So hier ist jetzt das 2.Kapitel!Viel Spaß!
2.Kapitel – Die Sage der Àvla
Es war ein gigantisches Anwesen, das doch etwas bescheiden wirkte. Es war punkt 18.55 Uhr, als Lara mit ihrem Ducati Motorrad vor einem mächtigen Tor anhielt.
Links und rechts davon befand sich eine Mauer aus rotem Backstein, die einige Meter lang war.
„Nicht schlecht Miss Nicklson, nicht schlecht…", sagte Lara, während sie auf die Klingel drückte und daraufhin sich das Tor öffnete. Ein kleiner Kiesweg aus weißen Steinen führte durch einen reichverzierten Garten. Sogar ein Springbrunnen war zu sehen. Aus einem großen marmornen Becher lief das Wasser in den runden Brunnen. Nur wenige Meter vor dem Eingang, öffnete der Butler des Anwesens die Tür.
„Guten Abend Lady Croft. Bitte kommen Sie doch rein." begrüßte sie dieser und Lara betrat die riesige Eingangshalle. Sie war rund und rechts prasselte ein Feuer in einem großen Kamin. Über diesem hingen viele Bilder. Von Familienmitgliedern wie Lara vermutete, von Reisen und verschiedensten Blumen. Links auf einer Treppe, die nach oben führte stand eine Frau mit schulterlangen, blonden Haaren und einem eleganten Nadelstreifenanzug.
„Lady Croft. Schön, dass Sie so pünktlich sind. Bitte folgen sie mir." sagte Nicklson und Lara folgte.
Als sie eine Weile durch den Flur gingen, wollte Lara ein Gespräch anfangen.
„Miss Nicklson. Worum geht es denn in meinem Auftrag?"
„Alles zu seiner Zeit Miss Croft.", lächelte Ashley kurz, ohne dabei in Laras Augen zu sehen. Diese schaute nur verdutzt und folgte ihrer Auftraggeberin weiter.
„So, hier rein Miss Croft." gab Nicklson von sich und öffnete eine Tür, die zu einem recht üppig dekoriertem Raum führte.
„Setzten Sie sich bitte."
Lara tat wie ihr geheißen und nahm auf einem weißen Sofa platz, wobei Miss Nicklson sich auf Eines genau gegenüber ihr setzte.
Der Raum war ziemlich hoch und es standen haufenweise Regale mit Ordnern und Bildern im Zimmer. Das Highlight dieses Raumes war wohl die Fensterwand, die einen atemberaubenden Blick auf den Sonnenuntergang bereitete.
„Gut. Ich würde gerne auf Ihre vorherige Frage antworten. Der Auftrag geht um Die Sage der Àvla. Sicher wissen Sie etwas darüber.(?)"
Lara wusste nicht, ob das jetzt eine Frage oder ein normaler Aussagesatz war. Deshalb beschloss sie einfach nichts zu sagen und lächelte.
„Aha. Anscheinend doch nicht.(?)" sagte Miss Nicklson mit einem süffisanten Unterton.
Nein…und das? War das jetzt eine Frage oder nicht?
Ja….Die junge Frau war in diesem Moment etwas verwirrt.
„Gut Lady Croft. Ich würde sagen ich erzähle Ihnen die Sage.", beschloss Ashley und fing an zu erzählen.
Es war vor etwa 3500 Jahren, als auf der Insel Montek ein Vater, König Materda, seine Frau, Königin Daliah und ihre Kinder, beide Zwillinge, der Sohn Àvec und seine Schwester Labea lebten. Auf der Insel gab es die verschiedensten Kreaturen. Von Nixen bis Elfen. Von Zentauren bis Vögeln. König Materda und seine Frau waren hervorragende Herrscher. Das Volk musste nie hungern, die Landschaft war idyllisch und es herrschte Frieden. Aber einst verliebte sich Àvec in seine Schwester Labea. Diese erwiderte seine Liebe, doch beide hielten ihre Gefühle geheim. Beide wussten, wenn es ihr Vater erfahren würde, würde etwas Schreckliches passieren.
Doch das Schicksal meinte es nicht gut mit den beiden. Der Vater kam hinter das Geheimnis seiner Kinder und trennte diese. Von nun an mussten sie in Zellen leben, die kilometerweit von einander entfernt waren. Die Mutter wollte das nicht, doch Materda drohte ihr mit dem Tod. So musste Daliah ihre zwei Kinder leiden sehen.
