Date: 18. Dezember

Author: Sevvie

Category: Short Story

Characters/Pairing: Snape, Dumbledore

Genre: General

Rating: G

Disclaimer: Mir gehören weder Snape noch Dumbledore noch der Weihnachtsmann, so es ihn denn gibt. ;)

A favour returned

Oben im Himmel saß Severus Snape auf seiner Wolke und langweilte sich.

Der Himmel war wirklich nicht das, was er erwartet hatte. Bisher war es ausschließlich erstaunlich ätzend gewesen. Nicht nur, dass er zu seiner eigenen milden Überraschung tatsächlich hier oben gelandet war - es waren auch noch alle da, die ihn nervten. Potter natürlich, und Black und Lupin, diverse Leute aus seiner Vergangenheit, die er lieber nicht wieder gesehen hätte, seine Mutter(!), und natürlich...

"Severus!" Dumbledore kam herangeschlendert, mit einem Ausdruck nervtötender Entspanntheit in seinen Zügen; im Gegensatz zu Snape schien ihm der Himmel wirklich gut zu stehen. "Was machst du denn schon wieder für ein langes Gesicht?"

Snape zog es vor, darauf nicht zu antworten und sich auf seiner Wolke so breit wie möglich zu machen, um Dumbledore zum Weitergehen zu animieren, aber der ließ sich wie selbstverständlich nieder und schien zudem noch eine Antwort zu erwarten.

"Es ist zu hell", murrte Snape also. "Und weiß steht mir nicht." Er zupfte unzufrieden an seinem Hemd herum.

Dumbledore sah ihn beinahe erstaunt an, als sei ihm diese Tatsache eben erst aufgefallen, und schmunzelte dann. Snape stützte das Gesicht in die Hände und zog die Brauen zusammen.

"Es ist etwas anderes, das muss ich zugeben." Dumbledore rückte seine Brille zurecht. "Aber es gibt dir etwas mehr Frische!"

Snape verzog das Gesicht. "Ich bin tot. Ich bin nicht mehr frisch."

Dumbledore schien darauf keine Erwiderung parat zu haben, also schwiegen sie ein paar Minuten vor sich hin. Snape fragte sich schon, ob das jetzt so weitergehen und der Alte nie verschwinden würde, als Dumbledore wieder zum Sprechen anhob.

"Eigentlich bin ich gekommen, um dir einen Vorschlag zu machen."

Snape sah kurz zur Seite, nur vage interessiert, und Dumbledore fuhr fort. "Weißt du, welche Jahreszeit sie da unten jetzt haben?"

"Mmpf", machte Snape. "Mir egal."

"Weihnachten", sagte Dumbledore salbungsvoll, als erwarte er einen Gong, der die Äußerung unterstrich. "Heute, um genau zu sein."

"Und was hat das mit mir zu tun?" Snape hatte Weihnachten schon immer gehasst. Er wollte einfach, dass Dumbledore seinen zweifelsohne dämlichen Vorschlag vortrug, so dass er ablehnen konnte und dann endlich wieder seine Ruhe hatte.

"Erst einmal nichts. Zunächst einmal hat es nur mit mir zu tun." Er machte eine Pause und wollte wohl gerne, dass Snape fragte 'Und was?'.

"Und was?", fragte Snape genervt.

"Nun", sagte Dumbledore zufrieden, "Es geht um den Weihnachtsmann. Wie jedes Jahr um diese Zeit benötigt er dringend die Hilfe von Freiwilligen, um..."

"Mooooment!" Snape wandte den Kopf, um Dumbledore mit einer Mischung aus Spott und Argwohn anzusehen. "Sie wollen mir nicht ernsthaft weismachen, dass Sie an den Weihnachtsmann glauben!"

"Aber Severus, du etwa nicht?" Dumbledore war ehrlich überrascht. Snape starrte ihn mit offenem Mund an, bevor er den Kopf schüttelte. "Verkohlen Sie mich nicht, Sie müssen mir keine Märchen auftischen um mich zu unterhalten!"

Dumbledores Ausdruck echter Überraschung blieb und mischte sich dann mit Mitleid; Snape kannte den Blick und sah sauer weg.

"Severus, du erstaunst mich wirklich! Wer, glaubst du denn, hat jedes Jahr am Heiligen Abend den Strumpf gefüllt, der mit denen der anderen Lehrer über dem Kamin auf Hogwarts hing? Und den ich immer für dich aufgehängt habe, weil du dich geweigert hast?"

