Die Studentin, Kapitel 20

„Männer", sagte sie laut zu sich selbst als sie ihr Hotelzimmer betrat. Konnte man sie wirklich verstehen? Diesen einen Mann bestimmt nicht.

Eigentlich sollte sie ihre Sachen packen und abreisen.

Und sollte Grissom sie nicht gut genug kennen um keine niederen Beweggründe zu vermuten.

Natürlich würde sie gern wieder mit ihm arbeiten. Sie waren doch ein tolles Team gewesen, da war es doch normal dass sie darüber nachdachte. Aber das war doch nicht der Grund ihres Kommens.

Sie konnte erwarten, dass er sein Unrecht erkannte und sich entschuldigte. Aber würde ein Gil Grissom so etwas tun?


Grissom saß in seinem Büro und dachte nach. Der Alkoholrausch war verflogen, die Realität hatte ihn fast wieder eingeholt. Aber zu dieser Realität gehörte auch seine Zuneigung und sein Verlangen zu Sara.

Er hatte sich ehrlich gefreut sie zu sehen, aber dann kamen die Zweifel wieder. Sein Zweifel. Und konnte Sara etwas dafür, dass er unsicher war?

Im Prinzip nicht, aber sie war in diesem Moment da und bekam es ab.

„Gil, wollen wir Essen gehen?"

Catherine hatte gerade einen Fall abgeschlossen und brauchte eine Pause.

„Nein danke, Cath. Ich bin heute keine gute Gesellschaft."

„Hey, dass hat mich doch noch nie gestört, oder? Komm schon."

Aber Grissom blieb bei seiner Meinung und so machte sie sich allein auf den Weg.

Als sie am Empfang vorbeiging hörte sie eine bekannte Stimme.

„Kann ich Dr. Grissom sprechen?"

Die Empfangsdame wollte zum Telefon greifen als Catherine dazwischen ging.

„Ich mach das schon. Hallo Sara. Was willst du hier?"

„Hallo, ich will zu Gil."

„Er hat keine Zeit für dich.", antwortete Catherine kühl.

Sara versuchte ruhig zu bleiben.

„Das würde ich gern von ihm selbst hören."

Catherine griff Sara am Arm und zog sie vor die Tür.

„Was soll das?", fragte Sara überrascht.

„Hey, das frage ich mich auch. Warum läufst du Grissom hinterher?"

„Ich will ihn nur besuchen. Was ist eigentlich dein Problem? Bist du eifersüchtig auf mich oder Grissom? Ich hatte schon früher das Gefühl, dass ich dich irgendwie störe."

„Du störst mich. Allerdings. Grissom ist mein bester Freund."

„Freund, aber nicht Geliebter."

„Glaub mir, wenn ich wollte, dann würde ich ihn bekommen. Denkst du nicht?"

Sie sah Sara provozierend an und wusste, dass sie einen Treffer gelandet hatte. In Saras Augen war für einen kurzen Moment Unsicherheit und Eifersucht aufgeflackert. Grissom hatte ihr also nicht erzählt, dass er Catherine zurückgewiesen hatte.

„Du weißt, dass ich Recht habe. Also was willst du? Ihm etwas vorweinen oder ihn um einen Job bitten?"

Waren denn alle Menschen in Las Vegas so misstrauisch, fragte sich Sara. Und was Catherine da abzog war einfach unmöglich.

„Du weiß, dass ich Grissoms Freundin bin", versuchte sie zu erklären.

„War. Vergangenheit."

Sara schluckte eine Erwiderung herunter.

„Ok, also was ist dein Problem mit mir."

„Ich will dass du verschwindest. Du hast hier nichts zu suchen. Er braucht dich nicht."

„Das stimmt nicht. Grissom braucht mich. Er will …"

„Was will ich? Sara was machst du hier?"

Die beiden Frauen fuhren auseinander. Sara sah ihn an und Catherine blickte schuldbewusst zu Boden.

Sie wusste, dass Grissom nichts mehr hasste als eine Szene. Da hieß es ruhig zu sein. Offensichtlich hatte Sara diese Erfahrung noch nicht gemacht.

„Ich wollte dich sehen."

