Date: 19. Dezember
Author: Cissylein
Category: Short Story
Characters/Pairing: ?
Genre: Drama/Romance
Rating: G
Disclaimer: Die Charaktere gehören Joanne, diese Story mir.
Es war bereits dunkel, als er mit eiligen Schritten durch die Winkelgasse hastete. Nur noch wenige Zauberer kehrten in die hell beleuchteten Läden ein, um letzte Weihnachtsgeschenke zu besorgen.
Er hörte die leisen, leichten Schritte neben sich, die versuchten sich seinem Tempo anzupassen. Der Schneefall war mittlerweile so dicht, dass er den Kopf tief zwischen seine Schultern zog und somit nicht die Person bemerkte, die sich in gleicher Haltung in seine Richtung bewegte. Erst der unsanfte Zusamenprall mit eben jener, ließ ihn inne halten.
"Oh", stieß er hervor und musterte die Frau vor sich.
Sie war vollkommen schwarz gekleidet, den einzigen Kontrast bildeten ihre weiße Haut und die blonden Locken, die unter ihrem Hut hervorquollen.
"Entschuldige" murmelte Narzissa Malfoy. "Ich war in Gedanken."
Lucius schüttelte nur lächelnd den Kopf. "Nichts passiert. Es ist schön dich zu sehen."
Er konnte sich nicht satt sehen an dem Gesicht, das ihm doch so vertraut war. Narzissa dagegen wich seinem Blick aus. "Du hast einen neuen Hauselfen?", fragte sie stattdessen.
Lucius blickte hinab zu dem Geschöpf, das unsicher von einem Bein aufs andere trat.
"Nun, genau genommen war sie für dich gedacht. Das sollte dein Weihnachtsgeschenk sein."
"Oh", machte Narzissa und musterte die Hauselfe neugierig.
"Sie könnte dir etwas unter die Arme greifen ... und dir Gesellschaft leisten."
Narzissa blickte ihn zum ersten mal an. Der Schmerz, den er in ihrem Gesicht fand, ließ nun ihn den Blick von ihr abwenden. Er deutete auf die bunten Pakete die durch den Zusammenprall im Schnee gelandet waren. "Sind das Weihnachtsgeschenke?"
"Ja", hauchte sie.
"Ist auch eins für mich dabei?", fragte er mir einem Schmunzeln.
"Ja."
"Hattest du auch vor, es mir zu geben?"
"Ich weiß es nicht..."
Für einen kurzen Moment trafen sich ihre Blicke. Lucius versuchte sie anzulächeln, doch es scheiterte kläglich. "Welches ist mein Geschenk? Das Große?"
"Nein", begann Narzissa zögernd, "das ... ist für Draco."
Lucius stutzte für einen Moment, doch dann lächelte er. "Das ist schön."
"Es....ging ganz automatisch. Ich ... hab sie ganz automatisch gekauft."
"Nein, es ist schön, ich finde es schön, dass du an ihn gedacht hast."
Narzissa sank zu Boden um die heruntergefallenen Geschenke einzusammeln, doch dann blieb sie auf ihren Knien mitten im Schnee sitzen und rührte sich nicht.
"Er fehlt mir so sehr", flüsterte sie.
Lucius widerstand dem Drang sie an sich zu pressen.
"Mir auch", entgegnete er. Er ließ sich zu ihr hinab und schob die herumliegenden, bunten Päckchen in den Beutel zurück. Dann strich er Narzissa eine Locke aus dem Gesicht.
"Und du fehlst mir auch. Dabei müsste das nicht so sein." Er fühlte eine heiße Träne über seinen Daumen laufen. "Wieso tun wir uns das an?", fragte er leise. "Wieso können wir uns in so einer Zeit nicht beistehen?"
"Wahrscheinlich weil wir uns gegenseitig zu sehr an ihn erinnern", sagte Narzissa mit einem kraftlosen Schulterzucken.
"Aber sollten wir das nicht auch? Er kommt nicht zurück, indem wir versuchen ihn zu vergessen."
Narzissa schüttelte energisch den Kopf. "Ich will ihn doch nicht vergessen."
"Siehst du." Er legte auch noch seine andere Hand an ihre Wange und zog sie näher zu sich. "Es hat uns schon vor unserem Sohn gegeben, Narzissa. Er war nicht der Grund aus dem wir geheiratet haben. Er war ein Beweis dafür, dass wir das Richtige getan haben, dass wir zusammen gehören. Nun da er uns genommen wurde ..." Er hielt inne und zog Narzissa an sich.
"Jeder von uns hatte genug Zeit nachzudenken und allein zu sein. Mir reicht es. Ich will bei dir sein. Für dich da sein."
Narzissa klammerte sich fester an ihn und schluchzte kaum hörbar.
Der Schnee fiel immer dichter auf sie herab und legte sich wie eine schützende Hülle auf ihre Wintermäntel.
Ein lautes Zähneklappern durchbrach die winterliche Stille. Die beiden Malfoys lösten sich von einander und drehten den Kopf.
Die Hauselfe neben ihnen zitterte am ganzen Leib und ließ unter ihrem Blick beschämt die Ohren hängen.
Narzissa überlegte einen Moment, dann zog sie einen dunkelgrünen Schal aus einem der Beutel und legte ihn vorsichtig um die schmalen Schultern der Elfe. Diese war so verwirrt über diese Geste und schien sich nicht zu trauen von der wohligen Wärme Gebrauch zu machen, dass Narzissa ihr den Schal nun ganz um den winzigen Körper wickelte. Die Ohren der Hauselfe stellten sich freudig auf und in ihren großen Augen machte sich Dankbarkeit breit.
"Du hast sie soeben frei gelassen", bemerkte Lucius mit einem verschmitzten Lächeln.
"Steif gefroren nützt sie mir nichts", erwiderte Narzissa ebenfalls lächelnd. "Und vielleicht bleibt sie ja freiwillig."
"Mistress ist zu gütig", piepste die Elfe, "Mistress sollte nicht allein sein an Weihnachten", fügte sie mit einem vorsichtigen Blick auf Lucius hinzu.
Die beiden Malfoys blickten sich erneut an. Dann küssten sie sich, und nichts fühlte sich richtiger an, in dieser Welt.
"Ich hoffe, dass sie bleibt", flüsterte Lucius an ihren Lippen. "So sehr ich dich auch liebe, aber deine Backkünste sind grauenhaft und ich möchte an Weihnachten nicht auf Plätzchen verzichten müssen."
Narzissa lachte, und für Lucius gab es in diesem Moment keinen schöneren Klang.
"Debby kann gut backen", piepste die Elfe mutig, "Debby macht Master und Mistress leckere Plätzchen, wenn sie zusammen nach Hause gehen."
Sie lächelten.
"Nimmst du mich zurück?", fragte Lucius.
"Wenn das die einzige Möglichkeit ist mit der ich diese Hauselfe dazu bringe freiweillig bei mir zu bleiben ... dann ... ich denke ja."
Es war schon lange dunkel, als sie die Winkelgasse mit ruhigen Schritten verließen.
