Teil 11
Sara holte tief Luft. Sie hatte sich vorgenommen stark zu sein und Grissom bei seiner Abschiedsparty zu helfen.
Flashback
Die letzte Woche war wunderschön. Ihre Dinner, die gemeinsamen Nächte und die Arbeit an der Universität waren von einer Melancholie überlagert, die Sara so noch nie erlebt hatte. Es war genauso wie es die Liebensgeschichten beschrieben. Sie versuchte sich jeden Moment mit Grissom einzuprägen, jedes Lächeln, jedes Wort und jede Geste.
Und in den Nächten lag sie neben ihm wach und fragte sich wie sie ohne ihn leben würde. Denn das würde sie müssen.
Sie hatte vergeblich versucht Grissoms Gefühle zu analysieren. Ihm lag etwas an ihr. Das war klar. Aber war es ein Flirt oder ging es nur um Sex oder mochte er sie irgendwie?
Sara wollte das irgendwie nicht analysieren, aber es wäre doch schön zu wissen was sie ihm bedeutete.
Und nun war sie auf dem Weg zu seinem Büro um die Party zu betreuen. Sie hatte Grissom erst auf die Idee gebracht und dann voller Elan die Organisation übernommen. Seine Kollegen waren mehr als überrascht als sie die Einladungen verteilte. Seit 6 Monaten war er an der Universität, hatte sich bei fast keiner offiziellen Einladung sehen lassen und nun gab er eine Abschiedsparty. Aber fast alle sagten zu und so standen 20 Leute auf Saras Einladungsliste und die musste sie alle in Grissoms kleinem Büro unterbringen. Zu ihrer eigenen Überraschung hatte sie Spaß an der Sache und Grissoms ironische Bemerkungen konnten ihre Laune überhaupt nicht trüben. Ein wenig zu denken gab ihr allerdings die Frage als was er sie vorstellen sollte. Erst da wurde ihr wieder klar, dass ihre Beziehung geheim war. So musste sie als seine Assistentin auftreten und damit gehörte sie eigentlich nicht zu den Gästen, die die Party genossen. Nein, sie war da als Angestellte. Aber solange sie wusste, dass sie zu ihm gehörte, wäre alles gut.
Sara hatte sich mit Grissom verabredet und sie war zwei Stunden vor Beginn des Empfanges wie Grissom zu sagen pflegte, da. Von Grissom eine Spur. Sara wunderte sich zwar, konnte sich aber keine Ablenkung erlauben. Die Tische mussten dekoriert werden, Geschirr und Gläser verteilt und dann kamen schon die Platten mit den Häppchen an. Kurz vor Beginn war Grissom immer noch nicht da und Sara begann sich Sorgen zu machen. Normalerweise hätte er doch angerufen und Bescheid gesagt. So konnte Sara nur hoffen, dass die ersten Gäste nicht vor dem Gastgeber eintrafen.
Jetzt konnte sie eigentlich nur noch eins tun, sich selbst vorzubreiten. Lange hatte sie überlegt was sie anziehen. Nichts auffälliges, nichts Elegantes. Aber Grissom sollte es gefallen. Am Ende hatte sie sich für eine schwarze Hose entschieden und dazu eine weiße, leicht glänzende Bluse entschieden. Ihre inzwischen wieder etwas längeren Haare fielen in leichten Locken auf die Schultern. Sara schaute in den Spiegel und lächelte sich zufrieden an. Die Party konnte beginnen.
Das er sich unwohl fühlte, war die Untertreibung des Tages. Er hatte Sara versprochen bei der Vorbereitung des Empfanges zu helfen und nun kam er zu spät. Und er brachte auch noch einen Überraschungsgast mit.
„Catherine, bist du endlich fertig. Wir kommen zu spät."
„Ja, ja.", tönte es aus dem Schlafzimmer.
„Nur noch einen kleinen Moment. Ich bin gleich fertig."
Grissom stöhnte auf. Das sagte sie seit einer halben Stunde. Anscheinend probierte sie alle Kleider an, die sie dabei hatte. Mit Sara hatte er so etwas nie erlebt. Wenn sie sagte, sie wäre fertig, dann war sie es auch und das Ergebnis war in seinen Augen perfekt. Sie sah einfach immer toll aus.
Wie er ihr Catherine erklären sollte, dass wusste er auch noch nicht. So in Gedanken versunken, bemerkte er Catherines Auftritt nicht.
„Hey Gil, was sagst du."
Sie hatte ein dunkelrotes Kleid an und der tiefe Ausschnitt war selbst von Grissom nicht zu übersehen. Und als ganz normaler Mann gab er zu, dass Catherine sehr gut aussah. Aber das wusste sie genau und so verlor jedes Kompliment ihren Wert, denn nichts anderes erwartete Catherine. Sara dagegen wurde immer ein wenig verlegen, wenn er ihr sagte wie gut sie aussah.
