Mann, schon wieder ein neues Kapitel und das, wo ich doch eigentlich Missing schreiben sollte. Und Geschichte lernen (auch nicht zu vernachlässigen). Noch mal danke an meine Reviewer! Und einen großen Dank an meine Freundin für die Inspiration ohne sie wäre das Ende nicht möglich gewesen. ;) Hach, ich bin fies. :D
Disclaimer: Mir gehören nur Juana und ihre Vorurteile. Paula will ich nicht. Die kann behalten, wer will.
13. Kapitel
How to remember
„Sirius?", flüsterte ich ungläubig, während der dunkelhaarige Mann mit großen Schritten die Treppe erklomm.
„Du siehst gut aus", murmelte ich in Trance. Er lächelte mich an.
„Kann ich vielleicht reinkommen?", fragte er nur rein provisorisch. Denn kurz darauf hatte er es sich auch schon auf meinem Sofa gemütlich gemacht. Sein Rucksack lag neben ihm.
Ich konnte es nicht fassen, dass er wirklich wieder hier war. In meiner Wohnung. Ohne eine Paula.
„Paula hat mich rausgeschmissen", gab er munter zu und schnappte sich einen Apfel, der auf dem Couchtisch lag. Doch mein Gehirn realisierte die Worte nicht sonst wäre ich wahrscheinlich in Jubelrufe ausgebrochen. Das wäre wahrscheinlich noch peinlicher gewesen als der Fakt, dass ich immer noch dabei war, ihn anzustarren. Mein Blick klebte förmlich an ihm.
Er sah wirklich gut aus. Und das sage ich nicht nur so. Seine Haare waren kürzer; sie streiften so eben noch seine Schultern. Und dieses Hemd machte einfach einen grandiosen Oberkörper! Eigentlich eher kontraproduktiv, aus der Sicht des Hemdes, wenn es doch jede Frau dazu verleitete nichts mehr zu wollen, als ihm das Ding vom Körper zu reißen. Tja, von Intelligenz hatte es anscheinend noch nicht viel gehört. Endlich war Dummheit mal zu was gut.
„Du? Willst du eigentlich irgendwann aus dem Türrahmen kommen oder hast du da Wurzeln geschlagen?", kommentierte Sirius meine peinliche Reglosigkeit.
Das erste, was aus der Erstarrung erwachte, war mein Blut: Es schoss mir in die Wangen.
„Ähm, ja, öh." Umständlich schloss ich die Tür. (Es war schwer die Tür zu schließen und gleichzeitig den Mann auf dem Sofa anzustarren.) Als ich in Richtung meines Sessels ging, fiel mein Blick kurz auf den kleinen Tisch und das Foto darauf. Verdammt. Das sollte schleunigst aus Sirius Blickfeld verschwinden. Ich war mir ziemlich sicher, dass er es noch nicht bemerkt hatte. Schließlich küssten wir beide uns auf dem Bild. Ich hätte also mindestens einen neckischen Kommentar gekommen, wenn er es bemerkt hätte.
„Kann ich wieder bei dir wohnen? Dein Sofa ist sicherlich angenehmer, als das Bett einer Frau, die mich Freak nennt, nur weil ich keine Ahnung mehr habe, wer ich bin."
Wieso wollte er wieder bei mir wohnen? Ah. Ein Licht ging mir auf: Paula hatte ihn rausgeschmissen, im Sinne von rausgeschmissen rausgeschmissen. Wieso sollte jemand das machen? Besonders eine Frau? Diese Frau musste doch einen Dachschaden haben, einen gewaltigen! Die brauchte eindeutig professionelle Hilfe!
„Kann ich oder kann ich nicht?", fragte Sirius und ein Hauch von Unsicherheit lag in seiner Stimme.
„Klar. Klar, kannst du", erwiderte ich schnell und ein Lächeln stahl sich auf mein Gesicht. Ich konnte mein Glück kaum fassen. Er wohnte wieder bei mir. HIER. BEI MIR. Wow! Alles würde wieder so wie früher werden.
Im Gegensatz zu mir schien der Mann vor mir die Ruhe weg zu haben, denn er hatte sich bereits wieder erhoben und war dabei meine Küche nach Lebensmitteln zu durchforsten. Überrascht davon, dass mein Gehirn noch zu solchen gedanklichen Leistungen fähig war, packte ich die Gelegenheit beim Schopf und ließ das Foto in meiner Tasche verschwinden.
„Weißt du, da bin ich mal für ein Paar Tage nicht da und schon hast du nichts zu Essen mehr im Haus."
„Äh, Ana hat alles weggefuttert. Am Wochenende. Ich hatte noch keine Zeit, was Neues zu besorgen, Sirius." Gut, es stimmte nicht ganz. Ich hatte genug Zeit, aber die hatte ich mit Träumen verbracht, in denen Essen nur eine sehr untergeordnete Rolle spielte.
