Tada ;)
8.Kapitel - Die Balja
Während die Dinkas auf den Regnwald zustürmten und einige Schutz in ihren Zelten suchten, kroch Lara aus dem Kessel und lief dann Richtung Freiheit. Doch da fiel ihr ein, dass sie ohne Ausrüstung war.
Wo sind meine Sachen?
Die junge, noch immer nasse Frau, sah sich im Dorf um. In der Mitte der kleinen Siedlung war kein Mensch zusehen. Weiter hinten sah sie, wie ein großer Haufen Menschen gegeneinander kämpften.
Vielleicht da?
In der Hoffnung die richtige Wahl getroffen zu haben, lief sie in ein großes Zelt, wo sie glaubte, dass Waffenlager der Dinkas vorzufinden.
Geht doch!
Fortuna schien auf Laras Seite zu sein. Schnell steckte Lara ihre Waffen ein, steckte Fernglas, Magnethacken und Headset an richtige Stelle und packte noch eine kleine Axt ein.
Schnell lief sie raus und ohne noch mal zurückzuschauen verließ sie das Dorf mit hohem Tempo.
Nach einigen Sprüngen über Wurzeln und Gruben, schien sie in Sicherheit zu sein, doch da schlug sie gegen etwas, das sich als ein muskulöser Eingeborener entpuppte.
Lara stolperte einige Schritte zurück und raffte sich wieder zusammen. Der Eingeborene war mindestens 30cm größer als sie, war braun gebräunt und hatte seine langen schwarzen Haare zu einem lockeren Pferdeschwanz zusammengebunden. Sein Oberkörper wirkte steinhart doch gleichzeitig so weich. Er trug eine kurze Hose aus hellem Leder. Die Augen des Mannes erstrahlten im hellen Grün.
„Kommen sie am besten mit mir mit, bevor wir den Dinkas zum Opfer fallen.", sagte der Unbekannte mit einer ruhigen Stimme und schaute Lara ernst in die Augen.
Die Archäologin wunderte sich warum der Mann Englisch sprach, doch schenkte ihm keine Beachtung und rannte weiter. Im nächsten Moment spürte sie ein Stechen im Hals. Sie führte ihre Hand zu der Stelle und zog einen winzigkleinen grünen Pfeil heraus. Lara schaute nach hinten und sah, wie der Eingeborene etwas in seiner Tasche versteckte und näher zu ihr kam. Sie wollte weiterlaufen, doch ihre Beine versagten und brachten sie zu Fall. Das letzte was sie sah, waren die hellgrünen Augen des Mannes.
Lara machte ihre Augen langsam auf und streckte sich. Sie war auf einer Pritsche, die mit weichem Leder überdeckt war und sich in einem runden Gebäude befand, das aus Lehm zu bestehen schien.
Auf der anderen Seite des Raumes sah sie zwei Eingeborene, die auf dem Boden saßen und Früchte aßen.
Erst jetzt fiel Lara auf, dass sie ihren Gurt und Rucksack nicht mehr anhatte. Auch ihr Headset fehlte. Schnell drehte sie ihren Kopf in alle Seiten und sie wurde fündig. Ihre Sachen lagen nicht weit von den zwei Eingeborenen auf einem kleinen Tisch.
Lara kniete sich hin und schmiegte schon einen Plan
Nur die beiden loswerden, dann meine Sachen und nichts wie raus hier…
Die Archäologin schaute sich die zwei Eingeborenen genauer an und einen erkannte sie sofort wieder. Es war dieser muskulöse Mann, gegen den sie im Wald gelaufen ist. Noch immer spürte sie ein leichtes drücken im Brustbereich.
Neben ihm saß eine junge Frau, die ein kurzes rotes Kleid trug, das sie anscheinend selbst gestrickt hatte. Ihre Haare waren schulterlang und ebenfalls schwarz.
Was ist das für ein Stamm? Jedenfalls sieht es so aus, als ob er ziemlich fortgeschritten wäre. Und warum kann dieser Mann Englisch sprechen?
Der Mann hatte wohl bemerkt, dass Lara aufgewacht war und stand auf. Er kam zu ihr mit einer Schüssel voller Früchte.
Lara blieb knien und schaute ihm ins Gesicht, in der Hoffnung einen Hauch von Bosheit in den hellgrünen Augen zu finden. Doch nichts…
„Wollen sie vielleicht etwas essen? Sie müssen sicher ausgehungert sein. Sie haben schließlich drei Tage geschlafen.", lächelte er.
Drei Tage?!
Schockiert riss die junge Frau ihre Augen auf.
„Hm...ich kann sie verstehen. Meine Frau war die ganze Zeit bei ihnen und versorgte sie. Sie hat sich Mühe gegeben!", sagte der Eingeborene stolz.
