Endlich mal wieder ein längeres Kapitel. Ich hoffe, dass es keine Klagen gibt. Viel Spaß beim Lesen !


Die Studentin und ihr Boss

Sara hatte ihren Koffer ausgepackt und sah sich um. Der Blick auf Las Vegas war noch immer eindrucksvoll. Diese Stadt schlief nie und auch die Baukräne drehten sich tag und Nacht. Warum man allerdings ein Hotels abriss und dann auf diesen Platz wieder ein neues zu bauen, war ihr unverständlich.

Aber eigentlich interessierte sie die Stadt heute überhaupt nicht. Heute Abend würde sie Grissom wieder sehen. Nach all den Jahren war sie gespannt welche Gefühle er in ihr auslösen würde.

Sie strich über das Kleid, das sie extra gekauft hatte. Geschmackvoll und elegant – so wollte sie ihm gegenübertreten.


„Catherine, du weiß genau, dass ich heute Abend nicht kann."

„Mein Gott, Gil. Und Du weiß genau, dass es nicht meine Schuld ist. Wirklich, ich wäre für dich eingesprungen. Aber der neue Sheriff will nicht mich sondern dich sehen. Tut mir leid."

„Das glaube ich dir nicht. Du hättest es getan, aber du wolltest nicht, dass ich Sara treffe. Ich werde dir nie vergeben."

„Unsinn, du vergibst mir immer."

„Es gibt Grenzen."

Catherine zuckte mit den Achseln.

„Wenn Du meinst."

Er warf ihr einen warnenden Blick zu.

„Lässt du mich bitte allein. Ich muss meine Verabredung absagen und da brauche ich keine Zuhörer."


Traurig griff Grissom zum Telefon. Nach nur einem Klingeln hob Sara ab.

„Ich bin's."

Bevor Sara etwas sagen konnte sprach er weiter.

„Leider muss ich dir für heute abend absagen. Es tut mir so leid."

Schweigen am anderen Ende der Leitung.

„Sara ?"

„Ja, da kann man wohl nichts machen. Ich hätte dich gern wieder gesehen."

Beide sagten nichts mehr. Grissom hatte erwartet, dass sie einen neuen Vorschlag machen würde.

Stattdessen hörte er ein Räuspern.

„Ich weiß nicht, ob ich während des Kongresses Zeit habe. Der Terminplan ist eng."

Sie klang so traurig wie er sich fühlte.

„Ich hätte dich wirklich …"

„Grissom, ich weiß doch wie das ist. Die Arbeit geht vor. Mach dir keine Gedanken. Ich gehen dann allein essen und früh ins Bett. Bye."

„Bye, Sara."

Beide legten fast zeitgleich auf.


„Dr. Grissom, haben Sie etwas wichtiges vor?", fragte der Sheriff vorwurfsvoll. Der ständige Blick auf die Uhr war ihm nicht entgangen.

„Wir reden über Ihr Budget und Brass meinte, dass Sie die Interessen am besten vertreten würden."

„Seit mehr als einer Stunde diskutieren wir über den Etat. Ich habe meine Sache vertreten, drei Mal um genau zu seien. Aber Conrad will mehr Geld für seinen Bereich und ich soll Abstriche machen. Wir können darüber solange reden wie Sie wollen. Aber ich gebe nicht nach. Und um Ihre Frage zu beantworten, ich tatsächlich etwas besseres und wichtiges vor."

Er stand auf und verlies unter den erstaunten Blicken seiner Vorgesetzten den Raum.

Bevor sich Brass fangen konnte, ergriff der Sheriff erneut das Wort.

„Sie haben Ihre Leute nicht in Griff, Brass. Klären Sie das. Wir treffen uns in der nächsten Woche wieder. Und Conrad, Sie bekommen Ihr Geld."

Der Sheriff hatte noch nicht ausgesprochen, da war Brass aus dem Raum gestürzt.

Allerdings sah er Grissom nur noch von weitem.

Wütend ging er in den Pausenraum.

„Catherine, wo ist Gil?"

„Ich denke in der Sitzung."

„Da war er. Und er hat es geschafft, dass Conrad seinen höheren Etat bekommt."

„Was ? Das kann nicht sein. Wir brauchen das Geld dringender als er. Was ist passiert?"

Brass zuckte mit den Schultern.

„Keine Ahnung. Aber wenn er weiter so macht, dann kann er seine Karriere vergessen. Der Sheriff will einen neuen Bereichsleiter und die Chancen für ihn stehen im Moment sehr schlecht."

Einen neuen Bereichsleiter ? Davon hörte Catherine zum ersten Mal.

Vielleicht sollte sie sich bewerben.

Brass schien ihre Gedanken zu lesen.

„Vergiss es. Du bist noch nicht so weit."


Grissom wusste wirklich nicht was in ihn gefahren war. Das ganze Gerede war doch total überflüssig. Er hatte wirklich anderes im Kopf.

