name gehört.
7. Kapitel
Geheimnisse und fremde Frauen
Sie taten es schon wieder. Sie tuschelten.
Da saßen sie über einen Haufen von Alejandros Fotos gebeugt und redeten angeregt über etwas, was ich von meiner Position aus nicht verstehen konnte. Es konnten wohl kaum die Bilder sein, denn denen widmeten sie keinen einzigen Blick.
Mir blieb nur eine Maßnahme: Mir einen Joghurt zu holen. Der Schrank mit den gekühlten Lebensmitteln befand sich nämlich direkt hinter Joseo und McLangly. Und dabei mochte ich nicht mal Joghurts. Aber egal, meine Neugier forderte Opfer und ich war willig sie zu bringen.
Schon als ich mich den beiden näherte, wandte sich Joseo von McLangly ab und sah mich an: „Diese Fotos sind sehr interessant, Juana, aber ich befürchte sie bringen uns nicht weiter, was die Frage betrifft, wie sie entstanden sind."
Das war doch wohl typisch? Er probierte wie ein Unschuldlamm zu wirken. Mich nervte die Hartnäckigkeit mit der er und McLangly versuchten diese Sache vor mir geheimzuhalten. Und außerdem nahm ich es persönlich, dass Joseo mich nicht einweihte. Ja verdammt, es verletzte mich.
Ich gab einen brummenden Ton von mir und nahm meinen Joghurt. Daraufhin sah Joseo mich mit einem tadelnden Blick an, der besagte, dass er genau wusste, was ich vorhatte.
oOoOoOo
„Juana"
Ich hob meinen Kopf und sah, dass Joseo vor meinem Schreibtisch stand und mich intensiv anschaute.
„Was?", fragte ich leicht patzig. Ich war momentan nicht sonderlich gut auf Joseo zu sprechen, aber das wisst ihr ja schon.
„Juana, was Tom und mich betrifft, möchte ich, dass du dich da heraus hältst. Bitte, tu mir den Gefallen. Ich kann dir nicht sagen, worum es geht, auch wenn ich wirklich möchte. Es ist zu deinem eigenen Schutz!"
Was schwafelte er da? Er redete ja wie ein Geheimagent oder jemand von der Mafia. Was sollte das? Und wieso sah er mich dabei an, als würde die Welt jeden Moment untergehen?
„Was?" Ich starrte ihn mit offenem Mund an.
„Halt dich da raus. Bitte. Ich weiß, wie schwer dir so etwas fällt, aber es ist wirklich besser", er sah mich bittend an. Wie schaffte er es bei so was immer absolut ruhig und gelassen zu klingen, als wäre er die personifizierte Vernunft?
„Du meinst das wirklich ernst, stimmt's?"
Er nickte und sah mich dabei entschuldigend an. Mein Gott, war das wirklich Joseo? Der gutmütige, immer gutgelaunte Joseo, der mich behandelte, als wäre er mein Onkel, der ständig zu Späßen aufgelegt ist?
„Aber was ist denn los?", fragte ich besorgt. Da stimmte etwas nicht und zwar gewaltig.
Er seufzte und lächelte mich sanft an.
„Genau darum geht es doch. Ich kann es dir nicht sagen. Du würdest dich sonst nur in Dinge einmischen, die dich in Schwierigkeiten bringen würden."
„Ich werde mich schon nicht in Probleme stürzen. Ich versprech's dir. Ehrlich! Ich werde nichts machen, ich will doch nur wissen, was los ist."
Er grinste. Wieso grinste er? Er hatte jetzt nicht zu Grinsen. Ich meinte das wirklich ernst! Er hatte kein Recht dazu!
„Juana, du kannst doch nicht wirklich glauben, dass du es schaffen würdest dich nicht darin einzumischen. Erinnerst du dich noch an die Truhe? Ich habe dir gesagt, du sollst die Finger davon lassen, aber du wolltest ja nicht auf mich hören."
Musste er mich unbedingt daran erinnern? Er wusste, wie sehr ich diese Narbe verabscheute!
„Glaubst du wirklich du könntest die Finger von der ganzen Sache lassen?"