„Okay, dann sollten wir aber schleunigst einkaufen gehen, denn deine Auswahl an Nahrung ist echt kläglich." Er kam mit einer Banane, die mehr braun als gelb war, hinter den Schränken hervor und warf seinem baldigem Festmahl einen kritischen Blick zu. Der Grund, weshalb diese Banane die Fresswut meiner kleinen Schwester überlebt hatte, war, dass sie der festen Überzeugung war, allergisch gegen die Früchte zu sein. Nicht, dass sie es war. Das letzte Mal, dass sie eine gegessen hatte, war zehn Jahre her und außer einem lauten „bäh, die ist total ekelig" wies nichts auf eine Allergie hin. Sie war wohl rein mental.
Er ließ sich wieder auf seinem zukünftigem Bett nieder (hoffentlich würde sich das bald ändern). Und jetzt erst fiel mir auf, dass er auf seinen richtigen Namen gar nicht reagiert hat. Ich beschloss es noch mal zu probieren.
„Sirius?"
„Ja?"
„Sirius Black?"
„Ja, was ist denn?" Er sah mich irritiert an.
„Das ist dein Name!"
„Mein...? Oh, das... oh, mein Name! Mein Name! Stimmt! Woher... ?"
„McLangly hat es mir gesagt", gab ich kleinlaut zu.
„Das... das ist fantastisch. Wow, ich habe eine Identität, ich bin kein Freak mehr! Das... danke." Das letzte Wort erwärmte mein Herz. Er meinte es ehrlich. Er war mir wirklich dankbar. Und er strahlte vor Glück! Was gab es schöneres?
„Du bist die Beste, weißt du das? Viel... viel besser als diese Paula." Oh Mann! Wäre es möglich gewesen vor Glück zu explodieren, wäre meine Wohnung nur noch ein riesiger Krater.
Er kam zu mir rüber, nahm mein Gesicht in seine Hände und drückte seine Lippen auf meine Stirn. Dann hüpfte er in Richtung Küche davon, während von seinen Lippen ein Singsang kam, der sich sehr nach „Ich weiß, wer ich bin. Oh ja, ich weiß, wer ich bin" anhörte. Aber auf mein Urteilsvermögen sollte man sich momentan nicht verlassen, mein Gehirn war zu sehr damit beschäftigt ein Feuerwerk zu organisieren, als dass es auf irgendetwas anderes achten konnte.
Du bist die Beste! Das waren seine Worte gewesen. Auch Paula stand nicht mehr zur Debatte. Und dann war da noch ein gewisses Foto, das mir die Gewissheit gab, dass wir zumindest einen Kuss teilen würden. Zu meinen Gunsten musste ich dazu sagen, dass Mr Black auf dem Foto nicht gerade angeekelt aussah, also deutete das darauf hin, dass es vielleicht nicht nur bei diesem einen bleiben würde.
Mit einem Glas Wasser und einem Lächeln auf dem Gesicht ließ sich Sirius schon zum dritten Mal in kurzer Zeit auf meine Couch plumpsen.
„Und hast du noch mehr herausgefunden als meinen Namen?"
oOoOoOo
Draußen war es bereits dunkel, als ich endlich fertig war, ihm mein Wissen von seinem Leben kundzutun. Es war nicht sonderlich viel und es fehlten jede Menge Details, aber es war immerhin etwas. Und er schien sich wieder zu erinnern, zumindest an all das, was ich ihm erzählen konnte. Ich erwähnte Remus Namen und sofort sprudelte es aus ihm heraus, wie ein Fluss, den man endlich von seinem Damm befreit hat. Er wusste, dass sie seit der Schulzeit befreundet waren, konnte sich an jedes winzige Detail erinnern, was den Zeitpunkt anging, als sie sich das erste Mal getroffen hatten. Remus Spitzname war Moony und das kam wohl daher, dass er ein Werwolf war. Ich muss zugeben ich war in höchstem Maße schockiert zu erfahren, dass dieser nette Mann eine Bestie in sich beherbergte. Doch der Strom der Erinnerungen war ebenso schnell wieder verebbt.
So erging es ihm auch, als ich andere Dinge aus seinem Leben erzählte. Nachdem ich von seiner Zeit in Azkaban und seinem Ausbruch berichtet hatte, schien sein Blick ins Leere zu gehen.
„Meine Beine waren total schwer. Es fühlte sich an, als würde ich die ganze Zeit durch Beton treten müssen. Kurz bevor ich es geschafft hatte, dachte ich noch ich würde elendig ertrinken. Aber dann, dann, als meine Pfoten endlich wieder Boden zu spüren bekamen, da war es das schönste Gefühl, was man sich vorstellen kann. Endlich wieder frei zu sein, nach all den Jahren. Den Wind zu spüren, wie er dein Fell zerzaust, und zu wissen, dass du wahrscheinlich nie mehr zurück musst. Nie, nie wieder." Danach verzog sich sein Gesicht und er sah mich irritiert an: „Ich hab keine Ahnung, was danach passiert ist."