Àvec aber lernte nichts dazu und entwickelte enorme Kräfte. Kräfte des Bösen. Labe hingegen hatte zwar immer noch Liebeskummer, verspürte aber keinen Zorn in ihr. So entstand eine Zeit des Pechs und Leidens für das Volk. Als Materda nicht mehr weiter wusste, kam er zu dem Entschluss Àvec zu verwandeln. Nur so konnte er das Leiden seines Volkes beenden. Doch um das Gleichgewicht des Bösen zu halten musste er auch Labea verwandeln. Es war schwer die beiden zu überlisten doch letztendlich gelang es dem König. Er erschuf eine Kugel, die aus zwei Hälften bestand. Eine schwarze, in der Àvec schmorte und eine weiße, in der Labe gefangen war. Die beiden Kinder waren nun Geister. Geister des Gleichgewichts zwischen Gutem und Bösem. So entstand die Kugel Àvla.
Um den Zauber endgültig zu machen formte der König einen Stab. Den stab des Montek. Nur mit diesem konnte man die zwei Hälften zusammenfügen.
Mit einem triumphalen Gesichtsausdruck versteckte er Sein werk in eine Höhle.
Was er aber nicht mitbekam war, dass seine Frau alles über den bösen Plan wusste. Sie schwor die Kugeln eines Tages zu trennen.
Ja wahrhaftig. Der Zauber des Königs hatte gewirkt. Viele Jahre ging das Leben des Landes weiter. Doch es sollte anders kommen. Daliah dachte an ihren Schwur. In einer finsteren Nacht sollte es so weit sein. Sie schlich zur Höhle und sprach eine Zauberformel.
Inwadu Dewadu
Exiliadu Montenadu
DARE
Plötzlich strahlte ein gewaltiger Strom von Licht aus der Kugel und das Werk des Königs zerfiel in drei Teile. Die zwei Kugelhälften und der Stab. Gerade als Daliah das zerstörte Werk mitnehmen wollte, fingen die Teile an zu vibrieren und lösten sich auf.
Die Frau fing an zu weinen und lief nach Hause, doch als sie ankam verspürte sie ein Beben unter ihren Füßen.
Der König war fassungslos und wollte wissen, was seine Frau getan hatte. Diese blieb jedoch stumm und blickte ihrem Mann in die Augen. Voller Angst.
Im nächsten Moment brachen beide zusammen. Auch die Insel konnte dem Beben nicht mehr standhalten. Sie brach in Stücke und ging unter. Samt dem Königspaar und ihrem Volk.
Lara sah beeindruckt aus. „Eine tragische Geschichte."
„Ja, das finde ich auch.", antwortete Ashley.
„Nun Miss Croft, Ihr Auftrag besteht darin, diese drei Teile zu finden und sie mir zu überreichen. Da ich ein Museum leite, werde ich diese Artefakte ausstellen. Natürlich mit höchsten Sicherheitsvorkehrungen."
Lara nickte Ashley zu.
„Am besten sie beginnen mit der Suche am Meeresboden in der Nähe von den Karibischen Inseln. Denn genau dort sollte die Insel gewesen sein."
„Es ist mir eine Ehre diesen Auftrag für Sie zu erledigen. Ich werde mich in zwei Tagen zu den Karibischen Inseln begeben.", erwiderte die Lara.
„Gut. Tun Sie das. Bloß keine Hektig, alles hat seine Zeit.", antwortete Nicklson mit diesem süffisanten Unterton.
„Melden Sie sich, sobald Sie von den Karibischen Inseln zurückgekommen sind.", fügte sie noch hinzu.
„Ja.", bestätigte die Archäologin und beide Frauen gingen zum Haupteingang zurück.
„Schönen Abend noch Miss Nicklson.", sagte Lara zum Abschied und machte sich auf den Weg zu ihrem Motorrad.
Lara blickte auf die Uhr ihres Ducatis und stellte fest, dass es schon 22.00 Uhr war.
„So spät? Jetzt aber schnell."
Und so verschwand die junge Frau, begleitet von dem surrenden Motor ihres Ducatis im Dunkeln.