Na gut, es war unwahrscheinlich, dass ich mich nicht einmischen würde, aber dennoch wollte ich wissen, was los war. Es ging hier schließlich um Joseo und vielleicht gab es ja eine Möglichkeit ihm zu helfen.
„Klar, wenn ich es doch sage." Es tat mir schon Leid ihn anzulügen, aber es gab keine andere Möglichkeit.
Es seufzte erneut und schüttelte den Kopf.
„Nein, Juana, das denke ich nicht. Es tut mir Leid, aber ich kann es dir wirklich nicht sagen." Mit diesen Worten ging er zur Tür hinaus und ließ mich mit meinen Sorgen allein.
oOoOoOo
Egal welchen Versuch ich startete um mitzukriegen, was die beiden besprachen: Es misslang mir. Ich probierte alles, vom vorsichtigen Heranpirschen zum „Hinter-der-Tür-Verstecken". Entweder sie redeten zu leise oder sprachen gar einen „Silencio" oder sie hörten sofort auf, wenn ich in ihre Nähe kam.
Joseo war mittlerweile von einem missbilligenden Blick zu einem müden Belächeln übergegangen. Ich denke, er war der Meinung, dass ich ein hoffnungsloser Fall wäre. Ich schloss mich ihm an. Es war nicht mehr die Besorgnis, die mich dazutrieb alles zu tun um herauszufinden, was die beiden verheimlichten. Ich war vielmehr wieder bei dem Joseo-kann-mich-mal-Status angekommen. Wenn Joseo das Recht hatte ein Geheimnis vor mir zu haben, hatte ich auch das Recht alles in meiner Macht stehende zu tun um es zu erfahren. So einfach war das ganze.
Ach ja, McLangly ging mir natürlich auch auf die Nerven, aber bei ihm war das ja nichts Neues.
Jetzt wo die Unterlagen endlich da waren, hatte er zum Glück meist damit zu tun und man sah sich nicht ganz so oft. Ich hatte sie auch schon durchgesehen, aber meiner Meinung nach waren sie eine Katastrophe. Eine Katastrophe, die keinen Hinweis darauf lieferte, wer da bei mir Zuhause hockte. Es gab keine Liste, in der aufgeführt war, wer alles durch diesen Torbogen verschwunden ist. Das nannte man wohl britische Gründlichkeit.
Es gab noch etwas anderes als Joseos Geheimnistuerei, das an mir nagte. Das war das Gefühl mehr unternehmen zu müssen um Jacks wahre Identität herauszubekommen.
Um ehrlich zu sein, hatte ich bisher noch nichts getan, außer McLanglys Unterlagen durchzusehen. Und die waren ja erst seit heute da.
Aber er schien sich auch nicht sonderlich drum zu kümmern. Denn entgegen seinem Gemaule, dass er endlich sein Gedächtnis wiederhaben will, hatte er sich immer noch nicht in einem Krankenhaus untersuchen lassen. Er war der festen Ansicht, dass das nichts Gutes bringen würde. Komischer Kerl!
Das Problem war, ich wollte ihm gar nicht unbedingt helfen. Denn was würde wohl passieren, wenn er sein Gedächtnis wiederbekäme? Es würde bestimmt nicht lange dauern bis ganz Großbritannien wusste, dass einer ihrer Leute aus unserem Bogen gekommen war. Und dann konnten wir uns diese Ausgrabung abschminken.
Und außerdem ...ja, verdammt, außerdem würde Jack dann wahrscheinlich wieder dorthin zurückkehren und mich vergessen.
oOoOoOo
Jack war noch nicht da.
Ich hatte ihm meinen Zweitschlüssel gegeben, damit mir so etwas wie letzte Woche nicht noch einmal passieren konnte. Zudem sollte er sich hier möglichst wohl fühlen und nicht wie ein Gefangener, dem man nicht vertraute.
Meine Finger trommelten auf der Arbeitsfläche. Wo blieb der Kerl nur?
Ich hatte ihm heute morgen Geld in die Hand gedrückt, damit er sich ein paar Kleidungsstücke kaufen konnte. Ich hatte ihm auch angeboten, ob ich nicht mitkommen sollte, aber er hatte es abgelehnt mit der Begründung, dass er etwas Sinnvolles in der Zeit zu tun hätte und Frauen ja immer so lange brauchen würden.
