Hier kommt ein kleines Weihnachtsgeschenk meinerseits. Bei 25 Grad und Sonne ist zwar für mich nicht an Weihnachten zu denken, aber dennoch... bitte sehr...
17. Kapitel
Eintritt verboten
„Du musst wirklich nicht mitkommen."
„Ich will aber." Sirius baute sich vor mir auf. „Ob DU willst oder nicht, ich werde mit dir zur Arbeit kommen."
„Sirius!"
„Jetzt red nicht so viel, sonst kommen wir noch zu spät."
„Wen kümmerts? Du bist so ein... so ein..." Kennt ihr diese fiesen Wörter, die einem immer dann nicht einfallen, wenn man sie braucht?
„... so ein verdammt gutaussehender Kerl?" Das schiefe Grinsen brauchte er mir gar nicht zu zeigen.
„Lass das ‚gutaussehend' weg, dann stimmt es." Mit einem Knall erschien ich in meinem Büro. Sirius zwei Sekunden später.
„Ich denke nicht, dass ich unbedingt verdammt bin."
„Bist du, glaub es mir. Ich hex dir nämlich gleich die Zunge aus dem Mund, wenn du nicht deine viel zu groβe Klappe hältst."
Ich starrte ihn gespielt wütend an und die Stille dauerte tatsächlich ganze fünf Sekunden.
„Weiβt du, du solltest hier wirklich mal aufräumen." Der Mann war anscheinend doch nicht verdammt, denn in diesem Moment kam Joseo herein um den Lebensretter zu spielen.
„Ach guten Morgen, Juana. Sirius." Er nickte ihm freundlich zu. „Tim hat einen Brief geschrieben. Er ist über Nacht wieder nach England zurückgekehrt. Tim will dort die selben Tests durchführen, wie wir sie hier gemacht haben, nur an dem er in den Departments of Mysteries. Die Ergebnisse werden uns sicherlich weiterbringen."
„Ist ja schön und gut", antwortete ich pampig, „aber sollte er mir nicht Bescheid geben, dass er wieder aufbricht. Ich bin hier schlieβlich die Leiterin."
„Tut mir Leid, Juana, aber er ist nicht dir unterstellt sondern dem britischen Ministerium."
„Ist doch jetzt auch egal. Fakt ist, er ist weg. Was können wir jetzt hier tun?", mischte sich Sirius ein.
„Keine Ahnung", gab ich zu.
„Vielleicht, ja, vielleicht haben wir uns zu sehr auf das Tor fixiert. Die Antwort könnte in dem Rest des Komplexes sein. Wenn wir herausfinden, was für Menschen hier gelebt haben und was sie über das Tor wussten, dann bringt das uns vermutlich ein ganzes Stück weiter."
Ich nickte. Er hatte Recht. Was wussten wir schon bisher über die Menschen, die hier einst gelebt hatten? Sie waren magischbegabt und lebten ungefähr zur Zeit der spanischen Eroberungen Mexikos. Auβerdem war ihre Kultur wie vom Erdboden verschluckt worden. Knochenschnitzereien wie die, die wir hier gefunden haben, sind noch an keinem anderen Ort entdeckt worden.
„Okay, dann würde ich sagen, sollten wir weiter nach Magiestrahlungen suchen. Am Besten in dem Gang, der zum Torraum führt. Den haben wir nämlich noch nicht untersucht."
oOoOoOo
Klatsch!
„Das bringt doch eh nichts!"
Klatsch!
„Selbst wenn ihr was findet, heiβt das nicht, dass es und weiterbringt."
Klatsch!
Und bisher habt ihr gar nichts und McLangly kommt nicht in die Pötte."
Klatsch!
Ich war kurz davor ihn umzubringen. Musste er das Wärmekissen die ganze Zeit über gegen die Wand werfen? Ich probierte hier produktiv zu sein! Aber wie sollte ich mich konzentrieren, während er das verdammte Ding gegen die Wand schmiss und rumstänkerte?
Klatsch!
Okay, Juana, ganz ruhig. Nicht durchdrehen.
„Mir reicht's. Ich hab' keine Lust länger unnütz rumsitzen. Ich geh jetzt da rein."
