Date: 14. Dezember
Author: Yamato
Category: Short/Story
Characters/Pairing: Ginny, Luna
Genre:
Rating: PG
Disclaimer:
(A/N): Spoiler:Nach dem Ende von Band 7, aber vor dem Epilog (der wahrscheinlich auch gar nicht stattfinden wird *g* )
*********************************
Das goldene Kirin
Ginny konnte sich nicht daran erinnern, jemals weniger Weihnachtsstimmung empfunden zu haben, es sei denn, sie zählte ihr sechstes Schuljahr dazu, als Voldemort die Zaubererwelt unter seiner Kontrolle hielt. An diese Zeit zu denken würde ihre Stimmung aber noch zusätzlich verschlechtern, falls das überhaupt noch möglich war. Also ließ sie es lieber sein.
'Warum müssen wir auch ausgerecht so kurz nach Weihnachten ein so wichtiges Spiel haben,' dachte sie, als sie den Quaffle mit solcher Wucht an Valery weitergab, dass diese beinahe vom Besen geschleudert wurde, als sie ihn auffing. 'Jetzt kann ich hier zwei Wochen mit Training verbringen, anstatt mit meiner Familie zu feiern. Aber Harry interessiert das ja sowieso nicht, Hauptsache er kann wieder auf Verbrecherjagd gehen.'
In dem Versuch, sich freizufliegen, schoss sie aufs gegnerische Tor zu, aber "ihre" Mannschaft war bereits nicht mehr im Besitz des Quaffles. Sie nutzte die Gelegenheit, um sich suchend nach dem Snitch umzusehen, vermutlich aus alter Gewohnheit, da sie früher in Hogwarts einige Male Sucherin gewesen war.
Den Snitch sah sie nicht, wohl aber eine kleine Gestalt, die auf den Bänken des Stadions hockte und vorher noch nicht da gewesen war. Eine kleine Gestalt mit langen blonden Haaren, die unter einer dicken lila Wollmütze hervorguckten.
"Luna?" fragte sie einige Minuten später, als Gwenog ihnen endlich eine Pause gönnte und sie mit ihrem Besen gelandet war. "Was in aller Welt machst du denn hier? Ich meine, nicht dass ich mich nicht freuen würde, dich zu sehen, aber wie bist du überhaupt hier reingekommen? Normalerweise lassen die Wachleute doch gar keinen durch, wenn wir trainieren."
"Ich glaube, sie haben mich nicht gesehen," antwortete Luna, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. "Als ich durch die Tür gegangen bin, haben sie mich jedenfalls nicht angesprochen."
Ginny, die es längst aufgegeben hatte, sich im Zusammenhang mit Luna über etwas zu wundern, fragte nicht weiter nach, sondern sah sie erwartungsvoll an. "Bist du gekommen, um mir frohe Weihnachten zu wünschen?" wollte sie wissen. "Gegen eine kleine Aufmunterung hätte ich jetzt nämlich gar nichts einzuwenden."
"Ja, unter anderem, aber eigentlich muß ich dir was sagen," begann Luna ein wenig scheu. "Du erinnerst dich doch an das goldene Kirin, das ich dir vor zwei Jahren geschenkt habe? An dem Weihnachten, als wir damals in Hogwarts..."
'Natürlich erinnere ich mich,' dachte Ginny, denn es war genau das Weihnachten, das wir alle vergessen wollten. Damals hatte keiner von uns Geschenke für seine Freunde, weil die Todesser uns alle persönlichen Sachen weggenommen hatten und die Briefe meiner Familie haben sie konfisziert. Luna war die Einzige, die mir etwas geschenkt hat, kurz bevor sie zu ihrem Vater fuhr und den Todessern in die Hände fiel. Aber...
"Das ist mein Weihnachtsgeschenk für dich, Ginny." Mit diesen Worten hatte Luna ihr einen zerdrückten alten Karton in die Hand gedrückt. "Es ist ein goldenes Kirin, ein Geschöpf des Lichts, das dir Glück bringen soll. Aber du darfst den Karton nicht aufmachen, weil es sehr klein und sehr schnell ist, und es dann wegfliegt und du es nicht mehr einfangen kannst."
"Aber das heißt ja auch, dass ich es gar nicht ansehen kann," hatte Ginny geantwortet. "Das macht nichts, weil Kirin sowieso unsichtbar sind," hatte Luna zurückgelächelt. "Hauptsache, du weißt, dass es da ist, dann kann es dir auch Glück bringen."
Also hatte sich Ginny an Luna's Anweisungen gehalten und den kleinen Karton nicht geöffnet. Aber am nächsten Tag waren die Gryffindor-Räume wieder durchsucht worden, und natürlich entging auch der Karton der Aufmerksamkeit von Alecto Carrow nicht, die für die Durchsuchung verantwortlich war, und natürlich wurde er geöffnet. Ginny hatte nicht das Herz, es Luna zu erzählen, und so schloss sie den Karton wieder und stellte ihn zurück unter ihr Nachttischchen.
"Ich muss dir auch etwas sagen," begann Ginny, noch bevor Luna weiterreden konnte. "Ich hatte bisher nicht den Mut dazu. Alecto Carrow hat damals den Karton geöffnet. Ich konnte es dir nicht sagen, weil ich Angst hatte, dich zu verletzen."
"Das macht nichts." Luna senkte den Blick. "Es war kein goldenes Kirin in dem Karton."
"Schon in Ordnung." Ginny lächelte. "Ich wusste es längst."