"Na, Sie!" Snape konnte es nicht fassen, dass Dumbledore ihm so einen Bären aufbinden wollte.

"Naja, zugegeben, das war auch ich", räumte Dumbledore ein. "Aber nur, weil ich genau wusste, wie beschäftigt der Weihnachtsmann zu dieser Zeit ist, und dass er dankbar ist um jeden, der ihm Arbeit abnimmt."

"So ein Blödsinn! Das reicht jetzt wirklich!" Snape war jetzt ziemlich erbost; so einen Seemannsgarn konnte man vielleicht kleinen Kindern andrehen, aber doch nicht ihm!

"Beruhige dich." Dumbledore hob beschwichtigend die Hände. "Ich sehe schon, du glaubst mir nicht."

"Kein bisschen!" Snape sah ihn finster an. "Und selbst wenn ich es täte..."

"Wenn du es tätest, wärst du Feuer und Flamme, zu erfahren, wofür ich dich brauche", sagte Dumbledore überzeugt. "Ich erkläre es dir trotzdem. Hör zu!" Er ließ Snape keine Zeit zum Protestieren und fuhr gleich fort, ohne Luft zu holen. "Wie gesagt hat der Weihnachtsmann, auch Santa Clause genannt in der Region, die für uns in Frage kommt, zu Weihnachten wie man weiß immer furchtbar viel zu tun. Und wie ich ebenfalls schon erwähnte, freut er sich über jede helfende Hand, die ihm am Weihnachtsabend, also heute, unter die Arme greift." Er sah Snape an, ob es bei dem schon Klick gemacht hatte, aber der fuhr fort, ihn verständnislos und entnervt anzustarren. "Ich habe mich angemeldet", ließ Dumbledore die Katze aus dem Sack.

"Wie bitte?" Das musste wirklich ein Scherz sein.

"Oh ja!", nickte Dumbledore bekräftigend. "Es war für mich überhaupt keine Frage! Man sagte mir bereits zu Lebzeiten eine gewisse Ähnlichkeit mit ihm nach, und wenn ich mich in Rot kleide und mir ein Kissen unter die Jacke stopfe sehe ich aus wie..."

"Ein Vollidiot", ergänzte Snape den Satz.

"Der Weihnachtsmann", beharrte Dumbledore. "Ich bin wie geschaffen für den Job!"

"Herzlichen Glückwunsch."

"Und heute, am Weihnachtsabend, werde ich viele kleine Kinder sehr glücklich machen."

"Viel Vergnügen", knurrte Snape. "Erzählen Sie mir nicht, wie's war."

"Und nun kommst du ins Spiel!", machte Dumbledore weiter, als hätte er Snape nicht gehört. "Ich wiederum kann natürlich beim Geschenke verteilen auch ein wenig Hilfe brauchen."

"Ha!" Snape schnaubte halb amüsiert und halb ungläubig. "Sie versuchen, mich für eine Schinderei einzuspannen, die mir absolut kein Vergnügen bereiten würde und an die ich noch nicht mal glaube?"

Dumbledore sah ihn über den Rand seiner Halbmondgläser so an, wie er es früher schon immer getan hatte, und Snape spürte die Kälte, die ihn immer überkam, wenn er wusste, dass er eigentlich schon verloren hatte. "Ich habe geahnt, dass es nicht so einfach wird mit dir, Severus, darum habe hier etwas für dich." Er fischte einen zusammengefalteten Zettel hervor und reichte ihn Snape. Der nahm ihn misstrauisch aus den Händen seines ehemaligen Vorgesetzten und entfaltete ihn.

Lieber Severus, stand da,

Albus hat mir erzählt, dass du wohl nicht an mich glaubst. Dass du denkst, dass es mich gar nicht gäbe!

Diesem Irrtum unterliegen viele! Nun, lasse dich eines Besseren belehren!

Snape hob eine Augenbraue und warf Dumbledore kurz über dem Rand des Papiers einen prüfenden Blick zu. War er zu Lebzeiten schon, sagen wir mal, exzentrisch gewesen, war er jetzt eindeutig nicht mehr ganz dicht. Dass er auf so eine plumpe Fälschung hereinfallen sollte!