„Tatsächlich. Das hörte sich aber ganz anders an. Um das Klarzustellen: du weiß nicht was ich will."

„Können wir das nicht unter vier Augen klären. Bitte Grissom."

Aber anscheinend wollte oder konnte er den bittenden Ton ihrer Stimme nicht hören.

„Nein, ich habe eigentlich alles gesagt. Nur du hast mich anscheinend nicht verstanden."

Sie sahen sich an. Sara sah nur kühle Distanz, keine Leidenschaft, keine Freude sie zu sehen. Was hatte sie nur falsch gemacht?

„Bitte, Baby. Das kann doch nicht sein. Lass uns reden."

Grissom schüttelte den Kopf.

„Ich fürchte das hat keinen Sinn."

Er wandte sich Catherine zu.

„Wir wollten doch essen gehen."

Catherine nickte und folgte ihm.


Fassungslos sah Sara dem Paar hinterher.

Schweigend liefen die beiden nebeneinander.

„Gil, du kennst meine Meinung. Aber was du eben gemacht hast, dass war grausam."

„Es war der einzige Weg."

„Was meinst du damit?"

„Es ist besser, wenn sie mich jetzt hasst und geht als später. Du hast selbst gesagt, dass sie zu jung für mich ist. Sie würde mich bald über haben."

„Oh."

Sie wusste nicht was sie sagen sollte. Für sie kam die Liebe immer an erster Stelle und dafür würde sie auch Risiken eingehen.

„Bist du dir sicher? Ich glaube, dass sie wirklich in dich verliebt ist."

Er zuckte mit den Schultern.

„Danke, dass du mich trösten willst. Ich werde mich immer an unsere Zeit erinnern. Es war wundervoll. Aber es war eine ungewöhnliche Situation. Nicht das wahre Leben."

„Ach Grissom, was bedeutet schon das wahre Leben? Liebe ist wichtiger."

Er sah so traurig aus.

„Komm her."

Sie zog ihn zu sich heran und umarmte ihn.


Sara merkte, dass sie die Tränen nicht zurückhalten konnte.

Griss konnte das unmöglich so meinen? Er hatte ihr doch noch vor ein paar Stunden eine Liebeserklärung gemacht.

Nein, so konnte es nicht enden.

Sie schaute in die Richtung, in der die beiden gegangen waren.

Da liefen sie. Sara wollte gerade Grissoms Namen rufen, da blieb Catherine stehen und umarmte ihn.

Sie ging immer schneller, bis sie vor den beiden stand.

Eifersucht machte sich in ihr breit.

„Freunde ? Tatsächlich. Das nächste Mal glaube ich dir, Catherine.

Und du Grissom, du musst dich ja sehr amüsiert haben. Dachtest du – warum nicht? Es ist ja nur Sex. Nur Sex. Aber ich habe gedacht, ich dachte, dass du mich magst, vielleicht liebst. Wie dumm von mir. Warum lachst du nicht."

Sara lies ihren Tränen freien Lauf.

Grissom war aus seiner Erstarrung erwacht.

„Sara, Honey. Du verstehst das ganz falsch."

„Wirklich ? Das passiert jetzt zum dritten Mal. Da sollte ich es endlich verstehen. Du bist nicht an mir interessiert."

Er versuchte sie zu unterbrechen.

Aber Sara war so in Fahrt, dass sie nichts mehr hörte.

„Tut mir leid, dass ich mich so dumm benommen habe. Wird nicht wieder passieren."

Sie drehte sich um und ging langsam los.

Grissom wollte etwas sagen, wusste aber nicht wie und was. Und Catherine – sie war nur sprachlos. Wie können sich zwei Menschen nur so missverstehen? Klar, sie wollte Sara loswerden, aber nicht so.


Traurig und wütend packte Sara ihre Koffer. Sie wollte nur weg. Las Vegas – sie hasste diese Stadt. Warum war sie noch bloß gekommen ?

Per Telefon erkundigte sie sich nach Flügen – egal wie teuer sie waren. 2 Stunden später hob ihr Flugzeug ab und sie hatte sich geschworen diese Stadt nie wieder zu betreten.