Er wusste doch, dass ich um diese Zeit zurück war. Wieso war er nicht früher gegangen? Dann könnte er mir jetzt Gesellschaft leisten und ich müsste mich nicht langweilen.
Die Tür ging auf und sein Gesicht strahlte mich an. In beiden Händen hielt er zwei Einkaufstüten.
„Da bist du ja endlich!", begrüßte ich ihn und nahm ihm die Last seiner Taschen ab, „und da sagst du mir, dass Frauen so lange brauchen."
Ich strahlte ihn an.
„Tja, ich muss dich leider enttäuschen, hätte diese Frau nicht drauf bestanden, dass sie mir helfen muss, wäre ich schon viel früher da gewesen. Um ehrlich zu sein, schon vor ein paar Stunden. Sie hat mir nämlich auch noch einen Kaffee ausgegeben, nachdem ich ihr erklärt hatte, dass ich eher unglücklich in Mexiko gestrandet sei und eine nette Mexikanerin mir Geld gegeben hat um ein wenig einkaufen zu gehen." Er grinste so breit, wie ich es bei ihm noch nie gesehen hatte.
Ich hingegen strahlte nicht mehr. Stattdessen machte sich bei mir ein ungutes Gefühl breit. Was bildete sich diese Frau ein ihm einen Kaffee auszugeben? Und wie konnte er es wagen mich nur als „nette Mexikanerin" zu bezeichnen, während er der anderen Tussi praktisch hinterher sabberte? Pah! Das war einfach ungerecht! Ich war es, die ihn von Anfang an unterstützt hatte, nicht sie!
„Sie hat mir sogar einen Zettel gegeben, hab nur keine Ahnung, was sie damit meinte. Sind nur ein Haufen Zahlen", er hielt ihn mir entgegen. Darauf stand eine Telefonnummer.
„Keine Ahnung, was das sein soll", erwiderte ich griesgrämig. Diese Frau kam mir sicherlich nicht ins Haus!
„Schade, ich hatte gehofft du wüsstest, was das ist." Er knüllte den Zettel zusammen und steckte ihn sich in die Hosentasche.
„Zeig doch mal, was du gekauft hast", sagte ich um vom Thema abzulenken.
Er schnappte sich eine Tüte und begann Klamotten daraus hervorzuholen.
„Nein, du sollst sie mir nicht so zeigen. Na los, zieh sie an. Schließlich habe ich ein Recht darauf zu wissen, wofür du mein Geld ausgegeben hast."
„Muss ich?" Er sah mich an, als ob die Welt davon untergehen würde. „Ich habe heute schon so oft meine Sachen an und aus gezogen."
„Dann wird dich einmal mehr auch nicht mehr umbringen", erwiderte ich und scheuchte ihn ins Bad.
Mit einem Gesicht, als wäre die Welt bereits untergegangen, kam er wieder aus dem Bad. Ich musste zugeben, er hatte ein Händchen dafür Klamotten auszusuchen. Hatte ich ihm gar nicht zugetraut.
„Wow, nicht schlecht. Die Jeans macht ´nen netten Hintern." Ich grinste ihn an und er strahlte zurück. Dieser Mann war faszinierend, wie schaffte er es nur immer in so kurzer Zeit seine Stimmung zu ändern?
„Genau das meinte Paula auch, sonst hätte ich die Sachen wahrscheinlich gar nicht gekauft."
Hatte ich gesagt, dass die Klamotten gut aussahen? Vergiss es, sie waren schrecklich. Das schwarze Hemd stand ihm überhaupt nicht.
„Ich finde, dass Hemd macht dich viel zu blass. Du hättest besser eins in weinrot nehmen sollen", sagte ich und setzte meinen kritischsten Blick auf.
„Echt? Paula meinte nämlich auch, dass ich das in rot noch mitnehmen sollte. Aber ich find das hier eigentlich auch okay."
Ich schwor mir nie wieder etwas mit einer Frau namens Paula zu tun zu haben. Ich verabscheute sie schon jetzt, egal wie nett sie sein würde. Nein, gerade dafür, dass sie nett sein könnte.