Lara guckte immer noch verwundert.
„Oh. Entschuldigt mich. Ich hab mich noch gar nicht vorgestellt. Mein Name ist Tawarin. Der Sohn des Häuptlings Boahwe. Und das da hinten ist meine Frau Coco." Er lächelte ihr zu und sie erwiderte es.
Coco war bildhübsch dachte sich Lara. Auch Tawarins Frau hatte hellgrüne leuchtende Augen. Die beiden waren wie füreinander geschaffen.
„Aschoco tawalia mecu.", sagte sie zu ihrem Mann.
„Jena. Mecu tawai!", antwortete er ihr.
Coco lächelte Lara zu und verließ dann den Raum.
Tawarin wandte sich nun wieder Lara zu.
„Dürfte ich vielleicht ihren Namen erfahren?"
„Eh…mein Name ist Lara. Lara Croft. Ich komme aus England.", sagte sie.
„England?! Mein Vater hat mir viel davon erzählt.", murmelte der Mann.
Laras Magen knurrte. Augenblicklich griff sie in die Schüssel und schnappte nach einer Frucht von roter Farbe.
Tawarin lächelte nur.
Die Frucht war köstlich. Als Lara fertig war legte sie den Rest auf den Boden und schnappte sich noch mal eine Frucht. Diesmal eine lilafarbene. Auch sie schmeckte himmlisch.
„Tawarin…warum können sie Englisch sprechen?", fragte Lara ohne weiter nachzudenken, als ihr Magen mit Früchten gefüllt war.
„Mein Vater hat es mir beigebracht, als ich noch klein war…er erzählte, dass vor langer Zeit, zu Lebzeiten meines Urururururgroßvaters Menschen von fern hierher kamen. Fünf von ihnen freundeten sich mit ihm an und halfen ihn beim entwickeln unseres Stammes. Sie brachten ihm Englisch bei und viele andere Sachen. Wie das Bauen von solchen Hütten, das Nähen von Kleidung und vieles mehr. Die fünf Männer wurden aber umgebracht, weil sie beim Klauen von Vorräten der fremden Schiffe erwischt wurden!", erzählte er.
Lara kam das komisch vor…warum sollten Engländer einem Eingeborenen all das beibringen? Damals kamen wohl Engländer mit nach Amerika, als die Plantagen der Eingeborenen ausgenutzt wurden. Sie schmuggelten sich wahrscheinlich auf die Schiffe und wollten hier ein neues Leben anfangen.
Ja…diese Theorie kam Lara plausibel vor.
„Du befindest dich hier bei den Baljan Lara. Wir werden dir nichts Böses tun. Du brauchst keine Angst zu haben.", versicherte Tawarin mit einer sanften Stimme.
„Was führt dich eigentlich hier her Lara?"
Das Duzen kam Lara etwas unhöflich vor. Doch das war wohl üblich hier bei den Baljan.
„Ich bin Archäologin von Beruf und auf der Suche nach einem Artefakt. Ich bin hier, weil ich denke, dass sich hier vielleicht ein Teil des Artefakts befinden könnte. Und zwar im Tempel der Dinkas."
Tawarin machte ein nachdenkliches Gesicht.
„Ich glaube wir könnten uns gegenseitig helfen Lara."
Lara wurde optimistisch. Vielleicht waren die Balja der Schlüssel zum Erfolg.
„Es ist schon spät Lara. Ich werde mich nun zu meiner Wohnung begeben. Falls du noch etwas brauchst - gehe einfach raus.", sagte er und verabschiedete sich.
„Danke.", erwiderte Lara.
Als Tawarin endlich draußen war, eilte die Frau zu ihrem Headset. Sie steckte es sich schnell ans Ohr und suchte dann begierig nach der richtigen Frequenz.
Endlich…
„Zip? Hallo? Bist du da?"
Keine Antwort.
Zip! Geh doch endlich ran!", sagte sie nun etwas lauter.
Wieder nichts.
„Zip, verdammt!", schrie sie schon fast. Glücklicherweise hatte es keiner von draußen bemerkt.
„Hm…wasn los?"
„ZIP! Wie gut deine Stimme zu hören! Ich bins Lara!"
„Lara? LARA! Mann du lebst! Wir dachten schon du wärst tot!", hörte sie Zips erleichterte Stimme, „Wo bist du? Was ist passiert? Wie…"
„Nur mit der Ruhe. Hol erstmal Alister und Winston. Ich werd euch alles erzählen!", sagte Lara glücklich und machte es sich auf ihrer Pritsche gemütlich.
Ich hoffe, dass euch die Geschichte bis dahin gefällt! :)