Da rein? Was Er meinte... nein... das war unmöglich.
„Sirius?"
„Was? Mach du nur weiter mit deinem Kram, ich will endlich wissen, was dahinter ist." Mit einem PLOP war er verschwunden.
Er war übergeschnappt... und auf dem besten Wege sich umzubringen oder zumindest sein Gedächtnis erneut zu verlieren. Und damit auch alle Erinnerungen an mich. Oh mein Gott, ich musste ihn aufhalten, sonst würde ich ihn wahrscheinlich nie wiedersehen.
Ohne zu zögern apparierte ich in mein Büro und lauschte. Nichts. Mist! Er musste schon im Höhlensystem sein. Ich lief so schnell, wie ich konnte, nach drauβen. Die Sonne war schon fast untergegangen, aber noch reichte das Licht aus um den Eingang zu den Tunneln sehen zu können. Im schnellen Schritt ging ich darauf zu. Ich stockte, als meine Augen etwas im Sand entdeckten. Pfotenspuren! Kein Wunder, dass Sirius so schnell war. Ich musste mich beeilen. Einen Hund zu jagen war deutlich schwieriger und ich durfte auf keinen Fall zulassen, dass Sirius da durch ging. Der Gedanke daran hielt meinen Kopf gefangen.
Meine Füβe bewegten sich automatisch. Wo war er jetzt? War er schon da? Hatte er sich verlaufen? Nein, er kannte den Weg. Wir waren ihn schon so oft gemeinsam gegangen.
Auβer Atem stoppte ich in einer kleinen Höhle. Der mittlere Gang, durch den ging es weiter. Er war zu niedrig um darin aufrecht gehen zu können. Ein weiterer Vorteil für den Hund. In einer Mischung aus Rennen und Stolpern lief ich weiter. Nächste Höhle, nächster Gang. Links, rechts, rechts. Ich konnte nur hoffen, dass Sirius es sich anders überlegt hatte oder ihn zu mindest Zweifel kamen, die ihn aufhielten. Er war auch solch ein Narr! Ein Dummkopf, ein wirklicher Dummkopf! Hatte er noch nie etwas davon gehört seinen Verstand auch mal zu gebrauchen? Wie konnte er nur aus reiner Frustration heraus sein Leben auf Spiel setzen?
Mit jedem Schritt klopfte mein Herz stärker. Und endlich konnte ich das Ende des letzten Tunnels sehen. Bitte, Sirius, bitte. Ich krabbelte heraus, auf meine Knie keine Acht gebend, und hielt den Atem an.
Da stand er. Direkt vor dem Vorhand. Seine Hand ausgestreckt.
„Nein!", schrie ich panisch.
Er wandte sich um und sah mich verdutzt an. Hinter ihm bewegte sich der Stoff, wie von einem Wind, der nicht da war.
„Bitte, Sirius", flehte ich ihn an. Ich stand wie angewurzelt da, den Blick starr auf den dunkelhaarigen Mann gerichtet. Doch er runzelte bloβ die Stirn und drehte sich wieder weg.
Dann holte er aus, schlug zu und...
...fluchte. Seine Hand war am Vorhang abgeprallt. Dieser hatte sich nicht mal ein Stück bewegt.
Ich zwinkerte. Und erlaubte mir wieder zu atmen. Das musste Einbildung sein. Das war schier unmöglich.
„Au! Scheiβe!", meinte Sirius, während er seine Hand rieb, die sehr wohl davon überzeugt zu sein schien, dass sich das Geschehene im Rahmen des Möglichen befand. „Ich habe es zuerst mit dem Stock da probiert. Aber der Vorhang lieβ sich nicht beiseite schieben. Und von roher Gewalt war er anscheinend auch nicht sehr angetan."
„Aber...?"
„Magischer Schutzmechanismus, denke ich. Irgendjemand will nicht, dass wir da reinkommen. Mmh, warum kann man jedoch durch das andere Tor dorthin gelangen?"
„Gibt es Zauber, die das Passieren nur von einer Seite verhindern?"