Danach wusste auch ich nicht mehr ganz so viel: Er hatte es geschafft, Pettigrew zu fangen, derjenige der eigentlich ins Gefängnis gesollt hätte, aber das Schicksal war nicht auf Sirius Seite gewesen und so war er wieder entkommen. Dann war mein Wissen nur noch lückenhaft. Nun ja, wir hatten Feierabend, als Lupin (mich gruselte es immer noch bei dem Gedanken daran, dass ich einem Werwolf gegenüber gesessen hatte) davon berichtete wie mein Sirius nur knapp dem Verlust seiner Seele entgangen ist.
Nun saßen wir uns schweigsam gegenüber. Seine Gedanken befanden sich immer noch in der Vergangenheit.
„Es ist einfach komisch. Es ist so unwirklich", unterbrach Sirius die Stille nach einiger Zeit, „ich kann mich an Fragmente meines Lebens erinnern, aber an den Rest nicht. Es ist als hätte man Stofffetzen, aber keine Fäden um sie zusammen zu halten. Ich weiß ein paar Dinge, aber wo ist die Zeit dazwischen, was habe ich da gemacht?"
Er sah mich unglücklich an. Oh Mann, dieser Blick konnte einen richtig runterreißen.
„Ich... nun ja, sieh es so, du weißt jetzt schon wieder vieles aus deiner Vergangenheit und das nur weil ich dir davon erzählt habe. Wie wird es erst sein, wenn du wieder in England bist?" Scheiße, kann mir nicht mal irgendjemand das Reden verbieten? Dieser Mann durfte nicht nach Großbritannien gehen! Was für eine Verschwendung wäre das denn? Und außerdem... ja, und außerdem war ich noch nicht bereit ihn erneut gehen zulassen. Doch ich Dummerchen musste es ihm natürlich unter die Nase reiben.
„Ja, vielleicht", brummte Sirius und gähnte hingebungsvoll. „Ich glaube es wird Zeit für eine ungemütliche Nacht auf diesem Sofa."
Ich sollte ihn für die Diskriminierung von Möbelstücken verklagen. Es handelte sich immerhin um mein Sofa, was er da beleidigte und was ich ihm großzügig, wie ich nun mal war, zur Verfügung stellte.
„Hey, wenn dir meine Couch nicht gefällt, dann nimm doch den Boden als Matratze. Am liebsten wäre es mir, wenn du Bettvorleger spielen könntest, dann ist es morgens nicht ganz so kalt, wenn ich aufstehe."
„Na, ich weiß nicht, ob dir ein lebendes Stück Fell so gefallen würde. Das kann nämlich beißen, weißt du?", erwiderte er.
„Vor deinen kleinen putzigen Zähnchen hab ich doch keine Angst." Besser gesagt als getan. Bei dem Gedanken an die gut fünf Zentimeter langen Raubtierzähne konnte einem schon ein wenig Bange werden.
Er grinste auf eine böse Art und Weise. Das verhieß nichts Gutes, gar nichts Gutes. Eigentlich wollte ich gar nicht wissen, was das verhieß.
Aber ich fand es heraus. Schneller als mir lieb war: Blitzschnell packte er mich, warf mich über seine Schulter und trug mich in mein Schlafzimmer. Ein Ort, an dem er bis jetzt noch nichts zu Suchen hatte, außer er trug mir frische Brötchen und eine schöne Tasse dampfenden Kaffee ans Bett. Na ja, das war bisher nur in meinen Träumen passiert.
Und schon lag ich rücklings auf meinem Bett. Ich war noch leicht benebelt von der Nähe zu ihm, doch meine derzeitige Verfassung schien ihn nicht die Bohne zu interessieren. Denn schon hatte er sich neben mich gekniet und begann mich erbarmungslos zu kitzeln. Okay, das war etwas übertrieben. Es reichte aus, dass er seine Hände in die Nähe meines Bauches brachte um mir eine gehörige Portion Kichern zu entlocken.
„Mein Gott, bei dir braucht man sich ja nicht mal annähernd anzustrengen", sagte er und grinste mich an.
Haha, sehr witzig, Mr Black. Wenn er so kitzelig wie ich wäre, würde er nicht so dumm grinsen. Nein, würde er wahrscheinlich schon, aber er hätte wenigstens mehr Verständnis für uns arme kitzelige Menschen. Etwas Mitleid tät jetzt schon gut.
Das konnte ich ihm nur leider nicht sagen. Mein Mund war zu sehr damit beschäftigt zu lachen. Sirius hatte nämlich seine Arme wieder in meine Richtung ausgestreckt.
„Ich hab doch noch gar nichts gemacht!"
„Ja, aber du wolltest", presste ich mühsam zwischen einigem Gekicher heraus.
Sirius lachte leise und schüttelte den Kopf: „Du bist echt unmöglich, weißt du das?"
„Sonst wäre ich doch nur halb so interessant!", rief ich ihm nach, als er durch die Tür nach draußen verschwand.
Was für ein Tag!
Ich hab es echt probiert! Aber er wollte einfach nicht! Bin unschuldig, kein Cliffi dieses Mal. Aber vielleicht ein Review? liebguck