Ich ließ mir noch die anderen Sachen zeigen um herauszufinden, dass Paula für den Kauf von allen verantwortlich war. Und das schlimme war, sie standen ihm. Nicht dass ich ihm das gesagt hätte. Nein, ich fand bei allem irgendetwas, was scheußlich war oder was ihm besser gestanden hätte, und kam mir dabei ziemlich bescheuert vor. Er gehörte nicht mir. Wieso benahm ich mich dann, wie eine Frau, die vermutete, dass ihr Ehemann fremdging?
Oh Gott, ich benahm mich wirklich so. Was war nur in mich gefahren?
oOoOoOo
„Dieser Hund. Irgendwie schaffe ich es nicht das Gefühl loszuwerden, dass dieser Hund etwas mit mir zu tun hat", sagte Jack später am Abend. Er lag ausgestreckt auf dem Sofa. Das T-Shirt und die Pyjamahose, die er mir als letztes gezeigt hatte, hatte er immer noch nicht ausgezogen und jetzt war es wohl auch kaum noch nötig.
Wie war er denn jetzt schon wieder auf den Hund gekommen? Diese Sache mit dem Hund hatte mir bisher nichts Gutes eingebracht.
„Ja, aber wie? Wir haben das doch schon einmal durchgekaut."
„Es muss doch eine Möglichkeit geben, ich bin mir da so sicher. Eine andere, als dass ich einen Hund habe, der so ähnlich aussieht. Ich bin immerhin ein Zauberer. So etwas muss doch möglich sein."
„Du meinst, du bist ein Animagus?" Ich starrte ihn ungläubig an.
Wieso eigentlich nicht? Warum war ich da nicht von alleine drauf gekommen?
„Hey, ich glaub so ist es. Der Begriff ist mir extrem vertraut. Animagus... Animagus", murmelte er vor sich hin, „Ja, ich glaub ich bin ein Animagus."
„Na, da gibt es eine Möglichkeit das herauszufinden", entgegnete ich ihm, „Die Behörden führen nämlich eine Liste mit den Animagi in ihrem Land, also bräuchten wir nur die Liste von den Animagi in Großbritannien und wir wüssten, ob du einer bist."
„Wahnsinn", hauchte er, „stimmt, ich erinnere mich daran, dass es so eine Liste gibt. Und auf dieser Liste müsste dann auch mein Name stehen, nicht?" Er schwang seine Beine von dem Sofa und sah mich erwartungsvoll an.
Wieso hatte ich nur die Liste erwähnt?
Jetzt musste ich wohl mein gesamtes Glück heraufbeschwören, dass er nicht auf dieser Liste stand. Denn ich wollte nicht, dass er seinen Namen erfuhr. Zumindest noch nicht jetzt, wo ich mich gerade an das Zusammenleben mit ihm gewöhnt habe.
„Okay, ich schick gleich morgen einen Brief an meinen Vater und frag ihn nach der Liste."
„Kannst du ihm nicht jetzt schon den Brief schicken?", fragte Jack, der ungeduldig auf und ab wippte.
Ich grunzte mein Einverständnis und schrieb meinem Vater einen Brief mit der Bitte mir eben jene Liste zu schicken. Zu meinem Glück stellte mein alter Herr nie viele Fragen. Ich nahm den Brief und pirschte mich zu dem einzigen anderem in diesem Haus, der der Zauberei fähig war. Ein älterer, netter Herr, der eine ebenso alte, dafür aber längst nicht so nette Eule besaß.
Zehn Minuten später, nachdem ich mit einer Menge gutem Zureden es geschafft hatte, dem kleinen Kauz meinen Brief anzuhängen, entsandte ich die Eule mit einem unguten Gefühl in Richtung meines Vaters.
Hoffentlich stand Jack nicht auf dieser Liste.
So das war's auch schon wieder. Hoffentlich hattet ihr Spaß beim Lesen. Eine kleine Entscheidungsfrage zum Schluss: Soll der gute Jack seine lange Mähne behalten oder soll sie ab? Ich richte mich da ganz nach euren Wünschen... und Juana auch notgedrungen. Also vergesst das Reviewn nicht!