Sirius nickte und setzte sich vor den Vorhang. Dann tat er etwas, was mich den Atem anhalten lieβ: Er lehnte sich gegen den Stoff. Es war ein skuriles Bild. Sirius Rücken an einen dünnen Vorhang gelehnt, der leicht um ihn herum in der Luft wirbelte.
„Oh mein Gott."
Der Brite grinste. „Na los, setzt dich neben mich. Es fühlt sich an wie eine Steinwand."
Was mir egal, wie es sich anfühlte. Meine Augen waren zutiefst davon überzeugt, dass es keine Steinwand war. Steinwände besaβen nur sehr selten die Eigenschaft sich in einem nicht vorhandenen Wind zu bewegen. Bewegung an sich war ein Fremdwort für sie.
„Ich trau dem Ding nicht", gab ich der Schlussfolgerung aus meinen physikalischen Erkenntnissen Ausdruck.
„Mir geht es nicht viel anders. Ich weiβ nicht, ob wir den Zauber brechen können. Dumbledore wäre dazu, denke ich, in der Lage."
„Dumbledore? Ich glaube, ich hab den Namen schon mal gehört."
„Solltest du. Es ist der beste Zauberer, den unsere Zeit zu bieten hat. Er leitet die britische Schule für Hexerei und Zauberein, Hogwarts. Als Schulleiter ist er wirklich gut."
„Nur als Schulleiter?"
„Er war der Hauptgrund, weshalb ich ein ganzes Jahr in dem Haus meiner Eltern verbringen durfte. Es war wie ein zweiter Gefängnisaufenthalt." Sirius verzog das Gesicht. „Ich kann mich nur schattenhaft daran erinnern, aber ich weiβ, dass es die Hölle war. Keine guten Erinnerungen und so. Meine Eltern waren schwarze Magier. Totale Fanatiker. Wir haben uns die meiste Zeit über nur gestritten. Ich... ja, ich bin dann irgendwann abgehauen. Mit sechszehn, zu James. Wie dem auch sei, ich werde Dumbledore kontaktieren und ihn fragen, was er über diese Zauber weiβ und ob es eine Möglichkeit gibt, sie zu brechen."
„Wieso? Wir haben doch noch einen anderen Eingang. Den in England."
„Ja, das stimmt. Aber es muss einen Grund geben, warum dieser hier verschlossen ist. Vielleicht ist er von der Innenseite her nicht so gut bewacht oder aber etwas besonders wertvolles befindet sich dahinter."
Ich nickte. Vor allem die Aussicht auf eine schlechte Bewachung sagte mir zu. Trotzdem war mir der Gedanke daran, dass Sirius vorhatte dadurch zu gehen, zuwider. Selbst wenn der beste Zauberer der Welt ihn begleiten würde.
Ich setzte mich zu ihm auf die Stufen und beobachtete ihn. Sein Blick klebte mal wieder an irgendeiner Wand fest. Ich hoffte inständig, dass er nicht nochmal auf den Wahnwitz kam, sein Leben in Gefahr zu bringen, nur weil er jetzt sofort etwas unternehmen musste.
„Du, Sirius?", murmelte ich gegen seine Schulter, „versprichst du mir, dass du in Zukunft keine weiteren Suizidexkursionen mehr unternimmst?"
Er sah mich belustigt an. „Du meinst wie die, die du selbst noch vor ein paar Tagen vorhattest?"
„Ich hab mich immerhin aufhalten lassen."
„Ich mich auch", gab er zurück und klopfte gegen den Vorhang hinter sich.
„Du bist doof."
oOoOoOo
Unsere Entdeckung stieβ am nächsten Morgen auf groβes Interesse von Seiten Alejandros und Olivias und Enttäuschung von Joseo. Es tat gut, diesmal nicht derjenige su sein, der sie verdiente.
„Du solltest wieder einen Bericht an deinen Boss schreiben, Juana. Das darfst du nicht vergessen, sonst will er sich bald in unsere Angelegenheiten einmischen."
„Na, der kriegt doch eh alles..." Ich stoppte. War die Praktikantin etwa wieder weg?