Es gibt mich wirklich, und um dich endgültig davon zu überzeugen, habe ich Albus etwas

mitgegeben, das seine Wirkung bestimmt nicht verfehlen wird. Erinnere dich an damals, und

denke daran, dass das gleiche auch einmal jemand für dich getan hat!

Ho ho ho!

Dein Weihnachtsmann!

Snape hob langsam, ganz langsam den Blick und ließ in demselben Tempo das Papier nach unten sinken. 'Das ist ja wohl das lächerlichste, was ich je gesehen habe', wollte er sagen, aber bevor er den Mund aufmachen konnte, hielt Dumbledore ihm bereits einige weitere Zettel entgegen, die ihm seltsam bekannt vorkamen. Stumm nahm er sie an sich, entfaltete den ersten - und ließ den Unterkiefer fallen. Was er hier vor sich sah, war ein Wunschzettel. Sein Wunschzettel. Er wusste nicht mehr, wie alt er gewesen war, als er ihn geschrieben hatte, vielleicht acht oder neun. Spielzeugbesen, stand da. Schokofrösche. Zaubertinte.

Hastig entfaltete er die anderen Zettel, einen nach dem anderen. Das war seine krakelige Kinderhandschrift, die er da vor sich sah, immer und immer wieder. Verwirrt und etwas beschämt raffte er die Papiere an sich und sah Dumbledore fast trotzig an. Der hatte nur ein mildes Lächeln für ihn übrig, das Snape rote Ohren bescherte.

"Siehst du, Severus, ich bin eben nicht nur ein alter Spinner. Wirst du mir jetzt helfen, die Geschenke zu verteilen? Wir kriegen sogar einen Rentierschlitten, ist das nicht toll?"

"Auf keinen Fall! Ich lasse mich hier doch nicht demütigen und schufte dann auch noch für Hunderte undankbarer Kinder!"

Dumbledore sah ihn an, und Snape schaute zurück, mit festem Blick, innerlich nichts als Wackelpudding. Den Augenkontakt hielten sie etwa eine Minute, bevor Dumbledore sagte "Du darfst etwas Schwarzes anziehen."

Snape stand auf. "Ich bin dabei."

Etliche Stunden später blickten sie beide vom Himmel nach unten, der eine in Schwarz, der andere in Rot, beide reichlich erschöpft und eine ganze Weile schweigsam. Dumbledore war schließlich derjenige, der die Stille beendete.

"Nun, Severus, das war wahrhaftig eine gute Tat."

"Mmh", machte Snape. "Vermutlich."

"Die leuchtenden Kinderaugen werden dir hoffentlich Dank genug sein." Dumbledore schmunzelte.

"Nein, aber danke der Nachfrage."

Dumbledores Schmunzeln wurde breiter. "Wie ich sehe, war die ganze Arbeit genau das richtige, um dich in angemessene Weihnachtssimmung zu bringen. Wie schön!"

Snape warf ihm einen finsteren Blick zu, der jedoch am anderen abglitt wie Wasser am Gefieder einer Ente. "Ziehen Sie mich nicht auf."

"Immerhin durftest du Schwarz tragen!"

"Ja, jede erniedrigende Arbeit lässt sich in Schwarz würdevoller ertragen. Das weiß ich seit jeher."

"Nun, nun", sagte Dumbledore mit ungebrochener Gelassenheit. "Macht es dich gar nicht glücklich zu wissen, dass du Hunderten von Kindern ein Lächeln geschenkt hast?"

Snape warf einen Blick zur Seite. "Wie lange kennen Sie mich?"

"Na schön, Severus, du hast gewonnen." Dumbledore erhob sich langsam und streckte sich ausgiebig. "Jede Minute wird es soweit sein, dass die Kinder im ganzen Land jetzt ins Wohnzimmer rennen und ihre Geschenke unterm Baum liegen sehen. Das möchte ich nicht verpassen, also werde ich es mir mit einigen Leuten ansehen, die sich ebenso darauf freuen."

"Wundervoll." Snape sah nicht zu ihm auf. "Habe die Ehre."

Dumbledore schien noch etwas sagen zu wollen, hob dann aber die Schultern und wandte sich zum Gehen. Snape seufzte erleichtert auf, zog die Knie an den Körper, schlang die Arme darum und starrte nach unten. Endlich allein. Jetzt konnte er das tun, worauf er die ganze Nacht lang gewartet hatte, und was selbst hier oben niemand sehen sollte.

Oben im Himmel saß Severus Snape auf seiner Wolke und... lächelte.