Date: 9. Dezember
Author: Feuerkopf
Category: Short Story
Characters/Pairing: Molly und ein unerwarteter Gast
Genre: Fantasy
Rating: G
Disclaimer: J. K. Rowlings ist die Göttin, die Molly schuf.
(A/N): Mein Text sei als Huldigung verstanden. ;-)
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Molly und die Stiefel
Draußen war es ungemütlich. Böen zausten die kahlen Weiden, die das Anwesen beschützten. Eilige Wolken kamen mit dem Westwind und brachten Regen mit.
Molly Weasley beeilte sich, wieder ins Haus zu kommen. Sie trug mehrere Stängel Rosenkohl auf dem Arm, der gut gediehen war in diesem Jahr. Unzählige Düfte schlugen ihr entgegen, die ihre feine Nase wohl zu unterscheiden wusste: Da schmorte ein Rinderbraten im Backofen, auf der Anrichte kühlte Früchtebrot aus, frischgezogene Bienenwachskerzen mussten noch weggeräumt werden, Büschel trocknender Gartenkräuter mischten ebenfalls ihre würzigen Noten ins Bouquet.
Molly liebte diese letzten Tage vor Weihnachten, wenn sie backen und braten konnte nach Herzenslust. Am Morgen hatte sie Mann und Kinder freundlich, aber bestimmt vor die Tür gesetzt und ihnen aufgetragen, noch ein paar Vorräte für den Haushalt zu besorgen.
Sie goss Tee in einen großen Becher und setzte sich dann an den Küchentisch. Mit einem Wink schaltete sie das Dudel-o-phon an, wie sie das alte Radio nannte, ein Mitbringsel Arthurs von einem Ausflug in die Muggelwelt. Die Wellen der BBC interessierten sich nicht für irgendwelche Grenzen zwischen den Welten und deshalb konnte Molly ein klassisches Konzert genießen, das gerade ausgestrahlt wurde. Sie schnitt nach und nach die Rosenkohlköpfchen von den Stielen, entferne welke Blätter und freute sich, dass sie Zeit und Muße und vor allem Ruhe hatte.
Zunächst fiel es ihr nicht auf, weil sie aus der Kälte hereingekommen war und dann nicht, weil der Tee sie von innen wärmte. Schließlich aber schützte sie nicht mal die etwas verschossene, aber heiß geliebte maronenbraune Strickjacke vor dem unangenehmen Frösteln. Sie stand auf und stellte fest, dass der Kamin, dem die Beheizung des Hauses oblag, erloschen war. Stirnrunzelnd schaute sie nach, ob genügend Holz vorhanden war, aber alles hatte seine Ordnung. Sie seufzte. Gelegentlich kam es vor, dass sich eine Eule in den Abzug verirrte und ihn verstopfte. Seit sie einen Schutzzauber über den Schornstein gesprochen hatte, hätte so etwas allerdings nicht mehr vorkommen dürfen. Molly beugte sich vor, hob den Zauberstab und mit „Lumos!" erhellte die Spitze den dunklen Schacht über ihr.
Zu ihrer großen Verblüffung entdeckte Molly klobige schwarze Stiefel, die dort wie Glockenschwengel baumelten. Sie kletterte vorsichtig in den Kamin und spähte genauer in die Esse. Oberhalb der Stiefel blähte sich eine Hose, deren Bund unterhalb eines feisten Bauches verlief. Dessen blasses behaartes Fleisch verhinderte offenbar das Durchrutschen, denn er steckte auch dann noch fest im Rohr, als Molly versuchsweise an den dicken Stiefeln zog.
„Reducio!" kommandierte sie in Richtung Bauch, doch es tat sich nichts! Der Wanst blieb so bleich und dick wie zuvor. Das war ungewöhnlich. Sie versuchte es mit „Descendo!", aber auch das Herabsinken wollte nicht klappen!
So blieb Molly nichts anderes übrig, als mit „Engorgio!"den Durchmesser ihres Kaminabzugs zu erweitern und den Dickbauch unsanft auf dem kalten Holzstapel landen zu lassen. Der Mann im roten Anzug war nicht nur verrußt, sondern auch bewusstlos.
„Aguamenti!", befahl sie und kaltes Wasser bespritzte das bärtige Gesicht des unfreiwilligen Gastes.
Er hustete, keuchte und schlug dann klarblaue Augen auf. Seine Stimme war tief und klang wie eine große Glocke. „Du meine Güte!" sagte er und schaute sich um.
Molly half ihm aus dem Kamin heraus und gab ihm einen Stuhl. Er setzte sich schnaufend hin. Nach einem Schluck Tee – Tee hilft immer! – war er wieder gefasst.
Molly staunte ihn an. „Wieso funktionieren meine Zaubersprüche bei Ihnen nicht?", wollte sie wissen.
Er lachte mit dröhnendem Bass. „Weil ich aus einer magischen Welt stamme, die mit deiner nichts zu tun hat, liebe Molly. Leider funktioniert meine eigene Magie hier auch nicht richtig." Er schnippte mit den dicken Fingern und ein großer, wohl gefüllter Jutesack plumpste ebenfalls aus dem Schornstein. „Siehst du, meine eigenen Sachen hören auf mich, aber deine eben nicht."
Versuchsweise schickte Molly ein „Mobiliarbus!" zum Sack hinüber, der brav herübergeschwebt kam. „Das ist alles sehr merkwürdig!", sagte sie und auf ihren Wink schwebte der Tonkrug mit dem selbst aufgesetzten Kräuterlikör heran.
Der dicke Mann im schmutzigen Anzug und Molly Weasley tranken gemeinsam zwei Gläschen auf den Schreck und ihr gemeinsames Wohl.
Dann erhob sich der Gast und reichte Molly die warme, große Hand. „Herzlichen Dank, liebes Mädchen. Du hast mit deiner Hilfe verhindert, dass Weihnachten ein trauriges Fest geworden wäre."
Molly bekam rote Wangen. Sie ließ einmal den Zauberstab kreisen und sagte „Reparo!".
Der rote Anzug war wieder fleckenfrei und saß nun wie angegossen.
Der weißbärtige Mann ging zur Tür hinaus und winkte ihr freundlich zu, bevor er in einer leuchten Wolke verschwand, die große Ähnlichkeit mit einem Schlitten hatte.
Mit einem Lächeln auf dem Gesicht kehrte Molly wieder ins Haus zurück. Sie verkleinerte den Schornstein und versteckte den Gabensack in ihrer magischen Handtasche. Dann entfachte sie - „Incendio!" – das wärmende und knisternde Kaminfeuer. Sie sah sich zufrieden um.
Weihnachten konnte kommen!
