Okay, als erstes: TUT MIR LEID. Ich bin nicht dazugekommen Reviews zu beantworten, mein Abi war im Weg. Dafür hab ich jetzt einen NC von 1,5, den ich vielleicht noch am Donnerstag verbessern kann um ganze 0,1 Punkte. Also ich bitte nochmals um Entschuldigung, dafür hab ich mich auch direkt nach meiner Mündlichen an das 14 kapitel gesetzt und das hier ist dabei heraus gekommen... das 15te ist so gut wie fertig, was euch bei diesem Ende sicherlich freuen wird. Immerhin ist es das Kapitel, auf das ich die ganze Zeit gewartet habe. Zur Entschädigung gibt es demnächst auch einen kleinen, süßen Oneshot mit Juana, den ich wahrscheinlich innerhalb der nächsten Woche hochladen werde.

Disclaimer: Nix meins.

14. Kapitel

Trampeltiere

„Hey, Juana, aufwachen!"

Hatte ich ihn wirklich vermisst? Er war nicht gut für meinen Schlaf, das hätte ich doch wissen müssen.

„Ich hab Frühstück mitgebracht!"

Ahh, aber für meine Ernährung, da war er unersetzlich.

„Rück rüber!"

Rück rüber? Was wollte er nun?

Die Frage war schnell beantwort, als er sich neben mir aufs Bett plumpsen ließ.

„Hab dir auch extra Kaffee gemacht!"

Mmh, Kaffee, das war ein Angebot. Aber gegen zusätzlichen Schlaf kam es nicht an. Sollte er sich doch dem Kaffee widmen, ich beschäftigte mich lieber mit meinem Schlaf.

„Ach, Juana, hast du denn überhaupt keinen Hunger? Oder wenigstens Lust auf ein bisschen Kaffee?", fragte er und schob mir die Tasse unter die Nase.

Es roch schon verlockend, das musste ich zugeben. Schlaf oder Kaffee? Wieso konnte man nicht beides haben? Und Sirius noch dazu. Ich weiß, ich war verwöhnt.

„Na komm, du willst den Kaffee doch auch, ich weiß es", ertönte die Stimme meines Wunschobjektes Nr. 1 jetzt direkt hinter meinem Ohr. Selbst seinen heißen Atem konnte ich in meinem Nacken spüren.

Meine Hand tastete nach der Quelle des himmlischen Geruchs. Mit Sirius so dicht hinter mir würde ich sowieso nicht schlafen können.

„Ah, ich wusste es doch. Gutes Mädchen", kommentierte er selbstzufrieden während ich mich aufrichtete und ihn verdrießlich ansah. Blöder Brite!

oOoOoOo

Etwas über eine halbe Stunde später standen wir beide in meinem Büro. Es hatte nicht lange gedauert Sirius davon zu überzeugen mitzukommen. Er meinte alleine in meiner Wohnung bleiben zu müssen, wäre die Hölle auf Erden, sprich Langeweile pur. Besonders wo er doch die Option hätte bei einer so hinreißenden Mexikanerin zu bleiben. Seine Worte, nicht meine, wobei ich ihm selbstverständlich nicht widerspreche. Natürlich hatte ich ihm nicht gesagt, dass Joseo mich dazu verdonnert hatte.

Neugierig musterte er meinen Arbeitsplatz.

„Hier ist es verdammt unordentlich", fasste er den bedeutenden ersten Eindruck zusammen.

Problem war, dass er Recht hatte. Hier war es unordentlich, meine Devise war nämlich, so wenig Zeit wie möglich in der Nähe des Papierkrams zu verbringen.

„Äh ja, ich mag es hier halt nicht so gerne. Gehen wir doch in den Aufenthaltsraum", beschloss ich und marschierte los.

Joseo blickte auf, als ich eintrat. Neben ihm saßen McLangly und auch Lupin. Letzterer sah noch geschaffter aus als gestern.

„Du wolltest mir doch die Telefonnummer schicken", sagte er.

Ups, stimmt. Wollte ich eigentlich. Irgendetwas musste mich abgelenkt haben. Was wohl?

„Ja, richtig. Aber du erreichst ihn nicht mehr unter der Nummer", gab ich zurück und sah mich um, wo der Animagus jetzt schon wieder steckte.

„Und wo ist er jetzt?", fragte er angespannt. Er musste seinen Freund wirklich vermissen.

„Wenn ich das wüsste. Irgendwie ist er mir abhanden gekommen." Remus sah mich leicht panisch an und so fügte ich schnell ein lautes „Sirius, schwing endlich deinen Hintern hierher" hinzu.

„Er ist hier?", entgegnete mir Lupin fassungslos, „wirklich hier?"