„Du siehst toll aus. Können wir jetzt gehen?"
Catherine rollte mit den Augen. Dieser Mann war einfach unverbesserlich. Jeder andere hatte Stielaugen bekommen, aber nicht Gil Grissom. Er war ein hoffnungsloser Fall.
„Ja, wir können gehen. Ich bin schon ganz gespannt auf diese Sara. Ist sie so eine typische Labormaus?"
„Labormaus? Sara ? Wie kommst du darauf?"
„Na ja, ich dachte, wenn sie für dich arbeitet."
„Catherine, du arbeitest doch eigentlich auch für mich, oder?"
Damit brachte er sie zumindest für eine Weile zum Schweigen.
Sara wurde immer aufgeregter. Die ersten Gäste waren eingetroffen und schienen sich über Grissoms Fehlen nicht zu wundern. Sie fragte sich welches Bild seine Kollegen von ihm hatten. Auf jeden Fall war ihnen die Party wichtiger als das Treffen mit Grissom.
Und sie war froh, dass sie auf eine Musikanlage bestanden hatte. Leise Melodien lockerten die Atmosphäre auf und auch Sara begann sich nach dem ersten Glas Wein zu entspannen. Was konnte sie auch sonst tun? Wenn Grissom etwas Schlimmes passiert wäre, dann hätte sie es erfahren. So konnte sie nur annehmen, dass er auf dem Weg war.
„Gil, warum hetzt du so? Zu einer Party kann man auch zu spät kommen."
„Nicht wenn man der Gastgeber ist und nicht wenn es sich um einen Empfang handelt."
Saras Namen wollte er in Catherines Gegenwart nicht noch einmal erwähnen. Sie würde sich schon genug wundern, wenn sie sie sah.
Als sie das Uni-Gebäude betraten, war leise Musik zu hören. Mehrere Personen schienen dorthin zu gehen wo die Musik herkam und wenn Grissom die Situation richtig einschätzte, dann waren es mehr als 20 Gäste. Kleine Gruppen standen im Flur und gerade machten sich 2 ältere Studenten daran, die Bürotür auszuhängen und einen Tisch heraus zutragen.
Hilflos verfolgte Sara das Geschehen. Der Erfolg der Party war schön und gut, aber die Getränke würden nie ausreichen. Und nun begann man sogar den Flur mit ein zu beziehen. Sie schaute in die Menge. Rund 40 Personen, und noch immer kein Grissom. Was sollte sie nur machen? Am besten erst einmal mehr Wein, Bier und Mineralwasser bestellen und dann noch etwas zum Knabbern.
Aber bei der Lautstärke konnte sie nicht telefonieren und deshalb machte sich Sara auf den Weg ein Telefon zu suchen. Die vierte Bürotür war nicht verschlossen und ohne zu zögern betrat sie das Zimmer. So verpasste sie den Auftritt von Grissom and Catherine.
Catherine hatte sich bei Grissom eingehakt und genoss ihren Auftritt. Alle Blicke richteten sich sofort auf sie.
„Grissom, wo haben sie denn Ihre Freundin so lange versteckt?", war die am häufigsten gestellte Frage in den ersten Minuten.
Catherine lachte auf.
"In Las Vegas."
„Tatsächlich. Und was tun Sie dort?"
Catherine warf Grissom einen provozierenden Blick zu. Was war die richtige Antwort?
„Na ja, bisher hatte ich zwei Jobs tagsüber Tänzerin und an Abend bin ich CSI, wie Grissom."
Damit erreichte sie die erhoffte Wirkung. Als sie sich umdrehte fiel ihr Blick auf eine junge Frau, die in der Tür stand.
Grissom folgte ihrem Blick und sah Sara. Er ging auf sie zu.
„Sara, tut mir leid, dass ich nicht da war. Ich habe überraschend Besuch bekommen."
„Das sehe ich. Wer ist sie?"
Sara hasste sich für den eifersüchtigen Unterton, aber sie konnte nicht anders. Die Frau dort war so – voller Selbstbewusstsein und Sex.
„Das ist Catherine."
Sara erinnerte sich an den Namen. Die Kollegin aus Las Vegas. Kollegin oder mehr.
„Gil, stellst du mich vor?"
„Natürlich. Das ist Sara. Meine Assistentin."
Catherine zog die Augenbrauen hoch. Das war also die bewusste Sara. Die hatte sie sich aber ganz anders vorgestellt.
Sie ging auf Sara zu und begrüßte sie freundlich.
„Hallo, mein Name ist Catherine Willows."
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TBC
