4.Kapitel – Am Meeresboden

Lara schmiss sich auf das Bett und wollte einfach nur schlafen. Sie war völlig fertig von der Anreise. Sie hätte nie mit dem Taxi hierher fahren sollen.

Der Typ ist doch völlig verrückt!, ging es ihr durch den Kopf. Der Fahrer hatte sie zweimal zum falschen Hotel gebracht. Zweimal! Und dann noch diese lange Schlange vor der Rezeption! Die Archäologin wäre am liebsten sofort wieder zum Flughafen gefahren…aber sicher nicht mit demselben Taxi…mit keinemTaxi!

Da hörte sie ihr Handy klingeln.

„Hallo?", brachte sie gerade noch so raus.

„Hi Lara! Wir sinds!", hörte sie Zips Stimme.

„Ah...hallo Jungs! Na, wie geht's euch?"

„Uns ganz gut. Aber wir wollten wissen, wie es dir geht?", hörte sie nun Alister.

„Ach frag gar nicht. Ich bin völlig fertig!"

„Das hört man!", erwiderte Zip.

„Ich glaube ich mach mir jetzt eine Tasse englischen Tee und dann leg ich mich schlafen. Also bis Morgen Jungs!", beendete Lara das Gespräch und legte ihr Handy auf das kleine Nachtkästchen neben ihrem Bett.

„Gut hier wären wir.", sprach Lara in ihr Headset. Mit neuer Energie und voller Eifer stieg sie in das Motorboot.

„Du müsstest nach etwa 100m an eine kleine Felsengruppe kommen. Weitere 50m nach rechts und findest eine winzige Insel, an der du dein Boot abstellen kannst.", sagte Zip in ihr Ohr.

„Na dann mal los!"

Mir rasender Geschwindigkeit fuhr die Archäologin über das Wasser. Der Wind brauste ihr ins Gesicht und lies ihre Haare über dem Kopf tanzen.

Als sie die kleinen Felsen sah, bog sie sofort nach rechts und kam letztendlich bei der winzigen Insel an.

„So…hier wären wir.", berichtete sie ihrem Computerfreak.

Mit Taucheranzug, Flossen, Atemmaske, Messer und Luftflasche ausgestattet, ging Lara ein Stück ins Wasser hinein und tauchte dann unter.

Sie schwamm einige Zeit und sah ein wunderschönes Korallenriff und lauter farbenfrohe Fische.

„Lara? Kannst du mich hören?", hörte sie Zip sagen.

„Klar und deutlich! Nicht schlecht das neue Headset.", sprach sie in die Atemmaske hinein.

„Gut zu wissen!"

Nach einigen weiteren Metern, wurde es langsam dunkel.

Zeit für etwas Licht, ging es Lara durch den Kopf und schaltete ihr LPS an.

Nun konnte sie eine kleine Schlucht auf dem Meeresboden erkennen. Entschlossen schwamm sie hinein.

„Lara schau! Ich glaub da ist eine Art Durchgang!", hörte sie Zip.

Auch die Archäologin erkannte das kleine Loch der steinernen Wand und näherte sich diesem. Kurz bevor sie hinein schwamm, legte Lara ihre Hände an die Steinwand und guckte in das Loch. Es war nicht viel zu sehen. Außer einigen Pflanzen, die sich von der leichten Strömung hin und her bewegten. Schon im nächsten Moment streckte Lara ihren Körper und schwamm in den Tunnel. Sie musste sich durch einige Algen und andere Pflanzenarten kämpfen, bis sie auf der anderen Seite des Tunnels erreichte.

Nun befand sie sich in einem großen, runden geflutetem Raum.

„Wow! Lara sieh dir das an!", sagte Alister.

Lara blickte sich kurz. Einige Säulen und Statuen waren hier. Jedoch zerbrochen und voller Wasserpflanzen. Lara berührte einige der Säulen und schwamm dann an eine der Wände. Die Archäologin konnte einige Inschriften erkennen.

„Ich erkenn diese Schrift hier nicht…", stellte sie fest und fuhr mit ihren Fingern über die Gravuren.

War dieser große Raum vielleicht ein Tempel der versunkenen Insel Montek?

„Alister. Kommt dir diese Bauweise irgendwie bekannt vor?"

„Nicht das ich wüsste.", antwortete dieser.

Plötzlich drehte Lara sich blitzartig um. Sie dachte einen Schatten gesehen zu haben.

„Lara? Was ist los?", hörte sie die besorgte Stimme von Zip.

„Ich glaube ich habe etwas ge…"

Aber die Archäologin wich schlagartig nach rechts aus.

Ein Hai.

„Ach du scheiße! Lara! Sofort weg da!", hörte sie ihre Jungs wie aus einem Mund schreien.

Argh…sonst habe ich die Harpune immer dabei…machte sich die junge Frau selbst Vorwürfe. Aber dafür war jetzt keine Zeit. Der Hai startete einen neuen Angriff und verfehlte Lara dabei nur knapp.

Voller Panik schwamm Lara durch den ganzen Raum, auf der Suche nach einem Ausweg. Im letzten Augenblick suchte sie Deckung hinter einer Säule. Der Hai krachte in diese hinein. Sekunden später, zerbrach die Säule und landete Stückchenweise auf dem Grund.

Schnell schwamm die Archäologin nach oben und entdeckte ein kleines Loch.

Doch da sah Lara, wie ein Stienbrocken von oben viel. Sie schaffte es nicht früh genug auszuweichen und hörte, wie der Stein ihre Luftflasche traf.

Jetzt konnte der jungen Frau nur noch ihre Lungen- und Beinarbeit helfen.

Mit voller Kraft schwamm Lara nach oben. Sie wusste nicht wie lang aber es kam ihr wie eine Ewigkeit vor.

Da spürte sie, wie etwas ihren Fuß kurz berührte. Der Hai hatte die Archäologin wieder nur knapp verfehlt.

Jetzt musste Lara auch noch nur mit einer Flosse zurecht kommen.

Langsam taten ihre Arme und Beine weh. Als sie dachte, dass ihr Ende schon nahe war, hatte sie endlich das Loch erreicht.

Mit allerletzter Kraft zog sich Lara an einer Kante hoch. Als sie ihren Körper mit letzter Kraft auf dem Wasser zog, riss sie ihre Atemmaske vom Gesicht und warf die Luftflasche zu Boden. Keuchend legte sich Lara auf den erdigen Boden.

„Lara! Lara! Hörst du uns?"

„Keine…keine Angst Jungs. Mir...mir geht's gut….", stöhnte die Archäologin.

Zip und Alsiter atmeten erleichtert auf.

Etwas benommen setzte Lara sich auf die Knie. Sie verweilte einige Zeit in dieser Position, bis sie wieder ganz bei Kräften war.

Und jetzt?", sprach sie ins Headset.

„Ich glaube durch die Kamera haben wir einen kleinen Gang gesehen. Den würde ich mir vorknöpfen.", sprach Alister.

Lara drehte sich um und fand einen kleinen Spalt, durch den sie sich gerade noch so durchzwängen konnte. Sie fühlte die weiche Erde auf ihren Knien und spürte, wie diese sich unter ihre Nägel vergrub. Je weiter sie ging, desto kühler wurde es.

Nach wenigen Metern sah sie den Ausgang.Als sie sich endlich wieder etwas strecken konnte, erblickte sie einen weiteren runden Raum. Von der Bauweise und Struktur her eigentlich genau der Gleiche, in dem sie den Hai begegnet war. Doch dieser hier war nicht geflutet.