Den ganzen Tag konnte er nur an Saras traurige Stimme denken. Und wie gern er sie wieder zum Lachen bringen würde.

Eigentlich interessierte ihn überhaupt nichts anderes. Jede Minute ohne Sara erschien ihm plötzlich sinnlos. Und als ihn der Sheriff dann ansprach, brach es aus ihm heraus. Er hatte wirklich etwas Besseres zu tun.

Eilig verlies er das Gebäude und machte sich auf den Weg zu Sara.


Die Lichter der Stadt spiegelten sich in ihrem Hotelfenster. Aber Sara hatte keine Augen dafür. Stattdessen dachte sie daran wie gern sie mit Grissom an einem festlich gedeckten Tisch gesessen hätte. Sie hätten sich in die Augen gesehen und Grissom ihre Hand gehalten. So hatte sie es sich gewünscht und vorgestellt.

Aber sie hatte selten bekommen was sie sich gewünscht hatte. Ohne es zu merken, fing sie an zu weinen. Warum war das Leben so ungerecht?

Fast hätte Sara das Klopfen an der Tür überhört. Eilig wischte sie sich über die Augen. Als sie am Spiegel vorbei kam, sah sie dass ihr ganzes Make up verschmiert war. Aber das war auch egal.

Sie atmete tief durch und öffnete die Tür.

Da stand er – Grissom.

Vor Schreck lies sie die Tür wieder zu fallen.

Sie musste träumen. Vorsichtig öffnete sie Tür einen kleinen Spalt.

Nein, er stand tatsächlich dort.

„Hallo, störe ich dich?"

Sie traute ihrer Stimme nicht und schüttelte den Kopf.

„Kann ich reinkommen?"

Sie nickte und Grissom betrat den Raum.

Bevor er etwas erklären konnte, hatte sich Sara umgedreht und war ins Bad gelaufen.

Dort angekommen, atmete sie tief durch. Er war gekommen. Und wie sah sie aus? Schrecklich.

„Sara, geht es dir gut?"

„Ja, ich bin gleich wieder da."

Schnell wusch sie ihr Gesicht und legte ein wenig Make up auf. Ok, so ging es. Das Kleid hing im Schrank. Mist. Aber wenn er so plötzlich vor der Tür stand, dann konnte man nichts machen.

Grissom starrte nervös auf die Tür.

Vielleicht hätte er doch anrufen sollen?

Endlich kam Sara heraus.

„Entschuldige, du hast mich auf dem falschen Fuß erwischt."

„Ich wollte dich nicht so überfallen. Aber mein Meeting war so langweilig und ich musste daran denken, dass ich viel lieber bei dir wäre. Und hier bin ich nun. Schlimm ?"

„Nein. Gar nicht. Ich freue mich."

Sie schluckte.

„Ich habe Dich so vermisst."

„Ach Grissom. Du …"

Sie konnte nicht weiterreden, weil ihr schon wieder die Tränen kamen.

„Honey. Bitte weine nicht. Ich werde sofort gehen."

Er lies den Kopf hängen und verfluchte seine spontane Entscheidung. Da lies er sich von seinem Herz leiten und dann das.

„Wage es nicht, Gil Grissom."

Er blieb stehen.

„Griss, du bist wirklich unmöglich. Ich will nicht dass du gehst."

Er drehte sich um und sah sie unter Tränen lächeln.

„Ich dachte, dass du wütend auf mich bist."

„Unsinn, ich war nur traurig. Und dann tauchst du hier auf und sagst diese Dinge zu mir. Und Du merkst nicht einmal wie süß du dabei bist."

„Süß? Ich weiß nicht, ob das ein Kompliment ist."

Inzwischen stand er vor ihr.

„Hallo."

Er strich ihr über die Wange.

Sara liebte das Gefühl, dass er in ihr auslöste. Nichts hatte sich geändert. Nach so langer Zeit stand sie hier und liebte ihn fast noch mehr als in der Vergangenheit.

Sie lächelte ihn an.

Genau darauf hatte er all die Jahre gewartet. Auf dieses Lächeln und die Schmetterlinge im Bauch, die er nur bekam, wenn Sara in seiner Nähe war.

Vorsichtig zog er Sara an sich.

„Ich will ja nichts überstürzen, aber darf ich dich küssen."

„Frag nicht so dumm. Tu es einfach."

Anfangs platzierte er nur leichte Küsse auf Saras Gesicht, dann näherte er sich ihrem Mund.

Darauf hatte Sara nur gewartet. Sie schlang ihre Arme um seinen Hals und erwiderte den Kuß leidenschaftlich.

„Bleibst du bei mir ?", fragte Grissom nach einer Weile vorsichtig.

„Ja."

„Ich meine nicht nur für heute oder diese Nacht."

Sara sah ihn an.

„Ich auch nicht."