„Bis gerade war er das zumindest noch."

Und er war es auch jetzt noch. Da stand er in der Tür und hielt triumphierend ein Stück Pergament vor meine Nase.

„Herzchen auf einen Zettel malen, nennst du arbeiten? Mein Gott Juana, bist du nicht ein wenig zu alt dafür?"

„Öhh, keine Ahnung, wo der her kommt, ist nicht meiner", verteidigte ich mich. Es war meiner und ja, ich war viel zu alt dazu. Ich wollte nur einfach nicht diesen verdammten Bericht schreiben, dazu kam noch, dass meine Gedanken immer wieder bei einem gewissen Mann hängen blieben und so war dieses Kunstwerk dann entstanden.

„Hey Moony", ließ Sirius das Thema von ganz alleine fallen. Ich hätte nie gedacht, dass ich einem Werwolf mal so dankbar sein würde. Dieser stand wie paralysiert da und starrte den schwarzhaarigen Mann an.

„Sirius... ich... es..." Mehr brachte er nicht heraus. Doch dem Mangel an Worten folgte eine umso stärkere Tat. Der Mann machte ein paar unsichere Schritte nach vorne und dann, als ob er sich nicht länger auf den Beinen halten könnte, umklammerte er seinen Freund in einer festen Umarmung. Jetzt war es Sirius der mit weitaufgerissenen Augen starr dastand.

„Ist schon gut, Moony. Ich lauf nicht weg. Ehrlich", redete mein Engländer auf ihn ein. Seine Stimme war so sanft, wie ich sie noch nie erlebt hatte.

„Ich weiß, ich weiß", gab dieser zurück. Aber seinen Worten zum Trotz brachte der Ton die bittere Überzeugung zum Ausdruck, dass man darauf keinen Einfluss hatte.

Nach ein paar Sekunden des Schweigens lösten sich die beiden aus der Umarmung.

„Es ist schön dich wiederzuhaben. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie glücklich ich darüber bin."

„Oh, und ich erst... Am Leben zu sein hat gewisse Vorteile", fügte Sirius schmunzelnd hinzu. Der Werwolf fing an zu lachen und die Anspannung fiel von ihm ab.

„Du wirst dich nie ändern, Sirius."

„Das hoffe ich doch", stimmte ihm Sirius laut lachend zu. Und auch ich gab ihm insgeheim Recht.

oOoOoOo

An diesem Tag hielten wir nicht viel vom Arbeiten... oder besser gesagt, definierten wir dies anders als normalerweise. In unserer Definition befanden sich heute Ausdrücke wie Kaffeetrinken, Erzählen und gemütlich im Aufenthaltsraum sitzen.

Sirius hatte mittlerweile eine grobe Idee von der Zeit, die er mit Remus verbracht hatte. Immer wieder wurde diese von neugewonnenen Erinnerungen verfeinert. Doch wir waren nicht im Geringsten bei der Frage nach dem, was jenseits des Vorhangs lag, weitergekommen.

„Wann kommst du zurück nach England?" Da war sie. Die Frage, vor der ich mich das ganze Gespräch über gefürchtet hatte.

„Ich... ähm." Sirius sah ihn mit großen Augen an. Es schien, als wäre ihm dieser Gedanke nun zum ersten Mal gekommen. „Muss ich?" Er warf mir einen unsicheren Blick zu.

„Du kannst solange bei mir bleiben, wie du willst", sagte ich schnell. Alejandro sah mich amüsiert an. Joseo ebenfalls. Idioten!

„Danke." Er lächelte mich an.

„Du willst noch hier bleiben?", fragte sein Freund.

„Ähm... ja? Ist das okay? Ich weiß nicht, ob ich schon bereit bin nach England zurückzugehen."

„Natürlich. Ich... ach, ist auch egal. Hier geht es schließlich um dich." Je mehr ich mit ihm zu tun hatte, umso sympathischer war mir Lupin. Dabei protestierte mein Verstand, dass ein Werwolf wohl kaum ein braver, lieber Schoßhund war. Vor mir saß eine reißende Bestie... eine sehr sympathische reißende Bestie. Was war nur mit den dunklen Kreaturen heutzutage los? Eigentlich hatte ich mir vorgenommen ihn zu hassen, Sirius vor ihm zu schützen. Aber jetzt erschien mir das lächerlich.

Zwei weitere Stunden später saß diese Kreatur sogar bei mir Zuhause auf dem Sofa. Er war noch nicht bereit gewesen sich wieder von Sirius zu trennen und ich war nicht bereit dazu gewesen ihm diesen Wunsch zu verwehren.