„Ja, sie ist nicht mehr hier. Du hast es gar nicht bemerkt über all den Trubel mit dem Tor und... annderen Ablenkungen." Joseo warf einen bedeutungsvollen Blick in Sirius Richtung. Sirius grinste.
„Okay, okay, hast ja Recht, ich schreib den verdammten Bericht. Gibt es eigentlich schon was Neues von McLangly?"
„Nein, er musste sich zu erst durch einen Haufen Papierkram arbeiten. Es gab bürokratische Hindernisse, damit er die Berechtigung kriegt um Experimente in dem Raum zu machen. Das Ministerium hat den Bogen als gefährlich eingestuft, sie wissen ja noch nicht, dass Sirius hier es dort heraus geschafft hat. Tim versucht aber so schnell wie möglich die Magiestrahlung zu messen und Fotos zu machen. Ich werde ihm nicht vorschlagen, Sirius letztes Experiment ebenfalls durchzuführen." Joseo konnte sehr penetrant sein, wenn jemand bei ihm in Ungnade gefallen war.
„Gut, dann geh ich jetzt meinen Bericht schreiben. Ihr habt ja ebenfalls genug zu tun. Könntet ihr mir einen Gefallen tun und Sirius daran hindern, durch irgendwelche Vorhänge zu laufen?" Sirius sah mich missmutig an. Wenn er in Hundegestalt gewesen wäre, hätte er wahrscheinlich geknurrt.
Eine qualvolle Stunde verbrachte ich damit, einen möglichst uninteressanten Bericht zu schreiben. Ich musste vorsichtig sein. Wenn mein Boss auch nur annähernd auf den Verdacht kommen würde, dass es hier etwas gab, mit dem sich Profit machen ließe, dann wäre es vorbei mit unserer mehr oder weniger intensiven Forschungsarbeit. Dann würde ich wahrscheinlich sogar eine völlig andere Ausgrabung zugewiesen bekommen. Also galt es möglichst wenige Funde als spektakulär zu verkaufen. Und bloß kein Wort von Sirius.
Als die Eule mit dem Brief fortflog, war ich geschafft. Ich hoffte, dass mein Chef nicht merken würde, dass ich ihm etwas verheimlichen wollte. Aber zum Glück schenkte er meinen Berichten meistens keine allzu groβe Beachtung. Doch der Torfund hatte schon einmal seine Aufmerksamkeit auf sich gezogen.
Mühsam stand ich auf. Meine Gliedmaβen hatten beschlossen mit dem Stuhl zu verwachsen.
Sirius saβ im Aufenthaltsraum mit den Füβen auf dem Tisch.
„Dir ist bewusst, dass Kippeln gefährlich ist?"
Er nickte.
„Und dass dreckige Schuhe auf unserem Esstisch unhygenisch sind?"
Wieder nickte er.
„Und dass es mir sehr lieb wäre, wenn du sie runternehmen würdest?"
Diesmal kam er nicht zum Nicken. Ich hatte mich auf seine Beine gesetzt, was zur Folge hatte, dass wir beide wenig später auf dem Boden saβen. Sirius war der erste der lachte und kurze Zeit später wieder aufhörte (im Gegensatz zu mir). Eine Eule hatte seinen Kopf als ideale Sitzmöglichkeit auserkoren. Der Brief baumelte direkt vor Sirius Nase.
„Nicht lustig", grummelte er. Damit hatte er Unrecht. Er griff nach dem Stück Pergament und verscheuchte die Eule. Dann fing er an es zu entrollen und verharrte kurz darauf.
„Sirius, was ist?"
Er antwortete nicht. Sowieso schien er mich gar nicht wahr zu nehmen. Also stand ich auf und setzte mich hinter ihn.
Seine Augen waren starr auf drei Wörter gerichtet.
Hihi, meine Betaleserin hat an dieser Stelle erfolgreich festgestellt, wie viele Sätze man aus drei Wörtern kombinieren kann. Dabei sind sie eigentlich ganz simpel. Vielleicht habt ihr ja auch einen Vorschlag... Schreibt ihn mir ruhig, hab nichts dagegen, wenn ihr auch noch weitere Kommentare hinzufügt.
