Kapitel 26

Sara lies sich beim Packen nicht ablenken. Aber eine große Hilfe war Grissom auch nicht. Fasziniert sah er zu wie sie versuchte ruhig zu seien, aber nach einer Weile warf sie die Sachen nur noch in den Koffer.

Er schaute sie fragend an.

„Wehe du sagst ein Wort, Grissom. Ich packe normalerweise nicht so. Aber wenn du mir zusiehst, …"

„Also ist es meine Schuld."

„Genau."

Grissom beschloss nichts mehr zu sagen. Wortlos nahm er Sara die Koffer ab. Sie zahlte an der Rezeption und beide verließen das Hotel.

Die Autofahrt verlief angespannt. Und gerade als Sara beschloss, das Eis zu brechen, klingelte ihr Handy.

Sie schaute auf den Display und erschrak. Verdammt, die Tage in Las Vegas hatten sie so abgelenkt, dass sie es einfach vergessen hatte.

„Entschuldige, ich muss den Anruf annehmen."

Grissom nickte.

„Sidle."

Grissom hörte nicht was am anderen Ende gesprochen wurde, aber es war eindeutig eine aufgeregte Männerstimme.

Plötzlich kam er sich ganz dumm vor. Natürlich hatte eine Frau wie Sara einen Freund. Nur weil er sich nicht binden wollte, traf dass auf andere nicht zu.

Er hatte einfach angenommen, dass Sara – was? Ihn nicht vergessen konnte? Seinetwegen die Männer aufgab?

Bleib ruhig, Gil. Warte ab. Vielleicht ist es ganz anders, versuchte er sich zu beruhigen.

Da er abgelenkt war, entging ihm ein Teil des Gespräches.

„Ja. Ich hatte versprochen anzurufen. Entschuldige, aber ich war rund um die Uhr beschäftigt."

Sie atmete tief durch.

„David, beruhige dich. Ich rede nicht mit dir, wenn du so aufgeregt bist. Nein, ich schulde dir nichts. David, David."

Ohne eine Sekunde zu zögern, drückte sie das Gespräch weg.

Sie konnte es nicht fassen. Niemals hatte sie dem Mann Hoffnungen gemacht. Zwei Dinnereinladungen und er dachte, dass sie ihm etwas schuldete. Verdammt.

Vorsichtig sah sie Grissom an. Der hatte inzwischen sein offizielles Gesicht aufgesetzt. Und meinte damit, dass geht mich alles nichts an. Und vor allem - mich kann mich treffen.

Sie räusperte sich.

„Ein Bekannter."

„Tatsächlich.

Sara hasste die eisige Stimme. Schon immer. Dabei hatte er wirklich kein Recht dazu. Aber dann sagte sie sich, dass sie vielleicht ähnlich empfinden würde. Eifersucht. Aber sie konnte nicht zulassen, dass diese Gefühle ihre gemeinsame Zeit verdarb.

„Gil, bitte. Schau mich an."

Sie wartete.

Grissom sah stur auf die Straße vor ihm.

„Bitte."

Ihre Stimme. Er sah zu ihr hinüber.

„Es ist wirklich nur ein Bekannter. Zwei Dinner. Er durfte mich nicht einmal nach Hause bringen."

„Durfte ?"

„Ich lege die Regeln fest. Dinner ist das eine, eine Begleitung nach Hause das andere."

Grissom lag eine Frage auf der Zunge, wagte aber nicht sie zu stellen.

Aber Sara konnte ihn gut genug um zu wissen, dass seine Gedanken weiter gingen.

„Frag es."

Grissom seufze.

„Du kennst mich zu gut.

Sie wartete.

„Also gut. Ich … ich glaube es zwar nicht. Denn wenn du einen Freund hast, dann hättest du bestimmt nicht mit mir geschlafen."

„Nein, bestimmt nicht."

Grissom atmete durch.

„Du hast also keinen Freund?"

Sie schüttelte den Kopf.

„Gott sei dank."

Sie lachte auf.

„Ich müsste dir böse sein, Gris. Aber ich glaube, dass du wirklich vorher keinen Gedanken daran verschwendet hast. Aber wenigstens traust du mir nicht zu, dass ich einen Freund habe und dir trotzdem meine Liebe gestehe."

Grissom stand kurz davor auf die Bremse zu gehen. Wie konnte sie so ruhig seien und ihm sagen, dass sie ihn liebte. Als wenn es dass normalste der Welt war.

Aber wenn er darüber nachdachte, dann war es das. Es konnte nicht anders sein. Sie liebte ihn und er liebte sie. Sie gehörten einfach zusammen.

Es war nur die Frage, was nun ?


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