„Ich kann dir leider nichts zu essen anbieten. Juana hat nie was da", meinte Sirius, während er mal wieder meine Schränke durchforstete, „außer... hier, willst du Linseneintopf?" Er streckte die Dose triumphierend nach oben. Dann kam auch sein Kopf in unseren Sichtbereich.

„Linseneintopf klingt doch gut", gab Remus lachend zurück.

„Das wird ein wahres Festmahl werden", kommentierte Sirius, während er eben jenes aufzuwärmen begann. Kurz darauf befreite er die Suppe aus ihrem blechernen Gefängnis. Er reichte uns jeweils einen Teller mit relativ wenig drauf.

„Willst du denn bald schon wieder nach London zurück?", fragte Sirius, in dessen Stimme ein Hauch von Hoffnung mitschwang.

„Es wird sich nicht vermeiden lassen, aber erst einmal werde ich noch für ein paar Tage hier bleiben. Es gibt noch vieles, was du wissen musst."

Sirius nickte zustimmend.

„Oh ja, jede Menge sogar."

„Ihr könnt euch ja morgen, während ich bei der Arbeit bin, treffen", schlug ich vor und war sogleich von mir selbst überrascht. Seit wann war ich denn so entgegenkommend?

„Gute Idee. Kommst du morgen um neun bei mir vorbei? Dann ist es hier nicht ganz so langweilig. Ich kann doch wieder meinen Schlüssel haben?", fragte Sirius in meine Richtung, wobei er keinen Zweifel über die Antwort ließ.

Wie erwartet nickte ich. Auch Remus nickte und gleich darauf verabschiedete er sich. Da waren wir wohl wieder zu zweit.

„Erst acht Uhr!", stöhnte Sirius, „Lass uns noch irgendetwas machen! Gibt es hier nicht eine Kneipe oder so? Dann könnten wir ein mal rausgehen."

„Wieso nicht?" Ich grinste ihn an. Mit ein bisschen Fantasie konnte man das ganze als Date verstehen. Und Fantasie hatte ich reichlich. Besonders bei diesem Mann.

„Okay, ich geh mich noch eben schick machen. Damit du dich mit mir nicht schämst." Er zwinkerte mir zu und verschwand ins Bad. Und da war ich in dem Glauben, dass ich diejenige sei, die sich eigentlich schick machen müsste.

Unwillkürlich war meine Hand wieder zu dem Foto in meiner Tasche gewandert. Ich hatte auf dem Bild das selbe T-Shirt wie jetzt an. War es möglich...? Nein, Sirius hatte etwas anderes an. Was, wenn ich vorschlagen würde, dass er dieses Hemd anzog? Und wenn wir dann zum Torraum gingen anstelle einer Kneipentour?

„Hey, auf geht's."

Ich drehte mich um. Da stand er in genau dem Hemd, das er auf dem Foto anhatte. Mein Blick klebte daran fest.

„Stimmt irgendetwas nicht mit meinem Hemd?"

„Öhh, nein, ist alles okay, ich hab nur gedacht... wollen wir vielleicht noch mal zum Torraum?" Ich starrte ihn an. Er starrte zurück. Und er schien nicht sonderlich begeistert zu sein.

„Ich meine... vielleicht erinnerst du dich ja an noch etwas... und wenn nicht... dann gehen wir in die nächste Kneipe. Okay?"

Er nickte. Immer noch nicht überzeugt, aber er nickte.

Worauf hatte ich mich da nur eingelassen? Konnte das Foto wirklich von heute stammen? Nein, ich täuschte mich. Sicherlich.

oOoOoOo

„Und?"

„Was und?"

„Erinnerst du dich an irgendwas?"

„Öh, ich erinnere mich daran, dass ich dich hier das erste Mal getroffen habe. Aber ich glaube, dass ist nicht das, was du meinst, oder?"

„Nein, nicht wirklich."

Um ehrlich zu sein, war es mir momentan ziemlich egal, ob er weiteres Wissen aus den tiefsten Windungen seines Gehirns hervorgraben konnte, solange er sich nur in den nächsten Minuten dazu entschied mich zu küssen. Los Junge, mach endlich. Ich weiß, ich sollte die Sache eigentlich selbst in die Hand nehmen. Aber wenn es von ihm ausginge... dann wüsste ich wenigstens, dass er es auch wollte.

Aber Sirius wollte mein heimliches Flehen nicht erhören. Er stand unschlüssig mitten im Torraum herum.

„Können wir jetzt wieder gehen?"

„Nein", sagte ich schnell.

„Wieso nicht?" Gute Frage! „Weil du mich noch nicht geküsst hast" wäre die richtige, aber auch absolut lächerliche Antwort.

„Vielleicht brauchst du noch ein wenig Zeit, vielleicht kannst du dich dann an etwas erinnern." ...oder mich küssen.

Er sah mich unschlüssig an.

„Okay", erwiderte er wenig überzeugt, „wir warten noch eine halbe Stunde."

Gut, also hatte ich ganze dreißig Minuten Zeit ihn davon zu überzeugen, dass ich es todsicher wert war geküsst zu werden.

Wir schwiegen. Und die Zeit wurde in die Länge gezogen. Die lockere Atmosphäre war verschwunden. Sirius hatte seinen Blick auf mich gerichtet. Es war, als wolle er mich damit festhalten. Ich wagte es nicht mich zu bewegen.

Langsam ging er auf mich zu. Seine Stirn war in Falten gelegt und jetzt blickte er mich an, als versuche er in mein Inneres zu sehen und meine Gedanken zu erspähen. Doch die waren nicht da. Mein Kopf war leer und mein Herz raste, als ginge es um mein Leben.

Er stand vor mir. Direkt vor mir. Wie sollte ich das nur überleben? Ich würde an einem Herzinfarkt sterben. Da war ich mir sicher. Und ich konnte ihn noch nicht einmal warnen. Das einzige, wozu ich fähig war, war ihn anzustarren. Immerhin tat ich das mit äußerster Präzision.

Plötzlich bemerkte ich, wie seine Hand eine meiner unzähligen Haarsträhnen aus meinem Gesicht strich.

Und dann waren da seine Lippen... direkt auf meinen.

Doch so schnell es angefangen hatte, war es auch wieder vorbei. Ich öffnete meine Augen und blickte in ein Paar weitaufgerissener, brauner Augen.

„Das... ich... es... ich wollte das nicht." Er hatte mich aus dem Himmel geholt um mich direkt in die Hölle zu stürzen.

„Es tut mir Leid. Es wird nicht wieder vorkommen... ich... es..." Er sah mich schockiert an. Hatte er es wirklich nicht gewollt? Oder dachte er nur, dass ich es nicht wollte? Ich nahm all meinen Mut zusammen um ihn das zu fragen und öffnete den Mund...

...doch er war schneller.

„Riechst du das auch?"

Was? WAS? Hatte er mich gerade ernsthaft gefragt, ob ich das auch rieche? Was auch? ARGH! Er trieb mich in den Wahnsinn. Hatte er mich wirklich geküsst, nur um sich dann Hals über Kopf zu entschuldigen und mich dann zu fragen, OB ICH DAS AUCH RIECHE! Und gottverdammt noch mal, ich roch es auch. Eukalyptus? Hier roch es nach Eukalyptus? Ach, egal. Das war jetzt nicht wichtig! Mir war gerade viel zu sehr nach Schreien zu mute.

Doch leider konnte ich ihm nicht mehr ins Gesicht schreien, was ich von seinem Verhalten hielt. Er hatte sich schon umgedreht und betrachtete eine Wand. Und so sah ich fassungslos zu, wie er auf die Knie ging und seinen Kopf nach unten streckte. Ein Trampeltier als Animagusgestalt wäre passender für ihn gewesen.

„Hier ist ein Spalt."

Ich musste zugeben, dass mich das neugierig machte. Ein Spalt? Wieso hatten wir den noch nicht entdeckt? Wo führte er hin?

Aber ich sagte kein Wort. Das hatte er nicht verdient. Er sollte nicht so einfach davonkommen. Das konnte er sich abschminken.

Er zog den Zauberstab hervor, den er sich besorgt hatte, und nach kurzer Zeit ertönte ein leises Plop. In der Wand hatte sich ein schmaler Spalt gebildet, der das Gestein im Zickzack durchzog. Er reichte circa zwei Meter hoch. Was als nächstes passierte, ließ mein Herz für einen Augenblick still stehen. Die Mauer fing an, an der obersten Stelle des Spaltes, wegzubröckeln, sodass sie einen torähnlichen zwei Meter hohen Eingang hinterließ.

„Wow", kommentierte Sirius das Geschehen und verschwand sogleich durch die Lücke in der Wand.

Ich wusste nicht so recht, ob ich ihm folgen sollte. Ich war immer noch wütend, doch zu der Wut gesellte sich nun eine gehörige Portion Neugier. Und was Neugier anging, war ich wie eine Katze.

„Juana, du solltest dir das hier mal angucken!", sagte Sirius laut.

Okay, jetzt hatte er mich. Stolz hin, Stolz her... ich wollte wissen, was da war. Langsam bahnte ich mir einen Weg über den neuentstandenen Steinhaufen.

Da lag ein Mann. Ein toter Mann.

Darf ich noch etwas sagen? Nein? Ich war zu fies? Okay, dann geh ich wieder.